„Totenfang“ von Simon Beckett [Kerstin]

Totenfang Kasin

Buchcover: © Wunderlich-Verlag [Rowohlt]

Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt!

Würde ich ein Buch und seine Geschichte nach einem Menschen, dessen Wesenszug oder Eigenschaft betiteln, dann wäre ‚Totenfang‘ wie David Hunter  ~ ein Gentleman und dass auf ganzer Linie.

Mr. David Hunter is back, meine Güte, wie viele Jahre habe ich auf diesen 5. Band gewartet und doch war ich sofort wieder „drinnen“, in diesem Metier des forensischen Anthropologen. Der Mann der die sterblichen Überreste eines Menschen untersucht bzw. das was davon übrig geblieben ist.

„Ich war mit dem Tod in all seinen grausigen Facetten bestens vertraut, sprach die Sprache von Knochen, Fäulnis und Verwesend fließend. Die meisten Menschen gruselten sich vor meiner Tätigkeit, es hatte Zeiten gegeben, in denen sie mir schwer gefallen war.“ (Buch Seite 14)

Wer die 4 Vorgängerbände (Die Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe, Verwesung) nicht kennt, wird dennoch sehr gut mit diesem Band klar kommen. Es erklärt sich alles von selbst, bzw Hunter macht das, denn er ist der Erzähler seiner eigenen Geschichte.

Aber erst einmal kurz zur Story:
Eine Sandbank-Leiche soll geborgen werden. Da die Todesumstände unklar sind und der ‚Aufenthaltsort‘ nicht gerade für ideale Bedingungen sorgte, wird David Hunter um Hilfe gebeten. In den Salzmarschen von Essex, mit seinen tiefliegenden Wiesen, dem Gezeitenspiel von Ebbe und Flut, den Tideflüssen und versandeten Gegenden, wird Hunter mit Vorgängen konfrontiert die ihn stutzig machen. Einserseits die vermeintliche Identität des Toten, andererseits vermisste und verschwundene Menschen. Wer treibt sein Unwesen in den Backwaters? Was will die vermögende Familie Villiers verbergen? Warum sind sich manche der Bewohner in den Backwaters und Umgebung so spinnenfeind? Kann Hunter mit seinem Fachwissen und seinem Bauchgefühl helfen? Vieles wird an die Oberfläche kommen und so manches vollkommen unerwartet.

Die ersten 100 Seiten empfand ich nicht unbedingt als langweilig, aber es hat sich schon etwas gezogen. Viele Einblicke und Eindrücke zu dieser Gegend der Salzmarschen und der Backwaters. Wiesen und Weiden, Kanäle, Brücken, unzugängliches Gebiet, vor allem wenn es regnet oder die Flut viele Wege unpassierbar macht. Hunter wuselt sich da so durch und landet eher unfreiwillig als Gast in einem Bootshaus. Er macht Bekanntschaft mit so manchen Choleriker und (endlich mal wieder) einer schönen Frau. 

Aber das sind alles eher Belanglosigkeiten, mich hat es vielmehr ans Buch gefesselt zu erfahren was es auf sich hat, mit diesen Verschwundenen. Eine Frau, ein Mann, ein Mädchen und letzteres schon vor Jahrzehnten. 

Simon Beckett hat David Hunter toll erzählen lassen. Der Gentlemann umschmeichelt das Leserherz und trotz seines recht derben Berufes zeigt er genug Fingerspitzengefühl um so manches der Geheimnisse zu enträtseln. 

Gerade Hunters Arbeitsumfeld, die Autopsieräume mit ihrer kalten und sterilen Umgebung wirkt gar nicht so abstossend. Gewiss – er erzählt detailliert was er macht und warum. Die Zustände der Leichen oder zumindest deren Teile, gehören einfach dazu. Aber bei allen Hunter-Büchern hatte ich nie das Gefühl, dass es nur der Effekthascherei diente, sondern vielmehr um Aufzuklären und die Toten sprechen zu lassen. Wie Hunter aus diesen Details ‚liest‘ und verknüpft ist schon großartig und nachvollziehbar beschrieben. Auch seine Intuition und sein Bauchgefühl zeigen durch ihn immer wieder auf, dass man eben auch mal um Ecken denken muss.

Viele Verdächtigungen, seltsame Menschen und deren Marotten sowie großartige Charaktere. Hinzu diese Landschaft und das Wetter, alles so bildlich dargestellt, dass es mich mehr als einmal frösteln lies – vielleicht lag es aber auch an dieser Stimmung im Buch. All diese Geheimnisse, Spannung und Spannungen, wer, wann und warum? So manche Überraschung sorgte für ein Umdenken und letztendlich war die Auflösung ganz anders als erwartet – aber absolut stimmig.

Auch wenn sich zum Ende hin alles aufklärte – wer die Hunter- Bücher kennt weiß es – ganz zum Schluss, da war doch noch etwas, irgendwo im Hinterkopf, wahrgenommen vermutlich auf einer der ersten 100 Seiten und deshalb doch so wichtig – diese Einführung in Hunters heutiges Leben und dass da noch etwas Vergangenes in seinem Inneren rumort.

Ein tolles Buch, dass trotz all der Toten so lebendig wirkt und einen für Stunden entführt in die Welt des David Hunter. Hach – ich hoffe nicht allzu lange auf Band 6 warten zu müssen. Aber gut Ding will Weil und „Totenfang“ ist definitiv gut, nein – es ist sehr gut!

Da wir hier ja zu zweit bloggen, kommt es durchaus vor, dass wir zeitgleich ein Buch lesen. Oft, aber bei weitem nicht immer, sind wir gleicher/ähnlicher Meinung. Wer also eine weitere Rezension zu „Totenfang“ und vielleicht ganz andere Leseeindrücke kennnelernen möchte ~  „Klick mich“ für Jannas Rezenzension 🙂


[Bewertungssystem]

Buchdetails
Titel: Totenfang
Buchreihe: 5. Band
AutorIn: Simon Beckett

Verlag: Wunderlich [Verlagsgruppe Rowohlt]
560 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5001-6
Erscheinungsdatum: 14.10.2016
Kosten 
Hardcover: 22,95 €
E-Book: 19,99 €
Audio: ab 19,95 €

4 Kommentare

  1. Hallöchen Kasin,
    Auch du hast ja eine ganz tolle Rezension geschrieben.
    Ich mag das an den Hunter Büchern auch immer so gern, dass man Einblicke in die Arbeit des Forensikers bekommt. Sehr spannend und mal was Anderes.
    Und das Ende „anders als erwartet aber absolut stimmig“ -besser, hätte ich es nicht sagen können.
    Jetzt heißt es wirklich nur Daumen drücken, dass wir nicht so lange auf Teil 6 warten müssen.
    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende noch.
    Julia

    1. Hallo Julia, Danke Dir 🙂 ja ich hoffe echt dass es nicht so ewig lange dauert wie bei diesem Band – schließlich war der Cliffhänger sehr übel.
      Ganz liebe Grüße und ein tolles Lese Wochenende
      Kasin

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