Rezension

„Vita“ von Felix A. Münter

Inhalt laut Klappentext

„»Mit Vita in ein besseres Morgen!«
Fortschritt ist unaufhaltsam. Und Vita ist der Katalysator des Fortschritts. Durch die mysteriöse Substanz ist es dem Stadtstaat Blackwater gelungen, seine Vormachtstellung in der Welt auszubauen und zu behaupten. Doch der Untergang der Glory, einem Frachter mit der Jahresproduktion Vita an Bord, bedroht die Zukunft der aufstrebenden Stadt. Friedenshüter Alexander McRoy wird bei seinen Ermittlungen in Ereignisse verstrickt, die erschütternder nicht sein könnten …
»Vita ist Fortschritt!«“

Steampunk – eine Rückführung ins Viktorianische Zeitalter, mit Verknüpfung von (damals) futuristisch erscheinender Technik. Das Leben der Menschen, ihre Kultur und Mode, die Arbeitsbedingungen, Medizin und Forschung – all das erscheint einem wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Aber der Fortschritt hat Einzug gehalten. Dampfende Maschinen, Fabriken und Fahrzeuge. Zahnräder und Kolben, Pendel und Bolzen – alles klackert und klickert, rasselt und klappert, stampft und dampft – in diesem Buch in dem Stadtstaat Blackwater, in einer deutlich verbesserten Qualität – und das nur dank VITA, dem Treibstoff der Zukunft.
Wäre da nicht diese Aussage einer geheimnisvollen Gruppierung, der Stimme Blackwaters. 

„Vita ist Mord“ (S. 50)

Was anfänglich wie ein scheinbar „harmloser“ Streich aussieht, entpuppt sich schnell zu einer gewollten Sabotage.
Fabriken, deren Maschinerie lahmgelegt wird, rufen den zuständigen Gesetzeshüter auf den Plan.

Friedenshüter Alexander McRoy ist der Charakter in dieser Geschichte. Seine Darstellung ist dem Autor Felix A. Münter sehr gut gelungen. Anfänglich hadert man noch mit diesem Mann. Ein kriegsversehrter, in die Jahre gekommener und dadurch mit sich und seinem Leben recht unzufriedener Mensch. Einsam aber durchaus kontaktfreudig. Schnell merkt man, dass er als Gesetzeshüter zwar alles für Recht und Ordnung tut und auch mal mit harter Hand durchgreift, aber immer mit einem vorausschauenden Blick um Schlimmeres zu verhindern.

Generell haben mir die bildlichen Beschreibungen sehr gut gefallen und mich durch diese Stadt Blackwater geführt.
Es waren diese vielfältigen Details, die diesen Ort und die Lebensumstände der Menschen zeichneten. Zum einen den Wohlstand der Mächtigen, derjenigen die Vita im Umlauf bringen und dann im krassen Gegensatz dazu, die zum Teil bittere Armut und Abhängigkeit des arbeitenden Volkes.
 

„Ihr habt keinen Blick dafür, dass dies die Zukunft ist!“
„Es ist nicht die Zukunft. Es ist unser Untergang, Rory. Es hat längst begonnen.“
(S.160)

Es wird spannend, wenn man Rory beim Ermitteln begleitet, aber auch öfters humorvoll. Die Dialoge, besonders mit seinem Kollegen Lenny sind herrlich und lockern ungemein auf.
Doch wie sollte es anders sein, die Geschichte nimmt eine Wandlung auf, mit der man so nicht rechnet. Besonders Alexander (Rory) McRoy bekommt das am eigenen Leib zu spüren.

Aus einem Kriminalfall wird eine Verschwörungstheorie, der man erst skeptisch folgt und weswegen man diesen Menschen um die Stimme Blackwaters nicht gerade wohlgesonnen ist. Anfänglich, aber wie McRoy ist man selbst auch hier irgendwann soweit, die grausame Wahrheit zu begreifen.

Da wären wir wieder bei Vita – ich habe sehr lange gerätselt was das für ein Wundermittel ist. Wo kommt es her? Wer stellt es her und wie?
Als es rauskam – puuuuh – das es so heftig ist, nein, dass hätte ich nicht gedacht. Es sorgte für Erschütterung und Schock nicht nur bei mir, sondern auch bei McRoy. Vermutlich wollte der Autor auch genau dass mit den LeserInnen erreichen – denn es gibt so manche Parallelen zu der realen Welt.

„Menschen wie sie sind das Problem. Ihre Gier hat dafür gesorgt, dass wir überall in der Stadt diese ekelerregenden Fabriken haben.“ (S. 234)

Bücher und deren Geschichten, die einen gut unterhalten, in eine andere Welt entführen und den ein oder anderen sozialkritischen Aspekt enthalten, mag ich sehr gerne. Es regt zum Nachdenken an, über die Gier in der Welt, der Macht der Mächtigen und was im Namen der Forschung und des Fortschritt alles in Kauf genommen wird. Wobei ich mich ganz oft gefragt habe, wer um alles in der Welt ist zu so etwas fähig? Aber die Weltgeschichte hat uns gelehrt dass es nicht nur Befehlsgeber sondern auch genügend Ausführer gab und gibt – erschreckend.

Ich mochte die Darstellungen der Personen, besonders die sehr gut beschriebenen Emotionen und ich war froh, dass bei der doch detaillierten Darstellung gewisser Orte und Szenarien auf übermäßige Grausamkeiten verzichtet wurde. Wie heißt es immer so schön – weniger ist mehr. Das ist Felix A. Münter absolut gelungen.

Wer gerne mit rätselt, in eine fiktive Epoche abtauchen möchte, Steampunk-Elemente mag, keine Probleme mit Kampfhandlungen hat und die möglichen Abgründe der Menschen begreift, ist mit „Vita“ bestens beraten.

Rezension verfasst von © ‚Kasin‘

    Buchdetails
Titel: Vita
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Felix A. Münter
Verlag: Papierverzierer Verlag

220 Seiten

Erscheinungsdatum: 23.02.2017
ISBN: 978-3-959-620-291 [E-Book]
Kosten

E-Book: 2,99 €

8 Gedanken zu „„Vita“ von Felix A. Münter

  1. Hey 🙂

    Ich bin grundsätzlich Steampunk auch nicht abgeneigt, auch wenn ich noch nicht viel aus dem Bereich gelesen habe … Wenn ich das richtig verstanden habe, spielt „Vita“ aber nicht auf englischem Boden, oder? Blackwater als Ort ist komplette Fiktion, oder?

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Hallo Ascari,
      man erfährt nicht wirklich wo es ist, es ist eher ein Phantasieort.
      Blackwater ist ein Stadtstaat und könnte überall auf der Welt sein.
      Das war mein erstes „richtiges“ Steampunkbuch und ich habe es genossen 🙂
      Liebe Grüße
      Kasin

  2. Ein besonders großer Fan von Steampunk bin ich nicht gerade, aber wenn der Rest stimmt und mich das Buch begeistern kann, ist das am Ende kein Hindernis. Deine Rezension hat mich auf jeden Fall neugierig auf das Buch gemacht!

    LG Gabi

    1. Hey Gabi,
      Steampunk als Buch geht bei mir nur mit spannendem Kriminalfall oder Thriller wie hier, aber ich mag diese Kostüme und all diese kleinen feinen Deko-Elemente sehr gerne.
      Liebe Grüße
      Kasin

  3. Hallo liebe Kasin <3 ,

    wuhuuuu, Steampunk… ich liebe ja Steampunk mittlerweile sehr weil es eben die alte Zeit mit der "Neuen" verknüpft auf phantastische Weise. Bei dem Preis schaue ich gleich mal, ob das mein Buchhändler auch anbietet. 🙂
    Ganz sehr lieben DANK für diesen Tipp :-* <3

    Eure Male-Male Amelie Summ, die Euch noch ein schönes Wochenende wünscht!

    1. Hallo liebe Amelie,
      durch Steampunk bin ich erst vor einem guten Jahr aufmerksam geworden, da ich ein Wichtelkind hatte dass genau darauf „stand“. Als ich dann recherchierte habe ich all diese wunderbaren Elemente entdeckt die ich auch mag, die Kostüme, die Deko und all das Kleinzeugs 🙂 Ich mag alte Dinge die mit neuen verbunden sind auch sehr und stehe eh auf Reisen durch die Zeit. Ich hoffe du findest das Buch und hast Spaß damit.
      Liebe Grüße
      Kasin

  4. Hallo 🙂

    Die Geschichte hat mich auch sehr beeindruckt! Tolle aussagekräftige Rezi 🙂
    Demnächst lese ich „Schicksal“ von Felix A. Münter!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Eva

    1. Hallo Eva,
      ja Deine Rezension habe ich mittlerweile auch gelesen und finde sie ganz toll.
      Von Felix habe ich „The Rising“ schon verschlungen, ich mag seine Beschreibungen unheimlich gerne, da kommt richtiges Kopfkino bei rum 🙂
      Liebe Grüße
      Kasin

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