„OXEN – Das erste Opfer“ von Jens Henrik Jensen | Kerstin

Inhalt laut Klappentext:

Niels Oxen, ein schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in die Einsamkeit der dänischen Wälder zurück, um seinen inneren Dämonen zu entkommen. Doch bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen gerät in die Fänge des dänischen Geheimdienstes. Seine einzige Chance: Zusammen mit der toughen Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen. Die Spuren führen zu einem übermächtigen Geheimbund.

 

Viele Medaillen, viele Kehrseiten.
(S. 243)

Nils Oxen, ein hoch dekorierter, ehemaliger Soldat hat sich zurückgezogen und der Welt den Rücken gekehrt. Zusammen mit seinem Hund Mr. White ist er abgetaucht in die dänischen Wälder und obwohl er nicht mehr kämpft, hat er doch weiterhin so manchen Kampf auszufechten.

Seine Einsatzzeit hat ihn geprägt, die Erinnerungen an all die Gräuel, besonders während seines Einsatzes im Balkankrieg und der Erkenntnis das er nichts, aber auch absolut gar nichts tun konnten, zum Teil auch weil es gar nicht gewünscht war, lässt ihn nicht mehr los – PTBS – es hat ihn fest im Griff.
Seine eigenen Dämonen – sieben an der Zahl, rauben ihm den Schlaf und sein Recht auf ein zufriedenes und unbeschwertes Leben. Immer wieder begegnen sie ihm – in Flashbacks und Alpträumen und lassen Oxen nicht zur Ruhe kommen, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht.

Ein Protagonist der mich sofort in das Buch gezogen hat. Seine tragische Geschichte, hier im Buch fiktiv aber im realen Leben wahrscheinlich unerträglich real. Nils Oxen mochte ich sofort. Ein Außenseiter ungewollter Weise. Besonders die Schilderungen zu seinen Erinnerungen, was die damaligen Einsätze betraf und wie es ihn ausgerechnet zu diesen sieben „Dämonen“ zog oder sie zu ihm, hat mich sehr beeindruckt. Es liest sich so ehrlich und ungeschönt. Grausamkeiten, die kurz und knapp, oft genug durch Darstellung von Funksprüchen oder kurzen Sätzen, eingebracht werden. Von und über ihn möchte ich noch gerne viel mehr lesen. Die Option darauf besteht ja zum Glück – denn es handelt sich um den ersten Band einer Trilogie. Ein sehr gelungener Einstieg mit dieser Persönlichkeit.

Sie waren so etwas wie sieben Familienmitglieder geworden…die ihn heimsuchten. Er kannte jeden von ihnen in- und auswendig….und dennoch konnte er sie nicht überlisten oder bezwingen.
(S. 39)

Doch wie passt dieser Mensch in die Geschichte? Perfekt würde ich sagen, ein Underdog der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Ein Typ, total heruntergekommen und mit übler Vergangenheit. Doch hat er eine Aura, die man sehr deutlich spürt. Er ist erst ein Verdächtiger, der sich und seine Situation aber sehr gut erklären kann und da die ermittelnden Personen auch nicht gerade auf den Kopf gefallen sind, ist Oxen ganz schnell selbst ein Teil des Ermittlungsteams. Auch weil etwas geschah, dass er so nicht stehen lassen konnte, es wurde zu persönlich und ja, ich musste auch mal den Kloß im Hals loswerden.

Seine „Kollegin“ Margrethe Franck ist ein sehr gelungener Gegenpart. Eine taffe Frau, die auch ihre eigenen Dämonen mit sich herumschleppt. Dies ist durchaus in dem gesamten Buch ein zentrales Thema. Die psychologischen Auswirkungen von Traumatas sind auf vielfältige Art und Weise sehr gut integriert. Es wird angesprochen, immer wieder und aber letztendlich dreht sich doch alles um diesen Geheimbund.
Schon der Start in die Geschichte beginnt sehr geheimnisvoll und hat mich extrem neugierig gemacht. Wer treibt da sein Unwesen? Was ist das für ein seltsames Modus Operandi? Wie mächtig sind die Mächtigen und wo liegen ihre Schwächen?

Die Illusion der eigenen Unfehlbarkeit darf keine Risse bekommen.
(S. 389)

Ein Politthriller, aber nur fast. Tote Diplomaten, Personenschützer die versagen, Männer die sehr vieles wissen über Vorgänge die es gar nicht geben dürfte, ein Geheimdienst und jede Menge verschwörerischer Mauscheleien. Die Geschichte etnwickelt sich zu einer Art Politikum, denn alles hängt zusammen und Oxen passt so gut hinein.
Man bekommt viele actionreiche Szenerien und auch wenn so mancher dabei verteufelt viel Glück hat, geht es doch für den ein oder anderen nicht so gut aus.

Der Schreibstil des Autoren Jens Henrik Jensen hat mich sehr eingenommen. Unter anderem mit Oxen durch die Wälder zu streifen und dabei seinen Gedanken zu folgen war mir ein Lesevergnügen. Er und seine Geschichte stand für mich ganz weit im Vordergrund. Die Botschaft, dass viele der zurückgekehrten Soldaten keine Chance mehr haben auf ein „normales“ Leben und damit nicht nur dieses eine zerstört wurde. Ein mir sehr sympathischer Thriller der Spannung, einen gelungenen Plot und ganz viel psychologische Elemente enthält.
Jetzt warte ich auf den dunklen Mann und Oxen Teil 2.

Jetzt war er hier…Morgen war ein neuer Tag. Dann würde die Wirklichkeit mit all ihrem Grauen zurückkehren.
(S. 459)

Rezension verfasst von © Kerstin 
★★★★★
1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension

– Weitere Lesermeinungen –
Ninis Bücherliebe (Anja)
Miss Norge`s Bøker-Welt (Claudia)
Bettys Welt (Bettina)

         Buchdetails
Titel: Oxen – das erste Opfer
Buchreihe: 1. Band
AutorIn: Jens Henrik Jensen
Übersetzt aus dem Dänischen: Friederike Buchinger
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26158-6 [Paperback]

      Oxen – Trilogie
Band 1 ~ „Oxen – das erste Opfer
Band 2 ~ „Oxen – Der dunkle Mann (erscheint voraussichtlich März 2018)
Band 3 ~ „Oxen – Gefrorene Flammen“ (erscheint voraussichtlich August 2018)

 

8 Kommentare

  1. Ich war ja sowieso schon davon überzeugt, das Buch auch lesen zu wollen und es steht schon ziemlich weit oben auf meiner Leseliste. Deine Rezension bestätigt es nochmal, ja, das ist genau mein Beuteschema. Gerade die politischen und psychologischen Komponenten reizen mich.
    Mal sehen, vielleicht warte ich und lese dann alle frei Bände gleich am Stück 🙂 Meinem SUB würde das sicher gut tun.

    LG Gabi

  2. Liebe Janna,

    wir haben dieses Buch sehr ähnlich empfunden, das freut mich wieder einmal ;-). Ich mochte die Streifzüge durch die Wälder, ich war traurig als Whitney starb und ich hätte noch gern viel mehr von diesem sympathischen Protagonisten Oxen gelesen. Die tiefe Botschaft ist eine sehr erschütternde. Ich finde es wichtig, immer wieder auch so etwas zu lesen, denn es ist so furchtbar wahr.

    Ich freue mich unfassbar auf den nächsten Teil, auch wenn mich das Ende des Thrillers nicht glücklich zurückgelassen hat.

    Liebe Grüße

    Anja

    1. Hallo Anja
      🙂
      ich hab mich trotzdem angesprochen gefühlt 😉
      Muss auch immer mit den viele Namen aufpassen, ich kann sie mir so schlecht merken.

      Die Geschichte um Oxen war sehr real dargestellt und diese Thematik sollte noch viel Aufmerksamkeit bekommen
      Das Ende war schon sehr seltsam lässt aber viel Luft nach oben.

      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. Na puh, das ist schön, dass du dich angesprochen gefühlt hast ;-). Ich bin wirklich sehr gespannt wie es weitergehen wird und vor allem, ob ich dem komischen Ende dann doch noch wohlgesonnen sein werde ,-).

        Liebe Grüße

        Anja

  3. Klingt wirklich gut! Ich mag ja so Geschichten über traumatisierte Soldaten und bisher habe ich nur positive Stimmen zum Buch gelesen. Muss es wohl so schnell wie möglich lesen, bevor die Erwartungshaltung bei all der Lobhudelei in ungeahnte Höhen schnellt. 🙂

    1. Hey
      Ja ich mag solche Geschichten auch sehr und lese generell auch viel zum Thema Krieg auch wenn es oft harter Tobak ist.
      Lies es ganz schnell 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

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