3 Geschichten – 3 Eindrücke | Eva Garcia Saenz – Robert Harris – Marc Elsberg

Kerstins Dreierlei ~ Hörbuch & Hörspiel-Edition

Suspense, Fiktion und Endzeit – eine bunte Mischung an Geschichten.


„Die Stille des Todes“ von Eva Garcia Saenz

Bildquelle: Argon Verlag

Es sterben immer zwei.
Sie sind immer gleich alt. Und sie kennen sich nicht.

Der erste Fall für Inspector Ayala, genannt Kraken
Eine Stadt ist in Angst. In der Kathedrale von Vitoria liegt ein totes Paar, völlig nackt, die Hände auf der Wange des anderen.
Das alles gleicht exakt einer Serie von Verbrechen vor zwanzig Jahren, die die Stadt in Atem hielt.
Doch der Fall gilt als gelöst, der Täter sitzt in strenger Einzelhaft. Hat man damals einen Unschuldigen verurteilt?

Mein erster Eindruck: Gute 15 Stunden Spielzeit, der erste Band auf den bald die nächsten 2 als Print folgen und eine spanische, mir unbekannte Autorin, deren Buch „Die Stille des Todes“ große Erfolge aufweist und mittlerweile sogar verfilmt wird. Also bin ich in diese Geschichte um den Inspector Ayala und dem Ort Vitoria im Baskenland abgetaucht.

Auf den zweiten Blick: Der Sprecher Uve Teschner hat es einfach drauf! Da diese Story in Spanien ihre Handlung hat, insbesondere in dem Ort Vitoria, sind alle Namen von Personen, Orten, Festivitäten spanischer Nennung und er kann es einfach ohne das es verkrampft oder gekünstelt rüber kommt.

Der Ermittler Kraken beginnt diese Geschichte auf eine sehr ungewöhnliche Art in der Ich-Form. Es ist sehr besonders, da genau er mit einer Kugel im Kopf im Krankhaus liegt alles erzählt und einen mittels der Ich-Form teilnehmen lässt an der Suche nach diesem grausamen Mörder. So lernt man schnell seine Kollegin Ruiz Gauna, den kleinwüchsigen Bruder und dessen Verlobte, den liebevollen Großvater, eine neue Vorgesetzte Alba, den inhaftierte Tasio und dessen Zwilling, sowie eine Menge anderer Charaktere kennen. Jeder einzelne ist großartig gezeichnet und bildet eine Vielfältigkeit die nie überladen wirkt.
Es sind zwei Geschichten die eine Ebene bilden. Das Heute, mit den erneuten, grausamen Morden an besonderen Schauplätzen der Stadt und das Damals, eine Zeitspanne der 1980er und 1990er Jahre. Es wird einem schnell klar, dass dies einen Zusammenhang haben muss und ebenso, dass die Ermittler als dies noch erfahren müssen. Es war ein Suspense vom Feinsten, gespickt mit Wendungen und Überraschungen die für absolute Kurzweil sorgte.

In dieser Geschichte hat zwar der Inspector Kraken die Hauptrolle schlechthin, aber es sind die Frauen, die wichtige Rollen inne haben und mit ihrer Persönlichkeit so manches erst auslösen. Somit passt dies für mich auch perfekt für das Projekt ‚WirLesenFrauen„.

Last but not least: Die Autorin hat es geschafft den Ort und die Menschen dort als Gesamtbild darzustellen. Alles hat einen Ursprung und so werden die Gebäude, Straßen, Gelände und stattfindenden Festlichkeiten (und davon gibt es echt viele) erklärt ohne das dadurch eine Unterbrechung stattfindet. Alles fließt ineinander und gibt im Laufe von Krakens Erzählung immer mehr Sinn. Auch sind die persönlichen Geschichten der einzelnen Charaktere mit ein wichtiger Bestandteil und ein paar von denen sind mir richtig ans Herz gewachsen. Das Buch ist für diesen Fall abgeschlossen, aber so manche persönliche Geschichte wird weitergehen.

Sehr spannend und informativ empfand ich auch die Einbindung von Familienbanden, Sitten und so manch Rückblicke auf keltische, mittelalterliche oder heidnische Bräuche.

Ich warte schon jetzt auf den zweiten Band „Das Ritual des Wassers“

Wertung: ★★★★★

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Titel: Die Stille des Todes
Buchreihe: 1. Band der Inspector Ayala-Reihe
(Band 2 erscheint als Print im Herbst 2019 – Band 3 Anfang 2020)
Spieldauer: ca. 15 Stunden

Autorin: Eva Garcia Saenz | Sprecher: Uve Teschner
Verlag: Argon als MP3 – bei Audible als Download
Print bei S. Fischer Verlage

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„Vaterland“ von Robert Harris

Bildquelle: Random House Audio

19 Jahre nachdem Nazi-Deutschland den Krieg gewonnen hat, ist die Beendigung des Kalten Krieges mit den USA das Ziel der neuen Außenpolitik. Mit Präsident Joseph Kennedy wird erstmals ein amerikanischer Regierungschef zum Staatsbesuch erwartet. Vor diesem Hintergrund kommt das plötzliche, gewaltsame Ableben eines hohen Parteibonzen in Berlin 1964 höchst ungelegen. Kripo-Sturmbannführer Xaver März ermittelt, gerät mit Hilfe der deutschstämmigen, amerikanischen Journalistin Charlie Maguire gefährlich nah an die historische Wahrheit …

Mein erster Eindruck: Eine fiktive und unvorstellbare Geschichte über einen Ausgang des zweiten Weltkrieges, dessen Darstellungen der Situationen und Begebenheiten mich sehr interessierten. Mit gut 13 Stunden Spielzeit auch genau meins und schon die ersten Minuten zeigten, dass der Sprecher auf mich sehr sympathisch wirkte.

Auf den zweiten Blick: Man merkt sofort wie die Stimmung in diesem Land ist. Vorsicht ist geboten, denn es herrscht nach wie vor eine Diktatur. Das gilt auch für Ermittler Xaver März, deren politische Einstellung eher verhalten ist, der aber dennoch mit schwimmt und der politischen Obrigkeit genauso hörig ist wie ein ganzes Volk. Es kristalliert sich sehr schnell heraus, wie die Strukturen in dem Land sind und das jederzeit mit Sanktionen zu rechnen ist. Wer sich nicht an geltende Regeln hält, läuft Gefahr bestraft zu werden und Gestapo und Co. sind nicht zimperlich. März kommt als Ermittler auch sehr persönlich rüber. Er lebt alleine, ist geschieden und hat kaum Kontakt zum Sohn. Dies war auch so etwas, dass zutiefst beunruhigte, eine Scheidung geht mal nicht eben so, das eigene Kind kann den Vater denunzieren, wenn die „falschen“ Dinge gesagt werden oder der politischen Meinung zu sehr freien Raum gegeben wird. Da ist der Mordfall, in dem Xaver ermittelt fast schon eine Nebensache. Allerdings beißt sich der Mann fest, er ahnt etwas, kann es aber nicht festmachen. Hilfe bekommt er von einer geduldeten Amerikanerin, die frisch und frech mitmischt und sich damit auch in große Gefahr begibt. Was sich so nebenbei in dieser Geschichte herausstellt, sind die Unwissenheit der Menschen. Eine Reichskristallnacht hat es gegeben, auch das die jüdischen Nachbarn verschwunden sind – angeblich umgesiedelt – auch von Lagern ist die Rede, aber der Holocaust wird verschwiegen. Scheinbar wurde es so gut vertuscht, dass es in Verbindung mit diesen, nach mehr als 20 Jahren, geschehenen Morden steht.
März zu folgen, seine Ermittlungen, das schnüffeln und suchen, fragen und hinterfragen, empfand ich als sehr spannend. Zumal da immer das Wissen um diesen Überwachungsstaat mitschwang. Dieser Mann wurde mir immer sympathischer, mit seiner Hartnäckigkeit, aber auch wegen seinem Gewissen, dem er sich selbst stellt. Wohin ihn letztendlich diese Reise durch die Vergangenheit des eigenen Landes führte, überraschte mich nicht, aber es war eine eindringliche Schilderung und ein Erfahren von Unerträglichkeiten durch einen Menschen der letztendlich geläutert und zu tiefst verstört vor der Wahrheit steht.

Last but not least: Der Autor hat da eine Welt erschaffen, deren Darstellung sehr große Parallelen zu noch immer existierenden Diktaturen aufzeigt. Das Volk rennt mit, egal wie schlecht es ihm dabei ergeht. Vor dem eigenen Nachbarn muss man sich in Acht nehmen und selbst die eigenen Kinder können einen gefährlich werden. Konditionierung von klein auf, Angst als bestehendes Grundelement und ein von Befehlen und Vorschriften geregeltes Leben. wer nicht mitspielt wird aussortiert und verschwindet, aber darüber wird auch geschwiegen – fiktiv in dieser Geschichte, aber real in Vergangenheit und Gegenwart.

Ein ganz großer Roman, dessen Ende so nicht vorhersehbar war und in gewisser Weise dann doch.

Wertung: ★★★★☆

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Titel: Vaterland
Buchreihe: Einzelband – Spieldauer: 13 Std. und 26 Min.
Autor: Robert Harris | Sprecher: Karlheinz Tafel
Verlag: Random House Audio

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„Blackout“ von Marc Elsberg

Ein Endzeit-Thriller, der mit über 200 Rollen, aufwändiger Musik und Soundeffekten in Szene gesetzt wurde. Als Buch schon sehr spannend – aber als Hörspiel richtig genial gemacht.

Bildquelle: Audible

Teil 1: An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano (Sven Hasper) vermutet einen Hackerangriff und versucht, die Behörden zu warnen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard (Christoph Maria Herbst) ihm endlich zuhört, tauchen in Manzanos Computer dubiose Emails auf, die den Verdacht auf ihn selbst lenken. Er ist ins Visier eines Gegners geraten, der ebenso raffiniert wie gnadenlos ist. Unterdessen liegt ganz Europa im Dunkeln, und der Kampf ums Überleben beginnt…

Wer sich den ersten Teil anhört wird gar nicht anders können, als auch den zweiten zu hören. Der erste endet, wie sollte es anders sein, mit einem üblen Cliffhanger.

Piero Manzano ist Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte. Mit ihm erlebt man den Anfang des Black Outs und mit ihm zerbricht man sich auch den Kopf, was da geschehen ist und warum. Ein toll dargestellter Charakter, der aber noch jede Mengen an anderen zugeteilt bekommt. Trotz der Anzahl an Personen in dieser Geschichte konnte ich, insbesondere durch die unterschiedlichen Sprecher*innen, sehr gut den Überblick behalten. Sogar wenn es technischer wurde – und das wird es – empfand ich alles als sehr gut beschrieben und geschildert.

Ein absolut erschreckendes Szenario, das sehr viele Gedankengänge bei mir loslöste, auch in Sachen wie ich da stehen würde, in solch einer Situation, deren Ausmaße erst im Laufe der Erzählungen immer übersichtlicher und auch authentischer wurden.

Die Darstellung der Kettenreaktion sorgt für immens spannende aber auch erschreckende Situationen, bei der nach und nach alles zusammenbricht, was das alltägliche Leben ausmacht.
Strom weg, keine Heizung, kein Wasser, keine funktionierende sanitären Anlagen. Notstromaggregate die mit der Zeit aussetzen, überfüllte Krankenhäuser.
Fehlende Kraftstoffe, dadurch keine Mobilität mehr. Aussetzen von Lebensmittellieferungen, geplünderte Geschäfte. Anfängliche Nachbarschaftshilfe weicht dem eigenen Gesetz des Überlebenswillen.

In einem Hörspiel gibt es, im Gegensatz zu einem Hörbuch, sehr viele feine Einzelheiten in Sachen Hintergrundgeräusche. So hat es mir mehr als einmal eine Gänsehaut beschert, wenn man die Stimmen der Verzweifelten hört und was für ein Chaos nach dem anderen da ausbricht.

Bildquelle: Audible

Teil 2: Chaos in Europa, der Strom ist weg! Sabotage durch Terroristen? Oder ein Angriff von einem anderen Land? Die Politik ist ratlos – droht ein Krieg?
Als ein französisches Atomkraftwerk havariert, müssen Millionen Menschen aus dem Loire-Gebiet fliehen. Doch kaum jemand kann helfen. Die Lage auf dem Kontinent wird immer schlimmer. Gemeinsam mit der jungen Journalistin Lauren Shannon begibt sich Manzano auf eine atemlose Odyssee durch Europa – gejagt, verfolgt und verletzt, aber immer mit einem Ziel vor Augen: diesen Angriff auf unsere Zivilisation zu beenden!

Im zweiten Teil wurde es doch etwas mehr in Sachen technischer Darstellungen.
Dennoch bleibt man mit Manzani und seinen Gefolgsleuten auf der Spur derer, die für dieses Endzeitszenario zuständig sind. Die Lebensumstände werden immer schwieriger und bei so mancher Situation habe ich wirklich den Atem anhalten müssen.
Denn neben all den nicht mehr zu befriedigenden elementaren Grundbedürfnissen, um ein einigermaßen erträgliches Leben zu führen, sind da noch andere Dinge, die immer mehr in den Fokus rücken – wie lange hält ein Atomreaktor ohne Strom aus? Wie lange kann man die Brennstäbe noch kühlen? All dies ist schon irre gut erklärt ohne Erklärend zu wirken. Da hat der Autor echt ein Händchen für. Keine Belehrungen, sondern authentische, den einzelnen Personen zugeteilte Erfahrungen und Schilderungen. Das hat stellenweise richtig Angst gemacht und sehr nachdenklich gestimmt. Was für ein Szenario!

Und? Wieviel Trinkwasser hast Du zu Hause?

Wertung: ★★★★☆

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Titel: Blackout – Teil 1 Spieldauer: 9 Stunden und 15 Minuten
& Teil 2 Spieldauer: 9 Stunden und 34 Minuten

Buchreihe: Einzelband
Autor: Marc Elsberg
Sprecher und  Sprecherinnen: Dietmar Wunder, Sven Hasper, Christoph Maria Herbst, Katrin Hess, Edda Fischer , Matthias Koeberlin

Verlag: Audible Studios [ als Print bei Random House]


Habt Ihr Hörbuch/spiel – Empfehlungen, die in die Richtung dieser drei gehen?

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Moni2506
Gast

Hey Kerstin,

Krimis sind ja nicht so meins und dennoch hast du mich irgendwie neugierig gemacht. Das Buch von Robert Harris ist denke ich dennoch nichts für mich und Blackout habe ich schon gelesen. Wissenschaftsthriller hingegen lese ich sehr gern. Mein Kollege hat das Hörspiel auch vor Kurzem gehört und war ganz begeistert. Da musste ich natürlich mal gucken, wie es dir gefallen hat. Da hattest du bei der Auswahl ja Glück. 3x 4 Sterne finde ich eine sehr gute Quote.

LG, Moni

LeseWelle
Gast

Hallo Kerstin,
du machst mich ja richtig neugierig auf die Hörbücher bzw. ganz besonders auf Blackout. Ich mag Hörspiele sehr gerne und finde es schade, dass es für Erwachsene nicht so viele gibt. Aber da muss ich unbedingt reinhören. Habe das Buch noch nicht gelesen, aber die Idee ist auf jeden Fall sehr interessant und ein Freund hat heute auch nochmal von dem Buch geschwärmt. Also steht Blackout fest auf meiner Zu-Hören-Liste. Als Hörspiel! :D
Aber auch Die Stille des Todes klingt äußerst gut. Vielleicht setze ich das auch mal auf meine Liste.
Danke für deine Meinungen!
Liebe Grüße
Diana