„Kommando Abstellgleis“ | Sophie Hénaff

Konsequent und humorvoll ~ die neue Brigade!

Inhalt laut Klappentext

Das Pariser Hauptkommissariat, 36 Quai des Orfèvres hat eine neue Leitung. Ihr Ziel heißt: die Aufklärungsraten und Statistiken polieren und alle lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter loswerden. Deshalb ruft die Führungsriege eine neue Brigade ins Leben, in der alle Alkoholiker, Faulenzer, Schläger, Depressive und Polizisten, die sich für etwas anderes berufen fühlen – wie z.B. Eva Rozière, die Krimis schreibt, anstatt zu ermitteln -, zusammengefasst werden sollen. Die Leitung übergibt sie Anne Capestan, einer einst hoffnungsvollen jungen Polizistin, die wegen eines fatalen Fehlers vom Dienst suspendiert wurde. Was man von ihr erwartet: stillhalten. Anne hasst aber nichts mehr, als einfach zu gehorchen. Deshalb lässt sie nichts unversucht und baut mit ihrer Truppe der verkrachten Existenzen in einem schäbigen Büro bei miserabler technischer Ausstattung, ohne Waffen und Blaulicht ein Kommissariat der unkonventionellen Methoden auf und löst – zum Schrecken der neuen Chefs – auch noch alte Fälle, die die neue Führungsriege in gar keinem schönen Licht erscheinen lassen … Ein origineller, schwungvoller, intelligenter Krimi – zum Schießen komisch!Zitat

Wie schön hatten die Herren (und wenigen Damen) des Pariser Kommissariats sich das vorgestellt. Alle „Problemfälle“ innerhalb des eigenen Kollegenkreis wird man los, indem sie in eine neue Brigade gesteckt werden. Die neue Unterkunft ist der 5.Stock eines Wohnhauses, immerhin mit Dachterrasse. Das Inventar eher Sperrmülltauglich, der Fuhrpark eine Lachnummer. Ein Abstellgleis für die Unbeliebten und Uneinsichtigen oder solche die nicht der „Norm“ entsprechen.

Diese Brigade existiert nur, weil wir sie nicht entlassen können!
(S. 241)

Anne Capestan bekommt, mit Zuteilung der Führung dieser Brigade, eine Chance Kommissarin zu bleiben. Rund vierzig KollegInnen stehen auf der Liste, doch der Anfang ist schwer und so gibt es nur eine klitzekleine Schar, die einer nach dem anderen eintrudelt. Ein Säufer, ein junger Boxer, ein sich selbst geouteter Mann, eine Spielerin, ein Unglücksbringer und noch ein paar sonderbare Gestalten mehr.
Irgendwie habe ich jeden einzelnen von ihnen, im Laufe der Geschichte, immer mehr gemocht. Denn sie zeigen auch ihre echte Seite, ihre Gefühle und Sorgen und bringen sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten richtig gut in dieses neue Team ein. Selbst Pilou, den man als Polizeihund wohl eher nicht einsetzen könnte, passt perfekt in diese bunte Runde.

Teamarbeit, dass macht diese Truppe aus. Mit einem großen Raum voller Schrott und Nichts angefangen, wird es langsam heimisch. Es bilden sich die ersten Ermittlergruppen und die ColdCases, die einzigen Fälle die sie überhaupt bearbeiten dürfen, stapeln sich. Obwohl alle antriebslos und unmotiviert sein sollten, zeigt sich genau das Gegenteil. Zwei der alten, ungeklärten Fälle, weckt das Interesse und so fangen sie bei Null an, wühlen sich durch die Akten und schnell stoßen sie auf sehr seltsame Vorgänge. Das neue, unkonventielle Team hat Blut geleckt, die Polizisten in ihnen nehmen Witterung auf und so machen sie richtig solide Ermittlerarbeit.

Mit jedem Tag lernte Capestan ihr Team mehr zu schätzen.
(S. 292)

Die zwei alten Fälle, ein Mord an einer alten Dame und einer an einem Wachoffizier der Handelsmarine. Beide Tathergänge vollkommen unterschiedlich. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Es fehlt etwas. Während der Mann eher von einem Auftragskiller ermordet wurde, hatte man die alte Dame noch mit einer Art Anstand behandelt. Die Spuren sind kalt, nein, sie sind schon eisig und doch schafft die neuen Brigade es mit ihrer Beharrlichkeit so langsam und Stück für Stück alles ans Licht zu bringen. Aber sollen sie das überhaupt? Warum wirft man ihnen Stöcke zwischen die Beine und macht es ihnen unnötig schwer? Will man gar nicht dass sie ermitteln oder machen sie jemanden sogar Angst aufgrund ihrer zunehmend Beweisführung?
Es wurde spannend. Keine große Action, eher ein ruhiges und konstantes Zutage fördern.
Die Überlegungen der Einzelnen und auch der gesamten Truppe, haben immer mehr offenbart und schlussendlich damit eine richtig gute Geschichte abgeliefert.

Die einzelnen Kapitel sind überschaubar von der Länge her und lassen einem die einzelnen Personen bei ihrer Arbeit zu schauen. Das Öfteren auch beim Kaffee trinken oder dem Gassi gehen. Am besten sind einfach die Dialoge oder die spontanen Ein- und Ausfälle. Jede Menge Humor ohne das es lächerlich wirkt aber auch sehr viel Ernsthaftigkeit. So mancher Blick in die einzelnen Charaktere zeigt, dass da auch ganz viel Mensch in ihnen steckt.

Aus den Augen, aus dem Sinn!
(S. 13)

Ganz bestimmt nicht. Diese geniale Brigade um Anne Capestan hat sich gerade erst warm gearbeitet und ich bin schon sehr gespannt wie diese schrägen Vögel weitermachen.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

Buchdetails
Titel: Kommando Abstellgleis 
Buchreihe: 1. Band 
Autorin: Sophie Hénaff
Übersetzt aus dem Französischem: Kursiv ///Name des Übersetzers
Verlag: Carl´s Books | [Random House] 
ISBN: 978-3-570-58561-0 [Paperback, 352 Seiten, 14,99 €]
— Rezensionsexemplar des Random Hose-Bloggerportals —

       Kommissarin Capestan – Reihe
Band 1 ~ „Kommando Abstellgleis
Band 2 ~ „Das Revier der schrägen Vögel

2 Kommentare

    1. Gerne liebe Anja und Dankeschön zurück. Ich freue mich immer sehr über deine Besuche.
      Bei Anne und ihrem Team bin ich mit sicher das sie dir auch gefallen könnten 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

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