„Tage der Toten“ von Winslow | Kasin

Tage der Toten

 

Von der Macht der Mächtigen und der Gier der Gierigen

Für diese Rezension habe ich lange gebraucht – geschrieben, umgeschrieben, gelöscht, hinzugefügt und doch war es mir nie so als würde ich dem Buch gerecht werden.

Gewiss kann man ein Buch und seine Geschichte mit allerlei Adjektiven beschreiben – toll, großartig, spannend, fesselnd, brutal, grausam, schräg, schockierend, böse, anspruchsvoll, unterhaltsam, traurig, wütend, sarkastisch, politisch, ironisch, anders, besonders, fies, ehrlich, brilliant…..es würden mir mit Sicherheit noch mehr dieser Wie-Wörter einfallen – aber so ist das Buch eben, alles zusammen und noch viel mehr.

„Ein Krieg gegen den Terror, ein Krieg gegen den Kommunismus, ein Krieg gegen die Drogen. Irgendein Krieg ist immer.“
„Das ist der Lauf der Welt fürchte ich.“
„Ohne mich“ sagt Keller „Ich mach das nicht mehr mit.“…“Einmal muss es doch aufhören“…“An irgendeinem Punkt“
(Buch Seite 673)

Arthur Keller, kurz Art, braucht viele Jahre um zu dieser Aussage zu kommen. Jahre in denen er den Krieg, gegen was auch immer, selbst erlebt und selbst gelebt hat. Ein Mann der seinen Prinzipien treu bleibt, egal was geschieht und der notfalls auch alles alleine durchzieht – vielleicht auch weil er niemandem mehr trauen kann.

Alles beginnt 1975 in Mexiko mit 19 Toten und endet 2004 – ich hatte zwischenzeitlich aufgehört die Toten zu zählen. Naja, eigentlich beginnt es schon viel früher, aber dass ist der Zeitpunkt an dem Art Keller anfängt seinen Job richtig zu machen. Als Vietnamveteran und jetztiger Drogenfahner & DEA-Agent kannte er sich mit dem Krieg aus, doch nun ist er zu einem Spielball geworden und hat sich reinlegen lassen. Sein Wunsch diese Schmach zu rächen erfüllt sich erst viel später und er muss erst jahrelang in dem Sumpf der Drogenbarone stochern bis er auf die richtige Spur kommt. Der grausame Tod eines guten Freundes weckt seinen ohnehin stark vorhandenen Ehrgeiz noch mehr – jetzt will er es wissen und er will Rache an dem Mann der ihn so hintergangen hatte. „Vete al demonio, Tío.“ (Buch Seite 224)

Die Kapitel im Buch springen durch die Jahre und die Länder, im Wechsel zwischen Mexiko, New York, Kalifornien, El Salvador und wieder zurück zum mexikanischen Grenzgebiet. Man lernt viele Menschen kennen und kann sehr schnell unterscheiden wer von all diesen Männern und Frauen eine große Rolle zukommen wird. Namen wie O-Bop, Callan, Scachi, Little Peaches und Nora sollte man sich merken. Es hatte großen Spaß gemacht den Werdegang eines Jeden einzelnen zu verfolgen. Vom Kleinkriminellen durch Zufall his hin zum favorisierten Auftragskiller. Eine irre gute Charaktergestaltung ist dem Autor hier gelungen. Vom heroischen Rächer über schmierige Handlanger bis hin zum allmächtigen Drogenboss. Es gibt von allen genug und so mancher bleibt auf der Strecke.

Die Art und Weise wie der Autor Don Winslow diese Geschichte erzählt hat mich tagelang an diesem Buch festgehalten. Diese schonungslose und detaillierte Aufklärung wie miteinander umgegangen wurde, die Einblicke in die Sitten und Bräuche der Mafiosi und natürlich die enorme Macht der Drogen und derer die darüber bestimmen. 

„Die Drogen wandern nach Norden. Von Mexiko in die Staaten. Das Geld wandert nach Süden. Von den Staaten nach Mexiko. “ (Buch Seite 500)

Macht und Geld – beides miteinander verwoben – sorgen für die entsprechenden Möglichkeiten. Alles und Jeder kann gekauft werden – von den Drogenbaronen und den Regierungen, schließlich wollen sich alle eine goldene Nase verdienen mit dem weißen Pulver, mit einer Ausnahme, Art Keller. Das birgt große Gefahren für ihn und seine Familie. Der Preis ist hoch, wie auch das Kopfgeld. 

Eigentlich mag ich ja nicht so sehr diese Superhelden, die immer gewinnen und die besten Ideen haben. Deswegen mochte ich Keller vielleicht so sehr. Seine Ideen waren nicht immer die Besten, er hat seltenst gewonnen dafür aber sehr viel verloren – außer seiner Würde.

Operation Condor ist bekannt, auch das in Zeiten des Vietnamkrieges große Mengen Drogen geschmuggelt wurden – hier hat der Autor mit der ‚Schaffung‘ dieses neuen, aufstrebenden Drogenkartells, der Federación, aber noch einen draufgelegt.  Nachvollziehbare Handlungen, der Kreis um Geduldete, Bestochene, Korrupte und Gierige hat mich total eingenommen. Faszinierend die Einblicke und durchaus glaubhaft. Eine lange Reise durch die Zeit die allerdings keinerlei Langeweile aufwarten lässt – es geht zur Sache im Buch, darüber sollte man sich im Klaren sein.

Ein absolut gewaltiges und gewalttätiges Buch – aber es macht süchtig!


[Bewertungssystem]

Buchdetails
Buchcover: © Suhrkamp
Titel: Tage der Toten
Buchreihe: Band 1 – Art Keller-Reihe
AutorIn: Don Winslow
Verlag: Suhrkamp
689 Seiten ODER 16 CD`s || 19:34 Std.
ISBN: 978-3-518-46200-3
Erscheinungsdatum: 20.09.2010
          Kosten
Paperback: 14,95 € 
E-Book: 10,99 €
Audio: 39,99 €

5 Kommentare

  1. Hallo,
    schön, dass du hier einen meiner Lieblingskrimis vorstellst. Ich habe ihn gelesen, bevor ich mit der Bloggerei angefangen habe, werde aber nicht müde ihn zu empfehlen. Das Kartell werde ich mir auch noch vornehmen, vielleicht schaffe ich es 2017, kann mir aber kaum vorstellen, dass man so einen Erfolg nochmal so schnell wiederholen kann.
    Liebe Grüße
    Thomas

  2. Ah, meine erste Frage wäre gewesen, ob es ein Einzelband ist 😛 Muss man ja bei dem Autor aufpassen. Will ihn ja endlich auch mal lesen. Es wartet zwar hier ein Buch von ihm auf mich, aber das ist aus ner Serie. Da will ich doch lieber mal mit so einem Exemplar wie dem hier starten. Ich merks mir direkt mal vor :3

    Lesegrüße!

    1. Hallo, das Kartell ist der 2. Band um Art Keller, wusste ich bis vor ein paar Tagen auch nicht und das will/muss ich jetzt auch noch lesen 🙂

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