1 Geschichte – 3 Formate: Pan`s Labyrinth trifft auf das Labyrinth des Fauns [Cornelia Funke & Guillermo del Toro]

Märchenhaft metaphorisch

Altersempfehlung laut Verlag: 14 J. // Klappentext (Hör)Buch:
Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald, der ihr neues Zuhause umgibt, wird für Ofelia zur Zufluchtsstätte vor ihrem unbarmherzigen Stiefvater: ein Königreich voller verzauberter Orte und magischer Wesen.
Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie diese, ist sie die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hineingezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Kann Unschuld über das Böse siegen?

FSK 16 // Klappentext Film:
Dies ist die Geschichte der kleinen Ofélia, die mit ihrer Mutter zum Stiefvater, einem hochrangigen Militäroffizier, in eine ländliche Gegend Nordspaniens ziehen muss. Durch die Brutalität und Unberechenbarkeit des Stiefvaters tief erschüttert, findet Ofélia Zuflucht in einer Fantasiewelt, die von wundersamen, schaurigen und mythischen Fabelwesen, wie dem geheimnisvollen PAN, bevölkert ist. Sie hat nur eine Chance, in diesem neu erschaffenen Kosmos zu bestehen: Sie muss sich ihren tiefsten Ängsten und schlimmsten Träumen stellen.


Das Print

Ooooh was war ich skeptisch! Ich habe wirklich bezweifelt das diese Filmverbuchung mich ansprechen oder gar begeistern könnte. Zu sehr liebe ich den Film „Pans Labyrinth“, doch ebenso war ich extrem neugierig! Und wenn der Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro die Autorin Cornelia Funke persönlich darum bittet, seinen Film zu verschriftlichen, kann es doch gar nicht so schlecht werden, oder? Oder??

Was soll ich sagen? Ich bin absolut verzückt! Die Autorin hat die Stimmung des Filmes wundervoll eingefangen und sich dicht an der Vorlage entlang geschrieben. Die Geschichte ist mit schönen Illustrationen untermalt und wurde mit einer weiteren Erzählung ergänzt, die sich hervorragend einbettet in die Grundgeschichte.

Was in den Abschnitten um Ofelia erzählt wird, sind die Ausmaße der damaligen Diktatur in Spanien. Vermischt mit phantastischen Elementen wird der Umgang eines kleinen Mädchens mit ihrem dunkelstem Kapitel skizziert. Ob als Märchen oder Metapher, diese Geschichte zieht mich auch heute noch in ihren Bann.

Ofelia begegnet einem Faun (ähnlich dem Satyr), der ihr drei Prüfungen stellt. Der Weg hinaus aus der Dunkelheit oder der Weg hinein? Ofelia zweifelt ob sie ihm glauben kann, dennoch stellt sie sich diesen Aufgaben, denn was sie zu Hause erwartet ist nicht minder Furchteinflößend. Ihr Stiefvater ist das Böse in Person und ihre Mutter ist ihm treu ergeben. Inmitten dieser zwei Welten herrschen die Nachwehen des Bürgerkriegs und Ofelias Angst.

Da die Autorin sich dicht an den Film gehalten hat, war ich besonders neugierig wie sie den weiteren Erzählstrang durch den Roman webt. Und es passt perfekt in die Geschichte von Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro. Cornelia Funke gibt einen Blick auf Ereignisse frei, die im Film keine Rolle spielen und hat es geschafft diese beiden Erzählungen aufeinander abzustimmen und ein gelungenes Gesamtbild zu erschaffen.

Das Hörbuch

Auch wenn ich das Print bereits hier liegen hatte, konnte ich dem Hörbuch einfach nicht widerstehen. Nachdem ich gelesen hatte, dass es minimale Hörspielzüge hätte, musste ich es mir einfach in einer meiner Apps runterladen.

Ein wenig untermalt mit Hintergrundgeräuschen ist das Hörbuch, doch dies ist leider nicht so umfangreich wie ich es mir gewünscht hätte. Ich mochte die Stimme des Sprechers Tom Vogt, doch sobald er die Sprechtexte der einzelnen Protagonist*innen las, wurde ich ein wenig aus dem Sog der Geschichte geworfen. Mir persönlich sagten diese Parts nicht zu, da mir Ofelia, ihre Mutter Carmen und Mercedes immer noch zu männlich waren.
Dafür war ich sehr angetan davon, dass die Autorin selbst ebenfalls gelesen hat! Die Szenen aus dem unterirdischen Reich und den vergangenen Tagen grenzen sich dadurch von der Hauptgeschichte ab und vermitteln eine ganz eigene Atmosphäre.

Die Vorlage – Der Film

Der Film war die Grundlage für das Buch und ich kann gar nicht zählen, wie oft ich ihn bereits geschaut habe. Es beginnt mit der Erzählung, die auch im Prolog des Buches zu lesen ist und beginnt mit Ofelias und Carmens Autofahrt. Auch der weitere Verlauf ist wie im Buch beschrieben, nur das die zusätzliche Erzählung rund um das unterirdische Reich fehlen. Dennoch ist der Film nicht minder märchenhaft!

Guillermo del Toro versteht sich in der Kunst des Films! Optisch nimmt die Geschichte mich bereits immer wieder ein, doch auch thematisch zeigt der Regisseur und (Dreh)Buchautor immer wieder gesellschaftliche Problematiken dar. So wie in „Shape of Water“ (Rezension), gibt es auch in diesem Film ein schwerwiegendes Thema. Krieg, Diktatur, Gewalt. Dem steht die kleine Ofelia gegenüber und muss mit ansehen, wie sich auch ihre Mutter sich immer mehr von ihr distanziert. Doch im Gegensatz zum Buch ist es im Film nicht so abweisend dargestellt, dafür sind die Szenen brutaler. Nicht in ihrem Sein, aber in der Darstellung. Manchmal kann Phantasie mehr, aber hier zeigt del Toro die Gewalt detailliert. Im Buch ist dies ebenfalls beschrieben, doch die dabei entstehenden Bilder waren für mich nicht so intensiv wie in der bildlichen Darstellung.

Ich bin ein Fan der del Toro Filme, da sich Realität und Fiktion wundervoll vermischen, zum Nachdenken anregen und jeder Film ein kleines Kunstwerk ist. Gerne erwarten die Zuschauer*innen, die seine Filme (noch) nicht kenne viel Fantasy-Elemente, doch „Pans Labyrinth“ erzählt nur im Nebenstrang vom Faun und dem unterirdischen reich. In erster Linie steht das Spanien der 40er Jahre im Fokus und skizziert die Gewalt, Angst und den Widerstand gegen die Diktatur. Und doch schafft es der Regisseur, dass der Film einen phantastischen Sog aufbaut!

Fazit

Ich liebe den Film und ich liebe das, was Cornelia Funke daraus als Buch gezaubert hat! Sie fängt die Stimmung des Films von Guillermo del Toro wundervoll ein. Sie hat sich dicht an den Film gehalten und diesen noch mit weiteren Abschnitten ergänzt. Ich kann beide Formate unabhängig voneinander und gemeinsam nur empfehlen! Einzig die Hörbuch-Variante sagte mir nicht ganz zu, was aber meinem persönlichen Geschmack zu Schulden kommt.

Ich weiß das hier und da kritisiert wurde, dass das Buch im Jugendbereich des Verlages und einer Altersempfehlung ab 14 Jahren erschien, aber ich persönlich finde das Alter im Hinblick auf die beschriebenen Szenen nicht zu gering gesetzt. Bei 12 Jahren hätte ich es als grenzwertiger empfunden. Gewalt wird beschrieben, da dies ein Teil des Krieges ist, Teil unserer Ängste und Teil des Menschseins. Wie auch schon die Brutalität in Märchen seitens von Stiefmüttern oder Tieren beschrieben wird, ist es in dieser Geschichte ein fanatischer Capitan. Natürlich sind die Kindermärchen nicht so detailliert beschrieben, aber nicht minder brutal (Beispiel: Wolf frisst Großmutter, Bauch wird vom Jäger aufgeschnitten).
Ich empfehle das Buch und/oder den Film selbst zu lesen/zu schauen und dann zu entscheiden, ob es die passende Geschichte für die Jugendliche oder den Jugendlichen ist.

Rezension verfasst von © Janna
Film & Print: ★★★★★
Hörbuch: ★★★☆☆


1 Geschichte – 2 Meinungen: Kerstins Rezension

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(Hör)Buchdetails
Titel: Das Labyrinth des Fauns
Autorin: Cornelia Funke
Sprecher*innen: Tom Vogt und Cornelia Funke
Illustrator: Allen Williams
Print-Verlag: Fischer
Hörbuch-Verlag: Atmende Bücher (Hörbuchverlag der Autorin)

Filmdetails
Titel: Pans Labyrinth
Regisseur & Drehbuchautor: Guillermo del Toro
Eine Liste der Schauspieler*innen des Films findest du *hier*

Filmtrailer:

Hörprobe – Buchbeginn:


Kennst du eines der vorgestellten Formate oder bist du nun neugierig auf die Geschichte geworden?

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Tina
Gast

Liebe Janna,

Guillermo del Toro ist ein Künstler, ein meister des Films ohne so merkwürdig zu werden wie Terentino. Zumindest ist das meine meinung. ich mag den Film, so heftig er ist, ich mochte auch das Buch von Cornelia Funke, allerdings warfen die Zwischengeschichten Fragen auf, die nie eine Antwort bekommen werden. Beispielsweise die Namensgleichheit mit den Nebendarstellern, auch manche Enden sind offen gehalten, so dass ich nicht weiß, wie es weiter gegangen wäre.

Liebe Grüße
Tina

Buchperlenblog
Gast

Huhu Janna!
Eine ganzu ganz tolle 3fach-Rezension ♥ Ich liebe Pan’s Labyrinth als FIlm und schleiche immer wieder um die Verbuchung (ein tolles Wort :D) herum, unsicher, ob ich einen Film tatsächlich lesen mag oder nicht. Dann gabs die kritischen Stimmen und irgendwie bin ich davon wieder abgerückt. Nun hab ich wieder Lust drauf dank dir! Übrigens bin ich ganz erstaunt, dass das Hörbuch doch so wenig von einem Hörspiel hat. Bei Spotify wurde ich wochenlang mit dem Hörbuch in der Werbung malträtiert und was da zu hören war, wa durchaus ziemlich Hörspiellastig, verschiedenen Stimmen inkl. Sehr seltsam!

Alles Liebe!
Gabriela