3 Geschichten – 3 Eindrücke | Mats Strandberg, Mick Finlay, David Mitchell

Jannas dreierlei Genres


„Die Knochenuhren“ von David Mitchell

Inhalt laut Verlag:

An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 läuft die junge Holly Sykes voller Wut von zu Hause fort. Auf ihrer ziellosen Flucht begegnet sie einer alten Frau, die ihr eine sinnlos erscheinende Nachricht mit auf den Weg gibt. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly versteht, was die alte Frau für ihre Existenz bedeutet, aber nach und nach merkt sie: Hinter der Wirklichkeit, die sie kennt, verbirgt sich unendlich viel mehr …

Über 26 Stunden Hörzeit und doch nur bei den Kurzmeinungen zu finden, denn die Geschichte im Gesamten wiederzugeben würde sie nur zerstören. Die Geschichten um Holly, um das Leben, um das was geschehen könnte …

Die 80er bis hin in eine Zukunft, in der wir selbst noch nicht leben. Eine Geschichte die etwas Zeit braucht, um hineinzufallen, mich dann aber vollends einnahm. Ein Buch da sich reeller Katastrophen ebenso bedient wie den phantastischen Elementen und somit eine komplexe Erzählung wird, welche immer mehr einen Sog entstehen lässt, wohin die Reise geht. Hollys Reise. Und ja, ich war kurz gewillt das Hörbuch abzubrechen. Ein junges Mädchen das von zu Hause wegläuft, Ereignisse die sich mir nicht erschlossen und ein Wechsel auf den ich nicht vorbereitet war.

Denn es bleibt nicht bei Holly, es folgen weitere Perspektiven und das Besondere an dieser Geschichte ist die Art der Erzählung! Mit Holy beginnt die Geschichte, mit Holly endet sie. Doch dazwischen sind andere Protagonisten zu hören, allesamt, so wie Holly auch, aus der Ich-Perspektive. Ihr Freund, ihr Mann, der beste Freund. Und ebenso begegnete ich auch Holy immer wieder, nur eben aus der Entfernung. Dies gefiel mir unheimlich gut, da mir eine Geschichte bislang nicht so erzählt wurde. Und der Sprecher Johannes Steck ist grandios! Wie er die unterschiedlichen Charaktere zum Leben erweckt, die Akzente spricht und einfach sehr einnehmend in seinem Lesen ist, mehr von ihm!

Was die Message betrifft habe ich in verschiedenen Rezensionen, die ich vor meinem Kauf las, wahrgenommen und auch innerhalb der Geschichte gefunden. Die Entwicklung der Menschheit, unsere Erde die immer weniger gibt und umso mehr nimmt. Krieg, Hass und Wandel. Dennoch sollte man sich den phantastischen Elementen darin bewusst sein – nicht die Entwicklung der Welt, aber in Bezug auf die Ereignisse, den Wandler*innen und den Wiedergeborenen.

Wertung: ★★★★☆
Buchdetails
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Titel: Die Knochenuhren
Buchreihe: Einzelband
Autor: David Mitchell
Sprecher: Johannes Steck

Verlag: Kuebler | Printausgabe: Rowohlt

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„Die Überfahrt“ von Mats Strandberg

Inhalt laut Verlag

Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostseefähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen ihres Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich. In dem ganzen Trubel bleiben die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das Schiff, und es wird zur tödlichen Falle …

Ich hatte mir wirklich viel von dieser Geschichte versprochen, vielleicht zu viel. Nicht das die Geschichte schlecht ist, sie packte mich nur einfach nicht gänzlich. Ein uraltes Grauen (siehe Inhalt) kann vieles sein, aber auf jeden Fall etwas Böses und mystisches – so viel kann ich wohl an dieser Stelle verraten. Und das ist es, was ich erwartet hatte … und nicht wirklich bekam. Nicht weil es fehlte, sondern weil die Geschichte einen Fokus einnahm, welcher nicht gänzlich ausgearbeitet wurde.

Es wird blutig, es gibt Tote und der Gedanke hinter der Geschichte hat absolut seinen Reiz, nur fehlte mir das kleine Fünkchen Etwas. Das es ruhig erzählt wurde ist hierbei auch gar nicht mein Kritikpunkt, sondern dass dem innerem Kampf so wenig Raum gegeben wurde. Die Reaktionen und Handlungen der einzelnen Protagonist*innen konnte ich vorab erahnen und die Angst ging mir nicht unter die Haut oder peitschte mich durch die Geschichte.

Ich weiß nicht ob bestimmte Äußerungen verschiedener Protagonist*innen zur Charakterisierung dienten oder sich schlichtweg keine Gedanken gemacht wurde, aber da war die ein oder andere sexistische Bemerkung, die mir aufstieß. Natürlich, Dan, dieser Protagonist lebt das Arschloch-Dasein wahrhaftig. Aber genau das fand ich u.a. schade im Hinblick auf seine Veränderung. Ich hätte es weitaus interessanter gefunden, wenn er jemand gewesen wäre, der nicht direkt unsympathisch ist und dann im Verlauf der Geschichte die Rolle des Antagonisten einnimmt. So war sein Verhalten und Tun vorhersehbar und das, was mit ihm geschah, wenig überraschend.

Ich mochte die Idee dahinter, aber ich hätte mir mehr Intensität gewünscht! Nicht in Bezug auf den Horror, sondern dessen was die Mutter aus dem Klappentext antreibt. Auch die Angst hätte intensiver skizziert werden dürfen, hier fehlte es mir einfach an Feinheiten. Was mir gefiel waren die Einblicke danach, wenn dieses Grauen jemanden zurückließ, am Leben ließ. Die Gedanken dieser Person, die Unfähigkeit sich zu erinnern, aber dennoch etwas zu fühlen, diesen Blickwinkel hätte ich gerne mehr begleitet. „Das Heim“, das zweite Buch des Autors, wartet bereits in Printform auf mich, wieder mystisch, aber – soweit ich das beurteilen kann – mit einem anderen Schwerpunkt. Wenn Mats Strandberg sich steigert werde ich ihn auch zukünftig lesen. Wenn es sich jedoch ähnlich wie bei seinem Debüt entwickelt, werde ich wohl lieber zu anderer Horror-Literatur greifen.

Randnotiz:
Bei einem Debüt mit „Der schwedische Stephen King“ zu werben, nun ja … nein! Ich finde das ein*e Debüt-Autor*in nicht mit namenhaften Autor*innen verglichen werden sollte, egal wie gut die Geschichte sein mag.
Ich hätte wohl auch nicht zu viel vorweggenommen, wenn ich geschrieben hätte, um welches Grauen es sich handelt. Aber manchen Leser*innen wäre dies vielleicht einem Spoiler gleichgekommen, also bekommt Ihr es in weiß geschrieben – für die ganz Neugierigen unter Euch! Einfach das Wort zwischen den zwei Balken markieren: | Vampire |

Wertung: ★★★☆☆
1 Buch – 2 Meinungen: Kerstins Rezension
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Titel: Die Überfahrt
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Mats Strandberg
Sprecher: David Nathan

Verlag: Argon | Print: Fischer Tor

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„Arrowood – In den Gassen Londons“ von Mick Finlay

Inhalt laut Verlag:

Privatdetektiv William Arrowood ist ein Mann vieler Talente – und einiger Laster. Die Tagelöhner und Straßenmädchen im armen South London können sich keinen besseren Detektiv leisten und kommen daher mit allen Anliegen zu ihm. Voller Verachtung und Neid blickt er über die Themse auf seinen bekannten Kollegen Sherlock Holmes und dessen betuchte Klientel.
Auch Arrowoods neuester Fall scheint nicht geeignet zu sein, ihn berühmt zu machen: Eine junge Französin bittet darum, ihren verschwundenen Bruder aufzuspüren. Doch hinter dem simplen Auftrag verbergen sich weit mehr Geheimnisse und Leichen, als Arrowood für möglich hielt. Und so führen ihn seine Ermittlungen von den Tiefen der Londoner Unterwelt bis in höchste Regierungskreise …

Der Klappentext klingt nach einer Geschichte, ganz nach meinem Geschmack! Ein Ermittler dessen Widersacher the one and only Sherlock Holmes ist. Doch das was ich mir in Bezug auf diesen Aspekt erhofft hatte, traf leider nicht ein. Das diese unaufgeforderten Erwartungen aber auch immer dazwischen funken müssen.

Ich hatte mir Arrowood als Antagonist durch und durch vorgestellt. Vielleicht gar von Neid oder Hass auf Holmes zerfressen und mit einer guten Spur Sarkasmus. Nun, seine Mittel um an Antworten zu kommen, sind nicht immer die feine englische Art, aber er entwickelt sich doch eher zu einem Sympathieträger, anstatt eines Mannes der mir unsympathisch ist, den man dann aber doch irgendwie mögen muss. Das ist schon ein Punkt der mich dann im Verlauf störte – dafür kann aber weniger die Geschichte etwas, als meine eigene Vorstellung von dem was hätte sein sollen. Und vielleicht war auch der Fall nicht unbedingt der „Richtige“ für mich. Die Puzzleteile ergaben erst nach und nach ein Gesamtbild, doch irgendwie fehlte mir die Spannung. Interessant ja, sympathische Charaktere, von denen ich mehr möchte, ja – aber das macht noch keinen genialen Krimi aus. Ich hörte gerne zu, wurde aber nicht von der Frage ‚gequält‘ was sich hinter dem Verschwinden des jungen Franzosen verbergen mag.

Nichts desto trotz, werde ich auch Band 2 hören, der Klappentext klingt einfach zu verlockend! Und die zwei Ermittler sind mir schon recht sympathisch geworden, sodass ich diese Reihe nicht direkt nach dem Auftakt beenden möchte und auf eine Steigerung hoffe, immerhin ist dies das Debüt.

Wertung: ★★★☆☆
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Titel: Arrowood – In den Gassen Londons
Buchreihe: 1. Band der Arrowood-Reihe [Band 2 erscheint voraussichtlich Juni 2019] 
Autor: Mick Finlay
Sprecher: Sascha Rotermund

Verlag: Lübbe Audio | Print: Harper Collins


Welche Geschichte hat Euer Interesse geweckt,
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Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Huhu,
The Bone Clocks und die Überfahrt habe ich auch gelesen bzw. gehört.
David Mitchell hat mich voll überzeugt und Mats Strand war ja so ätzend.
Das hat mich so enttäuscht, dass ich von dem Autor nichts mehr lesen/hören möchte.

Ich weiß gar nicht ob ich da was zu geschrieben habe…
aber ich denke es liegt nicht an Dir.

GLG

Christin
Gast

Keine. Also keine lockt mich hinter dem Ofen hervor. Was ich jetzt nicht einmal schlimm finde, denn ich hab noch genug Hörbücher hier, die auf mich warten XD

Schade ist trotzdem, dass „Die Überfahrt“ nichts ist :( Das hätte mich wohl am ehesten gelockt. Ja, ich habe den Spoiler gelesen und nun bin ich froh es getan zu haben, denn jetzt will ich es erst recht nicht mehr lesen – nicht, dass ich was gegen „Sie“ habe, aber auf „Sie“ muss ich Lust haben! :P