3 Geschichten – 3 Eindrücke | Amy Gentry – Thomas Glavinic – Claudia Hochbrunn

Diese Bücher stellt Euch Janna heute vor

Keine Geschichten für mal eben


ROMAN
„Good as Gone“
~ Amy Gentry ~

Ich kann mich nur wiederholen: Hörbücher können Geschichten definitiv aufwerten! Sofern man die Stimme(n) mag. Genau das ist bei dieser Geschichte der Fall, ich liebe die Thalbach-Stimmen! Wobei der jüngeren Thalbach diese „Reibestimme“ fehlt und ich mich daran erstmal etwas gewöhnen musste. Zwei sehr unterschiedliche Stimmmelodien und -muster, aber wundervoll zuzuhören. Ob ich ebenso begeistert gewesen wäre, wenn ich es selbst gelesen (Print) hätte, wage ich doch etwas zu bezweifeln. Ein kleiner Funke fehlte einfach und ich kann ihn nicht mal gezielt benennen …

Eine Mutter. Ein Vater. Zwei Töchter. Und eine verhängnisvolle Nacht. Danach ist die Familie nur noch zu dritt, doch Jahre später soll die entführte Tochter wieder vor der Tür stehen. Wie geht eine Familie mit solch einem Verlust um und wie reagieren alle, wenn die tot geglaubte Tochter plötzlich wieder vor der Tür steht? Mutter und die wiederkehrende Tochter berichten. Bald machen sich Zweifel breit und eine tragische Geschichte kommt an die Oberfläche.
Wichtig ist zu erwähnen, dass die Geschichte zum Ende hin eventuell triggern könnte. Thematisch, auch wenn es nicht als solches bezeichnet wird, behandelt die Geschichte Sektenverhalten in abgeschwächter Form.

Ich mochte den Wechsel zwischen den Protagonistinnen und der Verlauf ist nicht das was ich erwartet hatte, positiv gemeint! Ein Roman ja, aber es fehlte mir der Reiz unbedingt wissen zu wollen wie die Geschichte weitergeht. Da ich den Stimmen aber mehr als gerne lauschte und die Geschichte selbst interessant war, kann ich schon sagen, ein kleines Lesevergnügen gehabt zu haben – trotz der Kritikpunkte.

 Buchdetails
Titel: Good as Gone
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Amy Gentry | SprecherIn: Anna und Nellie Thalbach
Verlag: Der Hörverlag | Printausgabe: Random House (versch. Auflagen, versch. Verlage)
ISBN: 978-3-8445-2540-3 [Audio]
Wertung:
★★★★☆

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ROMAN
 „Der Kameramörder“
~ Thomas Glavinic ~

Puhi! Das fasst das Buch in einem Wort zusammen. Ein kleines Büchlein und doch nichts für zwischendurch. Zum einen ist es ein einziger Text, kein Kapitel, keine Abschnitte oder ähnliches. Zum anderen ist die Thematik eine ernste und immer noch aktuelle. Ein Mord und sein Reiz.

Zwei Ehepaare verbringen gemeinsam die Ostertage in der Steiermark. Doch die gemeinsame Zeit wird überdeckt von einem aktuellen Mordfall. Zwei Kinder tot. Eines überlebte. Es gibt Videoaufnahmen. Der Fernseher berichtet rund um die Uhr und nicht nur die Vier sitzen wie gebannt davor.

— Spoiler —

Natürlich ist die Frage: worauf hat(te) es der Autor abgesehen? Wenn es das Ende war, muss ich leider gestehen, dass dies für mich nicht überraschend war. Bereits nach dem ersten Satz war deutlich, wohin die Geschichte führen wird. Mindert aber absolut nicht mein Lesevergnügen, sofern man bei diesem Buch von Vergnügen sprechen kann. Denn der andere Schwerpunkt (siehe unten) hat mich gefesselt.

Spoiler Ende —

Mal abgesehen davon, dass ein Fließtext schon was abfordert und Glavinic seinen ganz eigenen Schreibstil hat, konnte mich das Buch in seinen Bann ziehen. Was passiert mit unserer Gesellschaft wenn ein Mord die Welt erschüttert? Sensationsgeilheit! Und genau dies wird im Buch thematisiert und ich musste an mancher Stelle wirklich schlucken – wenn die Landkarte gezückt wird …

Was an seiner Art der Erzählung anders ist?
Sonja wird von dem Ich-Erzähler durchweg als „Lebensgefährtin“ bezeichnet. Die Geschichte wird durchgängig erzählt, ohne Pause für die Leser*innen. Und es wird sehr detailliert. Nicht nur die Morde (es fließt kein Blut, aber der Tathergang wird beschrieben – Kinder werden in den Selbstmord getrieben), auch die verschiedenen Handlungen und Konversationen. Die Dicke des Brotes oder ähnliches. Aber dies macht es besonders und skurril im Kontext der Ereignisse, was ich absolut positiv meine!

Buchdetails
Titel: Der Kameramörder
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Thomas Glavinic
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-41107-3 [Paperback]
Wertung:
 ★★★★☆ 

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SACHBUCH
Ein Arschloch kommt selten allein“
~ Claudia Hochbrunn ~

Nach „Die Welt die ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale“ war meine Erwartung an dieses Buch sehr hoch. Doch leider kommt das Arschloch-Buch nicht ganz an meine Begeisterung des vorherigen Buches der Autorin heran.

Das Arschloch in all seinen Facetten und jede*r von uns kennt eines davon, hat vielleicht selbst Züge dessen!? Ich finde den Titel ja schon feinst und allein der letzte Satz auf dem Buchrücken (Klappentext) reizte mich schon sehr!

Bitterböse, sehr, sehr lustig – und leider wahr.

Das es erst mal sachlich beschrieben wird habe ich erwartet und finde den Aufbau auch sehr gelungen. Neun verschiedene Arschloch-Typen und ihre Definierung, warum sie wurden was sie sind und wie man mit ihnen umgehen/leben kann. Und als kleines Schmankerl – was für ein Arschloch-Typ bin ich selbst? Ich muss nur gestehen, ich bin wohl eine spezielle Art des Arschlochs, denn mir fehlten einfach viele Antwortoptionen. Aber mit solchen Selbsttests ist es wohl immer ein Schema F oder? Bei neun Antwortmöglichkeiten sollte man meinen, eine für sich zu finden, doch so ganz war dem leider nicht. Eben Schema F, Antwortoptionen die durch den Text zuvor absehbar waren und wenig Freiraum bieten.

Nach dem Selbsttest geht es nochmals in die Tiefe – die Strategien im Umgang mit einem Arschloch. Und da kamen dann auch endlich die von mir ersehnten Beispiele! Das oben genannte Buch lebt von eben diesen praktischen Beispielen, dies fehlte mir in der ersten Hälfte des Buches. Es war interessant und stellenweise auch unterhaltsam, aber im gesamten zu ‚trocken‘. Die zum Ende hin beschriebenen Szenen sind gut geschrieben und ich hätte sie mir vom Aufbau direkt zu Beginn bei den jeweiligen Typ-Beschreibungen gewünscht.

Buchdetails
Titel: Ein Arschloch kommt selten allein 
AutorIn: Claudia Hochbrunn
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-63212-9 [Paperback]
Wertung:
★★★☆☆


Wir lesen und hören viele Bücher & Hörbücher. Da wir nicht täglich eine Rezension schreiben möchten und können, haben wir uns entschlossen, zukünftig immer mal 3 Bücher mittels einer Kurzmeinung darzustellen. Dafür haben wir keine festen Termine eingeplant, sondern machen es immer so wie es am besten passt.

16 Kommentare

  1. Hey Janna,

    deine Aussage zu Hörbücher bzgl. der Stimmen ist voll und ganz meine Meinung! Nur, dass ich genau bei diesem Hörbuch „Good as gone“ die Stimmen nicht gemocht hatte! hihi Die Klangfärbung war so gar nicht mein Ding. Leider. Aber ich freue mich, dass sie für dich das HB aufgewertet haben. 🙂

    Von Glavinic wollte ich auch schon immer mal was lesen. Bisher hatte es nur noch nicht geklappt.

    Schade, dass dich das Sachbuch nicht überzeugen konnte. Aber manchmal ist das so. Nicht alles kann genau auf alle abgestimmt sein, gelle.

    GlG vom monerl

    1. Oh absolut – und zum Glück haben sie bislang die Geschichte selbst immer aufwerten können! Ich liebe sie, kann aber sehr gut verstehen das die Stimmen der Thalbach nicht alle ansprechen.

      Ich habe bislang auch nur 2 Bücher von ihm gelesen, kann aber beide wirklich empfehlen!

      Das vorherige gefiel mir sehr gut, da Claudia Hochbrunn Tatsachen, Humor und Hintergrundwissen gut vereint hat – hier war das für mich leider nicht der Fall. Nicht das es schlecht ist, aber der Aufbau gefiel mir leider nicht ganz.

      Hab einen feinen Abend!

  2. Ich habe „Good as Gone“ gelesen und fand das richtig gut!
    Anna Thalbach höre ich auch sehr gerne, Nellie habe ich noch nicht gehört. Muss aber auch dazu sagen, dass ich schon ewig kein Hörbuch mehr gehört habe!

    liebe Grüße Anett

    1. Ich glaub als Print hätte es mir nicht so gut gefallen, aber hab oben ja schon geschrieben – kann nicht mal genau benennen warum – war nur ein Gedanke beim Hören.
      Oh ja, Anna Thalbach rockt! Und dann muss man sich an die Jüngere wirklich kurz gewöhnen, da Nellie diese rauchige Stimme nicht hat.

      Hach, zwischendurch beim putzen und so, bietet es sich für mich wirklich an (=

  3. Liebe Janna,

    das Hörbuch „Good as gone“ klingt ja toll. Die Thalbach-Frauen haben einfach tolle Stimmen. Die höre ich auch immer gerne. Das setze ich mir mal auf meine Merkliste. Danke dir fürs Vorstellen. Ich wünsche dir einen super schönen Abend.

    Liebe Grüße
    Tami

    1. Huhu meine Feine!

      Ich liebe die Thalbachs auch – ich mag diese rauen Stimmen! Deswegen höre ich Janis Joplin auch sau gerne – viel Spaß beim Hören, sobald es einzieht!

      Hab einen feinen Abend :-*

  4. Hallo,

    ich habe Good as gone als Buch gelesen und ich fand die Story wirklich sehr gut. Mir hat das Buch einfach gefallen, aber nachdem ich jetzt bei dir gelesen habe, dass die Thalbachs das Hörbuch lesen, wäre es vielleicht nochmal eine Option dazu zu greifen. Ich mag die Stimmen der Damen sehr. 🙂

    Der Kameramörder klingt wirklich sehr gut, was mich allerdings ein wenig abschrecken würde ist, dass du schreibst, dass das Buch keine Kapitel und Abschnitte hat. Ich mag sowas überhaupt nicht, für mich braucht ein Buch Struktur und das bekommt es meiner Meinung nach mit Kapiteln. Aber vielleicht bin ich auch etwas zu empfindlich und sollte einfach mal über meinen Schatten springen und das Buch lesen. 😉

    Auf jeden Fall danke für deine Kurzmeinungen. 😀

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    1. Ich glaube als Print hätte es mich nicht so abholen können, kann aber wie oben geschrieben, den Grund gar nicht genau benennen. Oh das kenn ich 😀 Hab nach dem Lesen erfahren das Thalbach das Buch „Gwendys Wunschkasten“ gesprochen hat und war echt kurz in Versuchung das Hörbuch zu holen – ebenso bei „Der 13. Stuhl“ da dort Hintergrundgeräusche eingebaut sind!

      Hatte kurz überlegt, ob ich es bei meinen Eindrücken zum „Kameramörder“ schreiben soll, da es abschreckend wirken kann – aber es gehört nun mal dazu und ist ein markantes Merkmal der Geschichte. Kann dir das lesen empfehlen! Ich wusste zwar bereits nach der ersten Seite was mich am Ende erwartet, aber der Weg dorthin ist gelungen geschrieben!

      Danke dir für deinen Kommentar! Hab noch einen mukkeligen Abend!

  5. Hallo Janna,

    die ersten beiden Geschichten, hören sich wirklich interessant an. Aber wenn ich so von Gabi lese, dass die zweite Hörbuchsprecherin ihre Eigenarten hat mit einigen Wörtern hat, würde ich wahrscheinlich lieber selber lesen. Da wär ich doch viel zu schnell genervt von.

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Ich denke das ist individuell, mir persönlich ist es überhaupt nicht so stark aufgefallen – ich musste mich erstmal an die – im Gegensatz zu den anderen Thalbachs – sehr seichte Stimme gewöhnen! Ansonsten hatte ich nichts auszusetzen, wenn es eine Hörprobe gibt solltest du die mal probieren, wenn dich die Geschichte (als Hörbuch) reizt (=

  6. Eine Hörbuchversion steht und fällt mit den Sprechern. Im Fall von „Good as Gone“ muss ich sagen: leider. Denn die Geschichte an sich, der Aufbau und wie sie erzählt wurde, hat mir richtig gut gefallen.

    Und auch Anna Thalbach macht als Sprecherin ihre Sache sehr gut. Man kann in die Geschichte eintauchen, sie entsteht lebendig vor dem inneren Auge und Anna Thalbach liest abwechslungsreich, so dass man ihr stundenlang am Stück zuhören kann.

    Mit Nellie Thalbach als zweiter Sprecherin hatte ich ein paar Problemchen. Leider gibt es bei ihr ein “Gehürn”, einen “Tüsch” und eine “Stümme” und sie hat ordentlich am Buchstaben r gespart, weil jemand z. B. “erstahte”, statt zu erstarren. Als mir das irgendwann störend aufgefallen ist, habe ich mich ständig daran aufgehängt und konnte mich nur noch darauf und nicht mehr auf die Story konzentrieren. Nellie Thalbach hat ansonsten wirklich gut gelesen, aber bei diesen Dingen bin ich offensichtlich sehr empfindlich und lasse mich davon irritieren. Da hätte ich die Sprecherin gerne “unauffälliger” gehabt, was persönliche sprachliche Eigenheiten angeht, denn das hat meinen Spaß an der Geschichte tatsächlich gemindert.

    LG Gabi

    1. Absolut – bei mir wars zum Glück immer eine Steigerung zum Buch und Anna Thalbach ist top!

      Schade das Nellie dich zunehmend störte und kann die Kritikpunkte aus deiner Sicht absolut nachvollziehen. Ich überhöre so etwas dann ja gerne oder lasse mich davon nicht stören. In erster Linie muss die Stimme angenehm sein, der Ton gut und die Atmung sollte nicht zu hören sein – der Rest ist dann gerne individuell. heißt wo das eine stört, fällt es beim anderen vielleicht gar nicht auf.
      Schade natürlich wenn es dich beim Hören stark von der Geschichte abgelenkt hat – hast du eine Rezi online? Muss mal stöbern kommen (=

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