3 Geschichten – 3 Eindrücke | Tanja Hanika – Jo Machedanz – David Zwick

Der 2. #IndieAuthorDayDE ist gerade vorbei und wir machen munter weiter in Sachen #SPbuch. Um jedem der heutigen drei Bücher gerecht zu werden, wird es ein etwas längerer Beitrag, also schnappt Euch eine Tasse Kaffee oder einen Becher Tee, lehnt Euch zurück und lasst es Euch gutgehen.

Die heutigen Geschichten stellt Euch Kerstin vor
3 mal unterwegs in Sachen #SPbuch

Horrorroman
„Hexenwerk“
~ Tanja Hanika ~

Endlich sind Sommerferien.
Aber die besten Freunde Simon und Linus bringen sich selbst um den Ferienspaß, indem sie die alten, unheimlichen Frauen verärgern, die für sie wenige Sommer zuvor noch die vermeintlich bösen Kinderfresserinnen waren. Einst ein kindischer Gruselspaß, wird die Bedrohung nun real: Die Alten sind tatsächlich Hexen. Aus Kinderfleisch ziehen sie Lebensenergie, um ewig zu leben und ihr böses Werk zu tun.
Um nicht wie die anderen gestohlenen Kinder aus Schwarzbach zu enden, setzen Simon, Linus und ihre Freunde alles daran, die Hexen zu vernichten. Teufelsbuhlschaft, Eiterernte und Hexenkräuterkunde machen die alten Frauen zu mächtigen Gegnerinnen.
Warnung: Bedingt durch die Hexenthematik kommen in diesem Roman Kinder zu Schaden: Es findet Gewalt von Kindern und gegen Kinder statt.

Klappentext

In Sachen Horror hatte mich die Autorin schon einmal gepackt.

„Der Angstfresser“ war ein sehr blutiger und böser Horror-Roman.
Bei „Hexenwerk“ reizte mich aber mehr dieses Abenteuer der Kinder und wie die Geschichte um die Hexen umgesetzt wurde. Für mich war es weniger Horror, dafür aber herrlich schauderhaft.

Das Buch besticht schon durch dieses anziehende Cover. Der dunkle Wald wird im Hintergrund nur angedeutet, das Pentagramm (auch Drudenfuß genannt) und die Schriftart mitsamt Zierrahmen machen richtig was her. Auch die Warnung zum Inhalt (auf der Rückseite) ist vorbildlich und nachahmungswert.

Nun aber zum Inhalt und der Geschichte an sich. Ein paar junge Heranwachsende, alle um die 12 Jahre alt, leben in dieser kleinen Gemeinde, in der es schon immer vermisste Kinder gab. Ein Serientäter? Jemand aus dem Ort oder ein Reisender? Die jungen Menschen bekommen mit, dass wieder ein Mädchen verschwunden ist und fangen an sich Gedanken zu machen. Schnell sind die Schuldigen gefunden – Hexen, drei an der Zahl, in einem kleinen Haus wohnend und irgendwie schon immer da. So fangen die Freunde an zu recherchieren, alte Zeitungen und Chroniken zu wälzen und bekommen dabei nicht nur Einblicke in alte Geschehnisse, sondern auch unerwartete Hilfe.

Es wird gruselig, nicht so richtig schlimm, aber immer wieder entstehen sehr beklemmende Situationen. Gerade die Macht, die von den Hexen ausgeht und den Jugendlichen entgegenschlägt ist auf eine sehr unheimliche Art dargestellt. Keine Schockmomente, dafür aber solche die langsam und schleichend umherkriechen. Bestes Beispiel war die Schilderung der plötzlichen Dunkelheit in der Bibliothek und was sie an ihren Rändern mit sich trug. Drohende Gefahr, die kaum ausgesprochen wird aber ganz deutlich zu spüren ist. Da hat die Autorin ein absolutes Händchen für.

In den einzelnen Kapiteln gibt es immer wieder Rücksprünge. Vergangenes, erlebtes und erlittenes der Frauen, die im Buch als Hexen unterwegs sind, aber irgendwann einmal ein Leben fern ab und ohne im Bund mit dem Teufel zu stehen, lebten. Deren Schilderungen empfand ich als sehr informativ und besonders die Gefühlswelten haben mich komplett in ihren Bann gezogen.

Das Buch besticht mit einer Mischung aus mittelalterlichen Bräuchen und modernen Lebensweisen.
Einblicke in die Methoden der Inquisition und der Gewissheit, dass kaum eine der als Hexen bezichtigten Frauen bei den Verhören auch nur den Hauch einer Chance hatten, ging mir unter die Haut.
Aber auch dieses Sommerferien-Feeling der Jugendlichen und deren Zusammenhalt hat dem Buch viel Esprit gegeben. Ich muss zugeben, dass ich mich gerade zu Beginn mit einem der Charaktere sehr schwer getan, da dessen Ton äußerst provokant war und ich es zu dem Alter nicht wirklich passend fand. Andererseits habe ich mal in meinen Erinnerungen gekramt, wie das damals so war, Sommerferien, Clique, Abenteuer, ja da gab es solche auch schon *mit den Augen klimpernd*
Die Episoden mit den Hexen allerdings waren jedes Mal eine neue Herausforderung. Zu erlesen, was sie nun tun, wie sie es tun und warum.
Es war stellenweise sehr…nun ja…bei einem Film hätte ich weggesehen, ganz bestimmt sogar!

Wertung: ★★★★☆
1 Geschichte – 2 Meinungen: Jannas Rezension

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Buchdetails 
Titel: Hexenwerk
Autorin: Tanja Hanika
Buchreihe: Einzelband, 231 Seiten
Verlag: Independently published


| Rezensionsexemplar |
Kriminalroman
„Fleischmaler“
~ Jo Machedanz ~

Ein brutaler Mord mit einem Flammenwerfer mitten in Berlin. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck. Doch dass die Täter auch eine junge Frau gefangen halten, ahnt niemand – außer Kiki Timm, die Freundin der Entführten. Kiki muss etwas tun. Sie ist eigensinnig, willensstark, eine begabte Graffiti-Sprayerin, die hohe Mauern erklettern und sich wehren kann. Und Kiki ist taub. Ohne ihre Hörimplantate lebt sie in der Stille. Als die Polizei Kikis Befürchtungen nicht ernst nimmt, beginnt sie zusammen mit dem Aussteiger Paul auf eigene Faust zu ermitteln. Unterdessen sucht ein amerikanischer Privatdetektiv für einen zwielichtigen Auftraggeber in der deutschen Hauptstadt nach Akt-Gemälden des berüchtigten Nazi-Malers Adolf Ziegler. Viel zu spät erkennen die Akteure, dass sie durch ihre Nachforschungen in ein gefährliches Netz aus Lügen, Hass und Gewalt geraten.

Klappentext

Wenn ich etwas an Büchern liebe, unabhängig von Genre, aber ganz besonders bei Kriminalromanen ist es die Komplexität, mit der die Autor_innen Charaktere erschaffen und wie sie diese in einer Geschichte zueinander führen, ohne dass man es im Vorfeld erahnen kann.

Jo Machedanz ist das bei „Fleischmaler“ sehr gut gelungen, richtig gut sogar. Er stellt einzelne Personen vor, erzählt dies und jenes, gibt einiges preis und verbergt geschickt so manches. Im Buch gibt es einige die mir richtig gut gefielen, allen voran Kira, Kiki genannt, deren Beeinträchtigung durch ihre Taubheit eher ihr Umfeld betreffen und nicht sie selbst. Kiki ist auf der Suche nach ihrer Mitbewohnerin und Freundin und als Sprayerin wählt sie ganz ungewöhnliche Wege um erstens damit umzugehen und zweites irgendwie ein Lebenszeichen zu bekommen.

Der Privatdetektiv Adam Peppercorn ist der „Macher“ im Buch. Immer auf dem Sprung, mit irre vielen Kontakten und großem Wissen im Kunstbereich. Die Episoden mit ihm haben mich ab und an etwas gestört, weniger wegen dem Charakter, sondern da ständig irgendwas im englischen gesagt oder gedacht wurde. Es hat meinen Lesefluss schon gestört. Ja, er ist Amerikaner aber dann bitte alles in einer Sprache und kein Mischmasch aus beiden. Dennoch fand ich gerade Pauls „Ermittlungen“ und sein Wissen, dass er über den Autoren an mich als Leserin weitergab immens und hat mich wieder einmal über Dinge informiert, die ich so nicht wusste. Gerade der historische Kontext dazu war genau mein Ding.

Dann wäre da noch der verkannte Autor Paul, seine unausstehliche Nachbarschaft in dem Mehrparteien-Haus und das kleine Mädchen. Pauls Rolle war mir lange ungewiss, aber auch hier hat der Autor Händchen fürs heranschleichen bewiesen.
Generell diese Stimmung im Haus, alles wirkte sehr bedrohlich und die Nachbarschaft hat mit ihrem Verhalten sehr viel dazu beigetragen. Herrlich fiese Antagonisten muss ich sagen.

Als letzte Einheit sind da noch die ermittelnden Beamten. Vom alten Hasen bis zum Frischling ist alles dabei. Gewiss wird hier und da auch mal ein Klischee bedient, aber es war dennoch sehr erfrischend an den Ermittlungen teilzunehmen.

Durch die Kapitelüberschriften mit Abgaben zu Orten und Uhrzeiten war es immer nachvollziehbar, wo man sich befindet und mit wem. Es hat sehr gereizt noch ein Kapitel zu lesen und noch eines, wodurch man durch das Buch fliegt.
Der Titel sollte man nicht überbewerten, es wird nicht unnötig blutig, sondern ist richtig solide im Stile eines fordernden Kriminalromanes geschrieben. Man kann es sich sehr schnell ableiten, was damit gemeint ist, ich wäre ohne den Inhalt des Buches nie darauf gekommen, dabei ist es total logisch. Auch diese Sache mit den Kunstwerken hat mir sehr viel neues an Informationen gebracht, was ich generell bei Büchern liebe.
Ein sehr gelungener Kriminalroman, der Lust auf mehr aus der Feder von Jo Machdanz macht.

Wertung: ★★★★☆

– Weitere Eindrücke –
Laberladen
Der Leseratz

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Buchdetails 
Titel: Fleischmaler
Autorin: Jo Machedanz
Buchreihe: Einzelband (noch?), 314 Seiten
Verlag: Selbstverlag – Selfpublisher


| Rezensionsexemplar |
Historischer Roman
„Ein Schwur aus Feuerstein“
~ David Zwick ~

Nach dem Grauen des Ersten Weltkrieges muss der elfjährige Ludwig mit ansehen, wie das unerklärliche Verschwinden von Kindern sein Dorf mit Beschuldigungen und Aberglaube verseucht. Ludwig und seine Freunde Erich, Klaus und Luise beschließen, sich diesem Unheil entgegenzustellen. Mit der Hilfe eines Inspektors jagen sie eine scheinbar unsichtbare und doch allgegenwärtige Bedrohung. Dabei geraten sie immerzu tiefer in die Finsternis, welche die Gemeinde zu umklammern scheint. Schon bald ereilt die Freunde ein weiteres folgenschweres Unheil: Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der einstige Schwur auf die ewige Freundschaft wird von Hass und Tragödien erprobt.

Klappentext

Alles rund um das Thema 1. und 2. Weltkrieg interessiert mich ja immens. Zeitzeugenberichte, fiktives mit realem Hintergrund (oder umgekehrt), altbekanntes und neue Informationen aus Nischen, die ich meist nur über Zufall entdecken.

So habe ich mich riesig gefreut als Autor David Zwick anfragte, ob ich sein Buch lesen möchte und habe direkt ja gesagt.
Kindheitserinnerungen und alle damit verbundenen Emotionen und Erlebnisse, auch wenn sie schmerzhaft sind oder sein können, haben eine ungemeinen Reiz auf mich. Dabei brauche ich gar keine expliziten Darstellungen der Gewalt oder unnötige Details, es ist eher die Suche nach denen, die eben diese Kriege und alle damit verbundenen Folgen überlebten und noch mehr die Gewissheit, dass viele nicht nur tatenlos zusahen, sondern denen beistanden, die der Willkür ausgezetzt waren.

Im Buch erzählt Ludwig, ein alter Mann mittlerweile, seine Geschichte selbst. Durch die Ich-Form kommt das nochmals authentischer rüber, als würde es eine vollkommen fremde Person erzählen. Ludwig schweift weit zurück, lässt seine Familie und seine Kindheit Revue passieren. Es geht schnell, vom 1. bis zum 2. Weltkrieg und genauso schnell erfährt man viel über seine Freunde und welche Menschen aus seinem Umfeld sterben, im Krieg bleiben oder diesen mit nach Hause bringen. Auch wenn es von den Zeiten her immer wieder Sprünge gab, konnte ich der Geschichte sehr gut folgen.

Die Freundschaft der Kinder, in diesen Zeiten, hat etwas besonderes und wird durch den Schwur nochmals hervorgehoben. Bereits zu dem Zeitpunkt war ich sehr neugierig darauf, wie sich die kommenden Zeiten auf diese Freundschaft auswirken würde.
Es hatte etwas magisches an sich und ich mochte diese Bande.

Was mich allerdings sehr störte, war der teils emotionslose Erzählstil. Hier wäre bei der Unmengen an Erzählungen etwas weniger mehr gewesen, wenn statt dessen Tiefe hineingeflossen wäre. Das Tempo ist enorm und ich habe mich selbst dabei erwischt immer schneller zu lesen und dabei ganze Passagen eher zu überfliegen, als bewusst wahrzunehmen. Es gibt immer wieder Sätze, die mir unter die Haut gingen, da sie von der Gestaltung und der Aussagekraft ganz besonders sind. Leider gehen viele davon unter in der Flut des Erzählens. Absätze würden der Geschichte Raum geben, um mal einzuatmen und das gelesene wirken zu lassen. Das Buch hat mich durchaus etwas gehetzt und doch mochte ich Ludwig und was er zu sagen hatte.

Die eingebundene Geschichte um die verschwundenen Kinder hätte das Buch gar nicht gebraucht, denn schon die damaligen Zeiten, das Verhalten der Menschen, das Leid, die Not und diese besondere Freundschaft hätten vollkommen ausgereicht.

Als sehr positiv sehe ich die Gestaltung von Cover und Innenseiten. Die 4 Kinder prägen das ganze Buch und die Kapitelüberschriften haben einen leicht kindlichen, aber eleganten Stil. Es ist mehr als nur eine Abenteuergeschichte, es geht um den Krieg und damit auch um den Tot. Aber es wird nichts verherrlicht, sondern kurz und prägnant dargestellt.Fließend erfährt man alles was Ludwig erlebt hat und wegen dem alten Mann hatte ich zum Schluss hin sogar einen Kloß im Hals.

Wertung: ★★★☆☆

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Buchdetails
Titel: Ein Schwur aus Feuerstein
Autor: David Zwick
Buchreihe: Einzelband, 204 Seiten
Verlag: Independently published

Das waren drei komplett unterschiedliche Bücher, die aber eines gemein haben – sie sind alle von den jeweiligen Autor_innen selbst verlegt worden.
Großartig gestaltete Cover, qualitativ hochwertige Paperbacks, eine angenehme gut lesbare Schrift und eine übersichtliche Gestaltung der Kapitel mittels Überschriften – wer jetzt noch sagt „Selbst verlegte Bücher lese ich nicht“ ist selber Schuld.

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Gabi
Gast

Liebe Kerstin,
wie schön, dass der Fleischmaler auch bei Dir so gut angekommen ist. Wenn ich das Buch nicht schon gelesen hätte, dann hätte ich mir das aus Deiner Dreierauswahl auch herausgepickt und zuerst gelesen. Der Selfpublisher-Markt ist wirklich vielseitig und hat tolle Qualität und Kreativität zu bieten!
LG Gabi