Rezension

„Was ich euch nicht erzählte“

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Erscheinungsdatum: 27.05.2016
AutorIn: Celeste Ng
Verlag : dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 978-3423280754
Fester Einband: 288 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 19,90 €


5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von crumb
19.05.2016

Grandioses tiefgehendes Debüt!

Wow … und ja, ein Buch welches nachhallt! Protagonisten mit denen ich lid, Verständnis hatte, mir Fragen stellte … und ja, auch wütend auf sie war! 

Bereits im ersten Kapitel wird die größte Angst, die schlimmste Tragödie Wahrheit: Lydia, die mittlere Tochter von drei Kinder ist tot. War es Mord, ein Unfall oder Selbstmord? Dies ist der Ausgangspunkt der darauffolgenden Familientragödie und schnell wird deutlich das diese Tragödie bereits vor Lydias Tot begonnen hat.

Der Titel „Was ich euch nicht erzählte“ passt auf jeden einzelnen Protagonisten.
Lydia ist der Mittelpunkt der Geschichte, sowie der Familie. Und dennoch steht jeder einzelne im Fokus, mit seinen ganz eigenen, individuellen Eindrücken und Gefühlen. Jeder Protagonist schildert die Ereignisse vor & nach Lydias Tod aus der eigenen Sichtweise und diese hinterlassen viele Emotionen bei dem Leser.

James, Lydias Vater, mit asiatischen Wurzeln aufgewachsen in den 30er/40er Jahren, ein Leben mit Vorurteilen & Ausgrenzungen im damaligen Amerika. 
Marilyn, Lydias Mutter, gebürtige Amerikanerin, für eine Frau mit untypischen Träumen & Wünschen in den 50er Jahren.
Ihre Eheschließung im Jahr 1958, damals in den meisten Staaten noch gesetzlich verboten- ein mutiger Schritt, welcher Folgen haben sollte.
Wie hatte es angefangen? (…) Weil ihre Mutter sich sehnlichst gewünscht hatte, aus der Menge herauszuragen, und weil ihr Vater sich sehnlichst gewünscht hatte, ein Teil der Menge zu sein. Beides war nicht möglich gewesen.“ (S. 33)
Nath und Hannah, der große Bruder & die kleine Schwester, im Schatten von Lydia:
„(…) noch ein Grund, wie Nath und seine kleine Schwester wissen, warum sie das Lieblingskind ihrer Mutter ist. Und auch das ihres Vaters.“ (S. 11)
Und auch Lydia selbst, ein heranwachsendes Mädchen mit vielen Geheimnissen. Im Verlauf der Geschichte erzählt auch sie, durch Rückblicke, ihre Empfindungen … bis hin zur tragischen Nacht – aufrüttelnd, erschreckend.

Langsam aber sehr eindringlich & intensiv fügen sich die einzelnen Passagen zu einem Familienbild.
Ebenso gibt Celeste Ng bereits Einblicke in die Zukunft, diese sind sehr gut gesetzt – selten, minimal erhält der Leser eine Ahnung von dem Leben nach der Trauer.
Der Wechsel der Protagonisten, ebenso wie die Rückblicke sind hervorragend gelungen. Mit jeder Person fühlt der Leser mit:
Unausgesprochene Sehnsüchte. Tiefgehende & doch unbemerkte Gefühle. Unerfüllte Träume & Wünsche.
Die Geschichte ist eindringlich, tiefgehend. Die Autorin hat mir jedes Familienmitglied innerhalb der Erzählung nahe gebracht, mich eine Beziehung aufbauen lassen, aber besonders berührt haben mich Hannahs Passagen.
Buchumschlag innen:
Das Ungesagte in einer augenscheinlich intakten Familie, das Verborgene, das einen unhörbaren Grundton erzeugt. Die Autorin legt innere Wirklichkeiten frei(…)
Der Schreibstil ist federleicht & doch eindringlich. Ein Blick hinter die Familienfassade, eine Tragödie, eine Erzählung – ohne Fingerzeig.
Ein mehr als gelungenes Debüt & ich freue mich auf zukünftige Bücher aus der Feder von Celeste Ng!

2 Gedanken zu „„Was ich euch nicht erzählte“

  1. Oh wow, genau so ging es mir auch. Ein Buch das berührt, unter die Haut geht und lange nachhallt. Eindringlich, tief gehend, das sind auch Wörter, die ich viel in meiner Rezension benutzt habe. Ein wirklich starkes Debüt.
    Und ich liebe deine Rezension! Richtig gut, um nochmal kurz in die dichte Atmosphäre des Romans einzutauchen; das hast du wirklich toll eingefangen.
    Wie hat dir denn das Ende gefallen?
    Ganz liebe Grüße <3

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