Rezension

„Mein Name ist nicht Freitag“ von Jon Walter

Inhalt laut Verlag

„Samuel ist bei Gott. Seltsam nur, dass es im Himmel stockdunkel ist, die Vögel trotzdem singen und dass er gefesselt ist. Als er vor Gottes Angesicht tritt, sieht der eher aus wie Der Teufel. Und Der Teufel nennt ihn Freitag und verkauft ihn als Sklaven an einen weißen Jungen, der gerade mal so alt ist wie Samuel. Für 600 Dollar. Er kommt auf eine Plantage in Mississippi, wo es keinen interessiert, wer er ist, dass er lesen kann, dass er zu seinem kleinen Bruder muss. Aber der Bürgerkrieg rückt immer näher – und damit auch die Hoffnung auf Freiheit.“

Sie müssen es vergessen haben – immer und immer wieder – nur so kann ich es mir erklären.

Obwohl, da ist eigentlich nichts zu erklären, denn es ist nicht zu verstehen.
All die Männer und Frauen, die Gutsbesitzer und Plantagenbetreiber, die Alten und Jungen.
All diejenigen, die zur sonntäglichen Messe laufen und dort inbrünstig den Herrn anbeten.
Menschen. Weiße. Gläubige? Sie beten ein „Vater unser“, denken an die Gebote und lassen sich etwas von Nächstenliebe vor predigen – und dann?
Vergessen sie es wieder und zücken ihre Peitsche, lassen ihr Sklaven – die sie bestohlen haben, der Freiheit, der Würde, des Menschsein – schuften. Damit ihre Geldbörsen gefüllt sind, damit die begehrte Baumwolle von den Feldern gepflückt wird und ihr Lebensstandard von Reichtum geprägt ist. Wer will schon in einer kleinen Hütte hausen, auf dem Boden schlafen, um Essen betteln und um Gottes Willen bloß nicht krank werden? Halleluja, was für Pharisäer.

„Er ist eben ein ordentlicher Priester, der das Wort des Herrn so predigt, wie es sich gehört“

SKLAVEREI – gestohlene Leben, einfach so, weil es möglich war – damals in Mississippi (und vielerorts mehr).
Samuel ist einer von vielen und in der Geschichte trägt er den Namen Freitag, nicht weil er ihn sich ausgesucht hat, sondern weil er an einem Freitag verkauft und gekauft wurde – für 600 Dollar. Samuel ist ein Sklave, er muss arbeiten, darf nicht aufbegehren, das Grundstück nicht verlassen und er ist vor allem noch ein Kind. Eines der wenigen das lesen kann und genau das ist Samuels Chance eines Tages aus dieser Sklaverei zu entkommen, genau wie der Bürgerkrieg.

Samuels Traum von Freiheit, nicht nur für sich, sondern alle Menschen, gleich ihrer Hautfarbe, scheint so unendlich weit weg zu sein. Er hat keinerlei Rechte, könnte für jegliche Kleinigkeit ausgepeitscht oder gar gehängt werden. Kein Richter, kein Urteil, sondern so wie es denen beliebt, denen er gehört. Was für eine Welt, was für Menschen?! Alleine der Umstand das er lesen kann, ist für ihn gefährlich.

„Sie hängen dich einfach an den nächsten Baum.“

Die Geschichte wird aus Samuels Sicht erzählt. Wie er Sklave wurde, wie er Gott hinterfragte, aber nie an ihm zweifelte. Ein Mensch mit Haut und Haaren, mit rotem Blut, einem Herz, einer Seele. Als Neuling unter den Sklaven muss er viel lernen, aufmerksam sein und erst seinen Platz finden, dort auf der Plantage. Doch er ist nicht allein, selbst wenn es sich für ihn so oft so anfühlt. Dabei trauert er seinem zurück gelassenen Bruder nach. Denn eigentlich wäre dieser als „Ware Mensch“ geendet, wenn Samuels großzügiges Herz und sein geistreicher Verstand dieses nicht verhindert hätte. Vielleicht war es Zufall, vielleicht Schicksal.

„Du hast das Zeug zu einem Anführer“

Diese Jugendbuch liest sich sehr gut und führt einen als Leser in eine Welt der Ungerechtigkeit. Sie öffnet Augen und gewiss das Herz. Der christliche Aspekt ist auf jeder Seite zu spüren und oft genug hinterfragte ich mich selbst, ob und wie es möglich war, in solch einer Zeit der Hoffnungslosigkeit so viel Hoffnung zu verspüren.
Samuels Schilderungen über all die Menschen, die ihm begegnen, mit denen er zusammen lebt, die er liebt und die er hasst. Wobei es seitens Samuel, trotz aller Gründe, eigentlich gar kein Hass zu spüren ist.

Definit auch ein Buch für Erwachsene, denn trotz der fiktiven Geschichte um den 12jährigen Samuel, ist es ein Stück realer Zeitgeschichte. Besonders das Nachwort des Autoren ist zu empfehlen. Er schildert auf ein paar wenigen Seiten ein paar Fakten zum amerikanischen Sklavenhandel und der damit verbundenen Sklavenwirtschaft.

Die Gestaltung des Buches ist in der Hardcover-Ausgabe sehr gelungen. Zum einen der Schutzumschlag und auch das Buch an sich. So schön anzuschauen, aber noch schöner zu lesen. Selbst wenn die Thematik um Sklaverei und der Umgang der „einen Sorte“ Mensch mit „der anderen Sorte“ Mensch nicht einfach ist. Weder im Lesen noch im Verstehen.
Vielleicht kann aber genau solch ein Buch dazu beitragen, dass der Leser (egal welches Alter) sich doch zurückversetzt oder im Hier und Heute bleibt, nachdenkt und überdenkt und aufhört sich über andere zu stellen, sondern einfach nur Mensch wird, ist und bleibt.

„Mein Name ist Freitag“ ist keine Abenteuergeschichte, sondern ein besonderes Zeit-Zeugnis und damit absolut lesens- & empfehlenswert.

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Rezension verfasst von © Kerstin

Eine weitere sehr lesenswerte Rezension findet Ihr bei:

AstroLibrium 

    Buchdetails
Titel: Mein Name ist nicht Freitag
Buchreihe: Einzelband, ab 14 Jahren

Autor: Jon Walter 
Verlag: Carlsen 
[Königskinder]
ISBN: 978-3-551-56020-9 [Hardcover, 448 Seiten, 18,99 €]

11 Gedanken zu „„Mein Name ist nicht Freitag“ von Jon Walter

  1. Liebe Kerstin,

    da hast du eine sehr schöne Rezension geschrieben, die mir ganz deutlich beschreibt, welch emotionale Geschichte mir mit diesem Buch begegnen würde. Absolut interessant, sicher etwas für mich.

    Viele liebe Grüße

    Nisnis

    1. Hallo liebe Nisnis
      ja ich denke das ist wirklich ein Buch für dich. Auch weil es so authentisch die Zeit spiegelt und auch die Landschaft und Gegend sehr bildlich darstellt .
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Das Buch ist soeben von der Wunschliste weiter unten auf einen der ersten fünf Plätze geschossen und wird vorraussichtlich noch im August gekauft. Nach Cavaliersreise wäre es dann auch erst mein zweites Königskind. Aber ich hab die irgendwie fast alle auf der Wunschliste.
    Danke für die Rezension.
    Beste Grüße
    Chrissi

    1. Hallo liebe Chrissi
      ich freue mich das die Rezension meine Empfindungen so gut rüber bringt.
      Es ist wirklich ein sehr lesenswertes Buch.
      Bin gespannt wenn es bei dir einzieht und wie du es empfindest.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  3. Hallo Kerstin,
    eine sehr berührende Rezension hast du geschrieben. Wie berührend muss da erst das Buch sein?!?
    Ich finde dieses Thema unglaublich wichtig, denn man kann es sich kaum vorstellen, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun konnten.
    Danke fürs aufmerksam machen auf dieses Buch.
    LG
    Yvonne

    1. Hallo liebe Yvonne,
      es ist kein trauriges Buch in dem Sinne, eher bedrückend. Und doch gibt einen Samuel durch seine Hoffnung so viel.
      Es ist auch sehr informativ was den Bürgerkrieg angeht und eben diese ‚Gläubigkeit‘ der Plantagenbesitzer.
      Wirklich sehr lesenswert
      Liebe Grüße
      Kerstin

  4. Wow, Kerstin. Einfach nur wow! Was für eine absolut grandiose Rezension. Mit deinen Worten triffst du genau den richtigen Ton für dieses sensible Thema und machst gleichzeitig unglaublich Lust auf die Lektüre des Buches. Das ist schon eine Kunst! Beim Lesen deiner Rezension merkt man deutlich, wie dich das Thema beschäftigt hat -und allein das spricht ja auch noch mal sehr für das Buch! Glücklicherweise liegt das Buch schon auf meinem SuB, sonst wäre ich morgen direkt losgestürmt, um das Buchkaufverbot zu brechen.
    Nach deiner tollen Rezension werde ich „Freitag“ wohl sehr bald vom SuB befreien.
    Ganz liebe Grüße, Julia

    1. Hach, das geht ja runter wie Öl <3
      Ja das Buch hat mich sehr beschäftigt und ich habe es so gerne gelesen.
      Meist fange ich dann an nachzuschlagen um.mehr Fakten zu bekommen aber hier hat mich die Kombination aus der IchErzähler Form und diesem besonderen Verhältnis zum Christ sein sehr beeindruckt
      Ich wünsche dir ganz viel Lesespaß und bin jetzt schon gespannt was du dazu sagst.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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