Rezension

„Nachmittage mit Mördern“ von Sibylle Tamin [Kerstin]

Nachmittage mit Mördern

 

Erscheinungsdatum: 21.01.2016
AutorIn: Sibylle Tamin
Verlag : FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596031917
Flexibler Einband: 320 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 9,99 €

 


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kerstin
01.03.2016

Eine Geschichte wie die andere und doch keine gleich!

Auf der Rückseite dieses Buches steht ‚ So spannend wie erschütternd‘ und das stimmt auch, wobei ich eher das Erschütternde sah.

‚Nachmittage mit Mördern‘ ist kein Kaffeekränzchen, sondern ein reales erzählen, oder besser – erzählen lassen.

In 10 Geschichten stellen verurteilte Mörder ihre Sicht der Dinge dar. Männer und Frauen, die sich noch im Vollzug oder bereits nach Verbüßung ihrer Haftstrafe in der Bewährung befinden.
Die Journalistin Sibylle Tamin hat sie besucht, in den Justizvollzugsanstalten, in Cafés oder zu Hause und aus den Gesprächen ist dieses Buch entstanden. Einseitig, so würde ich es bezeichnen, denn die Autorin hält sich zurück und lässt einfach erzählen. Was war, was geschehen ist, wie die Folgen sind und wie alles so weit kommen konnte.
Die Taten an sich werden geschildert, aber es gibt nur wenige Details, was auch gut so ist.
„5 von 9 ….der hier einsitzenden, zu lebenslanger Haft verurteilten Frauen erklären sich für unschuldig.“ (Buch Seite 249) Genau diesen Eindruck hatte ich auch, beim lauschen dieser Erzählungen und war erstaunt wie weit doch Verdrängung gehen kann. In fast jeder der Geschichte hatte ich den Eindruck dass die Verurteilten ihre Strafe nicht als gerecht ansehen. „….meine Strafe ist vieleicht nicht ganz gerecht…“ (Buch Seite 238) sowie „…ich bin zurecht bestraft. Aber ich bin zu viel bestraft worden.“(Buch Seite 139)

Nur zum Verständnis, es handelt sich um Mörder, Menschen die ein anderes Menschenleben ausgelöscht haben, warum und wie auch immer.
Was mich auch erschütterte war, dass in fast allen Geschichten die Kindheit oder Jugend der Täter als Auslöser für diese Taten in den Vordergrund gerückt wurde.

Missbrauch, Gewalt, Alkohol, devote Mütter, brutale Väter, falsche Freunde. Ständig hatte ich den Eindruck, alle habe Schuld, sogar das Opfer – nur der Täter nicht und das hat bei mir völliges Unverständnis hervorgerufen.
„…wenn ich ein normales Leben geführt hätte…“(Buch Seite 127)
„…ich erinnere mich nicht gerne an meine Kindheit…“(Buch Seite 222)
Ich bin mir sicher dass Frau Tamin die ‚Gesprächspartner‘ sehr bewusst aufgrund ihrer Taten ausgesucht hat.

Einige sind verurteilt worden aufgrund von Indizienprozessen und wenn nur 1 der 5 angeblich unschuldigen wirklich keine Schuld trifft, was dann?
Das Buch hat mich sehr nachdenklich und ein Stückweit wütend zurück gelassen.  Jeder ist seines Glückes Schmied heißt es immer und jeder ist für seine Taten und die daraus folgenden Konsequenzen verantwortlich.
Da hilft kein Jammern mehr. Geschehen ist geschehen!

Für die durchweg sehr interessanten Fälle, den angenehmen Schreibstil, die Hintergründe und die Offenheit vergebe ich 4 von 5 Sternen.

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension zu dem Buch

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