„Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12“ von Jean-Paul Didierlaurent

Die verloren geglaubten Geschichten

Inhalt laut Verlag:

Die Aufregung der Kassiererin in einer Maut-Kabine, eine dubiose Mahlzeit, der erste Schuhabdruck auf dem Mond, ein Fliegenschiss mit fatalen Folgen …

Das Debüt „Die Sehnsucht des Vorlesers[alte Rezensionsdarstellung] von Jean-Paul Didierlaurent hatte mich absolut verzaubert und schon damals war für mich klar: zukünftige Bücher des Autors möchte ich definitiv lesen! Umso größer war die Freude, als ich erfuhr das in diesem Jahr sogar zwei Bücher von ihm veröffentlicht werden. Ein Roman und dieses kleine Buch mit elf Erzählungen, welche unter die Haut gehen.

Der Autor schaffte es bereits nach den ersten Sätzen mich in seine Geschichten zu ziehen. Elf Erzählungen die so unterschiedlich und doch gleich sind. Der Verlust steht im Mittelpunkt. Der Verlust eines geliebten Menschen, etwas das einem fehlt oder etwas grausam entnommenes. Jede Geschichte erzählt von seinem ganz eigenen Schmerz.

In den folgenden Wochen hatten Intoleranz und Hass auf einem fruchtbaren Boden Wurzeln geschlagen.
(S. 146)

Der Autor berührt mit seinen Worten. Ich begegnete verschiedenen Charakteren, welche mit Witz oder tiefer Traurigkeit versuchen ihr Schicksal zu bewältigen. Besonders drei Geschichten haben mich vollkommen eingenommen.
„Der Alte“ Graphologe ist auf der Suche nach der einen, ganz besonderen, Schrift.
Das „Heftpflaster“, welches die Engel im Kopf des kleinen Mädchens zum kreischen bringen.
„Zeitlos“ sein in einem kleinen Dorf.

Jean-Paul Didierlaurent erschafft bei allen Geschichten, trotz der Schwere des Themas, eine Leichtigkeit des Lesens. Verlust und Tod entstehen bei ihm zu einer wunderschönen Erzählung. Besonders „Heftpflaster“ sticht dabei heraus. Mit einer eindringlichen Beschreibung setzt sich der Autor in dieser kleinen Erzählung mit einer schwerwiegenden Thematik auseinander.

Die folgenden Worte könnten triggern, auch wenn ich nicht konkret auf sexuellen Missbrauch eingehe:

Das Ungeheuer und der Engel – Vater und Tochter. Selten habe ich es erlebt, das dies so wortgewaltig auf so wenigen Seiten beschrieben wurde und solch einen Eindruck hinterlässt! Was geschieht, ist einem beim Lesen durchgehen bewusst, und doch verzichtet der Autor auf eine Beschreibung, macht nur kleine Andeutungen. Dies reicht aber absolut aus, um die Situation und seine Folgen gänzlich greifen zu können. Eine Geschichte, welche mir unter die Haut ging.

Die in sich abgeschlossenen Erzählungen werden einem bekannt vorkommen, wenn man sein Debüt gelesen hat. Einige der Geschichten tauschen im Debüt als herausgerisse Seiten auf. Ohne das die Bücher im Zusammenhang stehen, verbindet der Autor sie miteinander. Die angerissenen Geschichten werden in „Macadam“ vollständig erzählt und verliefen ganz anders als ich es von den Ausschnitten her gedacht hätte. Die angerissenen Geschichten bekommen in diesem Buch eine ganz andere Bedeutung. Gerade dies machte mich neugierig, das Buch lesen zu wollen – die Erzählungen der nie beendeten Geschichten aus seinem Erstlingswerk.
In beiden Büchern werden eben diese Geschichten farblich hervorgehoben, passend zum Buchumschlag.

Jede Erzählung hat ihren ganz eigenen Sog! Wunderschön und ebenso traurig und bereits optisch ein kleiner ‚Augenfang‘ – innen wie außen!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★

Buchdetails
Titel: Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Jean-Paul Didierlaurent
Übersetzt aus dem Französischen: Sina de Malafosse
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26145-6 [Paperback]
— Rezensionsexemplar —

6 Kommentare

  1. Muss ich mir beide mal merken!

    Macadam ist mir schon wegen des zarten Covers aufgefallen, prima dank deiner Rezi nun auch mal einen vagen Blick hinein zu bekommen.

    ♥liche Grüße
    Patricia

    1. Hey meine Feine, absolut, die Cover sind schon ein Blickfang! Ich habe beide Bücher mehr als gerne gelesen!

      Wünsch dir einen feinen Tag!

  2. Huhu,
    habe das Buch bereits in den Händen gehalten und war kurz davor es mit zu nehmen. Auch mich hat Die Sehnsucht des Vorlesers sehr gepackt und ich freue mich wirklich auch Macadam bald endlich lesen zu können.

    Liebe Grüße
    Lilly

    1. Huhu Lilly,
      da dir das Debüt gefallen hat, wird auch „Macadam“ dich verzaubern! Viel Lesefreude wünsche ich dir!

      Hab einen feinen Wochenstart!

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