„Palast der Finsternis“ von Stefan Bachmann

 

Ein Palast des Lesegenusses

Inhalt laut Verlag:

Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können.

Ihr kennt das oder? Bücher die bereits nach wenigen Seiten diesen Sog haben, in denen man völlig abtaucht. Geschichten denen man sich nicht entziehen kann, welche man aber dennoch nicht auslesen möchte. Das waren meine Empfindungen bei diesem Buch!

Die Perspektiven innerhalb der Geschichte wechseln zwischen Aurélie im Jahre 1789 und Anouk in der Gegenwart, wodurch sich ein angenehmer Spannungsbogen aufbaut, welcher erst zum Ende hin seine ganze Tragik preisgibt. Beide Mädchen müssen sich ihren Ängsten und den Gefahren von außerhalb stellen.

Aurélie lebt mit ihren Eltern und Schwestern in Frankreich, wobei sie ihren Vater kaum zu sehen bekommt. Zu sehr ist er in den Bau des ‚Palais du Paillion‘ vertieft.

Ich hörte, wie es gebaut wurde, Vaters geheimes Versailles, ein Palast unterhalb eines Palastes, ein Reich aus Gold und Kristall, verborgen in den Wurzeln Frankreichs.
(Seite 7)

Doch etwas stimmt nicht, Aurélies Mutter weigert sich trotz der Revolte – dem bevorstehendem Tod – je wieder einen Schritt in den untergründigen Palast zu setzen.

Eben dieser verborgene Palast wurde Jahrhunderte später entdeckt. Kurz darauf werden Anouk und vier weitere Jugendliche zu einer Expedition eingeladen.
Bereits am ersten Abend wird Anouk skeptisch, doch da ist es bereits zu spät …

Perdu dans l`ombre.
(S. 155 – „Verloren im Dunkel.“)

Atmosphärisch hat mich das Buch von Beginn an gefangen genommen, der Autor Stefan Bachmann projiziert mit seinen Worten den ‚Palais du Papillion‘ direkt ins Wohnzimmer. Ein Palast der Dunkelheit und voller Fallen. Ein Ort ohne Ausgang, mit Gängen und Räumen voller Angst. Unbeantwortete Fragen, die nicht nur die Gruppe der Jugendlichen beschäftigen.

Aurélie und Anouk erzählen parallel ihre Geschichten, Jahrhunderte voneinander entfernt. Durch die Ich-Perspektive wird die anbahnende und wachsende Angst beider Mädchen von Seite zu Seite spürbarer. Ebenso wird deutlich das in beiden Familien ein Riss entstanden – bei Anouk scheint dieser unüberwindbar, bei Aurélie einnehmend und intensiv. Beide Familiengeschichten gleichen einer Tragödie.

Der Palast unterhalb der Erde geriet über die Jahrhunderte in Vergessenheit, doch sein Innerstes pulsiert. Gefahren lauern in jedem Raum, alte Kriegslieder („Maikäfer flieg„) hallen durch die Gänge. Die Französische Revolution (1789 bis 1799) dient dem Auftakt des Buches, auch im weiteren Verlauf werden wahre Begebenheit innerhalb einer phantastischen Geschichte eingearbeitet.

Wenn wir arm sind, wollen wir reich sein, wenn wir reich sind, wollen wir geliebt werden, und wenn wir geliebt werden, wünschen wir uns Freiheit […].
(Seite 383)

Die Auseinandersetzung mit Themen die uns alle berühren, Realität und Fiktion, hat Stefan Bachmann in diesem Roman einnehmend erzählt. Schaurig, phantastisch und definitiv ein Buch zum abtauchen!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★

– Andere Lesermeinungen –
Buchperlenblog (Gabriela)
Buchstabenträumerei (Anna)

        Buchdetails
Titel: Palast der Finsternis
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Stefan Bachmann
Übersetzt aus dem Amerikanischen: Stefanie Schäfer
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30055-0 [Paperback]
— Rezensionsexemplar —

24 Kommentare

    1. Huhu Gisela, sehr genial – nur die letzten zwei Sätze 😀 Aber fein wenn diese gefallen und ich hoffe das Buch kann dich ebenso einnehmen wie mich!

      Hab einen feinen Abend!

    1. Huhu Gabi, na dann hab ich mein Ziel doch erreicht 😉 Schön wenn man in meinen Worten herausliest wie angetan ich war und hoffe das Buch findet schnell den Weg zu dir, deine Meinung würde mich doch sehr interessieren! Bislang (oder täusche ich mich?) liegen wir bei den selben gelesenen Büchern ja ziemlich auf einer Wellenlänge

      Sei lieb gegrüßt!

      1. Liebe Janna,
        ich glaube auch, dass wir meistens (oder vielleicht sogar immer) eine sehr ähnliche Meinung zu Büchern hatten, die wir beide gelesen haben.
        Deshalb werde ich den Palast auch im Auge behalten 🙂
        Liebe Grüße
        Gabi

        1. Stimmt, bislang immer ähnliche Eindrücke gehabt <3 das bleibt auch bitte so! Eine Leserin (Bloggerin) bei der ich mich zu 100 verlassen kann, ob ich das Buch dann kaufe oder nicht *.* (=
          Hab einen feinen Donnerstag

  1. Liebe Janna,
    Jetzt konnte ich doch nicht widerstehen und habe deine Rezension schon gelesen. Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz so sicher, ob mir das Buch so gut gefallen wird. Ich hoffe, es ist mir nicht zu viel „Fiktion und Fantasy“. Da bin ich ja eher immer nicht so sehr für zu haben. Aber ich bin immer noch sehr neugierig auf das Buch. Habe bis jetzt auch echt nur Positives gehört (obwohl das ja nicht umbedingt was heißen muss. In letzter Zeit haben mir ja einige viel gelobte Bücher nicht so gefallen.)
    Liebe Grüße, Julia

    1. 😀 Freut mich das du den Weg zu mir gefunden hast!

      Ich denke der Klappentext gibt ja schon Preis, das es nicht unbedingt rein rational ist – also die Geschichte. Ich finde es für ein Jugendbuch aber gelungen umgesetzt, müsste aber spoilern um weiter darauf einzugehen – unterhalten wir uns privat nochmal, wenn du es ausgelesen hast.

      Hab noch einen feinen Abend!

    1. Hallo Angela,
      ich hoffe es wird dich ebenso fesseln wie mich und wünsche dir schaurig-schöne Lesemomente im Palast!

      Hab einen feinen Wochenstart!

  2. Da das Buch gerade in aller Munde ist, war ich mir nicht sicher, ob ich lesen möchte. Aber nach deiner tollen Rezension muss man es einfach lesen. Vielen Dank für diesen tollen Buchtipp, liebe Janna.

    1. Hey meine Feine und Danke! Ich kann dir das Buch nur empfehlen und glaube, das es auch dir gut gefallen wird. Bin dann mal gespannt auf deine Leseeindrücke!

      Wünsch dir einen hoffentlich entspannten Montag!

  3. Hallo Janna, spannend, denn ich lese derzeit das Buch ebenfalls. Und zumindest die ersten 40% konnten mich ebenso mitnehmen … ich bin erstaunt, wie spannend ein Jugendbuch sein kann.

    Viele Grüße
    Der Büchernarr Frank

    1. Huhu Frank, ich glaube so einige lesen es zur Zeit – kam ja gerade auch die dicke Diogenes-Lovely-Box Hach was hätte ich die gern bekommen.
      Wenn dich das Buch bereits gepackt hat, wird es damit nicht aufhören – wünsch dir noch feine weitere Leseerlebnisse im Palast!

      Hab einen feinen Montag!

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