„Korrosion“ von Peter Beck

Inhalt laut Klappentext

„Eine vereinsamte alte Frau wird an Weihnachten erschlagen. Sie hinterlässt nicht nur ein Millionenerbe, sondern auch eine bittere Anklage: Eines ihrer Kinder soll für den Tod ihres Mannes verantwortlich sein. Tom Winter, wortkarger Sicherheitschef ihrer Bank, reist um die halbe Welt, um die drei Nachkommen ausfindig zu machen – und gerät in ein verstörendes Geflecht aus Missbrauch, Ausbeutung und Rache.“

Was machte der Bäcker verdammt nochmal in seinem Ofen?“ (S. 7)

Wenn ein Buch mit der Kapitel-Überschrift „Ofenwarme Backware“ beginnt und sich bereits nach 2 Seiten das Gefühl einschleicht, dass Gelesene nicht nur im Kopfkino zu sehen, sondern man auch Gerüche und Töne wahrnimmt, die sich aus dem Buch schleichen, dann, ja genau dann, hat mich das Buch schon gepackt.

Wenn es danach weitergeht, an einem ganz anderen Ort, mit einem Lawinenabgang und man kurz vor der Schnappatmung steht, da die Beschreibungen so authentisch wiedergegeben, dass man um Leib und Leben fürchtet, wird es zu einem Pageturner.

Und wenn es dann munter aber beklemmend weitergeht, mit der beginnenden Flucht eines Mannes, der alles verloren hat was ihm lieb ist und einer ermordeten alten Frau, deren Todes- und Lebensumstände mehr als seltsam sind, ist es für mich die perfekte Leseunterhaltung.

Kommen wir einmal zu diesem Tom Winter, Sicherheitschef einer Bank, ehemaliger Polizist und Katzenfreund. Er war mir auf Anhieb sympathisch. Schlagfertig, intelligent, mutig. In dieser Geschichte etwas gehändicapt, dennoch aber sehr flink und wendig, wobei er da schon so manchen Schutzengel hatte. Aber er ist auch nachtragend, was man angesichts der Situation durchaus nachvollziehen konnte – denn es wird persönlich, was Winter sehr menschlich macht.

„Er malte sich aus, wie er die Mörder mit der Schaufel verprügeln, wie er ihnen mit der Kante des stählernen Schaufelblattes ins Genick schlagen würde.“ (S. 97)

Der Fall um diese ermordete alte Frau führt einen als Leser zusammen mit Tom Winter durch halb Europa. Er folgt den Spuren der Vergangenheit und muss mehr als nur einen Mörder finden. Es gilt alte Schuld zu finden, verschwiegenes zu offenbaren um irgendwie dahinter zu steigen was passiert ist – damals mit dem Bäcker und heute mit der alten Frau.

Die Anzahl der Verdächtigen steigt genauso wie die Motive. Wer ist der Mörder? Was haben die Kinder der Ermordeten zu verbergen? Geht es um das Erbe? Ist es eine Rachetat oder geschah es im Affekt? Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und so bedarf es Winters Spürsinn und die Hilfe seiner Kollegin Leonie, um endlich Licht in dieses mehr als dunkle Kapitel der Familie zu bringen.

Diese Geschichte führt einen unter anderem in die Schweiz. (Tipp für die Verlosung 😉 auf unserem Blog hier)

Es gibt sehr viele interessante Charaktere in dieser Geschichte und alle scheinen irgendwie etwas zu verbergen. Einer der Besonderen ist Tijo Obado,  ein Flüchtling auf dem Weg nach Europa, durch alle möglichen Länder und Gefahren. Was treibt ihn an, warum nimmt er all diese Strapazen und Qualen auf sich?

„Also erzählte Tijo dem Unbekannten mit leiser, tiefer Stimme seine Geschichte. Manchmal tat es gut, einfach zu reden.“(S. 308)

Auch diese Erzählungen waren sehr realistisch in ihren Darstellungen. Mehr als einmal hatte ich Schlagzeilen zu dieser Thematik vor meinen Augen. Sehr zeitaktuell und verdsmmt nah an det Realität. Kein Schönreden, sondern ganz gezieltes und bewusstes Darstellen. Hier hat mir die Ehrlichkeit des Autoren im Umgang mit der Thematik um Flüchtlinge, deren Leidenswege aber auch die Abhängigkeit von anderen und das immens schnelle abrutschen in die Kriminalität beeindruckt.

„KORROSION“ besteht aus vielen Kapitel, die manchmal auch sehr kurz sind. Immer im Wechsel zwischen Winter, bei ihm erfährt man die Tage mit Uhrzeit, und Tijo, mit Angaben des aktuellen Landes in dem er sich gerade befindet. So hat man immer einen guten Überblick und weiß direkt wo man als Leser bzw. diese Zwei gerade ist/sind.

„Seine Gedanken kreisten um Ursache und Wirkung. Um Schuld und Gerechtigkeit. Wann hatte es begonnen? Hätte man es stoppen können? Wie?“ (S. 350)

„Korrosion‘ ist absolut gelungen – viel Spannung, interessante Charaktere, ein verzwickter Mordfall der viele Fragen aufwirft, die letztendlich aber alle beantwortet werden. Hinzu kommt die ein oder andere Kampf-Szenerie, bei der durchaus Blut fließt. Die Action kommt auch nicht zu kurz, bei einer Verfolgungsjagd war es so rasant, dass ich mich gewundert habe, selbst keine blauen Flecken davongetragen zu haben. Es gibt genügend Bösewichte und so manches absolut unerwartetes Opfer. Ein schneller und gut zu lesender Schreibstil rundet die Sache dann noch ab.

Richtig klasse empfand ich gerade diese Ursache & Wirkung-Darstellung. Hier habe ich viel verdächtigt, wer, wann und warum. Daneben lag ich trotzdem, was meine Lesefreude kein Stück schmälerte, zeigt es doch dass der Autor Peter Beck da ganz clever so manche falsche Fährte legte. Bewusst wurde mir mit dieser Geschichte wieder, dass letztendlich jedes Handeln eine Konsequenz hat, manchmal aber auch das ‚Nicht-Handeln‘!

Rezension verfasst von © ‚Kerstin‘


Zu „Korrosion“ gibt es schon viele andere sehr schöne Rezensionen – wer sie lesen möchte, hier eine Auswahl:

Nisnis Bücherliebe
Laberladen
Nicht ohne Buch

    Buchdetails
Titel: Korrosion
Buchreihe: 2. Band
AutorIn: Peter Beck
SprecherIn: Kursiv
Verlag: Emons

352 Seiten

Erscheinungsdatum: 13.02.2017
ISBN: 978-3-7408-0040-6 [Paperback]
Kosten
Paperback
: 11,90 €
E-Book: 9,49 €

  Tom Winter – Reihe
Band 1 ~ „Söldner des Geldes
Band 2 ~ „Korrosion

5 Kommentare

  1. Da habe ich dir doch mal eine Mail geschickt, Nisnis meint das Buch wäre genau richtig für mich. Und eure Rezensionen scheinen ihr Recht zu geben

  2. Das klingt nach einer intressanten Geschichte. Ich mag es wenn man als Leser zum Mitraten animiert wird und dann am Ende doch wieder falsch liegt. Besonders das „Nicht-Handeln“ auch eine Form von Handeln ist, finde ich eine sehr wichtige Feststellung. Diesem Umstand sind sich viele Menschen nicht bewusst und nutzen „ich hab nichts gemacht“ als Ausrede ohne einzusehen, dass gerade das ihr Vergehen ist.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Hallo Sabrina,
      genau dieses ‚Nicht-Handeln‘ hat in dem Buch eine große Bedeutung. Sehr spannend alles und vielschichtige Charaktere.
      Liebe Grüße und wenn du bei der Verlosung mitmachen möchtest – viel Glück

  3. Die Kapitel um Timo empfand ich unglaublich spannend. Sie besitzen eine angenehme Tiefe und ich konnte sie bis zu Letzt kaum einordnen. Das fand ich super spannend.

    Eine wunderbare Rezension und ich freue mich sehr, dass dir Korrosion so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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