Rezension

„Under Ground“ von S. L. Grey || crumb

Inhalt laut Buchrücken

„Ein tödliches Grippevirus versetzt die Welt in Panik.
Um zu überleben, begibt sich eine Gruppe Flüchtender unter die Erde.
In der abgeschotteten Welt eines Luxusbunkers glauben sie sich in Sicherheit.
Doch der schlimmste Fein lauert bereits unter ihnen.
Sie selbst …

Klingt nach feinstem Thrill: Mehrere Menschen gemeinsam eingesperrt und dann geschieht der erste Mord. Der Trailer lockte mich an & die Aufmachung des Covers ist super: schlicht, schwarz, Punkt! Mir reicht solch eine Gestaltung ja vollkommen aus.
Ja, wie man bereits herauslesen kann, habe ich mich sehr auf das Buch gefreut!

Und bereits der Prolog klang vielversprechend:

„Irgendwas fließt ihr unter die Zehen. Sie blickt nach unten. Das klebrige Zeug hat sich bis zu ihren Füßen ausgebreitet.
Im selben Moment geht die Taschenlampe wieder aus, und sie steht im Dunkeln.
Sarita schreit, und das Geräusch zerreißt die schwere Luft.“

Doch bevor es zu dieser Situation kommt, kommen die Familien nacheinander im ‚Sanctum‘ an ~ dem Luxus-Survival-Bunker. Über 8 Level erstreckt sich unter der Erde, doch es hält nicht das, was der Besitzer George Fuller versprach: Weder die Krankenstation, noch die andere Wohnung auf Level 6 sind fertiggestellt und es gibt immer wieder Probleme, sodass auch der ehemalige Mitarbeiter Will Boucher vorbei kommen muss, um noch einiges vor der endgültigen Schließung der Luke zu reparieren.

sanctumNacheinander werden die einzelnen Protagonisten vorgestellt. Der Bunker beherbergt insgesamt 7 Parteien und abgesehen von Fuller, schildert aus jedem Apartment ein Charakter seine Wahrnehmungen.
Für mich war dies etwas unübersichtlich, da sechs Protagonisten eine Stimme erhalten haben und hinzu noch 11 weitere Personen kommen. Es brauchte für mich etwas Zeit bis ich jeden einordnen konnte. Sobald dies geschah, konnte ich aber fließend lesen und es gibt zu Beginn auch noch eine bildliche Darstellung und auch wer mit wem zusammen lebt 😉

Liegt es daran, dass sich hinter dem Autorennamen zwei Autoren verbergen? Ich weiß es nicht. Aber die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonisten. Die Teenager bzw. jungen Erwachsenen schildern aus der Ich-Perspektive, woraufhin die Erwachsenen aus der dritten Person heraus berichten. Störte mich selbst so gar nicht beim lesen, viel mehr empfand ich das mal als eine angenehme Abwechslung.

Die Autoren konzentrieren sich zunächst auf die Skitzzierung der Charaktere & ihren Hintergründen, ihren Familienverhältnissen. Schnell wird klar das es unter gewissen Protogonisten Geheimnisse zu verbergen gilt, das alle Familien mit einem Sorgenpaket ins ‚Sanctum‘ flüchten.
Der Virus selbst spielt keine Rolle in diesem Szenario, sondern dient nur der Begründung, warum diese Menschen flüchten, sich schützen wollen.

Das Miteinander ist der Kernpunkt. Religiöse Unterschiede, soziale Unterschiede ~ können einander so fremde und unterschiedliche Menschen in einer Katastrophe zusammen halten? Sich auf engstem Raum einig werden? Schnell entstehen die ersten Spannungen untereinander.

Als dann einer von ihnen tot aufgefunden wird, beginnen die gegenseitigen Beschuldigungen. Die Luke ist dicht, der Code nicht zugänglich.
Zuvor zog es sich für mich schon etwas in die Länge, was ich jedoch noch verstand. Hier steht das Zwischenmenschliche in einer Extremsituation im Mittelpunkt, hierfür müssen die Spannungen erst herausgearbeitet werden. Doch auch nach dem Leichenfund und den weiteren Entdeckungen, blieb die Spannung eher oberflächlich. Oder aber es entwickelten sich zu schnelle Extreme wie das Flüchten in Alkohol oder einer Affäre.

Die Grundthematik sprach mich sehr an. Egal ob es sich nun mit dem Virus oder dem Innenleben des Bunkers auseinander setzt, sind dies beides Themen, welche ich vorzugsweise lese. Dann aber auch bitte nicht nur angerissen. Die Autoren haben sich für den psychologischen Schwerpunkt entschieden und diesen im Anfang gut herausgearbeitet, dann jedoch sind sie nicht weiter in die menschlichen Abgründe hinabgestiegen.

Die Auflösung kam überraschend für mich, wobei der aufmerksame Leser ggf. auch früher durch eine kleine Änderung darauf aufmerksam werden kann.
Ein Thriller von dem ich mir mehr versprochen hatte.

★★★☆☆
[Bewertungssystem]

|| 1 Buch ~ 2 Meinungen: Kasins Rezension ||

Vielen Dank an das Bloggerportal & den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

    Buchdetails
Buchcover: © Heyne Verlagimg_3035
Titel: Under Ground
Buchreihe: Einzelband 
AutorIn: S. L. Grey [Sarah Lotz & Louis Greenberg]
Verlag: Heyne [Verlagsgruppe Random House]
384 Seiten
ISBN: 978-3-453-43810-1
Erscheinungsdatum: 14.11.2016
          Kosten
Paperback: 12,99 €
E-Book: 9,99 €

15 Gedanken zu „„Under Ground“ von S. L. Grey || crumb

  1. Ein Buch, zwei Meinungen – das ist ja mal prima.
    Allerdings muss man am Ende das Buch wohl doch selbst lesen, um zu sehen, ob die Atmosphäre auf einen überspringt oder nicht.

    LG Gabi

    1. Ich behaupte mal frech das ist bei den meisten Büchern so 😉 Aber ja, es gibt das ein oder andere welches spaltet & man sich selbst ein Urteil bilden sollte. Da du dich ja lieber an Kasins Rezi hältst, hoffe ich es wird dich ebenso wie sie einnehmen (=

    1. Ich hatte mir einfach mehr versprochen, ich würde das genauso handhaben wie du 😉 Aber vielleicht gefällt es dir auch so gut wie Kasin?!

  2. Hey,
    ich kann Deine Bewertung gut nachvollziehen, denn auch für mich blieb er eher durchschnittlich.
    In meiner Rezension erwähnte ich ja bereits, dass er ruhig spannender und wenig vorhersehbar hätte sein können.
    Gerade das Ende konnte mich absolut nicht überraschen, da war ich schon ziemlich früh auf der richtigen Spur. 🙂
    Trotzdem mochte ich die Atmosphäre sehr und vor allem die abwechselnde Erzählperspektive erleichterte das unterscheiden der ganzen Personen.
    Und nun flitze ich mal zu Kasins Rezension!
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Die Atmosphäre war schon gut beschrieben, das stimmt! Aber da der Virus eigentlich nur als Begründung für die Kulisse diente, hätte ich mir eben auf der zwischenmenschlichen Ebene mehr Tiefgang gewünscht! Natürlich sind gerade 2 Charaktere sehr herausstechend & hinterlassen beim lesen wirklich Wut, dennoch bleibt das Gesamte in dieser Hinsicht eher oberflächlich leider.

      Ich war noch gar nicht bei dir luschern, hole ich gleich mal nach 😉

  3. Wie schon bei Kasin geschrieben, finde ich es spannend, Eure unterschiedlichen Ansichten zum Buch zu lesen und vor allem macht das Euren Blog auch aus. Die Unterschiede und keine einheitliche Meinung. Wobei ich jetzt aber die Sternebewertung nicht so extrem unterschiedlich finde. Hätte „schlimmer“ sein können aufgrund der Ankündigung auf FB. 😉

    1. Hey meine Liebe (=
      Ja, da hast du recht! Ein Stern ist kein gewaltiger Unterschied, aber ich denke inhaltlich liest man schon heraus wie unterschiedlich wir eine Geschichte empfinden & unsere Erwartungen setzen.
      Wir hatten aber schon wirklich extreme Unterschiede wie bspw. bei „Tief steht die Sonne“ oder aber auch ein weiteres Buch, welches du hier entdecken kannst: http://kejas-blogbuch.de/8-blogparade-1/
      Und ganz selten sind wir auch absolut einer Meinung wie bei „Bird Box“ 😉

      1. Genau DAS finde ich aber so schön hier bei Euch! Die Unterschiede! 🙂 So kann sich jeder ein besseres Bild machen. Zumindest sehe ich das so.
        Da lese ich doch gleich mal noch weiter bei dem Link. 😉

        1. Ich finde es auch sehr gut das wir zwar gerne die selben Bücher lesen, aber doch eher unterschiedlicher Meinung sind ~ wer will hier schon zwei fast identische Rezensionen lesen?! 😉

          Sehr fein & viel Spaß beim durchlesen unseres buchigen Rückblicks *-*

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