Rezension

„Winter in Maine“ von Gerard Donovan || Kasin ||

 

 Lassen wir die Moral, den Anstand und die Ehre hier einfach mal weg und geben uns einer Geschichte hin, die bereits auf den ersten Seiten spüren lässt dass hier etwas viel wichtigeres aufwartet – bedingungslose Liebe und die schrecklichen Konsequenzen wenn sie einem genommen wird.

„Der kleine Kerl sah mich an, und ich hielt seinen Kopf, dann legte er ihn auf meinen Arm und hört einfach auf zu atmen, als könnte er jetzt, wo ich da war, einfach loslassen.“ (Buch Seite 21)

Ein einziger Satz, der mir die Tränen in die Augen treibt und mich wissen lässt das er, Julius Winsome, es nicht auf sich beruhen lassen wird. Es ist ’nur‘ ein Hund gewesen – aber dieses „es“ war auch Hobbes, sein Hund, der Pitbullterrier der ihn begleitet hat und ihm so in seiner selbstgewählten Einsamkeit die Lebensfreude gab, die ihm nun jemand genommen hat, mit einem einzigen Schuss.

Julius Winsome lebt seit 51 Jahren in seiner Hütte in den Wäldern Maines. Zusammen mit seinen Erinnerungen und den 3282 Büchern seines Vaters. Er arbeitet gelegentlich, denn er braucht nicht viel. Ist anspruchslos, einfach gestrickt und hat dennoch Niveau. Ein genügsamer Mensch dem die Einsamkeit nichts ausmacht bis zu dem Tag als dieser Schuss fällt, ganz nah kann er ihn hören. Das Echo wird lange nachhallen und die Trauer in grenzenlose Wut umschlagen.

„Und mit der Trauer kroch noch etwas anderes zur Tür herein, der Hauch von etwas anderem, meine ich. Es musste vom Holzstoß gekommen oder aus dem Wald hereingeweht sein, denn so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt.“ (Buch Seite 26)

Während erzählt wird wie Julius zu dieser Hütte kam – sein Leben, dass seines Großvater und seines Vaters, wie er Hobbes bekam, durch die Hilfe dieser Frau, die ihn einfach so besuchte – geschieht der erste Mord. Kaltblütig, fast schon emotionslos, ganz gezielt auf seinem Rachefeldzug. Man wird einfach hineingezogen und weiß genau dass wird nicht der einzige Tote bleiben, denn der Wald ist voller Jäger und einer davon ist Julius.

Er verstrickt sich immer mehr in seinen Ideen wer dahinter stecken könnte. Verdächtigungen die ihm durch den Kopf gehen und so zu einer schlimmen Tat nach der anderen führt. Rache bestimmt sein Denken und sein Handeln und zwischendurch betrachtet er immer wieder Hobbes Grab in der Hoffnung der kleine Kerl kommt wieder und alles wird gut. Aber nichts wird gut, Julius hat die Grenze schon lange überschritten und das weiß er selbst am besten.

Diese Geschichte ist trotz aller Tragik und Grausamkeit so wunderschön. All diese Sätze, in Ausdruck und Stärke, ich würde am liebesten alle zitieren, sind in ihrer Kürze immer wieder aussagekräftig genug. Wie Julius in die Sprache Shakespeares verfällt und bei seinen Gesprächen mit den toten oder fast toten Jägern alle verwundert, zum Teil sogar sich selbst. Ein Hauch von Stolz schwebt mit durch das Buch wenn er zum Beispiel von Geleit und Spürer, Galgenstrick, blutdurchsiebt und bestoben, spricht.

„Laßt uns Arznei aus mächt’ger Rache mischen, um dieses Todesweh zu heilen“ (Buch Seite 192)

Rache wegen Hobbes, einem Hund – oder vielleicht wegen dieser Frau die Hobbes erst in sein Leben brachte und selbst nicht geblieben ist?

Für dieses Buch gebe ich eine klare Leseempfehlung, denn es ist ein literarischer Genuss – in Sprache, Stil und vor allem der Geschichte.


    Buchdetails
Umschlagmotiv: © Klaus Philipp, Darmstadt

Titel: Winter in Maine
Buchreihe: Einzelband 
AutorIn: Gerard Donovan
Verlag: btb [Verlagsgruppe Random House]
208 Seiten
ISBN: 978-3-442-74224-0 [Taschenbuch]
Erscheinungsdatum 1. Auflage: 01.08.2011
          Kosten
Paperback: 9,99 €

E-Book: 8,99 €

8 Gedanken zu „„Winter in Maine“ von Gerard Donovan || Kasin ||

    1. Hallo Heike,
      so geht es mir ganz oft. Dieses wurde mir nach eine Rezension zu einem ähnlichen Buch (Krieg von Jochen Rausch) empfohlen und ich wurde nicht enttäuscht 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

    1. Hallo Martina,
      manchmal denke ich bin echt ‚doof‘ wegen einer Figur aus einer Geschichte zu heulen aber es hat mich stellenweise sehr ergriffen – schluchz.
      Ich kann es nur empfehlen 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

  1. Deine Rezension geht einem zu Herzen – wie wird es dann erst mit dem Buch selbst sein? DAs klingt ganz nach einer Geschichte, die einen so schnell nicht mehr los lässt.

    LG Gabi

    1. Hallo liebe Gabi, ohja, es ist stellenweise wirklich traurig und in Sachen Büchern bin ich echt eine Heulsuse 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

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