3 Geschichten – 3 Eindrücke | Andreas Winkelmann – Clare Mackintosh – Arno Strobel & Ursula Poznanski

Jannas dreierlei Hörbücher

1 Genre | Thriller |


Das Haus der Mädchen
~ Andreas Winkelmann ~

Leni kommt nach Hamburg, um dort ein Praktikum zu machen. Über eine Zimmervermittlung mietet sie sich in einer Villa am Kanal ein. Schnell freundet sie sich mit ihrer Zimmernachbarin an – aber die ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden. […]
Freddy Förster, früher erfolgreicher Geschäftsmann, ist inzwischen auf der Straße gelandet. Zufällig beobachtet er, wie jemand einen Mann am Steuer seines Autos erschießt. Um nicht zum nächsten Opfer zu werden, sucht er den Mörder. Bis er auf Leni trifft […] Bald begreifen die beiden, dass ihre beiden Fälle mehr miteinander zu tun haben, als ihnen lieb ist […]
(Inhalt laut Hörbuch-Verlag, Auszug)

Ohjeee … Vor Beginn des Hörens, habe ich das Print bei den eher sehr intensiven (Psycho)Thrillern in einer Buchhandlung gesehen – jetzt nach dem Hören frage ich mich: Warum?!? Ich bin mir ziemlich sicher, das Print hätte ich abgebrochen!

Ich hätte es mir bei der Länge des Klappentextes schon denken können, aber eben den habe ich nicht gelesen. Und doch wusste ich im groben was mich erwartet, man hört ja hier und da immer etwas. Junge Frauen die verschwinden, gefangen gehalten werden in einem Loch. Anstatt Namen erhalten sie Nummern – ein Plot der Thriller-Liebhaber*innen wie mich direkt anspricht.

Aber das war es dann auch leider schon! Wir haben hier drei Protagonist*innen die im Fokus stehen. Leni Landei (ich zitiere), Freddy Förster (welch Name!) und den Polizisten, bei dem ich den Namen leider schon wieder vergessen habe.
Leni die nach Hamburg kommt, in das Zimmer der erst kürzlich verschwundenen Frau zieht, Freddy, der erst vor kurzem den Mord an eben jener Frau beobachtet hat und mitten drin die Ermittlung. Obendrauf wenige Ereignisse, zu mindestens keine spannungsgeladenen Geschehnisse, die ich ja bei dem Genre erwarte. Die Geschichte plätschert jedoch nur vor sich hin. Ab und wann werden Szenen der entführten Frauen geschildert, aber auch die nur im Kleinen und auch nicht sehr packend. Leni die vom Land kommt, in der großen Stadt Hamburg und an Selbstzweifeln nagt. Freddy der erfolgreicher Geschäftsmann war und nun auf der Straße sitzt. Ein Ermittler der seinem unförmigen und vor allem konditionslosen Körper den Kampf ansagt. Und ja, ich nehme kaum etwas vorweg, natürlich ermitteln Leni und Freddy – die sich im Verlauf der Geschichte begegnen – auf eigene Faust. Am Ende jagt eine Szene die nächste und dann ist der Thriller auch schon vorüber.

Das Hörbuch erhält zwei Sterne dank des Sprechers Simon Jäger, er hat mich durch die Geschichte getragen! Natürlich für andere kein Grund eine schlechte Story bis zum Ende hin zu hören, für mich schon. Zumal ich seit der Entdeckung meiner neuen Hörbuch-App fast überall höre, vor allem morgens im Bad, beim Kaffee kochen und ähnlichem. Das hört sich sowas eben auch gut weg – würde ich aber ehrlich gesagt nicht nochmal machen, auch Hörbücher werden zukünftig abgebrochen, wenn sie nicht überzeugen!

Wertung: ★★☆☆☆
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Titel: Das Haus der Mädchen
Buchreihe: Einzelband
Autor: Andreas Winkelmann
Sprecher: Simon Jäger

Verlag: Lübbe Audio | Print: Rowohlt

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Alleine bist du nie
~ Clare Mackintosh ~

Zoe Walker führt ein komplett durchschnittliches Leben in einem Londoner Vorort: Sie ist geschieden, hat zwei Kinder und einen langweiligen Job. Eines Tages entdeckt sie auf dem sonst so ereignislosen Heimweg ein Foto von sich in der U-Bahn, daneben eine ihr unbekannte Telefonnummer. Bloß eine harmlose Verwechslung? Zoe ahnt, dass es hier um mehr gehen muss. Doch noch weiß sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt – und wie bald sie alles zu verlieren droht, was sie liebt …
(Inhalt laut Hörbuch-Verlag)

Ich bin hin und her gerissen! Gut gesprochen, keine Frage! Sehr interessanter Handlungsstrang – Stalking, aber in einer ganz anderen Dimension. Beste Voraussetzungen für einen Psychothriller. Aber es fehlte mir an der Intensität des Themas!

Zwei Frauen. Ein Mann.
Zoe, Mutter zweier Kinder, fährt täglich U-Bahn, doch ein Tag in dieser Bahn wirft ihr Leben aus den Fugen. Sie entdeckt sie in eine Annonce, daneben ihr Bild und eine Nummer. Ein Schock. Der Versuch die Hintergründe in Erfahrung zu bringen, stößt sie auf eine Leiche – eine Frau die zuvor ebenfalls unter einer Annonce zu finden war. Zoe nimmt Kontakt zu einer Polizistin auf, die die Ernsthaftigkeit der Situation sofort erkennt und handelt.

Klingt absolut vielversprechend und doch fehlte mir etwas. Die Gänsehaut blieb aus, die Beklemmung nach und nach mehr in Erfahrung zu bringen und der Hilflosigkeit ausgeliefert zu sein, wurde mir nicht intensiv genug transportiert. Ich wollte wissen was sich dahinter verbirgt, keine Frage, denn das was der Täter tut ist ungewöhnlich. Für einen Psychothriller hat es mich jedoch nicht genügend gepackt, blieb zu sehr an der Oberfläche der Emotionen.
Auch die Ermittlungen gehen zunächst schleppend voran, es könne Monate dauern bis überhaupt eine Spur gefunden wird und natürlich kommt wie es kommen musste, innerhalb kürzester Zeit finden sich die Puzzlestücke.

Wirklich gelungen war der männliche Part der Geschichte, die Perspektive des … Beobachters. Stalken wäre hier der passende und doch nicht gänzlich „richtige“ Begriff, dies kann ich jedoch nur mit einem Spoiler begründen. Sein Part innerhalb der Geschichte gefiel mir am besten, denn diese erzeugten ein unbehagliches Gefühl und regten ebenso ein wenig zum Nachdenken an. Nein, nicht weil die Frau die Schuld trägt bzw. die Person die in seinem Fokus steht – aber die Autorin schneidet auch ein weiteres Thema an und das lässt einige Gedanken kreisen.

SPOILER
(In weißer Schrift, bitte den Abschnitt markieren, um es zu lesen)

1. Der Begriff
Natürlich werden die Frauen gestalkt, ansonsten könnte die Person kaum an alle Informationen über sie kommen. Und doch passt es nicht ganz, denn es ist noch viel weitgreifender und beängstigender. Diese Frauen werden von einer Person beobachtet, um für eine Vielzahl an Männern greifbar zu werden – das gläserne Dating-Portal.

2. Stalken und Nachdenken?
Nein! Und doch ja. Denn der Stalker hat nicht nur durch Überwachungskameras Zugriff auf den Alltag der Frauen, sondern ebenso durch ihre social media-Kanäle. Nicht nur das bei einigen ersichtlich ist, wann sie wo sind und was sie gerne essen, wofür sie sich interessieren – auch die Selfies sind zu sehen, kopierbar, abzuspeichern auf eben der Dating-Plattform von der „niemand“ weiß. Ein beklemmendes Szenario, wenn man dies in die Realität übernimmt.
Ich möchte damit nicht ausdrücken, die Frauen seien schuld! Ich möchte nur darauf hinweisen, dass jeder Mensch eine Eigenverantwortung trägt und sich über die eigene Präsenz im Internet bewusst sein sollte.

SPOILER ENDE

Das Ende jedoch sagte mir sehr zu, weil es anders ausgeht als gedacht! Ob es nun gut oder schlecht ausgeht spielt für mich keine Rolle, nicht bei diesem Genre – ich will überrascht werden, will es nicht kommen sehen. Damit meine ich nicht die Person, die sich hinter alldem befindet, dies weiß man am Ende. Ebenso die Beweggründe lassen keine offenen Fragen zurück – diese sind mir zwar zu überzogen, aber es erwartete mich ein Ausgang den ich anders vermutet hatte und somit unverhofft kam – schade, dass die Geschichte mittig eher schwach war.

Randnotiz: Das Hörbuch gibt es leider nur in gekürzter Fassung, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass mir Szenen oder Informationen fehlten. Grundlegend jedoch, bevorzuge ich (natürlich) die ungekürzten Fassungen!

Wertung: ★★★☆☆
Buchdetails | Anzeige |
Titel: Alleine bist du nie
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Clare Mackintosh
Sprecher*innen: Sabina Godec, Milena Karas & Julian Horeyseck

Verlag: Lübbe Audio | Print: Bastei Lübbe

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Invisible
~ Arno Strobel & Ursula Poznanski ~

Ein Arzt sticht während einer OP das Skalpell ins Herz eines Patienten. Ein junger Mann wird in aller Öffentlichkeit brutal erschlagen, ein Immobilienmakler niedergemetzelt in einer wahren Blutorgie. Es sind grauenvolle Morde, die ganz Deutschland erschüttern. Die Täter sind schnell gefasst, doch ihre Motive völlig unklar. Alle sagen aus, sie wüssten selbst nicht, was über sie gekommen sei – sie würden die Opfer nicht einmal kennen! Wurden die Täter manipuliert, ohne es zu merken? Gemeinsam mit ihrem Kollegen Daniel Buchholz muss Kriminalkommissarin Nina Salomon die tiefsten Geheimnisse der Opfer ergründen. Und was sie herausfinden, wirft ein völlig neues Licht auf unser bequemes Leben im digitalen Zeitalter.
(Inhalt laut Hörbuch-Verlag)

Der erste Band („Anonym„) des Ermittler-Duos konnte mich voll und ganz überzeugen und auch im zweiten Teil geht es thematisch ähnlich weiter, nur nicht ganz so überzeugend.

Daniel und Nina haben es wiederholt mit dem Tatort Internet zu tun und der oben zitierte Inhalt ist  diesbezüglich etwas irreführend. Die Täter*innen wissen sehr wohl was über sie gekommen ist, sie sind jedoch überrascht wie weit ihr Hass gehen kann. Sie sind nicht schockiert darüber, eine ihnen eigentlich unbekannte Person angegriffen zu haben, sondern über den Ausgang der Konfrontation. Zum Mord getrieben?! Dies ist die Frage die allgegenwärtig über den Ereignissen schwebt. Aber warum sollte eine Person im Hintergrund die Fäden ziehen und wenn dem so ist, sind die Opfer und Täter willkürlich gewählt? Man könnte zunächst meinen, dass solch ein Handlungsstrang völlig überzogen ist, aber das Autoren-Duo schreibt dem entgegen. Menschen lassen sich manipulieren, ohne dass es ihnen selbst auffällt, selbst die größten Zweifler*innen denken und tun Dinge, die ihnen zuvor suggeriert wurden. Hier wird nichts neu erfunden, aber ein für mich sehr interessantes Thema aufgegriffen – ein Aspekt der mich innerhalb der Geschichte ansprach!

So sehr eben diese Thematik ihren Reiz hat, so sehr nervte mich der Protagonist Daniel. Natürlich haben die beiden Ermittler*innen ein Privatleben. Und manchmal trägt man die Grundstimmung dessen mit zur Arbeit. Und nicht immer spricht man mit seinen Kolleg*innen direkt darüber – alles nachvollziehbar und alltäglich. Und doch störte es mich. Da sagte mir Ninas Problematik weitaus mehr zu – ja, ich weiß wie das jetzt klingen mag. Aber was sich bei ihr zum Ende hin ergibt war passender für die Geschichte, zumal eine Person mit Konflikten definitiv ausgereicht hätte!

Doch nicht nur dies trübte meinen Hörgenuss etwas, auch das Ende selbst ließ mich zwiegespalten zurück. Was sich hinter den Mordanstiftungen verbirgt ist eine wichtige Thematik, aber was sich daraus ergeben hat ist mir einfach zu überspitzt. Da fand ich es im ersten Band in sich stimmiger. Nachvollziehbar ja, aber realistisch? Vielleicht. Irgendwie hätte ich mir jedoch etwas anderes gewünscht. Ich bin wirklich hin- und hergerissen, eben weil ich die Ursprungsszenerie als großes Thema sehe und weitaus mehr in den gesellschaftlichen Fokus gestellt werden sollte – ob online oder offline bezogen. Somit schaue ich bei dieser Geschichte etwas über meinen Missmut bezüglich der verantwortlichen Person hinweg.
Was mich dann nach der ganzen Aufklärung erwartete minderte aber nochmals den Gesamteindruck. Der Fall war geklärt und dann muss es wirklich nochmals solch eine Szenerie geben? Das Autoren-Duo hat im Vorfeld darauf hingearbeitet und ich fragte mich schon die ganze Zeit, wofür dies dienen soll. Warum nochmals einen obendrauf setzen?

Ich würde nicht sagen, dass ich nicht zu einem dritten Band greifen würde – aber bitte weniger Privates und mehr Ermittlungen, denn diese Abschnitte überzeugten. Randnotiz: Die Sprecher*innen waren angenehm zu hören und besonders in Bezug auf Daniels Perspektiven war das Hörbuch definitiv die bessere Wahl.

Wertung: ★★★☆☆
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Titel: Invisible
Buchreihe: 2. Band der Buchholz & Salomon-Reihe
Autor*innen: Arno Strobel & Ursula Poznanski
Sprecher*innen: Sascha Rotermund, Christiane Marx & Richard Barenberg

Verlag: Argon | Print: Wunderlich (Rohwolt)


Wir lesen und hören viele Bücher & Hörbücher. Da wir nicht täglich eine Rezension schreiben möchten und können, haben wir uns entschlossen, zukünftig immer mal drei Geschichten mittels einer Kurzmeinung darzustellen.

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Christin
Gast

Hast du schon Bücher von A.Winkelmann gelesen? Bin mir grad nicht sicher?! Hatte ihn mal eine zeitlang gelesen, musste dann aber leider feststellen, dass ich ab einem gewissen Punkt (recht zu beginn) das Ende erkenne und seinen Weg dorthin. Hinzukam noch, dass ich Probleme mit den Charakteren hatte. Keine gute Kombi. Daher les ich derzeit nix von ihm :( Zu den gekürzten und ungekürzten Büchern – gibt da auch irgendwo nen guten Blogbeitrag. Nicht imme rheißt das, dass inhaltlich gekürzt wurde. Sondern Szenen/Momente, die als Hörbuch nicht wirken. Leider hat es auch zeitliche und Dateigrößen Gründe. Nicht schön, aber bisher… Read more »

Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Hallo Janna,

Winkelmann & und auch die Kombi Poznanski & Strobel können bei mir leider keinen Blumentopf gewinnen.
Wobei ich die Bücher von Poznanski alleine gerne mag.

Jetzt bleibt noch: Alleine bist Du nie
Das wollte ich eigentlich noch hören, denn die Idee dahinter klingt großartig. Deine Rezension allerdings lässt mich da nochmal überlegen, denn eigentlich ist selbst für Mittelklasse meine Hörzeit zu eingeschränkt.

Danke für die Bestätigung, dass ich bei den zu erst genannten nichts verpasse.

LG aus dem Regen
Anja