„The Dry“ | Jane Harper

Wenn Vergangenes auf Gegenwärtiges trifft …

Inhalt laut Verlagsseite

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz. Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel. Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück – zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr…

Ich mochte gar nicht die letzten Sätze hören, die Geschichte hätte für mich gerne noch länger sein dürfen, einziges Manko ist jedoch die Genre-Wahl! Für mich ist diese Geschichte vielmehr ein Roman mit Krimi-Elementen als ein Thriller. Dies sollte Lesern/Hörern vorher klar sein, denn sonst könnte es eine kleine Enttäuschung geben.

Ich denke das ich mich für das Hörbuch anstatt das Buch entschieden habe, war die richtige Wahl. Denn ich kann die Kritik der Langatmigkeit absolut verstehen, dies traf für mich persönlich beim Hörbuch jedoch nicht zu! Götz Otto (Sprecher) fängt die Stimmung des Buches hervorragend ein und gibt die Geschichte so gelungen wieder, das ich einfach abtauchte.

Aaron Falk kehrt nach ca. 20 Jahren in seine Heimatstadt Kiawarra zurück, um an der Beerdigung seines damaligen besten Freundes Luke teil zunehmen. Vater, Mutter, Sohn – fast eine gesamte Familie wurde ermordet. Falk begegnet seiner Vergangenheit, seiner damaligen besten Freundin, sowie den Anwohnern die ihm nicht wohl gesonnen sind. Doch dies hält ihn nicht davon ab, gemeinsam mit dem Polizisten Raco, in Erfahrung zu bringen was wirklich im Farmhaus der Hadlers passierte.

Dies jedoch ist nicht der einzige Todesfall den Falk beschäftigt. Durch die Rückkehr in seine Vergangenheit, holt diese ihn ein. Gretchen und er sind die letzten Verbleibenden der früheren Clique und die damaligen Geschehnisse werden durch den Ort und die Menschen wieder präsent.

Ich bin regelrecht in die Geschichte abgetaucht und der ruhige Erzählstil passt hervorragend zur den beschriebenen Tragödien. Zu Beginn wird nun minimal ein Einblick gewährt. Durch bestimmte Aussagen und Sätze entstehen Fragen die beantwortet werden wollen.
Gegenwärtig versuchen Falk und der Ortspolizist Raco die Ereignisse zu rekonstruieren, im Mittelpunkt die immer wiederkehrende Frage: steht dieser (Selbst)mord in Zusammenhang mit einem Leichenfund von vor 20 Jahren? Immer wieder führt die Autorin dorthin zurück und skizziert dadurch ein Bild, welches mehr Fragen als Antworten entstehen lässt.
Der Wechsel weist im späteren Verlauf erschreckende Gemeinsamkeiten auf und immer wieder geriet ich in einen Kreislauf der Unwissenheit. Ich versuchte die Zusammenhänge zu finden, doch die Autorin Jane Harper ließ mich geschickt im Dunkeln tappen. Die Rückblicke lassen einen Verdacht entstehen, welcher am Ende der Geschichte weit entfernt von meinen Vermutungen war.

Je mehr ich in der Geschichte versank, umso deutlicher wurde das Bild der vergangenen Tragödie, ohne jedoch den Schleier der Unkenntnis vollständig verschwinden zu lassen.
Die Charaktere, Beziehungen und Atmosphäre transportiert die Autorin direkt ins Wohnzimmer und der Sprecher Götz Otto haucht gekonnt Leben ein.
Ein ruhiger Erzählstil, ein leiser Verlauf du genau dies gefiel mir besonders gut! Die Autorin versucht nicht durch Action oder schnellem Schlagabtausch eine (gezwungene) Spannung zu erzeugen. Diese entsteht nämlich fast von allein durch den ruhigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Hier sticht besonders die Szene zwischen Pub und Leichenfund hervor! Zunächst ist nicht klar ob sich um zwei gegenwärtigen Szenen handelt, womit die erste Neugierde gegeben ist. Auch der Aufbau dieser Szenerie lassen eine Spannung entstehen, welcher ich mich nicht entziehen konnte. Im weiteren verlauf nutzt die Autorin diesen gekonnten Aufbau nicht mehr so intensiv, was mich aber auch nicht störte.

Ich kann mir vorstellen das sich die Printausgabe stellenweise etwas langatmig lesen lässt, vor allem mit der Erwartung eines Thrillers. Ich würde dieses Buch eher als Roman mit Spannungselementen beschreiben, wobei ich persönlich an keiner Stelle das Gefühl von Langatmigkeit hatte. Es handelt sich um eine Skizzierung jedes einzelnen Puzzlestücks, welche mich durch die Sprecherstimmer hervorragend einfing.

Ein sehr starkes Debüt mit einer sprachlichen Bildgewalt, die mir das Städtchen Kiawarra und die sengende Hitze sehr gut vermitteln konnte. Ein ruhiger Schreibstil, welcher mit einem gelungenen Wechsel der Zeitebenen einher geht. Stückweise erhält man auf beiden Ebenen verschiedene Informationen, welche zum Ende hin mit einer erschreckenden Aufklärung überraschen. Ob diese Familientragödien miteinander verwoben sind, wird wirklich erst zum Ende deutlich und mich hätte es auch nicht gestört, wenn die Vergangenheit unbeantwortet geblieben wäre.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★

– Weitere Eindrücke –
Bettys Welt (Bettina)
Sharon.Baker liest (Inga)
Claudias Wortwelten (Claudia)

Buchdetails
Titel: The Dry
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Jane Harper | SprecherIn: Götz Otto
Übersetzt aus dem Englischen: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Verlag: Argon Hörbuch | Printausgabe: Rowohlt
ISBN: 978-3-8398-1511-3 [Audio]

Aaron Falk – Reihe
Band 1 ~ „The Dry
Band 2 ~ „Ins Dunkel“ | Erscheint voraussichtlich am 24.7.2018

4 Kommentare

  1. Also, das Hörbuch hat bei dir ja sehr guten Anklang gefunden. Ich schleiche schon länger um das Buch rum, allerdings hat dann doch immer der letzte Funke gefehlt. Ev. gebe ich ihm als Hörbuch eine Chance.

    1. Wichtig ist, keinen Thriller zu erwarten und die Stimme transportiert die Geschichte hervorragend! Ich war wirklich begeistert und freue mich schon auf den Folgeband – wird dann wohl wieder als Hörbuch hier einziehen (=

      Hab noch einen feinen Abend!

  2. Guten Morgen,
    ich habe The Dry tatsächlich abgebrochen… Mir war es zuviel, zu langatmig. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht gebe ich dem Hörbuch mal eine Chance. GLG und ein paar besinnliche Feiertage für Euch.
    LG Anja

    1. Huhu,
      den Abbruch als Print kann ich schon ein Stückweit nachvollziehen – bei einem Thriller erwartet man einfach etwas anderes. Ich bin ganz unbefangen herangegangen und konnte absolut in die Geschichte eintauchen. Auch der Sprecher transportiert die Atmosphäre super, vielleicht kann es dich als Hörbuch ja mehr begeistern – ich bin gespannt, wenn du es nochmal probieren solltest!

      Frohe Weihnachten!

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