„Sei ganz still“

Sei ganz still

 

Erscheinungsdatum: 04.02.2015
AutorIn: Sebastian Thiel
Verlag : Gmeiner
ISBN: 978-38392717016
Flexibler Einband: 277 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 10,99 €

 


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kasin
11.05.2016

Wolf wie Lamm – nur böser!

Friedrich Wolf, der Hauptprotagonist, ist ein so typischer Anti-Held, dessen Entwicklung im Buch, sein Werden und Tun, durchaus Verständnis hervorrufen kann.

„Sei ganz still“, erschienen im Gmeiner-Verlag, ist mit seinen 277 Seiten ein gelungener Noir-Krimi aus der Feder des Autors Sebastian Thiel.

So dunkel und düster das Cover, so ist auch die Stimmung im Buch.
Abgründe die sich da den LeserInnen offenbaren. 
Dinge, die man nicht einfach so ad acta legt, sondern einen knabbern lassen und zweifeln am Verstand und  dem Gewissen der Gewissenlosen in der Zeit des Nazideutschlands 1938.
Eine Zeit der grausamen Vorbereitungen zu einem Euthanasieprogramm.
Aber erst einmal kurz zur Story:
Friedrich Wolf gehörte als Polizist eher der unbeliebteren Sorte Mensch an. Mit Beginn der ersten Repressalien gegen all diejenigen die nicht so funktionieren wie sie sollen, wurde er in ein Arbeitslager verbannt. Doch er hat Glück im Unglück. Ein hochrangiger SS-Mann, Kampa, seines Zeichens Arzt, holt Wolf aus dieser Hölle. Er, der bekannt ist für seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden und dass er gerne mal die Fäuste sprechen lässt, soll wieder ermitteln.
Wo ist die Verlobte Kampas abgeblieben und was bringen die seltsamen Aufzeichnungen dieser Frau zu Tage?
Wolf erfährt Dinge die selbst diesen so hartgesottenen Mann erschauern lassen.
Wolfs Leben bestand bereits vor diesem Lager aus einem recht unorthodoxen Lebensstil. 
Er kennt sich aus im Mileu Düsseldorfs und weiß wen er fragen kann und wen nicht.
So findet er schnell Spuren und damit eine Tragödie durch die sich sein wahres Inneres erst richtig zeigt.
Ein Charakterschwein, dass aber doch so viel Herz besitzt und Gerechtigkeit für eins der höchsten Güter ansieht, selbst wenn er oftmals gegen der Recht verstieß.
Die Story liest sich schnell und flüssig.
Ein angenehmer und unkomplizierter Schreibstil, der die Dinge beim Namen nennt.
Anfänglich wusste ich noch nicht so genau wohin die Spur mich als Leser führt aber im Laufe des Buches wurde es immer offensichtlicher und so ging es mir wie Wolf – Entsetzen pur!
Es wird blutig hier und da, aber es ist kein dauerhaftes Gemetzel, schlimmer empfand ich da diese Aussagen zu gewisse Behandlungsmethoden. 
Als Geschichtsinteressierter weiß man was kommt und wie es weiterging.
„Wenn dir die Kinder nur einen Pfifferling wert sind, musst du dich bewegen, alter Mann!“ (S. 237) sagte Wolf zu sich selbst und er hat sich bewegt! 
Was mir fehlte war ein Nachwort. Gab es das Luminal-Schema oder diese Heilanstalt wirklich?
Natürlich weiß ich das gerade in den Noir-Krimis kaum ein Happy End zu erwarten ist und jeder sich das Ende so auslegt wie er/sie möchte.
Wolf hat noch so manche Rechnung offen, der Autor wird hoffentlich gnädig sein und sie ihn begleichen lassen.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen, für dieses gelungene Werk das alles andere als leichte Kost ist.

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