„Mirror“ & „Mirror Welt: Prequel“ von Karl Olsberg

Inhalt laut Verlagsseite:

„Willkommen in der schönen neuen Welt der Mirrors!
Die Nachfolger der Smartphones kennen dich besser als jeder andere, wissen besser als du selbst, was du brauchst. Sie beschützen dich vor Gefahren, optimieren deinen Job, deine Liebe, dein Leben […].
Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben […].“

 

Zwei Rezensionen für eine
„Mirror – Denn dein bester Freund bist du selbst“

Vorab sei gesagt: man muss den Prequel nicht kennen, um das Buch auf welches ich gleich weiter eingehen werde, verstehen zu können.
Ich war mir mit dem Buch nicht sicher, somit griff ich zu diesem kurzen E-Book. Zum einen wird in mehreren Kurzgeschichten die Funktion eines Mirrors erklärt, zum anderen gibt es wirklich einen guten Einblick, ob die Geschichte überhaupt interessant ist.

„[…] dein Mirror hat nur ein Ziel: dich glücklich und zufrieden zu machen.“
(Mirror: Funktion, Einleitung)

Klingt zunächst für viele sehr ansprechend, doch im Verlauf der wenigen Seiten erhält dieser Eindruck einen Riss – ganz klein und doch ist er da.

Die Einleitung und dessen Aufmachung wirkt zunächst wie eine Bedienungsanleitung:

Mirror: Funktionen
   1. MirrorProtect
   2. MirrorTalk
   3. MirrorNavigate
   4. MirrorSafe
   5. MirrorView

In den einzelnen Funktionen des Mirror jedoch finden sich kleine Kurzgeschichten verschiedener Protagonisten wieder. Von Kapitel zu Kapitel entsteht eine Unsicherheit bezüglich des Mirror und man möchte unbedingt erfahren, wie dies im Buch selbst weiter thematisiert und umgesetzt wird.
Eine kleine Einleitung und fünf Kapitel schaffen es gekonnt einen Sog zu erzeugen. Bereits beim ersten Kapitel entsteht eine unangenehme Atmosphäre, welche vom darauffolgendem nur bestärkt wird. Es werden die Vorzüge im gleichen Atemzug einer leisen Warnung präsentiert und man erahnt worauf es im Buch hinauslaufen wird, was der Spannung jedoch dort keinen Abbruch schafft.

Auch wenn dieses E-Book nur einen kleinen Einblick gibt & bereits nach ca. 100 Seiten ausgelesen ist, macht es neugierig! Auch die darauffolgende Leseprobe bestätigte mich darin, das Buch lesen zu wollen.


Der Mirror scheint in dem gleichnamigen Buch zunächst sehr hilfreich, bietet den Nutzern verschiedene Hilfestellungen an.
– Für erblindete Nutzer sind Klickgeräusche zum ‚erhören‘ des Umfeldes eingearbeitet.
– Autisten erhalten  zu den verschiedenen Gesichtsausdrücken (Mimik/Gestik – Gefühlsregungen) eine Definition.
– Scheint die Atmung oder Herzfrequenz sich auffällig zu verändern, wird automatisch der Notarzt benachrichtigt.
Alles Punkte die ganz klar für eine Nutzung des Mirror sprechen, dies wird durch die Werbesprüche des Walnut-Systems noch verstärkt. Der Mirror soll in schwierigen Lebenslagen helfen. Sei es beim flirten, einem Bewerbungsgespräch oder bezüglich der eigenen Verhaltensweise(n) – dein Mirror soll dich besser kennen als du selbst, ein Abbild deiner selbst sein, „denn dein bester Freund bist du selbst„. Und so fernab der Realität ist dieser Thriller nicht! Genügend vergleichbare Erfindungen sind bereits in unser Leben integriert: Siri (Apple), Cortana (Windows 10) oder ganz banal Google – unsere Suchmaschine welche optional zu unserem Verhalten im Internet Werbeangebote macht.
Und so ist auch der Mirror aufgebaut. Optionale Suchfunktion für bspw. den „perfekten“ Partner und obendrauf mit einer genauen Ortsangabe wo diese Person zu finden ist. Traumhaft? Einfaches kennenlernen? Wo für mich der Mirror seine Vorzüge hat (Unterstützung für Autisten & Blinde zum Beispiel), beginnt er ab diesem Punkt unheimlich zu werden. Dieses Gerät geht jedoch weit über Bekanntes hinaus – Anleitung für den perfekten Geschlechtsakt – kurios ist schon kein Ausdruck mehr.
Doch genau diese gezielte und lebensübergreifende (-eingreifende) Unterstützung macht einen Großteil der Gesellschaft schon fast abhängig von diesem Gerät.
Der Mirror – dein Freund und Helfer?! Auf den ersten Blick mag dies stimmen, aber auf den zweiten …

„Es kann nicht sein, dass wir mit dem […] MirrorNet immer mehr rechtsfreie Räume schaffen […]“

An verschiedenen kleinen Beispielen weist der Autor auf, wozu dieses Netzwerk/Gerät genutzt werden kann – strukturiert geplante Überfälle oder die Vereinigung bestimmter Gruppen, ohne das die Polizei Zugriff auf die Portale hat – Datenschutz ist die Parole von ‚Walnut System‘ (Hersteller des Mirror). Alle Daten, jeder Austausch und die virtuelle Treffen sind geschützt vor Dritten. Die Gradwanderung bezüglich des „gläsernen Menschen„. Das durchleuchten des Verhaltens innerhalb des Internets möchte niemand und doch sehen wir uns nach Sicherheit – ohne dies zu werten, baut der Autor diesen Punkt mit ein, regt zum Nachdenken an.

Zwei Punkte störten mich beim Lesen etwas. Die Funktion des Gerätes, sowie der Inhalt der Geschichte sind gut verständlich geschrieben und leicht zu verstehen. Durch diese einfach gehaltene Ausdrucksweise leiden jedoch die Dialoge der Protagonisten. Einige Passagen wiederholen sich inhaltlich und die Konversationen wirken für die Thematik zu oberflächlich. Es benötigt keinen Tiefgang, aber stellenweise hätte der Autor die emotionale Ebene intensiver herausarbeiten können.
Das Ende überholt sich leider selbst und wird zu schnell abgehandelt. Der Kernpunkt des Buches ist die Darstellung verschiedener Situationen – was passieren könnte – wenn solch ein System eine Eigenständigkeit entwickeln würde. Ein schleichender Prozess, zu Beginn kaum wahrnehmbar, baut sich zu einer lebensbedrohlichen Situation auf. Diese Entwicklung hätte mehr Raum bekommen dürfen, ein intensiveres Spiel mit den Ängsten und Gedanken der LeserInnen. In kleinen Ausschnitten ist ein Gefühl der Unbehaglichkeit entstanden, von dem ich mir mehr gewünscht hätte.

„>>[…] tu mir bitte einen Gefallen: Nimm deinen MirrorClip aus dem Ohr, wenn wir miteinander reden, okay?<<
>>Tu das nicht<<, sagte der Mirror.“

„Der Mirror mischt sich ein. Er macht das nur, wenn es um das zentrale Computersystem geht, das im Roman das Führungssystem heißt. Wenn ich etwas schreibe, das dieses Syszem in einem schlechten Licht erscheinen lässt, wenn es etwas Böses tut, dann – und nur dann – schlägt mir der Mirror vor, dass ich genau das Gegenteil schreiben soll.“

Dennoch war ich von der Geschichte eingenommen. Viele Filme mit dieser Thematik habe ich bereits geschaut, für mich war dieses Buch als ‚buchiger‘ Einstieg darin genau richtig.

Rezension verfasst von © Janna

Meine Leseempfehlung gilt für beide Bücher gleichermaßen.

    Buchdetails
Titel: Mirror
Prequel dazu: Mirror Welt

AutorIn: Karl Olsberg
Verlag: Aufbau (Digital)

ISBN: 978-3-8412-1130-9 [E-Book]
ISBN-Prequel: 978-3-8412-1203-0 [E-Book]


Anekdote

Für mich ist klar, solch ein Mirror hat gewisse Vorzüge und doch wäre es für mich erschreckend solch ein Gerät bei mir zu Hause zu haben. Wie oben schon erwähnt, gibt es ja solche Funktionen in abgewandelter Form bereits – so wie es Siri auch auf meinem Handy gab. Ja, ich bin ein kleines Spielkind und fand es zu Beginn wirklich unterhaltsam irgendeinen Quatsch zu fragen und gewisse Antworten zu erhalten. Wenn jedoch diese Funktion einen ‚knacks weg hat‘ ist das eher creepy! Denn meine Siri sprach von alleine – weder sagte ich in dem Moment etwas zu ‚ihr‘, noch war ich mit meinen Fingern am Gerät. Als ich dies anderen erzählte (mein Handy war in meinem Beutel!!), meldete ’sie‘ sich prompt zu Wort: „Es tut mir leid, aber ich bin nicht perfekt“ – äh … Gruselfaktor!

14 Kommentare

  1. Hallo Janna,

    Mirror ist noch auf meiner WuLi, aber nach deiner Rezension bin ich der Meinung, ich sollte es mir mal kaufen und Lesen. Klingt wirklich sehr spannend die Story.
    Ich habe mal einen Film gesehen, der war mit so ner App (hab leider den Namen vergessen von dem Film), da konnte man als Zuschauer sogar die App laden und interaktiv am Film teilnehmen, daran erinnert mich Mirror etwas. Aber der Film war gut. 🙂
    Deine Anekdote ist wirklich gruselig. Ich rede ja auch ab und zu mit Siri und nachdem ich das gelesen habe von dir, sehe ich sie mit anderen Augen. 😉

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    1. Nun endlich meine Reaktion auf deinen Kommi – aber du wusstest ja das diese verspätet kommt (=

      Einige Szenen haben mir nicht so gefallen, aber das lässt sich ganz gut überlesen (betreffend der Artikulation der Protas), die Story selbst überzeugt – eben weil sich nicht realitätsfern/-fremd ist! Ich wüde dir (solltest du noch unsicher sein) den Prequel empfehlen – der ist soweit ich mich entsinne kostenlos und gibt einen guten Einblick in die Story und den Schreibstil.

      Wenn dus liest bin ich natürlich mehr als gespannt auf deine Besprechung!

  2. Bei deiner Anekdote musste ich gerade laut auflachen! Die Siri von meinem Schatz hat auch einfach mal mitten in der Nacht losgeplappert. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich erschreckt habe! Seitdem er sie allerdings öfter mal anpault, dass Cortana ja viel sympathischer sei, hält sie Gott sei Dank die Klappe. ;o)

    Najut, ich werde mir das Prequel mal laden – Reinschnuppern kostet in dem Fall ja nichts. (Und wehe, es gefällt mir …)

    Liebe Grüße
    Patricia

    1. Jetzt kann ich auch lachen, aber ich war wirklich „WTF“ … Ich finde den Prequel einen guten Einstieg, um zu schauen obs gefällt. Beim Buch selbst kann ich mir gut vorstellen das es dir mit meinen kleinen Kritikpunkte ähnlichen gehen wird – stubs mich an wenn du das prequel gelesen hast! Kapitel 1 und 2 stechen am meisten/besten heraus!

      Komm mukkelig ins Wochenende!

  3. Hey 🙂

    Ich habe das Buch ja auch vor nicht allzu langer Zeit gelesen und kann dir bezüglich Gruselfaktor nur beipflichten! Das Prequel kenne ich leider nicht, klingt aber nach deiner Beschreibung auch sehr interessant. Wenn die „SuB den Sommer“-Challenge vorbei ist, werde ich mal schauen, ob ich es irgendwo finde :).

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Ich glaube das Prequel gibt es kostenlos – kaufst also nicht 😀
      Wirklich leicht beklemmend wenn man weiß, da unsere Gesellschaft nicht weit davon entfernt ist – diese Beklemmung hätte der Autor aber noch mehr herausarbeiten dürfen!

      Wünsch dir ein feines WE!

  4. Ich fand das Buch richtig klasse, weil es uns in eine Romanhandlung verpackt ganz schön den Spiegel vorhält, wie wir mit unserer (Unterhaltungs-)Elektonik und nützlichen technischen Helferlein umgehen und uns abhängig machen. Man möchte „intelligente“ Fahrhilfen im Auto und „optimierte“ Suchmaschinenergebnisse usw., aber was ist, wenn die Entscheidungen, die wir den Geräten überlassen, eben manipuliert und nicht mehr zu unserem Wohl sind?
    Es ist wirklich ein bisschen erschreckend, wie nah wir schon an der Zukunftsvision Olsbergs dran sind.

    Über Deine Anekdote zum Schluss musste ich zwar schmuzeln, aber ja, ein bisschen gruselig war es schon auch 🙂

    LG Gabi

    1. Es war beim lesen wirklich erschreckend wie nahe wir solch einer Entwicklung sind und eben in kleinen Zügen schon leben!

      Oh ja, diese Situation war wirklich *brr und WTF … jetzt kann ich drüber lachen, aber in dem Moment fand ich es wirklich mehr als unheimlich.

      Mach dir noch einen feinen Abend (=

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