„Schneepoet“ von Nika Sachs

Gedankenkarussell

Inhalt laut Klappentext

Ich bin Lukas.
Neunundzwanzig, manisch depressiv und Vollidiot mit Hang zum Exzess, der Schizo-Gespräche mit seinem Karma führt und Tagebuch schreibt. […]

Nach dem Lesen wird der Buchtitel eine gewisse Bedeutung haben, aber dies sei mal dahingestellt – ich bin dezent schockverliebt in diesen Titel!

Ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen! Es ist so schön fernab des Mainstreams, befasst sich mit echten Probleme, jedoch ohne sich anstrengend lesen zu lassen. Mir sind Trigger-Warnungen immer sehr wichtig und Nika Sachs hat nicht nur einen passenden Klappentext auf ihrem Buch, sondern ebenso ein wunderschönes Vorwort verfasst, in welchem sie ganz klar auf die Thematik(en) hinweist.

Das Buch, oder vielmehr das Tagebuch von Luc (Lukas) beginnt dort, wo sein bisheriges Leben endet. In einer kleinen Wohnung in Paris, mit einer hochschwangeren Frau, die nicht Inga heißt! Denn Inga ist seine Freundin, oder war es vielmehr bis vor kurzem. Eine langjährige Beziehung leise beendet, mit einem nachhallenden lauten Knall. Nicht fähig sich mit Inga auseinanderzusetzen verschwindet Luc in den Schatten Frankreichs.

Luc`s Leben nach Inga – sein Tief, ein Abgrund ohne Halt. Doch schon als Kind saß Luc in einem – seinem – Gedankenkarussell welches ihn rüttelte und schüttelte! Verdrängung ist ein Teil seiner Familie. Die Familienverhältnisse sind verworren, doch anstatt diese zu entwirren, entstanden immer mehr Knoten. In Inga findet Luc eine Familie welche ihm Halt gibt, aber nicht halten kann. Zu schwer lastet unausgesprochenes auf seiner Seele und in seinem Kopf. Bis zu jenem Tag an dem er eben diese Last nicht mehr tragen kann und flüchtet. Nicht fähig zu sprechen, lässt er seinen Gedanken auf anderer Ebene freien Lauf.

Dies hier ist mein therapeutisches Poesiealbum voller Bordsteinprosa, Puffbrause, Glückspulver, Selbstzweifel und Schneeflittchen.
Ich habe das für Inga geschrieben, weil ich nicht reden konnte.

Ich hatte jedoch nicht das Gefühl sein Tagebuch zu lesen, sondern viel mehr mit ihm an einem Tisch zu sitzen, seinen Gedanken zu lauschen. Das Buch hat eine Intensität welcher ich mich kaum entziehen konnte. Leicht poetisch und doch so alltäglich, das Leben eben! Sich verlieren, sich ausprobieren, flüchten. All dies mit einer großen Portion Sex, Drogen und wunderbarem Humor! Diese Geschichte ist eine Auseinandersetzung mit dem Leben – vielleicht ein wenig mehr Leben als der ein oder andere von uns je erfährt und doch bei einigen Szenen so nahe dran. Luc hat Probleme, doch hier geht es nicht um therapeutische Ausarbeitungen durch fachliche Hilfe, sondern um den Zwiespalt mit sich selbst.

Eingeständnis und die Flucht davor. Doch vor seinen eigenen Gedanken kann man nicht fliehen, dies muss auch Luc schmerzlich begreifen. Sein Versuch der Flucht, ist das Lösen des gewohnten Sicherheitsnetzes und sich in etwas neues fallen zu lassen – manchmal fliegt man, manchmal jedoch kommt man dem Abgrund gefährlich nahe.

In meinem Kopf gab es nur die Apokalypse.

Ich begleitete Luc in seiner selbst erschaffenen Illusion, welcher er sich mehr und mehr bewusst wird. Ich litt mit ihm und ich lachte mit ihm. Auf der Suche nach einem Rettungsanker, der Versuch das Leben zu entknoten. Ganz klar skizziert die Autorin einen Mann mit Problemen die nicht alltäglich und doch das pure Leben sind. Es wird nichts beschönigt und man wird konfrontiert mit Menschen die sich verloren haben. Komplizierte Beziehungen, zerrissene Familienverhältnisse und der Kampf mit sich selbst – der ganz alltägliche Wahnsinn. Umrahmt von Panikattacken und depressiven Schüben. Vier Jahre lang schreibt Luc all seine Gedanken auf, nimmt uns mit auf seine Lebensodyssee. Ohne Schnickschnack, ohne großes drumherum Gerede. Und doch hat dies eine absolute Leichtigkeit beim Lesen. Die Zwiegespräche von Luc mit seinem Karma sind trotz aller Problematiken sehr unterhaltsam. Der Humor ist an der richtigen Stelle eingearbeitet und lockert dadurch die Geschichte.
In meiner Besprechung klingt das Buch weitaus schwermütiger als es sich lesen lässt! Es ist keine Beschreibung in den Abgrund, sondern das Begleiten von Gedanken. Es ist keine rosa Wolke und dennoch eine Liebesgeschichte. Eine der ganz anderen Art, ganz leise und doch unüberhörbar – auf mehr als nur einer Ebene!

Mich hat Luc in seinen Bann gezogen und ich hoffe das sein Gedankenkarussell die Buchwelt durchrüttelt. Ein wenig Prosa, ein wenig Liebe und ganz viel Leben. Nichts für jeden, keine Frage, aber vom Mainstream hat der Buchmarkt auch genug – Hallo Luc!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★

– Weitere Lesermeinungen –
Babsi taucht ab – TheBlueSirenBlog  (Babsi)
Schreibtrieb – Der Buchblog – (Eva-Maria)

    Buchdetails
Titel: Schneepoet
Buchreihe: 1. Teil
AutorIn: Nika Sachs
Verlag: Twentysix | [Selfpublisher]
ASIN: B07-5-MPKMV-C [E-Book]
— Rezensionsexemplar —

       Luc – Reihe
Teil 1 ~ „Schneepoet“
Prequel: Aus Ingas Sicht, erscheint voraussichtlich Dezember 2017
~ Weitere Teile sind in Planung ~

7 Kommentare

  1. Huhu Janna, das klingt ja mal nach was ganz anderem, sehr schön!!
    Und das Vorwort in dieser Form ist ganz klasse!!
    Liebe Grüße, Heike
    ….OXEN und SOG lese ich, wenn ich mit den Büchern fertig bin 😉

    1. Absolut – dieses Buch ist feinst und fernab des Mainstreams *-*

      Meine Besprechungen sind geduldig 😉 Bin gespannt auf deine Meinung zu den Büchern und komme auch bald mal wieder zum kommentieren bei dir vorbei (=

  2. Ähm, ja, dann ist dieses Buch wohl direkt mal auf meiner Wunschliste gelandet.
    Ich mag Bücher, die mal aus der Masse herausstechen. Lese sie viel zu selten, da man meist nur durch Zufall drauf stößt und viele nichts damit anfangen können.

    1. <3 Sehr schön! Dieses Buch sticht definitiv heraus und ich hoffe dich wird Luc ebenso überzeugen können wie mich.

      Hab noch einen mukkeligen Abend!

  3. Wow, Deine Begeisterung springt einem quasi entgegen bei Deiner Rezension.
    Ein Buch, dass wieder die Lesegemeinschaft Spalten wird vermute ich…
    Was soll ich daüüsagen, ich glaube Du hast mich mitgerissen und ich packe es mir jetzt auf die Liste.

    Ich wünsche Dir eine tolle Woche

    LG

    1. Hab vielen lieben Dank – dann hab ich ja genau das erreicht was ich wollte (= Ich hoffe Luc der kleine Schneepoet muss dort nicht zu lange warten und seine Geschichte kann dich ebenso einnehmen wie mich!

      Hab noch einen feinen Tag!

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