„Saint Falls“ von David Rohlmann [Hrsg], Maria Engels & 4 more

Inhalt laut Klappentext
„In Saint Falls hat das Verbrechen einen Namen: den des großen, bösen Wolfs.
Die Kriminalität hält die Stadt fest im Griff. Polizisten haben längere Finger als die, die sie hinter Gitter bringen, die legendären Straßenrennen von Hase und Igel fordern regelmäßig Tote und sogar Erstgeborene werden gegen eine arrangierte Hochzeit in die Oberschicht eingetauscht. Wolfs Syndikat thront über all dem. Seine dunkle Fee versorgt die Dealer mit dem besten Schnee von Miss H. und macht dabei auch vor Rose, der Tochter des Bürgermeisters, nicht halt. Währenddessen bezirzen die Prinzessinnen ihre Freier in Wolfs Stripclub, dem Happy End, unter ihnen ein ganz besonderes Mädchen mit einem roten Cape. Doch Wolf ist nicht der Einzige, der die Unterwelt sein Eigen nennen will: Beast gewinnt mehr und mehr an Einfluss. Als ein mächtiges Drachenei auftaucht, das sowohl Beast als auch Wolf in die Finger bekommen wollen, steht der Krieg zwischen den beiden Gangsterbossen unmittelbar bevor …“


Es war einmal…David Michel Rohlmann, Maria Engels, Jenny Wood, Cat Lewis, David Knospe und Jonas F. Rohlmann – eine Gemeinschaftsprojekt.
Man sagt ja für gewöhlich, viele Köche verderben den Brei – da kann ich nur sagen – lasst Euch bloß keine Märchen erzählen!
Wobei, doch genau darum geht es in „Saint Falls“, Märchen in der Welt des Verbrechens oder anders herum? Egal, denn wie ich es auch drehe und wende – es war ein Lesevergnügen in einer fabelhaften Welt. Feinstes Kopfkino!

Glaubst du an den Teufel?“

Dieses Buch ist eine Ansammlung von vielen, kleinen Geschichten – Kurzgeschichten – allerdings ergeben alle zusammen eine große Story.
Jedes der Kapitel baut aufeinander in stetiger Reihenfolge auf. Die zwei Cops in der ersten Geschichte sind noch „normal“ und es kommt direkt eine Krimi-Atmosphäre auf.
Doch die Welt in Saint Falls ist so anders als normal – was einem spätestens dann bewußt wird, wenn Hase und Igel ihr Autorennen abliefern.
Gewöhnungsbedürftig vielleicht für Nicht-Fantasy-Leser aber spätestens bei Igels allerletztem Satz „Ich bin schon da“ wird es einem doch traurig ums Herz – man kann sich halt auch an seltsame Gestalten gewöhnen.

„Es ist hart, dreckig und scheiße, aber wer zu uns gehören will, muss wissen was andere leisten.“

Jede der einzelnen Geschichten führt einen nach Saint Falls und zu einem oder mehreren Charakteren. Allesamt sehr außergewöhnliche „alte Bekannte“ und ich war total verzückt,  wenn ich dass Märchen erkannte und was die AutorInnen daraus gemacht haben. Bei der männlichen Fee musste ich so lachen – hier hat der Schreibstil ein geniales Bild gezeichnet. Generell hat mich nahezu jede der Charaktere für sich eingenommen. Vollkommen egal, ob es die Bösen oder die Guten waren. Wolf & Biest – klaro, richtige Bösewichte und Fieslinge, Mafiabosse die durch diese Adaptionen in all ihrer Wut und dem Hass und der Gier sehr bildhaft rüber kamen.
Neben all den anderen Schurken, wimmelt es in den Geschichten aber auch nur so von den liebenswürdigen Menschen oder Unmenschen, wobei Unmensch nicht gleichgesetzt ist mit böse.
Zusammen ergaben alle eine große Einheit – die Familie eben.

„Es ist nicht ein Haus oder eine Stadt, die eine Familie ausmacht, oder dauernde Nähe. Es ist die Art, wie man andere behandelt. Zuneigung wächst durch Taten. Und Taten sind das was uns ausmacht.“

Es wird, wie sollte es anders sein, böse im Buch – allerdings ist da keinerlei Gemetzel oder ähnliches. Es sind viel mehr jede Menge kleinerer und größerer Giftpfeile die verschossen werden. Intrigen, Rachepläne, Verschwörungen und der Kampf Gut gegen Böse. Es gibt Opfer zu beklagen und dieses Drachenei hat eine Aufgabe die so weit in die Welt der Fabeln und Märchen zurückreicht. Dieses Ei ist der Kral im Buch und auch wenn sich letztendlich alles darum rankt und den Abschluß damit ganz besonders macht, mir war alles andere drumherum auch immens wichtig.

Es ist eine Märchen-Adaption, kann allerdings mit jedem Krimi mithalten. Im Gegensatz kann kein Krimi mit einem Märchen mithalten – Feenzauber wirkt da nicht 😉
Die Spelunken laden ob ihrer Düsternis ein und wenn Scheherezade ihrem Geschäft nachgeht wird es auch ein ganz klein bisschen erotisch.

Wenn Aschenputtel Sarah heißt, Hans im Glück eher Dauerpech hat, die schwarze Fee und die Lebkuchenhexe mitsamt Krähe auftauchen, bekommt alles eine Aura um Geheimnisse und zeitgleich dem Wissen was ihre Rollen sind/waren. Mich hat es köstlich unterhalten – es war stellenweise derb aber nie vulgär. Besonders die Frauen in dieser Geschichte sind mutige und unerschrockene Heldinnen, die so manches aushalten und ertragen. Meist aber nicht für sich  sondern für andere.

Meine Lesehighlights waren:
„Straßenrennen“
„Mit Haut und Haar“

„Schnee ist dicker als Blut“

Absolute Leseempfehlung für alle Fans von Märchen und der Spannung die darinnen fließt – denn wenn wir ehrlich sind – Märchen waren nie harmlos, sondern hatte einen geheimnisvollen Reiz.
Genau den hat mir diese Autorengruppe wieder aufgezeigt und mich ein Stückweit in die Kindheit entführt.
Hätte ich Zauberkräfte würde so manch einer aus dieser Geschichte wieder auferstehen.

„Glaub mir, am Ende haben alle denselben Dreck am Stecken.
Die hier streuen nur Glitzer drauf.“

Rezension verfasst von © Kerstin 

 

    Buchdetails
Titel: Saint Falls
Buchreihe: Einzelband

AutorInnen: David Michel Rohlmann, Maria Engels, Jenny Wood, Cat Lewis, David Knospe und Jonas F. Rohlmann 
Verlag: Independently published  [Selfpublisher]

ISBN: 978-1520650463 [Paperback, 9,99 €, 410 Seiten]

6 Kommentare

  1. Oh wow. Klingt klasse und so ungewöhnlich. Ganz tolle Rezension. Ich suche jetzt direkt eine Leseprobe. 🙂 Brauche unbedingt noch einen guten Thriller für den Urlaub. Vielleicht habe ich ihn soeben gefunden.

    Liebe Grüße an euch beide

    1. Hey
      wow, super wenn die Rezension Dich überzeugt hat. Jetzt hoffe ich sehr das es auch das Buch macht.
      Ganz viel Lesespaß in dieser märchenhaften Welt 🙂
      Liebe Grüße von uns beiden

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