3 Geschichten – 3 Eindrücke | Camilla Läckberg – Han Kang – Abigail Padgett

Kerstins Dreierlei
Unterwegs in Sachen #WirLesenFrauen


„Die Eishexe“ von Camilla Läckberg

Mein erster Eindruck: Ein Kriminalroman aus Schweden passt meist bei mir, dennoch bin ich mittlerweile sehr wählerisch geworden. Hier in der Geschichte geht es um ein vermisstes Mädchen und einen viele Jahre zurückliegender Mord. Ebenfalls dabei eine Ermittlertruppe, die in diesem 10. Band um Falck Hedström ihre Arbeit um Mord und Tod machen.

Auf den zweiten Blick: Es sind drei Geschichten zusammengefügt zu einer. Mittels der Kapitelüberschriften sind diese sehr gut zu erkennen. Der aktuelle Vermisstenfall, der Fall Stella und Borhüslan 1671.
Viele Namen, viele Orte und sehr viele Ereignisse geben sich ein Stelldichein im Buch und ich musste höllisch aufpassen, wer denn nun wie mit wem zusammenhängt. Hinzu kommt noch eine eingebundene Geschichte um Flüchtlinge, deren neues Leben in dem Ort und dass sie nicht nur freundliche Worte zu hören bekommen. Ein Hollywoodstar, nebst vernachlässigter Tochter wird ebenfalls hineingeschrieben, wie die damals beste Freundin, die eher unglücklich verheiratet ist und deren Sohn seitens des Vaters drangsaliert wird. Ach ja, ganz wichtig, die Schriftstellerin, Ehefrau des Kommissars, die ein Buch über Stella am Schreiben ist und dabei einer Sache auf die Spur kommt, die so nie entdeckt wurde. Es bedurfte einiges an Durchhaltevermögen, da es immer wieder zu sehr ausschweifenden Erzählungen um das Leben der einzelnen kam. Bei 744 Seiten in recht kleiner Schrift ist viel Platz dafür.

Last but not least: Chaotisch – so würde ich es bezeichnen, zwar mit durchaus spannenden Elementen, aber ein heilloses Durcheinander. Alleine die Sache mit Borhüslan und der dramatischen (und durchaus für das Ende des Buches erklärenden) Lebensgeschichte um Elin, hat mich richtig fasziniert. Das hätte ein Buch für sich sein können und ich habe wirklich sehr lange gerätselt, wie das alles zu der aktuellen Geschichte gehörte. Diese Passagen fand ich richtig stark. Hier kamen die Lebensumstände der Menschen richtig hervor und auch wie schnell eine Frau in die Rolle der Außenseiterin und dann später der des absolut hilflosen Opfers kam. Der rote Faden im Buch, war für mich diese immer wiederkehrende, teilweise heimliche aber doch oft durchschlagende Form der gegenseitigen Missgunst und des Neids. Freundschaften, die in Feindschaften enden und letztendlich furchtbare Konsequenzen nach sich ziehen.
Was der Autorin gut gelungen ist, sind die einzelnen Charaktere. Auch wenn des bereits der 10. Band um das Ehepaar Falck-Hedström ist, hatte ich nie den Eindruck irgendetwas verpasst zu haben – ob das jetzt allerdings gut ist?

Wertung: ★★★☆☆

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Buchdetails

Titel: Die Eishexe
Buchreihe: 10. Band der Falck Hedström-Reihe
Autorin: Camilla Läckberg
Verlag: Ullstein

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„Die Vegetarierin“ von Han Kang

Mein erster Eindruck: Das Buch „Menschenwerk“ von Han Kang hatte mich nachhaltig beeindruckt und bei „Die Vegetarierin“ habe ich auf ein ähnlich emotionales Leseerlebnis gehofft. Ein bisschen wurde ich dann allerdings doch etwas überrascht, denn das, was im diesem Buch geschah, könnte auch hier, direkt nebenan geschehen.

Auf den zweiten Blick: Südkorea blieb mir trotz dieser Geschichte fern. Gewiss, es gab einige Elemente, die über die Kultur des Landes und der Lebensumstände der Menschen referierte, aber der Blick in diese ferne Welt hat es mir nicht eröffnet.
Yong-Hye, diese junge durchschnittliche Ehefrau hätte auch Annalena oder Hildegard heißen können. Ich habe keinerlei Bildnis von ihr mitgenommen, alles ich sah waren Blumen. Diese durchaus in all ihrer Pracht (weshalb ich das Cover auch mehr als gelungen empfinde), aber sie haben Yong-Hye einfach überdeckt – das darf man wörtlich nehmen. Das zentrale Thema um diese Art Widerstand gegen die Gesellschaftsstrukturen und vorgegebenen Bräuche und Sitten wird anfangs nur durch die Verweigerung des Fleischkonsums dargestellt. Dabei bekommt aber im Laufe des Buches die Fleischeslust wiederum ein besonderes Augenmerk. Die Familie kann nicht mit dem Wunsch der Frau umgehen, kein Fleisch mehr zu essen und die Tatsache, dass sie keinen BH trägt würde auch hier erst zu Kopfschütteln und gut gemeinten Ratschlägen führen, später dann zu aggressiven Verhalten und genauso ergeht es Yong-Hye. Sie erfüllt nicht mehr die Norm, nicht mehr den Standard, das was alle tun oder tun sollen, und das wird ihr zum Verhängnis.

Last but not least: „Die Vegetarierin“ ist kein Buch für zwischendurch. Trotz der Kürze von 190 Seiten, hat es doch eine sehr deutliche Aussagekraft. Wer rebelliert und dabei keine Verbündete findet, wird anfänglich vielleicht nur belächelt. Aber scheinbar nehmen alle, alles persönlich und so steht Yong-Hye mit all ihren Träumen und Wünschen doch alleine in weiter Flur und findet weder ein noch aus, geschweige denn sich selbst. Eine Frau die sich komplett verliert, in ihrer Einsamkeit und der Unfähigkeit wieder irgendetwas essen zu können. Ein Schatten ihrer selbst, eine zarte Blume, deren Wurzeln verkümmerten, vielleicht auch weil niemand sie pflegte. Eine sehr traurige Geschichte.

Wertung: ★★★★☆

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Buchdetails 

Titel: Die Vegetarierin
Buchreihe: Einzelband  
Autorin: Han Kang
Verlag: Aufbau

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„Kalt ist der Tod“ von Abigail Pradgett

Mein erster Eindruck: Hui, wenn das mal kein Lesevernügen wird. Ein Roman, mit leichten Krimi-Einschlägen, in dem aber ganz viel ausgeteilt wird.
Eine Sozialpsychologin, die mitten in der Wüste in einem aufgegebenen Motel lebt und sich der Umgebung perfekt angepasst hat. Eine Einzelgängerin, die eine Frau liebt, aber mehr noch ihre Hündin Brontèè. Hinzu kommt das auftauchen eines aufgetauten (ja, genauso) Toten.
Also geht es ab in diese Welt voller Frauen, von denen viele einiges zu verbergen haben und andere wiederum alles offenlegen wollen.

Auf den zweiten Blick: This is a womens world! Richtig klasse geschrieben und ein Pageturner. Frech, fies, böse, gemein und mit ganz ganz vielen Sticheleien, Thesen, Festellungen und Behauptungen gegenüber der Männerwelt. Aber, da war immer was dran. Primaten als Anschauungsmerkmale, da ist der auf die Brust trommelnde Gorilla nur ein klitzekleines Beispiel. Blue, die als Privatdetektivin einen Mordfall klären soll, nebenbei Unternehmer beratet und darüber jede Menge zu erzählen hat, ist einfach herrlich viel Frau und lebt das auch. Man, oder auch frau, könnte meinen sie würde sich immer wieder verzetteln, aber das passte einfach alles irgendwie zusammen. Gewiss wurde manches Klischee bedient, aber es war einfach eine grandiose Unterhaltungslektüre.

Last but not least: Warum lag dieses Buch nur so lange auf meinem SuB? Blue, die in diesem Buch immer wieder ihr eigenes Buch „Affen“ zu Rate zog, hatte mich von den ersten Seiten an gepackt. Ein sehr symphatischer Charakter, mit allen Schwächen aber ganz besonders wegen ihrer Stärken. Sie kombinierte gut, hinterfragte und klärte auf. Wer ihr zu nahe kam musste mit Konsequenzen rechnen und wer sich gar an der Hündin vergriff – da hörte dann aller Spaß auf.
Sehr humorvoll geschrieben und mit einer teils verborgenen Thematik um junge Frauen, die als Opfer unbeachtet blieben aber doch eine riesige (wenn auch heimliche) Helferschar hinter sich hatten.

Wertung: ★★★★☆

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Buchdetails  

Titel: Kalt ist der Tod
Buchreihe: Einzelband  
Autorin: Abigail Padgett
Verlag: Ullstein – nur noch gebraucht erhältlich


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kennt Ihr bereits eine oder mehrere?

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Christin
Gast

Ich suche ja immer wieder nach skandinavischen Büchern, die auch MICH überzeugen können. Die meisten haben mich bisher nämlich nicht überzeugen können und diese Autorin wird wohl auch keine Freundin von mir werden :(

Bei der Vegetarierin bin ich enttäuscht, dass die Person/Land austauschbar ist. Hab noch ein paar Bücher auf meiner Merkliste, wo es um authentische Erzählungen koreanischer/chinesicher Frauen geht, aber das hier scheint nicht dazu zugehören.

Bei dem letzten Buch dagegen hast mich heiß gemacht :D
Das wandert auf die WuLi – gaaanz fett!

Kerstin Cordes
Gast

Kalt ist der Tod! Da hast Du mich jetzt Neugierig drauf gemacht.