3 Geschichten – 3 Eindrücke | Sofie Sarenbrant – Hannah Kent – Mads Peter Nordbro

Diese Geschichten stellt Euch Kerstin heute vor

Mord und Totschlag hoch oben im Norden
Schweden – Island – Grönland


Thriller/Krimi
„Die Tote und der Polizist“
~ Sofie Sarenbrant ~

Achtung – diese Kurzmeinung spoilert zu den ersten zwei Vorbänden!

Stockholm, Schweden. Emma Sköld ist im letzten Band gestorben, denken die meisten ihrer Familie und Kollegen. Aber Emma ist putzmunter und hat als einzigen Mitwisser ihren Vater und einen Arzt an der Seite. Nun gilt es ihrem Vorgesetzten Gunnar, den Polizeichef, zu überführen, denn er ist einer der Polizisten, die ihren Tod wollten.
Sie ermittelt verdeckt und kommt den Männern immer mehr auf die Schliche, denn da ist noch die Sache mit den ermordeten Obdachlosen.

Der dritte Band hat mir deutlich besser gefallen, als der zweite. Hier geht es wieder deutlich mehr um Emma. Sie, als „Mordopfer“, bringt ihre Emotionen und Gedanken wieder mit ein. Nachdem sie bereits einmal Opfer eines Anschlages wurde, kann sie nun wieder agieren. Mir war es allerdings etwas suspekt, dass sie als einstige, ans Bett gefesselte Komapatientin, so schnell genesen war. Auch ihre Tochter, die doch eine sehr wichtige Rolle spielte, geht wieder unter und scheint mir nur Mittel zum Zweck.
In diesem Band hat mich die Hintergrundgeschichte zu den Obdachlosen sehr interessiert. Das Schicksal einer Frau dabei sogar sehr. Wie Emma allem auf den Grund geht und ob sie letztendlich das Schlimmste verhindern kann, müsst Ihr aber selbst erhören oder erlesen.

Spannung á la Thriller kann ich dieser Geschichte nicht bescheinigen, es war mir eher wie ein unterhaltsamer Kriminalroman. Eine fast schon typische schwedische Geschichte, mit Ermittlern, deren Privatleben groß exerziert wird, aber letztendlich doch nichts zu dem Inhalt beiträgt, außer Abschnitten, die man sich hätte sparen können.
Die Sprecherin hat dennoch einen gute Job gemacht. Dank ihrer Intonierung kamen die Sorgen und Nöten aller Beteiligten sehr authentisch rüber. Sie hat mit ihren leisen Tönen für unterschwellige Spannung gesorgt und konnte auch deutlich wütende und aggressive Stimmungslagen transportieren.

Wertung: ★★★☆☆

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Buchdetails
Titel: Die Tote und der Polizist
Buchreihe: 3. Band der Emma Sköld Reihe ~ gekürzte Lesung
Autorin: Sofie Sarenbrant | Sprecherin: Julia Fischer
Verlag: Audio Media Verlag | [Printausgabe bei Rütten & Loening ]

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Historischer Roman
„Das Seelenhaus“
~ Hannah Kent ~

Achtung – man sollte den Hintergrund zu Agnes Magnúsdóttir nicht vor dem Hören oder Lesen recherchieren!

Es ist das Jahr 1828, Island. Ein grausamer Doppelmord hat zur Folge, dass zwei Frauen und ein Mann zum Tode verurteilt werden. Die Mägde und der Knecht warten nun auf die Vollstreckung des Urteils. Eine von ihnen ist Agnes. Die Anfang 30jährige wird bis zu diesem Zeitpunkt auf dem Kornsáhof untergebracht und genau hier fängt die Geschichte des Seelenhauses erst richtig an.

Natan Ketilsson war einer der zwei Ermordeten. Ein Mann um den sich viele Gerüchte und Legenden rankten. War sein Tod wirklich so, wie es allen erschien oder lagen da ganz andere Dinge im Argen?
Im Wechsel der beiden Sprecher erfährt man immer mehr und auch wenn die Autorin einiges selbst hineininterpretiert hat, kommt da sehr viel historisch Belegtes zur Sprache.
Die Sprecherin Vera Teltz (eine, der ich übrigens immer sehr gerne lausche) gibt Agnes eine Stimme. Sie lässt alles geschehene Revue passieren und führt einen ganz tief hinein in dieses karge, kalte Land in dem man doch das ein oder andere wundervolle Etwas entdecken kann, wenn man nur genau hinschaut.
Tobias Kluckert übernimmt den Part des neutralen Erzählers und gibt auch dem jungen Pfarrer Tóti die Stimme. Dieser wurde als Begleiter für und von Agnes ausgewählt. Er ist es der Zweifel an Schuld und Unschuld in sich trägt und damit einen inneren Kampf gegen Glauben und Wissen führt.

Die Stimmung in der Geschichte sehr melancholisch, düster und traurig. Es geht nicht um Effekthascherei, sondern vielmehr um die Darstellung der damaligen Begebenheiten. Wie extrem die Lebensbedingungen in dem von Dänemark regierten Land waren. Mich hat es so fasziniert zuzuhören, wie in den Torfhäusern gewohnt wurde. Welch einfachste Mittel nötig waren um das tägliche Überleben zu sicher und ganz besonders, wie sehr die Frauen genau das meisterten ohne auch nur eine Spur von Anerkennung zu erhalten. Ganz im Gegenteil sogar. Sie waren ausgeliefert, den Jahreszeiten genauso wie den Männern. Eine Schufterei von Morgens bis Abend. Kinder gebären, mehr als einmal lebensunfähig, um danach direkt wieder im Haus und dem Hof zu ackern.

Agnes Schicksal, ihr Leben, die realen Hintergründe und ihre Tage vom Urteil an, wurden von der Autorin akribisch recherchiert. Dank gut erhaltener Kirchenbücher, Gerichtsakten und Unterlagen aus dem Fundus mancher der Orte, konnte vieles offengelegt werden. So kommen unweigerlich Fragen auf. War die Behandlungen der verurteilten Frauen gerecht oder einfach nur unmenschlich? Warum wurden sie in Ketten gelegt, geschlagen und vernachlässigt? Wurde mit zweierlei Maß gemessen und letztendlich einfach drauflos verurteilt?

Eine Geschichte mit fiktionalen Elementen aber ganz viel historisch belegtem Hintergrund. Sie ging mir unter die Haut geht und besonders zum Schluss hin, war ich sehr froh eben nicht im Vorfeld über Agnes und ihr Schicksal recherchiert zu haben.

Wertung: ★★★★★

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Buchdetails
Titel: Das Seelenhaus
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Hannah Kent | Sprecherin und Sprecher: Vera Teltz & Tobias Kluckert
Verlag: Hörbuch Hamburg | [Printausgabe bei Droemer Knaur]

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Grönland-Thriller
„Eisrot“
~ Mads Peder Nordbro ~

Achtung – in dieser Geschichte kommt es zu expliziten Darstellungen von verstümmelten Opfern und ist damit nicht für jeden geeignet. Auch die Thematik um sexuellen Missbrauch von Kindern kann deutlich triggern!!!

Gegenwart: eine mumifizierte Leiche im Eis Grönlands scheint der Fund schlechthin zu sein. Matthew Cave, der trotz seines amerikanischem Name ein waschechter Grönländer ist, geht seiner journalistischen Tätigkeit nach und erhofft sich damit einen Durchbruch in seiner Karriere. Allerdings gibt es bereits einen Tag später an der Fundstelle ein Todesopfer und die Mumie ist spurlos verschwunden.
Nun ist Matthews Ehrgeiz geweckt und er findet parallelen zu einer Mordserie aus den Siebzigerjahren. Als unerwartete Hilfe bekommt er die Grönländerin Tupaarnaq an seine Seite. Diese junge Frau soll als Jugendliche ihre eigene Familie niedergemetzelt haben und saß dafür jahrelang im Gefängnis.
Was hat die mit dem neuen Mordfall zu tun und wie hängen die Taten aus den Siebzigerjahren damit zusammen?
Man kann wunderbar mit rätseln, eigene Verdächtige sind schnell gefunden und doch dreht man sich lange im Kreis, ohne das es langweilig wird.

1973: drei grausam ermordete Männer wecken den Ehrgeiz des Polizisten Jakob. Diese drei Männer standen im Verdacht ihre eigenen Töchter missbraucht zu haben und Jakob ist ihrer Schuld absolut bewusst. So fängt er an zu graben und zu suchen und hat bereits einen vierten auf seiner Liste. Doch wer tötet diese Männer und warum so grausam? Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sehr einflussreiche Personen etwas damit zu tun haben und als er eines der Mädchen in seine Obhut nimmt, sind beide ihres Lebens nicht mehr sicher.

Der Sprecher Maximillian Laprell nimmt einen mit in das heutige und damalige Grönland. Er offenbar viel aus der Kultur der Grönländer, vom Robbenfang bis hin zu den schlechten Lebensbedingungen. Mit den wechselnden Szenerien und damit den Sprüngen von Gegenwart und Vergangenheit, bekommt man immer mehr Einblicke in die Ermittlungen. Man erfährt von Verschleierungen und der Tatsache das besonders die Mädchen nichts anderes waren als hilflose, missbrauchte Opfer denen keiner zur Seite stand und die niemand interessierte.
Einzig der Polizist scheint dagegen anzugehen und schreibt alles in einem Notizbuch nieder. Genau dieses findet Matthew und damit werden ihre Geschichten miteinander verwoben. Sehr spannend und geschickt umgesetzt.

Die Darstellungen sind teilweise sehr heftig. Die Geschichte beginnt schon mit einer grausamen Mord. Wie die Opfer zu Tode kamen hat etwas mit dem Robbenfang zu tun, mehr sage ich nicht dazu, es ist blutig und es ist furchtbar.
Deutlich schlimmer dagegen empfand ich aber die Situationen der Mädchen. Auch wenn es dazu keine expliziten Darstellungen gibt, kann man es sich sehr gut erhören oder erlesen und das lässt einen nicht mehr los. Die Tragweite wird einem erst zum Ende hin bewusst und schockiert sehr.

Irgendwie musste ich bei Tupaarnaq sofort an Lisbeth Salander denken und bei Matthew an Mikael Blomkvist. Was mich aber nicht störte, ganz im Gegenteil sogar. es waren diese erfrischend neuen Charaktere, die trotz der Assoziation doch ganz anders sind.
Für das Hörbuch gibt es eine absolute Hörempfehlung – wenn man denn mit dem Inhalt umgehen kann.

Wertung: ★★★★★

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Buchdetails
Titel: Eisrot
Buchreihe: Einzelband ~ ungekürzte Lesung
Autor: Mads Peder Nordbro | Sprecher: Maximilian Laprell
Verlag: Audio Media Verlag | [Printsausgabe bei]


Wir lesen und hören viele Bücher & Hörbücher. Da wir nicht täglich eine Rezension schreiben möchten und können, haben wir uns entschlossen, zukünftig immer mal drei Geschichten mittels einer Kurzmeinung darzustellen.

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-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Kerstin,
Jetzt hast du mich aber sehr neugierig auf „Seelenhaus“ gemacht. Wahre Fälle üben ja eh immer einen besonderen Reiz auf mich aus. Und wenn es dann auch noch so gut recherchiert und gut geschrieben ist, dann klingt das doch echt gut. Den Titel werde ich mal im Hinterkopf behalten, wenn ich das nächste Mal durch unsere Stadtbibliothek stöbere. :)
Liebe Grüße, Julia