Rezension

Kasins „Remember Mia“

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Erscheinungsdatum: 22.04.2016
AutorIn: Alexandra Burt
Verlag : dtv Verlag
ISBN: 978-3423261012
Flexibler Einband: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 14,99 €


3,5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kasin
05.06.2016

Psychografie einer Mutter

Estelle – was hast du nur getan? Diese Frage hat sich mir die ganze Zeit aufgedrängt. Was ist mit der kleinen Mia geschehen und welche Rolle außer die einer Mutter hat Estelle gespielt?

„Remember Mia“, das Debüt der Autorin Alexandra Burt, erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft umfasst 384 Seiten und ist in der Kategorie des Thrillers angesiedelt.

Für mich war es allerdings eher eine Art der Unterhaltungslektüre. Natürlich kam Spannung auf, schon meine erste Frage spiegelt das wider, doch über viele Kapitel zog sich die Geschichte endlos in Estelles Erinnerungen dahin.

Aber erst einmal kurz zur Story : Estelle erwacht im Krankenhaus. Ein schwerer Autounfall hat sie fast das Leben gekostet. Doch da ist noch mehr – eine Schusswunde und Estelles Erkenntnis das irgendwo da draußen ihre kleine Tochter Mia ist, die bereits vor dem Unfall verschwunden war. Für die Polizei, die Medien, ihrem persönlichem Umfeld ist schnell ein Urteil gesprochen, Estelle hat Mia etwas angetan! Aber stimmt das auch? Kann eine Mutter ihrem geliebten Kind Schaden zufügen? Estelle setzt alles daran ihre Erinnerungen wieder zu bekommen. Ein Aufenthalt in einer Klinik soll ihr endlich Gewissheit verschaffen und sie zurück führen zu dem Tag an dem Mia verschwand und das Wie und Warum zu Tage fördern.

Estelle, die Mutter; Jack, der Vater; Mia, das Kind – eine Familie die gar keine mehr ist. Hat der Vater etwas mit Mias Verschwinden zu tun? Er kommt im Buch schlecht weg, ein Unsympath, Egoist und alles andere als guter Ehemann. Auch Estelle wirkte oft negativ. Eine Mutter die an Rande ihrer Grenzen steht, körperlich wie auch seelisch. Mia macht ihr schwer zu schaffen, ein Schrei-Kind das alle Aufmerksamkeit fordert.

Doch auch ihr Umfeld bekommt zur genüge ihr Fett weg. Die ermittelnden Polizisten sind ja fast schon klischeehaft dargestellt in ihren unfähigen und abstrusen Ermittlungen zum Verschwinden Mias. Estelles fast schon einziger Vertrauter in der Klinik und ein Gehilfe auf dem Weg zur Erinnerung, der Psychologe, kam mir als einziger im positiven Sinne rüber.

Viele Teile des Buches sind einzig den Erinnerungen Estelles gewidmet. Das hat mich stellenweise sehr gestört, da darüber immer mehr der Spannung verloren ging. Hätte ich nicht um diese Schusswunde gewusst und damit dass irgendetwas ganz gewaltig aus dem Runder lief, dann wäre ich bestimmt üner so manche Seiten hinweg geflogen um nur den oder diesen Abschnitt beenden zu können.

Während der ganzen Zeit konnte ich mir keinen Reim machen wer gut oder böse ist. Wer will Estelle wirklich helfen und wer eben nicht? Diese Szenerien um die Problematik mit ihrem Kind, den ständigen Gewissensbissen der Kleinen nicht gerecht zu werden. Ihre Sorgen und Nöte, ihr Gefühl von Versagen und Einsamkeit war sehr gut geschildert. Aus psychologischer Sicht wirklich klasse gemacht, tiefgründig genug und mit sehr schön ausgearbeiteten Sätzen und Abschnitten. Das hat mich mehr als einmal sehr berührt. Und doch war es mir einfach zu viel davon, diese Wiederholungen störten mich ungemein und so hat der Reiz der Geschichte sich mehr oder eher weniger in Wohlgefallen aufgelöst.

Der Prolog war ein Pageturner, der Rest eher angenehmer Zeitvertreib. In den letzten Kapiteln hin wurde es dann (viel zu spät) spannend und brachte einige Dinge zum Vorschein die ich so nie erwartet hätte.

Der Schluss selbst hat mit Sicherheit eine wichtige Bedeutung für die Autorin, mir hat er sich nicht erschlossen und so blieb ich ratlos zurück.

3,5 von 5 Sternen, da es mich letztendlich gefesselt hat, denn ich musste es unbedingt wissen – Estelle, was hast du getan?

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