Rezension

„Sieben minus Eins“

Sieben minus eins

Cover: © Piper-Verlag

Konsequenzen

Mein – der erste Dahl – damals – „Mysterioso“ – mit dem gerade erst beginnenden Paul Hjelm hatte mich in die komplette Reihe gezogen und aus der anfänglichen Begeisterung ob der psychologischen Grenzfälle, wurde im Laufe der Bücher und Geschichten doch etwas Ernüchterung daraus.
Mit „Sieben minus Eins“ hoffte ich auf einen Neustart – jenseits des A-Teams, der Tuppe um Paul Hjelm und Kerstin Holm. Weg von dem immer moderner werdenden „Ermittlungszubehör“, hin zu den Charakteren und deren Kunst sich hineinzudenken in die Köpfe der Bösen, der Täter, den Mördern.

Kriminalkommissar Sam Berger, eine Neuer in Dahls Geschichten, ein Serienstart um einen Serienkiller – passend, hab ich gedacht und bin voller Euphorie hineingesprungen in das schwedische Abenteuer.
Dabei hat es mich dann aber eiskalt erwischt – der Anfang war gut, hat mich neugierig gemacht, darauf wer denn dieser Junge ist der da durch die Wiesen läuft, einem Blondschopf hinterher ins Bootshaus und natürlich wie das mit diesem Kriminalfall zusammenhängt.

Aber erst einmal kurz zur Story:
Eine verschwundene 15jährige, Ellen, entführt ohne nachvollziehbare Spuren und nur einer weiß beziehungweise ahnt, dass da mehr dahinter steckt. Sam Berger, Kriminalkommissar macht sich damit natürlich direkt unbeliebt bei seinem Chef. Dennoch geht er den Spuren nach und entdeckt Hinweise die irgendwie in Sams Vergangenheit zu führen scheinen. Als dann auch noch eine mehr als verdächtige Frau auftaucht wird es sehr geheimnisvoll und überraschend.

Grundsätzlich eine unterhaltsame Kriminalstory, die aber deutliche Thrillerelemente beinhaltet. Spannung like Schweden. Da gehört es eben auch dazu ständig über irgendwelche Gatans zu fahren um von einem Ort zum nächsten zu kommen, da man ja schließlich allen Hinweisen nachgeht. Selbst wenn diese rein auf einem Bauchgefühl, einer Intuition oder ein einer plötzlich aufflammenden Erinnerung zu verdanken ist. Dauerregen tut sein übriges zur Stimmung bei.

Das Auftauchen dieser Molly Blom, Säpo-Mitarbeiterin und bestens ausgerüstet mit allem was man braucht, wenn man eher gegen die Polizeiregeln ermittelt und sich dabei bloß nicht erwischen lassen will, war für mich die Überraschung schlechthin. Hier in dieser Szenerie hatte Dahl gezeigt, dass er es eben kann – die psychologischen Spielchen und unterschwelligen Geheimnisse schrieen mich förmlich an – löse das Rätsel!!!

Gelöst wurde es dann ja auch, immer im Wechsel zwischen damals und heute. Vieles kam ans Licht, vieles blieb im Dunkeln. Wurde ein Rätsel gelöst kam das nächste hinzu – das dabei entstehende Bild des Täters und seiner Motivation war mir dann doch zu sehr Klischee.
Hier empfand ich die Zusammenarbeit von Molly und Sam zwar angenehm aber total unglaubwürdig.

Ein solches Konstrukt habe ich schon lange nicht mehr „erlesen“. Da spielt sich alles im Geheimen ab, Personen werden befragt, die eigentlich gar nichts zu sagen haben aber letztendlich DEN Tipp schlechthin und ungewollt herausgeben. Es tauchen winzige Teile auf, in Spalten oder unter Mauerputz, Zufälle soll´s ja geben?!

Was mir fehlte waren definitv die Menschen hinter der Portagonisten, ihre Geschichten und keine an den Haaren herbeigezogenen Ungereimtheiten. Lieber lese ich psychologisches Feingefühl anstatt supermoderne Technik.

Gerade zum Schluß hin, die Erklärungen zu all den Begebenheiten und Folgen – meine Güte – da wurde aber sowas von heftig aufgetragen.
Der Schluß bleibt mehr oder weniger offen – also gibt es einen Band 2.

3 von 5 Sternen – wegen der Unterhaltungsgarantie – aber für die Glaubwürdigkeit? Naja, Fantasie ist alles.

3 von 5 Sternen
[Bewertungssystem]

Buchdetails,
Titel: Sieben minus Eins
Erscheinungsdatum: 01.09.2016
AutorIn: Arne Dahl
Verlag: Piper
416 Seiten
Kosten
Paperback: 16,99 € 

E-Book: 14,99 € 

ISBN: 978-3-492-05770-7

Ein Gedanke zu „„Sieben minus Eins“

  1. Hmmm, ich gebe zu, dass ich offenlichtlich weit weniger kritisch bin, was das dick auftragen angeht. Du hast natürlich absolut Recht mit Deiner Kritik, doch ich mag solche „fantastischen“ Geschichten genauso gern wie realistisch dargestellte Polizeiarbeit. Für mich hat beides seine Berechtigung und dieses Buch hier fällt definitiv in die fantastische Schublade 🙂

    Und ja, die vielen Gatans, durch die man wahrscheinlich alle Autofahrten komplett am Stadtplan hätte nachverfolgen können, hätte Dahl sich sparen können.

    Unterm Strich hat mir das Buch gut gefallen und ich freue mich auf eine Fortsetzung.

    LG Gabi

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