Rezension

„Wolfsspinne“ von Horst Eckert | Kasin

Wolfsspinne

Es verblüfft mich immer wieder wie es die AutorInnen schaffen mich so in eine Geschichte hineinzuziehen. Kopfkino, ausgelöst durch ein paar Worte oder Schilderungen bringen Erinnerungen an Vorfälle, Gesichter aus Zeitungsberichten und den Nachrichten, ein verbranntes Wohnmobil, Anschläge, Mord und Totschlag an unschuldigen Menschen.

Band 1 (Schwarzlicht) fand ich schon gut, Band 2 (Schattenboxer) klasse aber dieser 3. Band toppt alles. Ein unwahrscheinlich komplexes Werk hat der Autor Horst Eckert hier geschaffen. Es liest sich aber trotz dieser Komplexität  unwahrscheinlich gut. Vielleicht auch da die Protagonisten so echt dargestellt sind.

Der Einstieg mit dem Prolog lässt einen erahnen was da kommt und doch wurde ich durch die mehr als gelungenen Zeitsprünge und denen damit verbundenen Einzelschicksalen überrascht. 

Vincent Che Veih ist auch hier der Hauptprotagonist. Als Leiter des KK11 kämpft er wieder gegen die Bösen, von denen sich so mancher auch in den eigenen Reihen befindet. Auch seine Mutter Brigitte, eine ehemalige Terroristin ist wieder mit dabei und mittlerweile habe ich mich echt an sie gewöhnt. Vincent ist und bleibt sich treu. Unerschütterlich geht er seinen Weg und stolpert duchaus auch mal über die Wackersteine die man ihm vor die Füße wirft. Ein integer und intelligenter Mensch.

Wolfsspinne bild 2

Neben Vincent ist da aber noch eine andere Person, die durch den Autor stückchenweise erzählt wird – Ronny. Er ist die Wolfsspinne – ein Meister der Tarnung, der irgendwann nach langer Vorbereitung und unendlicher Geduld blitzschnell zuschlägt. Ein V-Man, bereits vor Jahren eingeschleust in die Szene des nationalsozialistischen Untergunds (NSU) weiss selbst nicht mehr so genau wer oder was er wirklich ist. Er verschwimmt mit den Menschen in seinem Umfeld und wird zum Mittäter. Seinen Werdegang zu verfolgen war ein hin und her. Kann ich diesen Menschen verstehen? Kann ich seine Handlungen nachvollziehen? Mag ich ihn auch als Mörder? Seltsamerweise ja, denn um ein vielfaches schlimmer empfand ich die Auftraggeber. Was in dieser Geschichte vertuscht, bereinigt und gelogen wurde hat mich mehr als einmal erschrocken und nachdenklich gemacht. 

Gewiss, dieser Thriller ist fiktiv aber da hängt ein riesiger Rattenschwanz an Realität hintendran. Mehr als einmal kam bei mir dieser Aha-Effekt auf. Sieh an, sieh an – so läuft es im Buch und wahrscheinlich auch in echten Leben. Geheimdienste, Verfassungsschutz, Terroristen, NSU, Drogenhandel, Korruption und die unersättliche Gier nach immer mehr Geld. Koste es was es wolle – selbst Menschenleben sind da nichts wert.

Spannung, durchgehend vom Prolog an beginnend. Hier hatte ich keinen Durchhänger sondern musste durchlesen – bei den letzten 100 Seiten habe ich mich fast überschlagen, da diese rasante ‚Fahrt‘ durch die Jahre 2011 und 2015, zwischen Eisenach und Düsseldorf, immer schneller wurde und das Ziel um das Ende dieser Geschichte immer näher kam. So vieles das ich noch wissen wollte. Wer schafft es, wer bleibt auf der Strecke? Gibt es Gerechtigkeit? Kann sich Vincent den Weg zwischen den Hindernissen bahnen? Wer ist Unterstützer, wer Sympathisant? Wer spielt falsch und was erwartet Ronny, Vincent und all die anderen dieser Geschichte noch? Es wurde alles geklärt – keine offenen Fragen mehr. Fast, denn es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Geschichte hat ein Ende aber im wahren Leben geht es einfach weiter….mit dem Wahnsinn.

Wolfsspinne bild 3

Absolute Leseempfehlung für alle die noch mit Herz und Verstand lesen und auch die Seiten 479 – 488 nicht überspringen. Was da steht? Die Namen der Opfer rechter Gewalt seit dem 3. Oktober 1990. Ein einziger wäre schon zuviel, hier sind es Dutzende.


    Buchdetails
Buchcover: ©Rowohlt 
Titel: Wolfsspinne
Buchreihe: 3. Band [1.Band Schwarzlicht; 2. Band Schattenboxer]
AutorIn: Horst Eckert
SprecherIn: Kursiv
Verlag: Wunderlich [Verlagsgruppe Rowohlt]
496 Seiten
ISBN: 978-3805250993 [Gebundene Ausgabe]
Erscheinungsdatum: 26.08.2016
          Kosten
Paperback: 10,99 €
Hardcover: 19,95 €
E-Book: 16,99 €

4 Gedanken zu „„Wolfsspinne“ von Horst Eckert | Kasin

  1. Wolfsspinne habe ich fast in einem Rutsch verschlungen. Es hat mich inhaltlich und auch literarisch tief beeindruckt. Horst Eckert beeindruckte mich auch schon in zahlreichen Interviews die er gab, denn seine These der Möglichkeiten sind gar nicht so weit hergeholt.

    Schöne Rezension liebe Kasin.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    1. Hey Nisnis,
      da sind so viele Inhalte in dem Buch bei denen es mir echt kalt den Rücken runterlief da so viel Wahres drinnen steckt
      Der Autor muss irre gut recherchiert haben.
      Liebe Grüße
      Kasin

    1. Hey Mone, nicht zwangsläufig da die Geschichten abgeschlossen sind. Aber vielleicht um Vincent besser kennenzulernen. Außerdem sind auch die 2 Vorgänger sehr gut geschrieben

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