„Vom Ende an“ von Megan Hunter

Inhalt laut Verlag

Eine Frau, die Erzählerin, bekommt ihr erstes Kind. Gleichzeitig sucht eine gewaltige Naturkatastrophe das Land heim. Eine Flut überschwemmt weite Teile Englands, Feuer brechen aus. Die Frau und ihr Gefährte müssen mit ihrem kleinen Sohn den Ort verlassen, Zuflucht suchen, sich auf eine Insel flüchten. Die kleine Familie wird getrennt. Der Schrecken eines sich steigernden Umweltdramas und die Intimität und das Glück einer Mutter-Kind-Liebe entfalten sich parallel. Mit den Augen eines Neugeborenen wird eine Welt entdeckt, die sich zugleich womöglich zu verabschieden droht.
Lyrisch und lakonisch, durchsetzt mit Passagen, die sich wie Bibelzitate lesen, von archaischer Wucht und poetischer Zartheit, klug, komisch, dann wieder wie in Stein gemeißelt – einen solchen Text hat man lange nicht mehr zu lesen bekommen. Wie ein weibliches Gegenstück zu Cormac McCarthys „Die Straße“, gleichzeitig beklemmend wahrscheinlich und doch von geschichtsloser Wahrheit, präzise und schön – hier ist eine neue Autorin zu entdecken!

„Wie ein weibliches Gegenstück zu Cormac McCarthys „Die Straße“, gleichzeitig beklemmend wahrscheinlich und doch von geschichtsloser Wahrheit, präzise und schön.“
So wird es in der Verlagsvorschau beworben und deswegen musste ich dieses Buch haben – wegen McCarthy und „Die Straße“. Mein Lieblingsbuch schlechthin und es hat bis dato kein einziges geschafft mich so zu faszinieren.
Dann kam „Vom Ende an“ und was soll ich sagen? Ich bin doch etwas enttäuscht, denn der Vergleich hinkt, ganz gewaltig sogar.

Woran liegt das? Auf keinen Fall an der Sprache! Denn Megan Hunter präzisiert mit wenigen Sätzen eine ganze Geschichte. Ein Verlieren und ein Werden. Den Untergang und den Neuanfang. Leben und Sterben und wieder Leben. Vollkommen zeitlos und auch wenn es in Großbritannien spielt, könnte es auf jedem Ort der Welt sein.

Worum geht es? Um eine Naturkatastrophe, ausgelöst durch die Meere sind die Menschen gezwungen zu fliehen. Flüchtende auf der Suche nach den höchsten Plätzen, damit man dort trockenen Fußes überleben kann. Mittendrin die Mutter und ihr Neugeborenes – er heißt Z. Alle Namen sind hier nur Schall und Rauch und damit gibt es eben nur die Anfangsbuchstaben. Etwas das mich sehr störte, dann besser gar nichts angeben, als ständig von Z, R oder G und N zu sprechen.

„Alles wurde aus Erde geschaffen, Baum, Ochse, Mensch. Aus Mitleid wurde ihnen Wärme geschenkt und befohlen, freundlich und gut zu sein.“

Diese „Entstehungsgeschichten“ gibt es in kursiver Form im gesamten Buch. Sie kommen einfach so, mittendrin, vollkommen unerwartet und haben mich immer wieder überrascht, denn ich laß sie gerne. Die Geschichte an sich besteht (nur) aus wenigen Sätzen, unterbrochen von einem Absatz, ein paar Sternchen und weiter ging es mit den nächsten Sätzen. Einen, zwei, mal drei, selten mehr. Auch wenn ich gerne solche auf den Punkt gebrachten Sätze mag, fehlten mir immer wieder viel mehr dieser Worte, selbst zwischen den Zeilen. Es war viel, was erzählt wurde und doch empfand ich es als zu wenig.

Es ist eine Erzählung um diese Mutter und ihr Kind. Die kurze Flucht, das Ankommen in einem Flüchtlingslager, die Hoffnung irgendwann wieder zurück zu können. Alle anderen bleiben auf der Strecke, gesichtslose Menschen die kaum erwähnt, auch schon wieder weg sind. Ich weiß nicht mal mehr deren Anfangsbuchstaben.

Während „Die Strasse“ ein atmosphärisch dichter Roman ist, der mich gleichermaßen schockierte wie berührte, bleibt bei „Vom Ende an“ nichts bei mir. Fast schon emotionslos habe ich dieses Buch beendet, obwohl es mir mit seinen 157 Seiten schon ein Lesevergnügen war. Es könnte am Fokus liegen, denn der begrenzt sich eindeutig auf dieses Kind, dem Neugeborenen, dass für den Anfang während dem Ende steht. Man weiß das vieles geschieht, es wird sogar erwähnt aber eben nur mit diesen minimalistischen Sätzen. Gewiss ist weniger manchmal mehr, aber hier war es mir definitiv zu wenig.

„Trocken ist ihr Wort.“

Ach, so gerne hätte ich viel mehr gelesen aber die Hoffnung, das da noch was kommt, aufgeben müssen. Das Debüt ist wirklich stark, verliert sich aber in dieser endlosen Litanei. Dennoch verspreche ich mir noch eine Vielzahl an literarischen Werken der Autorin. 

„Wie schnell der Alltag wieder die Zeit füllt. Wie er aus der Erde quillt, unsichtbar, bis du darin watest.“

Rezension verfasst von © Kerstin
☆☆

 

    Buchdetails
Titel: Vom Ende an 
Buchreihe: Einzelband

Autorin: Megan Hunter
Verlag: C.H.Beck

ISBN: 978-3-406-70507-6 [Hardcover, 160 Seiten, 16,00 €]

 

9 Kommentare

  1. Hi Kerstin,
    den Roman hatte ich auch schon im Laden liegen sehen und eigentlich steh ich ja sehr auf Dystopisches … „Die Straße“ kenn ich nicht, werde ich mir aber auf jeden Fall zu Gemüte führen! Ich habe nur die Verfilmung von „No Country for Old Men“ gesehen. Echt beklemmende Atmosphäre, aber das kann auch mal ganz cool sein! Hast du das Buch dazu gelesen?
    LG, Sabine

    1. Hallo Sabine,
      „No country for old men“ habe ich (noch )nicht gelesen, aber es gibt auch viele begeisterte Stimmen dazu. Denke das sollte ich mir mal zu Gemüte führen; -)
      Gerade wenn Bücher so beklemmend sind hat der Autor damit was erreicht. Geht mir jedenfalls so
      Liebe Grüße und wenn du die Straße gelesen hast sag mal Bescheid. Ich habe die Rezension nicht hier auf dem Blog da es schon lange her ist aber bei LB müsste sie sein
      Kerstin

  2. Hallo Kerstin,
    ich kenne zwar „Die Straße“ nicht, aber mir geht es wie dir. Die Sprache war eine Wucht, superstark und zielgenau….Mir gefiel jedoch das Feintuning nicht so. Die Charaktere blieben blass und unvollständig. Aber es war das Debut der Autorin und ich denke, da wird noch mehr kommen 🙂
    Liebe Sonntagsgrüße, Heike

    1. Hallo Heike,
      absolut, ich hoffe auch auf ein weiteres Buch von ihr.
      Dieses hier soll ja verfilmt werden (hab ich das von dir?)
      Die Strasse solltest du unbedingt mal lesen. Ist auch sehr sprachgewaltig und sehr heftig.
      Den Film dazu hab ich immer noch nicht gesehen, auch weil ich fürchte das er nicht an das Buch herankommt.
      Hab eine schöne Woche
      Kerstin

  3. So, endlich Zeit zu kommentieren, denn gelesen habe ich die Rezension schon gestern.

    Auch wenn es bei dir, Kerstin, nur 3 Sterne bekommt klingt es interessant genug, dass ich es mir mal genauer angucken. Der Hinweis auf McCarthys „Die Straße“ hätte mich auch sofort gelockt, denn es zählt auch zu meinen Lieblingsbüchern. Mit etwas Glück hat meine Bibliothek das auf Lager 😀

    Cheerio
    Mareike

    1. Hey Mareike,
      3 Sterne bedeuten ja auch immer noch gut und das ist es auch.
      Bin sehr gespannt auf deine Meinung wenn du es gelesen hast und drücke die Daumen das das die Bibliothek es hat 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

  4. Hallo Kerstin,
    Na wenn „die Straße“ dein absolutes Lieblingsbuch ist, ist es ja kein Wunder, dass „Vom Ende an“ da Schwierigkeiten hatte mitzuhalten. ;D
    Wenn ich deine Rezension so lese, dann hab ich das Gefühl, dass du bei dem Buch sehr hin und hergerissen warst. Schade eigentlich. Ich habe so viel Gutes darüber gehört und es ja auch in meinem Neuerscheinungsbeitrag erwähnt, weil ich die Idee sehr spannend finde. Nach deiner Rezension habe ich aber gerade gar nicht mehr sooo große Lust, mir das Buch zu besorgen.
    Dafür werde ich mir jetzt mal „Die Straße“ anschauen. Hab von dem Buch noch nur gehört. Da muss ich doch jetzt direkt wissen, was dich da so begeistern konnte.
    Ganz liebe Grüße, Julia

    1. Hallo liebe Julia,
      Danke für Dein schönes Kommi.
      Lies zuerst „Vom Ende an“ und erst danach „Die Straße“ . Ich denke dann sind beide Bücher auf ihre Art ein Highlight.
      Beide Bücher sind wunderschön geschrieben, aber Die Straße ist echt heftig.
      Wünsche dir schon vorab ganz viel Spaß beim Lesen.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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