Rezension

„Under Ground“ von S. L. Grey [Kerstin]

Under Ground Kasin

„So was passiert doch jeden Tag. Das war eben Krieg.
Man tut, was man tun muss, um zu überleben.“
(Buch Seite 380)

Während an der Erdoberfläche eine tödliche Grippewelle Angst, Schrecken und Tot verbreitet, haben sich ein paar Familien im Sanctum verschanzt. Eine gigantische Bunkeranlage unter der Erde, 8 Etagen tief, ausgestattet mit allerlei Schnickschnack und Luxus. Kein Wunder dass es deswegen eben nur eine kleine Auswahl sehr betuchter Menschen bis dorthin geschafft haben.
Männer und Frauen die paranoid genug waren sich früh genug einzukaufen um dann bei ihrer Ankunft festzustellen, dass von dem versprochenen Luxus noch gar nicht soviel vorhanden ist.

Durch einen Unglücksfall wird dieses rettende ‚Eiland‘ zur tödlichen Falle. Wie lange wird die Nahrung ausreichen? Wie lange das Trinkwasser? Wie werden all diese unterschiedliche Personen auf dieses Eingesperrtsein reagieren? Es dauert nicht lange und es kommt zu ersten Konflikten – tödlichen Konflikten. Aber wer hat den ersten Stein geworfen, wer hat diese Saat von Hass in diese Gruppe gepflanzt?

Bereits mit dem Prolog erfährt man dass etwas geschehen ist im Bunker und genau dieses Wissen begleitet einen sehr lange. So nach und nach treffen alle ein, Männer, Frauen, Jugendliche, ein Kind und ein Hund. Alle vollkommen unterschiedlich bis auf die Tatsache dass viel Geld investiert wurde um diesen Unterschlupf im Ernstfall zu haben. Nicht alle sind glücklich, weder mit der Situation, noch mit ihrem Leben und irgendwie hatte mich genau das fasziniert.

Den Ein-oder Überblick zu bekommen (auch da oft aus in der Ich-Form erzählt wird) wer denn da ein Geheimnis mit sich herumschleppt. All diese Probleme, Sorgen, Ängste und Unzulänglichkeiten. Jeder hat irgendetwas zu verbergen und jeder kämpft letztendlich nicht nur gegen die anderen, sondern auch gegen sich selbst.

Die Geschichte kommt nicht unbedingt mit einer wahnsinns Spannung daher und doch hat sie mich sehr gefesselt. Eben wegen den gemeinen Seitenhieben die da untereinander zugeworfen wurden, kleine Spitzen und Bemerkungen die immer genau die treffen, die es eben treffen soll. Da ist so ziemlich alles vorhanden – Rassismus, Neid, sexuelle Belästigung, Drohung, Erpressung bis hin zu dem Zeitpunkt wo alles aus dem Ruder läuft und man so langsam aber sicher damit beginnt sich gegenseitig kaltzumachen. Nur wer wen? Das bleibt sehr lange alles im Dunkeln und – super gemacht – der Täter (Mann oder Frau?) wird konstant verschwiegen, bleibt im Verborgenen und ich habe verdächtigt was das Zeugs hält und abgewogen, mir sogar einen Personenplan gemacht wer wann wo war und bin doch nicht darauf gekommen.

So etwas macht mir die Spannung aus, genau wie diese Charakterstudien. Zu erfahren dass zum Beispiel ein religiöser Eifer in einen Wahn umgeschlagen ist und Nichtwissen zu falschen Beschuldigungen führt.

Dieser Luxusbunker hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Die Ausstattung ist gut beschrieben und im laufe des Buches bin ich mit so manchem im Treppenhaus umhergeschlichen. Stellenweise spannend, unheimlich und bedrohlich. Es gab aber auch ein paar richtig humorvolle Szenen – halten Sie sich an Vicki & James 😉

Diese tödliche Grippewelle ist eher Nebensache, aber eben der Auslöser für alle Geschehnisse im Sanctum. Der Ort, bestehend aus dicken Mauern, einer Hydrokulturanlage mit selbstreinigendem Wassersystem, einem Fitnessraum mit Pool und vielen Bildschirmen die eine reale Welt vortäuschen, verbirgt hinter all dem Luxus ein klaustrophobisches Gefängnis. Eine Art Heilanstalt für fehlgeleitete Menschen, die wohl irgendwann auch an der Erdoberfläche ihr wahres Gesicht gezeigt hätten. Aber hier wurde es komprimiert auf ein paar Räume und eine kurze Zeitspanne, der Lagerkoller erwischt alle. Richtig gut gemacht.

Unter den Protagonisten waren ein paar, die kaum eine Rolle spielten, Statisten die aber irgendwie auch wichtig waren. Besonders gelungen fand ich diese herrlich zickige Vicki Maddox, sie teilt besonders gut aus und hat Haare auf den Zähne und immer einen sehr bösen Spruch auf den Lippen. Aber den Vogel abgeschossen hatte für mich Brett. Selten habe ich einen so unsympathischen Protagonisten gelesen. Ihn so darzustellen, dass man ihn vom ersten Kennenlernen her hasst, ist mehr als gelungen.

Die vielen Kapitel, immer im Wechsel einzelner Personen, haben sehr aufgelockert und einen durch die Cliffhänger zum stetigen weiterlesen animiert. Das Buch hat mich sehr unterhalten, auch wenn ich des öfteren den Eindruck hatte, dass gerade die weiblichen Protagonisten viel zu schlecht wegkommen.

Underground

„Under Ground“ habe ich zusammen mit ein paar LeserInnen unter dem #kejaliest an einem Lesewochenende gelesen.
Eine tolle Aktion um gemeinsam ein Buch
zu lesen und sich über die verschiedenen Eindrücke auszutauschen.
Fazit davon:  alle hassten Brett
und die nächste Leseaktion kommt bestimmt 🙂


[Bewertungssystem]

|| 1 Buch ~ 2 Meinungen: Jannas Rezension ||

Buchdetails
Buchcover: © Heyne Verlag
Titel: Under Ground
Buchreihe: Einzelband 
AutorIn: S. L. Grey 
Verlag: Heyne [Verlagsgruppe Random House]
384 Seiten
ISBN: 978-3-453-43810-1
Erscheinungsdatum: 14.11.2016
          Kosten
Paperback: 12,99 €
E-Book: 9,99 €

7 Gedanken zu „„Under Ground“ von S. L. Grey [Kerstin]

  1. Ich glaube, ich möchte mich eher an Deine Einschätzung halten als an Crumbs, weil ich hoffe, dass die Atmosphäre auch so auf mich überspringen würde und mir das Buch doch sehr gut gefiele.

    LG Gabi

    1. Hallo Gabi, ja das ist nie so einfach. Was dem einen total gefällt mag ein anderer gar nicht. Wenn Du es mal gelesen hast bin ich gespannt wohin deine Tendenz letztendlich ging.
      Ach ja, frohes neues Jahr noch BBF :-)))
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Hey,
    man merkt schon das du etwas begeisteter bist als Crumb und ich, allerdings muss ich Dir zustimmen, was die fesselnde Atmosphäre anging. Denn auch wenn mir die Spannung fehlte und ich ziemlich schnell den richtigen Täter im Verdacht hatte, fand ich ihn sehr fesselnd.
    Ich glaube, da merkt man einfach den Schreibstil der Autorin.
    Wie gesagt „Die Drei“ und Tag Vier“ haben mir unheimlich gut gefallen.
    Liebe Grüße
    Ela

  3. Ich kann mir richtig vorstellen wie du bei der Leseaktion zwischen Buch, Blog & Twitter geswitcht bist, mit dem Block & deinen Verdächtigen ~ immer am schauen was auch die anderen Leser vermuten ;D

    1. Hey Amelie, ich glaube wir sind selbst immer wieder überrascht und nur bei wenigen Büchern sind wir uns richtig einig aber dafür läuft beim bloggen alles auf einer „Linie“ <3

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