„Oxen – Das erste Opfer“ von Jens Henrik Jensen | Janna

 

Traumatisierter Elitesoldat und politische Machenschaften

Inhalt laut Verlag:

Niels Oxen, ein schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in die Einsamkeit der dänischen Wälder zurück, um seinen inneren Dämonen zu entkommen. Doch bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen gerät in die Fänge des dänischen Geheimdienstes. Seine einzige Chance: Zusammen mit der toughen Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen. Die Spuren führen zu einem übermächtigen Geheimbund.

Ich muss gestehen, das ich dieses Buch so gar nicht im Fokus hatte und ohne die Überraschungspost des dtv-Verlags hätte ich es wohl auch gar nicht gelesen. Der erste Teil des Klappentextes reizt mich sehr,

Da war es wieder. Das Mädchen mit der Barbiepuppe. Wieder stand sie in den Ruinen. Stumm, verdreckt, die Hand fest um die Puppe geschlossen. Das Mädchen hatte den Blick einer Neunzigjährigen und suchte Oxen heim, wann immer sein Schlaf besonders unruhig war. Sie war eine von den Sieben. Seine sieben Dämonen.

Jedoch sprach mich der weitere Klappentext (ähnlich wie oben) dann eher nicht an, Bücher mit Elitesoldaten und Geheimagenten fallen nicht wirklich in mein Lese-Beuteschema und doch hat mich dieser Thriller gefesselt.

Bereits zu Beginn ist es mörderisch – innerhalb eines kurzen Zeitraums werden nicht nur drei Männer ermordet, sondern ebenfalls ihre treuen Begleiter.

Es sah aus als hätte der Hund den Hals gereckt, in einem verzweifelten Versuch, den Duft des Lebens ein letztes Mal einzuatmen.
(Seite 5)

Parallel taucht ein sogenannter „Mülltaucher“ am letzten Tatort auf, beobachtet Geschehnisse die er nicht sehen sollte. Als dieser sich dann auf der Polizeiwache wiederfindet, stellt sich raus das es sich um den größten Kriegshelden Dänemarks, Niels Oxen, handelt. Ein Elitesoldat welcher seit drei Jahren völlig zurückgezogen lebt. Der PET (dänischer Inlandssicherheitsdienst) will ihn jedoch nicht als Verdächtigen behandeln, sondern sich seine Fähig- und Fertigkeiten zu Nutze machen. Kurzerhand findet sich Oxen als inoffizieller Ermittler in einem Hotel wieder, nebenan die engste Mitarbeiterin des PET-Chefs, Margarethe Franck. Beide sind alles andere erfreut über ihre Zusammenarbeit, misstrauen schwebt über ihnen und Franck beginnt in Oxens Leben zu graben.

Machenschaften, Korruption und Krieg(sfolgen) – der Autor Jens Henrik Jensen verbindet wahre Begebenheiten mit einer fiktionalen Geschichte. Das politische System, der lange Arm des Staates und seine Geheimnisse werden gekonnt in diesem Thriller eingearbeitet. Das Nachwort gibt nochmals einen kleinen Einblick bezüglich der reellen Ereignisse.

Oxen ermittelt im Schatten, an seiner Seite Franck die zu vielen Hintergrundinformationen Zugriff hat. Ein Mord der beim näheren betrachten kaum noch wie einer wirkt. Zwei weitere Morde die zunächst nicht in Verbindung stehen und nur eine Gemeinsamkeit – die Hunde. Beide stehen vor unzähligen Fragen und der Weg zu den Antworten führt sie weit in die Vergangenheit zurück.

Neben den Ermittlungen spielt auch Oxens Trauma eine Rolle. Die „Summe von sieben Ereignissen(S. 224) führen zu Flashbacks, immer wieder wird er von den eindringlichsten Erlebnissen heimgesucht. Diese tiefsitzenden Erinnerungen an die Kriegseinsätze werden im kleinen Rahmen geschildert. Nachts oder in bestimmten Situationen wird Oxen in diese Zeit zurück katapultiert. Ich werde mich niemals in solch ein Trauma hineinversetzen können, aber im Rahmen dieser Geschichte empfand ich die Umsetzung dessen gut eingearbeitet. Kurze Sequenzen der Einsätze werden beschrieben, Oxens nächtliche Schreie und seine Orientierungslosigkeit. Der Autor vermittelt nachvollziehbar diese einschneidenden Ereignisse und dessen Folgen.

Ich bin nicht in der Lage, alles rational zu steuern. Ich bin tatsächlich krank. Das weiß ich. Es ist wahnsinnig, was da manchmal nachts mit mir passiert.
(Seite 398)

Und daneben stehen die Informationen, welche Franck über Oxen zu Tage trägt. Es macht sich ein regelrechter Zwiespalt beim Lesen breit. Oxen, ein Mann der mir beim Lesen immer sympathischer wurde, mit dem ich mitfühlen konnte. Und dann Franck, eine taffe Frau die ebenso Sympathie-Punkte sammelt und zeitgleich durch ihre eigenhändige Recherche über Oxen wieder verliert. Eine Akte bezüglich Drogendelikte, häuslicher Gewalt und therapeutische Behandlung – doch wer kann sich anmaßen zu urteilen, bei solch traumatisierten Erlebnissen!? Kann man nach einem Kriegseinsatz wieder in den Alltag finden? Behandelt werden diese Fragen und ich hoffe sehr das in den kommenden Bände noch etwas gezielter darauf eingegangen wird.

Wie bereits erwähnt hätte ich von allein nicht zu diesem Buch gegriffen, aber es konnte mich wirklich einnehmen. Mit der Entdeckung des ungleichen Ermittler-Duos, wer sich wirklich hinter dem letzten Opfer verbirgt, bin ich nicht ganz zufrieden und hätte mir einen anderen Verlauf gewünscht. Aber wer weiß welche Fäden sich noch verbinden in den kommenden zwei Bänden. Ich hoffe jedoch das dann auf das „denglisch“ verzichtet wird! Es nimmt keine Überhand und es sind jeweils einzelne Worte, doch beim Lesen stolperte ich öfters darüber – es wirkte einfach deplatziert.

Der Weg dieser Geschichte beginnt mit Leichen und endet mit der Frage nach Freund und Feind. Ein gelungener Auftakt der Trilogie, bei dem ich auf die weitere Umsetzung gespannt bin!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆
1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension

– Weitere Lesermeinungen –
Nisnis Bücherliebe (Anja)
Miss Norge`s Bøker-Welt (Claudia)
Bettys Welt (Bettina)
Die Leserin (Iris)
LeseBlick (Andrea)

         Buchdetails
Titel: Oxen – das erste Opfer
Buchreihe: 1. Band
AutorIn: Jens Henrik Jensen
Übersetzt aus dem Dänischen: Friederike Buchinger
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26158-6 [Paperback]
— Rezensionsexemplar —
      Oxen – Trilogie
Band 1 ~ „Oxen – das erste Opfer
Band 2 ~ „Oxen – Der dunkle Mann (erscheint voraussichtlich März 2018)
Band 3 ~ „Oxen – Gefrorene Flammen“ (erscheint voraussichtlich August 2018)

14 Kommentare

  1. Hallo Janna,
    inzwischen habe ich OXEN auch gelesen. Ihr habt mich ja richtig neugierig gemacht auf das Buch, und da ich ein Faible für traumatisierte Soldatengeschichten habe, konnte ich eh nicht widerstehen.

    Leider war ich nicht ganz so begeistert wie du und Kerstin, aber ich bin auch eine Pingeltante ;-). Spannend fand ich die Geschichte erst im letzten Drittel, da war es natürlich sehr actionreich, ganz so wie man es von einem Soldatenthriller erwartet. Den Anfang fand ich mittelmäßig, und mich hat auch enttäuscht, dass dieses Hundedings (ich umschreibe das mal, um nicht zu spoilern) nicht mehr Motiv hatte als Mr Zufall. (Falls zu viel gespoilert, dann bitte das letzte Wort löschen). Auch den Traumacharakterzug von Oxen fand ich viel zu oberflächlich, das stelle ich mir in der Realtität viel schwieriger im Alltag vor als es im Buch dargestellt wird. Da wäre noch viel mehr Potential gewesen, finde ich.

    Aber: Ich lese den zweiten Band, der kommt, auch noch. Immerhin hat mich die Story zwar nicht ganz begeistern können, aber enttäuscht war ich auch nicht.

    Liebe Grüße, Iris

    1. Huhu Iris,
      erstmal schön wenn eine von uns (oder in diesem Fall wir zwei) dich neugierig machen können! Ich denke der Unterschied macht schon das Interesse an der Thematik – grundlegend interessiere ich mich auch dafür, dann aber nicht in Form eines Thrillers sondern eher Romanform, Sachbuch oder Dokus/Berichte. Von daher bin ich mit gar keinen Erwartungen an das Buch herangegangen und habe zu Beginn erwähnt, das solche Bücher auch nicht in mein reguläres Beuteschema passen. Ich denke somit waren meine Voraussetzungen ein feines Leseerlebnis zu haben weitaus besser als deine 😉

      Was die Hunde betrifft kann ich dir jedoch absolut zustimmen – da hatte ich mir auch mehr von den Hintergründen erhofft! Ich hatte mir auch mehr Szenen/Beschreibung um Oxens Trauma gewünscht und so auch geschrieben, aber da es eine Trilogie ist, hoffe ich auf mehr Intensität in den Folgebänden.

      Lieben Dank für deine ausführlichen, tollen Kommentar – hab noch einen feinen Nachmittag!

  2. Polit-Thriller waren früher eine meiner liebsten Varianten des Thrillers und ich habe eine Menge davon verschlungen. Inzwischen sie sie seltener geworden und ich freue mich immer, wenn mal wieder einer neu erscheint, der auch noch gut gelungen und spannend umgesetzt zu sein scheint.
    Und wenn Dich das Buch gefesselt hat, obwohl es nicht unbedingt Dein Beuteschema ist, spricht es ja sehr für das Buch.
    LG Gabi

    1. Eigentlich kann ich im Buch ja so gar nichts damit anfangen und somit ist diese Meinung auch von einer Nicht-Kennerin wahrzunehmen – aber eben deshalb hab ich es auch zu Beginn geschrieben. Und wie du schon sagst, das es mich dennoch überzeugen konnte spricht fürs Buch. Die Reihe werden ich definitiv weiter verfolgen, wobei es gerne noch etwas mehr auf Oxens Trauma eingehen darf.

      Hab noch einen feinen Abend!

  3. Ich werde das Buch nicht lesen. Hab mich in deiner Kritik bestätigt gesehen, dass das inhaltlich nix für mich ist. Auch wenn der Charakter sehr gut dargestellt wird. Musste irgendwie an James Patterson denken und auch da, hatte ich anfangs Interesse, kam aber mit der Story nicht zurecht.
    Sobald da irgendwie Politik einfließt, bremst es mich aus – frag mich nicht wieso, hab ich schon vor Jahren festgestellt. Selten schaffen es solche Bücher mich zu überzeugen 😛

    1. Kann ich absolut verstehen – in Büchern reizen mich politische Elemente auch nicht und wie schon geschrieben, hätte ich von allein auch nicht zum Buch gegriffen. Hier jedoch fand ich die Umsetzung sehr gelungen bzw. konnte mich die Geschichte abholen.

      Hab noch einen feinen Tag (=

  4. Liebe Janna,

    deine Rezension hat mir gut gefallen. Ich habe den Auftakt der Trilogie total gern gelesen und ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil.

    Auch ich hatte das Buch nicht sofort präsent. Erst nach einem Verlags-Newsletter hätte ich wohl zugeschlagen. Im Nachhinein betrachtet finde ich den Klappentext ungünstig formuliert. Darin wird schon viel zu viel verraten. Das Ende hätte ich mir ebenfalls etwas anders erwünscht, aber insgesamt war ich super gut gefesselt.

    Gern habe ich deine Rezension unter meiner verlinkt.

    Viele liebe Grüße

    Anja

    1. Liebe Anja, danke für deine lobenden Worte (= Wie gesagt, thematisch hätte ich nicht von allein zugegriffen und nun bin ich gespannt auf den Folgeband! Hach fein das wir bezüglich des Endes auf gleicher Lesewelle sind, aber im Gesamten hat das Buch ja uns beide überzeugt.

      Auch dir ein Danke für die Verlinkung :-*

      Mach dir noch einen feinen Abend!

  5. Vielen Dank für Deine Rezension. Aber für die WuLi bist Du zu spät ;O) Nisnis von Nisnis Bücherliebe hat mich gestern soweit gehabt, dass ich mir Oxen spontan gekauft habe.
    Aber spätestens jetzt hätte ich auch „zugeschlagen“.

    Ich wünsche ein wundervolles Wochenende.

    1. Hihi, ja Anja kann einen mit begeisterten Besprechungen zum Kauf verführen. Aber es freut mich natürlich sehr, das es auch meine kleine Meinung geschafft hätte und bin gespannt auf deine anschließende Rezension!

      Hab noch einen mukkeligen Abend!

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