„Schmetterlingstränen“ von Karin Kehrer

Schmetterlingstränen

 

Erscheinungsdatum: 01.03.2016
AutorIn: Karin Kehrer
Verlag : CreateSpace Independent
Publishing Platform
ISBN: 978-1523623402
Gebundener Einband: 378 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 11,50 €

 


5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Janna
23.04.2016

Das nebelige Schottland

Zwar steht „Roman“ auf dem Cover, es verbirgt sich darin jedoch ein ruhiger aber intensiver Psychothriller.

(…) Er hatte dafür gesorgt, dass dieser Schoß niemals ein Kind empfangen würde und das war gut so. Der Sünde musste Einhalt geboten werden. Deshalb sollten auch ihre Brüste und ihre Scham bedeckt werden. Er zog das sorgfältig gefaltete weiße Tuch aus der Jackentasche, befreite es von der Plastikhülle und breitete es über die Tote. Ein vollkommendes Bild. (…)“ – S. 9
Schon fast poetisch wird der Leser in die Geschichte hineingeführt, in die Gedanken des Mörders. Er spricht von intimen Augenblicken mit seinen Opfern, vom herbeiführen ihrer Verwandlung. Dies wird durch die Zitate von Gedichten und Fragmenten zu Beginn verschiedener Kapitel untermalt:
At the mid hour of night, when stars are weeping I fly to the lone vale we loved, when life shone warm in thine eye;“ – S. 7 (Thomas Moore).
Ebenso traumhaft wird dem Leser Schottland näher gebracht – die Autorin versteht sich darin, bei dem Leser Fernweh herbeizuführen, ohne sich in den Details zu verlieren!

Der Leser wird durch drei Erzählstränge geführt: Der Mörder, April als 10jähriges Mädchen & April heute, als erwachsenen Frau. Das hier eine Verbindung besteht & wie tiefgreifend diese ist wird dem Leser schnell bewusst. April selbst war als kleines Mädchen in seiner Gewalt, hat den Mord an ihrer Mutter miterleben müssen, dies jedoch so stark verdrängt, das sie sich daran nicht mehr erinnern kann.
Die manifestierten Ängste von damals verfolgen sie bis heute & nur langsam nähert April sich der Wahrheit, der Erinnerung an die schrecklichste Zeit ihres Lebens. Auch der Leser erfährt nur bruchstückhaft etwas über Aprils Vergangenheit, eben nur soviel wie sich die Protagonisten selbst erinnern kann.
Dies finde ich sehr gelungen, da sich somit eine Grundspannung durch das gesamte Buch hindurch zieht. Durch Aprils Erinnerungen erhält der Leser immer wieder neue Verdachtsmomente und Tätermöglichkeiten, ohne jedoch auch nur zu erahnen wer der wahre Mörder ist! Der Leser verdächtigt, spekuliert & verwirft wieder – unterstützt durch die gutdurchdachten & geschickten Täuschungen der Autorin. Erst als April begreift wer sie damals drei Tage gefangen hielt, ihre Mutter kaltblütig ermordete, wird dies auch dem Leser erst klar.

Neben Aprils Erinnerungslücken, dem damaligen Mord an ihrer Mutter, spielt auch die Gegenwart eine große Rolle. Der Mörder hat nie aufgehört an April zu denken oder die sündigen Frauen zu bestrafen – fast jährlich im November wird eine Frauenleiche gefunden, ebenso dargestellt wie damals Aprils Mutter. April selbst findet eine weitere Leiche & somit beginnt das Rad der Ermittlungen.
Zwar begleitet der Leser ausschließlich die oben drei genannten Erzählsträngen, erfährt jedoch ebenso etwas über die polizeilichen Entwicklungen.
Dies war sehr authentisch, denn in diesem Roman sieht die Polizei nicht einfach über eigenmächtige Tätigkeiten hinweg, wie es sooft der Fall ist in anderen Büchern.
Auch in dieser Geschichte fehlt die zarte Anwandlung natürlich nicht, jedoch ist es gelungen in den Verlauf eingearbeitet – zumal der Charakter Benedict Holden ein ganz eigener, sehr distanzierter ist.

Ich kann mich nur zu einer Leseempfehlung aussprechen & das das Buch letztendlich als „Roman“ betitelt ist, war genau die richtige Entscheidung, denn vielmehr als der (actionreiche) Thrill werden die psychologischen Aspekte herausgearbeitet. Eben wie bereits oben gesagt: ein ruhiger aber intensiver Psychothrill-Roman!

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

%d Bloggern gefällt das: