„Wenn das Eis bricht“ von Camilla Grebe

Inhalt laut Klappentext

„In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – auf brutale Art ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen Fall – ungelöst. Hanne, die Kriminalpsychologin von damals, soll deshalb ermitteln. Sie muss in die Vergangenheit eintauchen, dabei verschwimmt gerade ihre Gegenwart – sie fürchtet, an beginnendem Alzheimer zu leiden. Ihre Existenz bekommt zunehmend Risse, und die beiden Fälle verbinden sich auf ungute Weise. Kann Hanne sich selbst und ihren Erinnerungen trauen? Ist sie auf der richtigen Spur? Wann bricht das Eis, und was kommt darunter zum Vorschein?“

Die Genrezuordnung als Psychothriller ist bei „Wenn das Eis bricht“ absolut richtig.
Die Konflikte der einzelnen Charaktere wird auf sehr emotionaler Ebene erzählt.
Emma, Peter und Hanne – diese 3 Personen prägen das komplette Buch, jeder auf seine Weise und jeder aus seiner Sicht – es wird persönlich und damit psychologisch.

„Der Psychopath ist anfangs bezaubernd, aber bald entpuppt er sich als manipulativ und egozentrisch.

Dem Klappentext kann ich so nicht ganz zustimmen, teilweise passt es, aber er ist auch recht irreführend. Hanne, die Kriminalpsychologin, erscheint einem dadurch als wichtigste Person in dieser Geschichte, was sie allerdings nicht ist. Mich hat vielmehr Emma mitgerissen. Ihre Geschichte, die auch weit in ihre Kindheit zurück führt und bereits Monate vor dem Mord im Orres Wohnung beginnt. Es ist wie ein vorsichtiges Herantasten und sehr, sehr lange konnte ich sie gar nicht einordnen. So naiv wie sie wirkt, so jung und unbedarft.

Auch Peter hat eine sehr tragende Rolle. Der Polizist ist sehr mit sich selbst beschäftigt. Ein Grübler und Selbstzweifler. Einsam und mit einem Hang zum Depressiven.  Aber er zieht einen nicht hinunter, sondern sorgt eher dafür dass man ihm helfen möchte – ihm Mut zusprechen, dass er doch endlich mal auf sein Herz hört und sich selbst nicht allzu sehr ins schlechte Licht rückt.  

Der Mordfall – fast schon eine Randerscheinung. Es gilt den Täter zu ermitteln und das Motiv zu erkennen. Peter und Hanne sind kein eingeschworenes Team, dafür gibt es einiges in deren gemeinsamer Vergangenheit, dass wie eine Barriere dazwischen steht und doch kommen sie langsam, Stück für Stück der Sache auf die Spur.

Es ist wie gesagt eine sehr persönliche Geschichte. Jeder der 3 erzählt über sich, seine Vergangenheit, Erlebnisse, die Familie, den Problemen, Sorgen, Ängste, Nöten und da kann es schon mal etwas langatmig werden. Wer aber solche Details mag und gerne auch mal in den verborgenen Kammern von Versagen und Verlust wühlt, wird sehr gut bedient.

„Wenn mir das gelingt, wenn ich stark bin und es schaffe, ihm auf Augenhöhe zu begegnen, dann kann ich vielleicht die Kontrolle über mein Leben zurückgewinnen, und meine Würde.“

Dieser Jesper Orre, ein reicher und einflussreicher Mann. Ein medienträchtiger Mensch, der vielleicht nicht immer den besten Weg wählt und dadurch durchaus negativ rüber kommt, war mir sehr suspekt, genau wie den Ermittlern. Ein paar Dinge werden offengelegt, die diesen Eindruck immer mehr verstärken. Was ist das für ein Typ? Was bezweckt er? Warum macht er das was er macht bzw. was er eben nicht macht? Eine typisches Beispiel für den Unsympath in einem Buch. Doch ist er das?

„Vielleicht ist alles schon vor langer Zeit entscheiden worden, vielleicht ist es eine logische Folge der Ereigniskette…“

Die Geschichte ist sehr ruhig. Sie ist voller Gedankengänge und was mir am meisten auffiel – voller Adjektive. Mir ist es noch nie so bewusst aufgefallen wie in diesem Buch. All diese „Wie-Wörter“ empfand ich aber nicht als störend, sondern immer als eine Art Tüpfelchen auf dem i.

Fast alles dreht sich im Buch um die Liebe, um das geliebt werden und um das selber lieben. Sie wird gesucht, gefunden und verloren. Um sie wird getrauert und es wird sich gefreut. Doch es kommt auch der Moment in dem eben diese Liebe umschlägt. Vielfältige Gründe, solche die sich über Jahre angeschlichen haben und solche die spontan entstehen.

Psychologisch wirklich gut gemacht, aber man sollte vollkommen vorurteilsfrei an dieses Buch gehen und keinen voller Spannungsbögen geladenen Thriller erwarten.
Es ist und bleibt ruhig, da kann selbst eine einzelne Szene nichts mehr dran ändern. Die Erzählweise ist richtig gehend einlullend – auch als Hörbuch könnte ich es mir sehr gut vorstellen.

Durch die Aufteilung der einzelnen Kapitel, immer aus Sicht einer der drei Charaktere, und die dadurch entstandene Abwechslung, hat mir das Buch eine schöne Lesezeit beschert. Auch die angenehm große und gut lesbare Schrift hat ihres dazu beigetragen.

Lediglich den Schluss empfand ich als zu kurz geraten. Zu abrupt angesichts der vorherigen langen und guten Erzählungen, den vielen Kleinigkeiten. Da hat mir dann doch das gewisse Etwas auf den letzten Seiten, dieses 608 Seiten umfassendem Buch, gefehlt.

Rezension verfasst von © Kerstin


    Buchdetails
Titel: Wenn das Eis bricht
Buchreihe: Einzelband

Autorin: Camilla Grebe
Verlag: btb [Random House]

ISBN: 978-3-442-75717-6 [Paperback, 608 Seiten, 15,00 €]

 

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

%d Bloggern gefällt das: