„Mit allen Mitteln“ von Jens Bühler

Inhalt laut eigener Zusammenfassung

„Frankfurt am Main, Großstadt und Tummelplatz von Kriminellen aller Art. Mitten drinnen Jo Lasker, Polizist und seit kurzem bei der Verhandlungstruppe. Als er auf eine sehr unkonventionelle Weise eine Jugendliche vom Selbstmord abhält bekommt er ein Angebot, dass er kaum ablehnen kann. Eine Arbeitsgruppe soll neu gegründet werden, mit Lakser als Leiter. Doch diese Gruppe arbeitet im Verborgenen und soll nun einen Mord aufklären, den das BKA schon auf dem Tisch hat. Innerhalb kürzester Zeit wählt Lasker drei weiter Personen aus, die ihn unterstützen sollen und fester Bestandteil dieser Truppe werden. Allerdings läuft so manches schief und der Mord bringt Dinge ans Tageslicht, die für die gesammte Gruppe gefährlich werden.“

„Mit der Truppe konnte man entweder Großes leisten oder dermaßen gegen die Wand fahren, dass man den Einschlag nicht mehr spürte.“

Jo Lasker und Jens Bühlers Schreibstil kenne ich bereits aus „Geister“ und fand beides sehr gelungen. Lasker ist in Frankfurt am Main zu Hause, dort ist sein Revier und seine Arbeit. Der Polizist ist eher einer der unkonventionellen. Einer der viel denkt und seine Zeit weder mit der Gründung einer Familie verbringt, noch viele Freundschaften pflegt. Wenn man ihn aber als Freund hat, riskiert er alles. So ist es auch mit den neuen Kollegen der Arbeitsgruppe. Wer wäre geeignet in dieser fast illegalen Truppe mit zuwirken? Lasker hat schnell einen auf dem Schirm und ohne lange überlegen zu müssen, ist die vierköpfige Truppe komplett.

„Mit allen Mitteln“ ist eine Art Prequel. Man lernt erst einmal all diese Charaktere kennen, die es in „Geister“ schon gibt. Dadurch erfährt man auch sehr schnell von deren Unzulänglichkeiten, Problemen und Motivationen. Da ist Tanner ~ anfänglich mochte ich ihn nicht. Er wirkt verweichlicht und hat durch seine unzähligen Frauengeschichten nicht wirklich ein Stein bei mir im Brett, zumal er zu Hause eine Ehefrau sitzen hat. Allerdings hat er sich gemacht, im Laufe des Buches. Seine Kontakte und sein Wille mehr zu den Hintergründen der Ermordeten zu erfahren, hat ihn als einen Top-Ermittler gezeigt. Der zweite im Bunde ist Splatter. Sein Name ist Programm. Ein tätowierter Riese, kahlköpfig und mit einem Hang zu Horrorfilmen. Er wirkt nicht nur gestört, er ist es! Doch auch er zeigt im Buch seine wahre Seite, verletzlich und verletzt, tief in seiner Seele, durch ein Traumata. Splatter mag aber noch so anders sein, es ist loyal seinen Leuten gegenüber und überrascht durch so manche actionreiche Zugabe. Dann ist da noch Saskia. Auch bei ihr ist nicht alles im Lot. Aber sie passt perfekt in diese Männerriege, denn auch wenn sie eine Frau ist – sie kann ihren Mann stehen.

„Du bist dieser chaotisch-depressiv-zynische Typ mit ausgeprägten Stärken in kreativer Problemlösung.“

Jo Lasker und seine drei Leute wollen den Mord aufklären und das obwohl es ihre Truppe offiziell noch gar nicht gibt. Da heißt es zu improvisieren und genau das kann Lasker perfekt. Er hat Ideen und Einfälle und durch seine Wortwahl trifft er die Situationen immer auf den Punkt. Oft genug musste ich gerade bei seinen Dialogen schmunzeln und lachen. Generell haben alle der vier eine unverblümte Art sich auszudrücken und es hat großen Spaß gemacht ihnen zuzuhören. 

Irgendwie schaffen sie es, sich von einem Problem ins nächste zu manövrieren und doch schaffen sie es auch immer wieder herauszukommen. Dabei zeigt sich eine ganze Bandbreite von Ermittlungsarbeit. Worauf man sich aber auch einstellen muss, ist dass diese Menschen, so ehrbar sie auch sind, mehr als einmal gesetzeswidrig handeln. Der Zweck heiligt die Mittel, könnte man sagen. Denn vieles konnte ich nachvollziehen.

„Das Problem mit dem Hass war, dass man ihn selber kaum wahrnahm. Es war mehr eine Art Hintergrundrauschen.“

Die Geschichte ist in viele Kapitel unterteilt und zeigen den aktuellen Ort, den Tag und sogar die Uhrzeit an. So folgt man der Aufklärung des Mordes über viele Wege durch das Milieu Frankfurts und deren Gestalten. Der Lokalkolorit ist richtig gut dargestellt und wer einmal in Frankfurt war und sich etwas auskennt, weiß genau wo gerade welche Szene spielt. Der Mord selbst ist fast schon Nebensache, denn es hat öfters den Anschein dass die Gruppe in eine ganz andere Richtung läuft und doch fügt sich alles zusammen und für so manche Überraschung ist auch gesorgt.

„Das Ergebnis stand fest, obwohl der Prozess noch lief. Darum musste man immer überlegen, was man tat.“

Das ein oder andere Mal dachte ich „Was tut ihr da?“ (besonders bei der mehr als makabren Friedhofsszene, die mich dennoch zum Grinsen brachte) und dann merkte ich wieder das ich gerne helfen würde. Macht es so oder so. Nicht da entlang, passt auf! Mir sind diese vier ans Herzen gewachsen und auch wenn ihre Weste verdammt grau ist, manchmal haben sie angesichts der Übermacht an Verbrechen gar keine andere Wahl und zum Glück entpuppen sie sich immer wieder als anständig genug und wissen auch wo ihre Grenzen sind.

Von Jo Lasker und seinem chaotisch-organisiertem Team würde ich gerne noch viel mehr lesen. Ihren Werdegang, ihre Aktionen und vor allem ihre gnadenlos guten Dialoge. „Geister“ spielt 5 jahre später – dazwischen ist also mit Sicherheit noch so einiges geschehen.

Gerade den Selfpuplishern würde ich eine viel größere Reichweite wünschen und viele LeserInnen, denn die Geschichten sind es allemal Wert, beachtet und gelesen zu werden. Kein gängiger Mainstream, aber richtig gute Storys. Mit toll gezeichneten Charakteren – seien sie auch noch so schräg. Mit Ermittlungsarbeiten und Fällen die es in sich haben. 

Rezension verfasst von © Kerstin

    Buchdetails
Titel: Mit allen Mitteln
Buchreihe: Prequel zur Jo Lasker-Reihe

Autor: Jens Bühler 
Verlag: Edition M [Selfpublisher]

ISBN: 978-1477848586 [Paperback, 364 Seiten, 9,99 €]

  Jo Lasker – Reihe
Band 1 ~ „Mit allen Mitteln
Band 2 ~ „Geister

3 Kommentare

  1. Liebe Kerstin,

    ich stimme dir absolut zu. Wie oft haben mich besonders die Bücher der „kleinen“ Autoren begeistert und wie oft ärgere ich mich tatsächlich, dass sie kaum Raum erhalten, um ihr Buch berechtigterweise mit Wucht auf den Büchermarkt zu schmeißen. Wenn ich zum Beispiel Into the Water von Paula Hawkins nehme, die mit einer großen Marketingmaschinerie ihr Buch auf den Markt bringt, dass absolut nicht überzeugt, aber dennoch die Verkaufszahlen pusht, dann bin ich sehr traurig, dass all die wirklich sehr guten Geschichten im Nebel verschwinden.

    Danke für die interessante Rezi.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    1. Hallo liebe Nisnis,
      Du bringst es auf den Punkt. Marketing ist alles und so manches Buch wird hochgejubelt obwohl es das nicht ‚verdient‘ hat. Dabei bleiben all die tollen Werke von den „kleinen“ Autoren auf der Strecke. Schade
      Liebe Grüße
      Kerstin

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