3 Geschichten – 3 Eindrücke | Delphine de Vigan – Katherine Webb – Sibylle Berg

Jannas Dreierlei

Begeisterung, Kritik, Abbruch


„Nach einer wahren Geschichte“
von Delphine de Vigan

Wertung: ★★★★★

Meine erste Geschichte der Autorin und dann eine, die mich auf ganzer Linie für sich eingenommen hat! Die Sprecherin Martina Gedeck ist sehr passend gewählt und lässt eine zusätzliche Stimmung entstehen, der ich mich kaum entziehen konnte.

Der Name der Autorin ist zeitgleich der Name der Protagonistin. Und es geht um sie, um Delphine de Vigan, die bekannte französische Autorin mit Bestseller. Doch was kommt danach? Was schreibt ein Mensch nach solch einem Roman, der so viele Leser*innen begeisterte? Vor genau diesem schwarzen Loch des Nichts steht sie, Delphine.

Der Titel ist provokant, entdeckt man diesen oder ähnliches nur als Untertitel, als Information zur Geschichte. Delphine de Vigan nennt jedoch ihren Roman so, der Grund dafür findet sich innerhalb der Zeilen und ihren Worten (welche keinen autobiographischen Roman geschaffen haben!).

Einen absolut einnehmenden Sog baut die Geschichte nach wenigen Minuten auf, nahm mich gefangen. Einzig Delphines Sichtweise, eben diese Perspektive schildert von Selbstzweifeln, von eigenen Grenzen und von einer Begegnung mit Auswirkungen. Eine Beziehung zweier Frauen, die sich scheinbar gut tun, doch im weiteren Verlauf eine immer düstere Stimmung entstehen lässt.

Die Verfilmung

Mir wurde gesagt ich solle es lassen. Mir wurde gesagt der Film sei schlecht. Ich wurde vorgewarnt. Ich konnte dennoch nicht widerstehen …

Diesem Film fehlt leider alles was die Geschichte ausmacht! Es ist die Geschichte, nur falsch erzählt. Es steht nicht nur Delphine im Fokus, auch L. lernte ich kennen. Und dies ist der Nachteil in Filmen, denn während L. im Buch aus der Perspektive von Delphine skizziert wird, steht sie im Film für sich alleine. Die Intensität geht dadurch verloren, ich bin als Zuschauerin nicht so nahe an Delphines Gedanken, wie im (Hör)Buchformat und der Verlauf des Films ist dadurch fad, Punkt!

Fazit

Lesen oder hören, aber sich diese intensive Geschichte nicht entgehen lassen. Seid jedoch klüger als ich, verzichtet auf die Verfilmung.


„Das fremde Mädchen“ von Katherine Webb

Wertung: ★★★★☆

Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Geschichte so abholen würde. Ich hatte überlegt ob es überhaupt das richtige für mich ist, denn der Klappentext machte mich zwar neugierig, ließ aber auch einiges offen – erwartet mich eine Liebesgeschichte? Ist sie der Mittelpunkt? Dann las ich mir hier und dort die eine oder andere Meinung durch, danach war die Entscheidung getroffen. Und das Anna Thalbach die Geschichte liest, war dann das I-Tüpfelchen.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und mehreren Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen die dem Geist von Alice nachjagen und versuchen die Wahrheit einzufangen. Zwischen diesen Zeilen entstehen Fragen. Zwischen diesen Zeilen versteckt sich Gewalt, doch die Autorin nutzt diese nicht, um eine Spannung zu erzeugen oder zu schocken. Es ist Teil der Geschichte die sich zum Ende hin offenbart.

1803 – Alice und Starling
Plötzlich steht da dieses kleine verwahrloste Mädchen vor Alice. Ohne Erinnerung, ohne Namen. Alice nimmt das kleine Mädchen auf, verpflegt sie, gibt ihr einen Namen. Starling dankt es ihr mit absoluter Hingabe, die über den schwärzesten Tag ihres Lebens hinausgeht.

1821 – Rachel, Starling und Jonathan
Rachel sieht Alice zum Verwechseln ähnlich und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Während Jonathan und Starling zunächst geschockt sind von dieser Ähnlichkeit, können sie sich Rachel nicht entziehen – aber auch Rachel selbst wird gefangen genommen von den Fragen um Alice. Während sie sich den ihr unbekannten Menschen nähert, entfernt sie sich immer mehr von ihrem Ehemann.

Wer nun eine reine Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht werden, auch wenn dies mitunter ein Thema ist. Doch vielmehr geht es um die Verknüpfung beider Erzählstränge und dessen düsteren Atmosphäre. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und baut durch diesen Wechsel einen einnehmenden Sog auf! Was sich hinter all den offenen Fragen verbirgt, lässt mehr als eine Gänsehaut entstehen, aber ich habe auch Kritik. Vielleicht ist es im Print zu finden, aber in der Hörbuchversion gab es keinerlei Hinweise auf das, was innerhalb der Geschichte thematisiert wird!

Spoiler und Trigger

Bitte den folgenden Absatz markieren, um diesen zu lesen


Ich habe nichts an der Geschichte auszusetzen und wie bereits erwähnt, versteht sich
die Autorin die gewaltvollen Szenen nicht als Mittel zum Zweck einzuarbeiten,
sondern als Teil des Lebens.
Doch zu mindestens im Hörbuch wird vor Beginn der Geschichte nicht darauf
hingewiesen wie viel und welche Art von Gewalt skizziert wird. Es hätte der
Geschichte nichts vorweggenommen dies zu erwähnen.
Die Frauen erleben körperliche Gewalt in Form von Schlägen und sexuellem
Missbrauch. Diese Szenen sind nicht nur angedeutet, sondern beschrieben, auch wenn
auf Details verzichtet wurde. Szenen die nicht nur einmalig zu hören oder zu lesen
sind, da sie einen Teil der Geschichte ausmachen.


Der Schreibstil, der ruhigen Ton dieser intensiven Geschichte, holte mich ab. Ich mag es, wenn mir zwei oder mehrere abwechselnde Zeitebenen begegnen und habe bereits weitere Titel von Katherine Webb als Hörbuch auf meiner Wunschliste notiert!


„GRM: Brainfuck“ von Sibylle Berg

Abgebrochen

Das Buch klang verdammt interessant! Eine musikalische Revolution in einem England der nahe Zukunft! England das so viel Musik geschaffen und in die Welt getragen hat. Ein Land, dass Musikgeschichte schrieb!

Vielleicht waren schon zu Beginn meine Erwartungen zu hoch?

Doch es lag gar nicht so sehr an meinen Erwartungen. Vielleicht war das Hörbuch diesmal nicht die bessere Wahl, beendet nach 33% des Hörbuchs (5 1/2 Std. von 11). Aber vielleicht wäre es auch beim Print zum Abbruch gekommen.

Der Klappentext ist wirklich reizvoll, Regierungschip gleichbedeutend mit Dauerkontrolle. Die bekam ich auch direkt zu Beginn zu spüren, wusste ich doch direkt über die einzelnen Protagonist*innen Bescheid: Familienstand, Intelligenz, Konsumverhalten, politische Einstellungen und mehr. Doch das was mich neugierig machte trat schnell in den Hintergrund, die Geschichte entglitt mir – oder ich ihr.

Schläge, (sexuelle) Übergriffe – Gewalt wohin man blickt und das Wort f*cken ist an der Tagesordnung. Ich stoße an solche Formulierungen nicht an, doch das Vokabular nervte mich mehr, als das es die Geschichte in ihrem Sein unterstrich. Sprachlich konnte es mich nicht einnehmen, wirkte im Kontext nicht – Thematisch reizvoll, aber für mich nicht die richtige Umsetzung.


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Titel: Nach einer wahren Geschichte
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Delphine de Vigan
Sprecherin: Martina Gedeck
Verlag: Random House Audio | Print: DuMont

Titel: Das fremde Mädchen
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Katherine Webb
Sprecherin: Anna Thalbach
Verlag: Random House Audio | Print: Diana (Verlagsgruppe Random House)

Titel: GRM Brainfuck
Buchreihe: Einzelband 
Autorin: Sibylle Berg
Sprecher*innen: Lisa Hrdina & Torben Kessler
Verlag: Argon | Print: Kiepenheuer&Witsch (KiWi)


Welche Geschichte hat Euer Interesse geweckt,
kennt Ihr bereits eine oder mehrere?

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LeseWelle
Gast

Huhu du!
Mir war gar nicht so bewusst, dass Nach einer wahren Geschichte verfilmt wurde und ich werde es dann auch direkt wieder vergessen. ;)
Das Buch fand ich nämlich wirklich sehr gut. Eben wegen dieser Intensität und die Perspektive von Delphine.
Liebe Grüße
Diana