3 Geschichten – 3 Eindrücke | Friedrich Ani – Don Winslow – D.B.John

Heute stellt Euch Kerstin wieder 3 Hörbücher vor

Vielfalt in Sachen Hörgenuss


Kriminalroman
„Süden und das verkehrte Kind“
~ Friedrich Ani ~

Bei Friedrich Anis Geschichten schätze ich immer dieses Unaufgeregte. Trotzdem hat jedes Buch von ihm eine tiefe und schwere Bedeutung. Meist geht es um verschwundene Kinder und deren Schicksale und um Familien, in denen irgendetwas im Verborgenen schwelt.

Tabor Süden arbeitet im Dezernat für Vermisstenfälle und ist eher ein Einzelgänger. Ein mir sehr sympathischer Mensch, der oft mehr hinter den Menschen sieht, als es das Offensichtliche zeigt. In diesem Hörbuch wird genau das auch wieder erzählt. Ein vermisstes kleines Mädchen. Eine Mutter, die zu Gewalt neigt, auch durch den übermäßigen Alkoholkonsum. Ein Vater, der längst ausgezogen ist und doch ab und an vorbeischneit. Und, ein Bruder, der deutlich die Beschützerrolle übernommen hat. Was ist mit dem Mädchen geschehen? Schwebt sie in Gefahr? Tabor kommt immer mehr den Umständen in der Familie auf den Grund und nähert sich so Schritt für Schritt der Kleinen und damit einer Tragödie.

Der Sprecher hat die Stimmung wunderbar transportiert und alle Beteiligten in ihrer Verzweiflung, Wut oder Hilflosigkeit perfekt dargestellt. Durch die Kürze des Hörbuchs kann man die Geschichte an einem Stück hören, mir als „Langzeithörerin“ war es aber deutlich zu kurz.

Das Buch besticht nicht durch eine immense Spannung, aber eben mit der Art Anis durch fast schon zarte und bedachte Schilderungen, ein Drama der Umstände offenzulegen.

Wertung: ★★★★☆

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Buchdetails
Titel: Süden und das verkehrte Kind
Buchreihe: 12. Band der Tabor Süden-Reihe
Autor: Friedrich Ani | Sprecher: Christoph Lindert
Verlag: SAGA Egmont | Laufzeit, ungekürzt 3 Stunden 50 Minuten

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Thriller
„Das Kartell“
~ Don Winslow ~

Der erste Band um diesen DEA-Agenten Art Keller, „Tage der Toten„, hatte mich schon vor einiger Zeit mehr als geflasht. 
Don Winslow erzählt absolut unverblümt und mit einer sehr detaillierten Grausamkeit um die Menschen in Mexico, den Drogenkurieren, Drogenbossen und allen, die ihnen im Wege stehen. Art Keller kommt wieder zum vollen Einsatz und auch dieses Mal ist es wieder dieses nicht heldenhafte dargestellte, was mich so in seinen Bann zog. In dem Krieg um Drogen gibt es nämlich keine Gewinner.

Dietmar Wunder ist als Sprecher eine Top-Wahl. Er hat mit seiner Stimme so viel Leben in diese tödlichen Geschichten getragen. Es gibt Unmengen an Charakteren und viele begleitet man durch die ganze Geschichte, während andere als Kollateralschaden auf der Strecke bleiben. So manche der Figuren hat sich ganz tief in mein Herz geschlichen und ich habe furchtbar mitgelitten. Andere wiederum waren so ein menschlicher Abschaum, dass es mich tröstete als ihnen endlich eine Strafe widerfuhr.

Die Geschichte ist wirklich sehr grausam und man sollte sich darauf einstellen, dass der Autor absolut nichts beschönigt. Was Menschen anderen Menschen antun ist dabei nicht alleine der Fantasie des Autoren entsprungen. Vieles was sich in der fiktiven Geschichte abspielt, gibt oder gab es so in der realen Welt. Die Narkos entpuppen sich als gnadenlose Monster. Männer, Frauen, Kinder – es gibt keinerlei Rücksichtnahme und wenn es sein muss, glaubt ein ganzes Dorf daran.

Die zeitaktuellen Geschehnisse an der mexikanischen Grenze zu den USA, den unzähligen flüchtenden Menschen, hat seinen Ursprung in der Ware Droge und der zerstörerischen Kraft, die nicht nur die Süchtigen zu spüren bekommen. Das der einfache Bauer, die mutige Journalistin und so mancher Unbeteiligte nichts anderes will, als ein Leben außerhalb der von Drogenbaronen und ihren Spießgesellen bestimmten Welt, zu haben, kann man spätestens nach der Lektüre dieses Buches verstehen. Das Übel an der Wurzel zu packen ist kaum mehr möglich, zu viele stecken da mit drinnen. Korruption in den Reihen der Politik und Polizei, über die Grenzen hinaus. Da hilft auch keine Mauer dagegen. Banken und Unternehmen, die Drogengeld waschen und daran verdammt gut verdienen, finden sich in allen Herren Ländern. Letztendlich geht es nicht um die Menschen, die in tagtäglicher Angst leben müssen, sondern um das ganz große Geld.

Art Keller hat mich wieder nach Mexiko mitgenommen und vieles wollte ich nicht hören oder mir überhaupt irgendwie vorstellen müssen. Ein von der Regierung beauftragter Killer, der doch ein riesengroßes Herz hat und Schmerz und Leid, wie jeder andere auch, ertragen muss.
Das waren knapp 24 Stunden ganz großes Kino.
Unzensiert würde ich es allerdings erst ab 18 Jahren freigeben.

Wertung: ★★★★★

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Buchdetails
Titel: Das Kartell
Buchreihe: 2. Band der Art Keller-Reihe
Autor: Don Winslow | Sprecher: Dietmar Wunder
Verlag: Lübbe Audio | Laufzeit, ungekürzt: 23 Stunden 33 Minuten

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Spannung
„Stern des Nordens“
~ D.B. John ~

Dieses Hörbuch hat mich im positiven Sinne sehr überrascht. Eigentlich dachte ich, es würde mehr in Richtung Agententhriller gehen, wurde dann aber eines besseren belehrt.

In der Geschichte geht es um die junge Jenna Williams. Die Halbkoreanerin lebt in Amerika, dem Land ihres Vaters. Ihre Schwester ist vor 12 Jahren am Strand Südkoreas spurlos verschwunden und als Hörer nimmt man genau an der Szenerie direkt am Anfang teil. Man ahnt schon etwas, kann es aber noch nicht in Worte fassen. So ergeht es auch Jenna, die nie an den Tod ihrer Schwester glaubte und mittlerweile eine Ausbildung bei der CIA antritt. Das war es aber auch schon weitestgehend mit der Agenten-Sache. Denn dann kommt Nordkorea und damit die alte Bäuerin Moon. Ihr Leben in dem vom Staate kontrollierten und vom Rest der Welt abgeschotteten Welt ist mühselig. Die furchtbare Armut in dem Land wird ebenso authentisch geschildert, wie das linientreue Gebaren der in der Politik ansässigen Menschen.
Wer nicht spurt landet im Lager und damit kommt das Lager 22 in der fiktiven Geschichte zu tragen. Auch dorthin wird es den Lesen bzw. Hörer führen und es wird immer grausamer werden.

Der Mensch als Mensch, existiert in dem Land nicht. Der Autor schafft es eine Atmosphäre aus staatlicher Bedrohung und nachbarschaftlicher Unsicherheit zu schaffen. Eine Diktatur, an deren oberster Stelle ein Vater und sein Sohn stehen. Eine unwahrscheinlich emotionale Szene war eine der öffentlichen Hinrichtungen. Der Autor hat es tatsächlich geschafft diese darzustellen ohne dabei Effekthascherei zu betreiben.

Da der Autor lange in Südkorea lebte und als einer von wenigen Touristen nach Nordkorea reisen durfte, nehme ich ihm sogar alles ab. Naja, das meiste jedenfalls. Zum Schluss hin wurde es etwas überdreht, aber ich habe es dennoch mit einer stetig wachsenden Spannung gehört. Das lag auch an Cho, einer der linientreusten Parteifunktionäre in seinem Land, der plötzlich aufgrund seiner familiären Geschichte komplett aus der Bahn geworfen wird. Sein Schicksal, das von Moon und Jennas, führt alle in eine Richtung und die ist sehr gefährlich.

Die Schilderungen zu den Umständen in dem Land gingen mir sehr unter die Haut.
In Sachen Spannung ist es definitiv ein gelungener Thriller. Mir persönlich hätte die Bezeichnung Roman besser zugesagt, da es jede Menge an Einblicken in eine fremde Kultur bot und kein Buch ist, das man angesichts der furchtbaren Zustände in dem Land beendet und einfach weglegt.

Auch hier hat der Sprecher Dietmar Wunder wieder einmal großartig alles, mittels seiner Stimme, transportiert und mich ganz tief in diese Geschichte gezogen.

Wertung: ★★★★☆

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Buchdetails
Titel: Stern des Nordens
Buchreihe: Einzelband  
Autor: D. B John | Sprecher: Dietmar Wunder
Verlag: Argon Hörbuch | Autorisierte Lesefassung, Laufzeit 11 Stunden, 36 Minuten


Wir lesen und hören viele Bücher & Hörbücher. Da wir nicht täglich eine Rezension schreiben möchten und können, haben wir uns entschlossen, zukünftig immer mal drei Geschichten mittels einer Kurzmeinung darzustellen.

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monerl
Gast

Liebe Kerstin,
Volltreffer! Buch 1 und 3 werde ich mir holen! „Das Kartell“ kenne ich schon, ansonsten wäre es auch was für mich!
Ich habe für dich bei mir aktuelle #GegenDasVergessen-Hörbücher. Könnten dir auch gefallen.
GlG, monerl

Sandra
Gast

Huhu Kerstin,
ich habe „Stern des Südens“ als letztes Buch in 2018 gelesen und war auch schwer begeistert. Wie du habe ich dem Autor vieles abgenommen, es klang sehr realistisch. In meiner gebunden Ausgabe gibt es am Ende auch noch so eine Art Glossar, wo einige der Begriffe erklärt werden und wie sie in Wirklichkeit sind, beispielsweise die Lager oder das Samenkernprogramm.
Das Ende fand ich auch etwas too much, aber es hat mir nicht die Freude an dem Buch genommen.
Eigentlich hätte ich jetzt gerne auch einen zweiten Teil der Geschichte, sodass man erfährt wie es in Amerika weiter geht.

Liebe Grüße,
Sandra