Rezension

„Rache und roter Schnee“

Rache und roter Schnee_

 

Erscheinungsdatum: 07.10.2015
AutorIn: Elias Haller
Verlag: Create Space Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1517573546
Taschenbuch: 314 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 9,99 €

 


5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kasin
23.04.2016

Opfer, Täter, Monster! Wer ist was?

„Sie sollten an ihrem Umgangston arbeiten“ sagt ausgerechnet Erik Donner. Der Kriminalhauptkommissar ist gezeichnet durch Narben, sichtbare und solche die sich noch viel tiefer eingegraben haben.

Das macht ihn besonders – besonders böse in seinen Sprüchen, Gedanken und auch mal Handlungen. Aber ich mag ihn, sehr sogar, denn wer seine Gechichte kennt, kann ihm gar nicht böse sein.
„Rache und roter Schnee“ ist Band 2 um den eigenwilligen und so besonderen Ermittler Erik Donner. 
Der Autor Elias Haller hat mit diesem Protagonisten einen Menschen geschaffen der polarisiert. 
Wegen seines Aussehens als Monster benannt, setzt Donner alles daran seinem Ruf auch gerecht zu werden. War er schon vorher ein eigensinniger und schwieriger Charakter, mit dem kaum einer der KollegInnen gerne zusammen arbeitete, ist er nun als erster und einziger Ansprechpartner in sein verhasstes Büro der Kriminalpolizeilichen Erstkontaktstelle abgeschoben und dadurch noch unzufriedener. 
Aber erst einmal kurz zur Story:
Erik Donner wird als Aufpasser abkommandiert. Sein neues Arbeitsumfeld soll der örtliche Weihnachtsmarkt sein. Na toll, damit ist er alles andere als zufrieden, muss sich aber der Entscheidung seiner Chefin beugen. Was sollte da schon passieren? 
Ein langweiliger Job – scheint es nur anfänglich. Denn es kommt wie es kommen muss. Der erste Tote, in einem Sack verpackt, findet sich bei der Geschenkeverteilung. Ein Schock für alle, nur nicht für Donner.
Er wittert seine Chance und nutzt sie auf seine Art und Weise um zu beweisen das er es kann, ermitteln.
Oh du Fröhliche, könnte man meinen. Weihnachtszeit, gebrannte Mandeln, Glühwein, Weihnachtsmänner und Engel. Der Weihnachtsmarkt bietet für alle Sinne etwas. Was nicht so passt sind die grotesk arrangierten Toten. 
Der Autor hat Phantasie, das muss man ihm lassen. Seine Protagonisten müssen leiden und damit meine ich nicht nur die Ermordeten.
Donners Verbalschläge sind immer auf den Punkt und auch wenn er manchmal nur denkt, kommt es trotzdem passend rüber.
Was mir in diesem Buch sehr gut gefiel war das es viele ‚alte‘ Bekannte aus dem Vorband gab. Männer und Frauen, die hier nun viel deutlicher ausgearbeitet waren und damit dem Kotzbrocken und Ekelpaket Donner den Wind aus den Segeln nahm.
Diese Geschichte lebt nicht nur durch Erik Donner, sondern auch durch seine KollegInnen.
Denn in die Mordfälle ist ein ganzes Kommisariat involviert. Es gilt Zeugen zu befragen und Spuren nachzugehen. Genügend Aufgaben also für alle und das Winterwetter macht es nicht besser.
Schnell kommt man einer Person auf die Spur und damit einer Geschichte aus der Vergangenheit die selbst den Hartgesottenen zusetzen.
Genau diese Geschichte kommt im Buch auch vor, in einzelnen Etappe wird erzählt was geschehen ist, damals vor 31 Jahren, und bringt Unvorstellbares und damit ein Motiv zu Vorschein.
Dem Autor Elias Haller ist es wieder gelungen mich auf die falschen Spuren zu schicken. Zum Haare raufen wenn mein Hauptverdächtiger Nummer 1 definitiv ausscheidet.
Ahnungen wer oder warum hatte ich zur genüge und dann – voll daneben. 
Ein klasse Psychogramm von Opfern und Tätern.
Ein Motiv das unter die Haut geht und nachdenklich stimmt.
Mehr als einmal habe ich mich gefragt wer denn wirklich Opfer oder Täter ist und obwohl Donner als Monster betitelt wird – da gibt es weitaus schlimmere im Buch.
Wenn mir eine Geschichte, bestimmte Rituale und Begebenheiten, ein Protagonist und selbst diese ‚alten‘ Bekannten noch lange Zeit nach dem lesen im Kopf herum schwirren und ich schon bei den ersten Seiten im Folgeband Flashbacks habe, denn war die Geschichte sehr gut.
Wer Band 1, „Tot und tiefer Fall“ kennt, weiß wie es zu Donners Narben kam und warum dieser Mann so hart und unerbittlich wirkt. Deshalb empfehle ich Band 1 zuerst zu lesen. 
Dennoch, die Erik Donner-Thriller sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.
„Wer ein Herz besitzt, kann unmöglich unsterblich sein“
(Buch Seite 226). Donners Herz ist klein und verhärtet, aber da tut sich was und ich freue mich irre auf Band 3 (Blut und böser Mann), mit allen bekannten und vielleicht auch neuen Gesichtern, wie hässlich sie auch sein mögen.
Gerne vergebe ich 5 von 5 Sternen, für Donners beben und poltern und die Sprüche von ihm. Er sagt halt was er denkt und meist hat er sogar recht!

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