Rezension

„Gefährlich nah“ von Louise Millar [Kerstin]

Gefährlich nah

 

Aktuelle Ausgabe: 21.01.2016
AutorIn: Louise Millar
Verlag : FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596193776
Flexibler Einband: 432 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 9,99 €
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Erstausgabe: 21.08.2014 * Broschiert * 432 Seiten * 16,99 €


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kerstin
08.04.2016

Das Monster im Schrank

Ein Psychothriller der leisere Töne anschlägt und mir besonders wegen dem literarischen Feingefühl sehr gut gefallen hat.

„Gefährlich nah“ von Autorin Louise Millar, erschienen im Fischer Taschenbuchverlag, lässt einem als LeserIn sehr deutlich spüren was es heißt dauerhaft in Angst zu leben.

Aber erst einmal zur Story:
Angst bestimmt Kates Leben – „ich bin verflucht“ sagt sie von sich selbst. Zu viel ist ihr oder besser gesagt, ihren Angehörigen, geschehen. Seit 5 Jahren ‚lebt‘ Kate nach ihrem eigenen selbstbestimmtem Verzicht auf Leben. Paranoia, Angst- und Panikzustände machen ihr und ganz besonders dem 10jährigen Sohn Jack das Leben zur Hölle.
Bis Jago in ihr Leben tritt und ihr seit langer Zeit das Gefühl gibt, dass sie kein Opfer sein muss und bewirkt damit eine deutliche Wandlung Kates.
Aber irgendwie scheint ihr Gefühl sie nicht zu täuschen, denn da ist noch das Monster im Schrank!

Louise Millar hat ein deutliches Feingefühl in die Schilderungen von Kates Aussetzern und Panikattacken gelegt.
Hier wurde keine übertrieben hysterische Frau dargestellt oder gar bloßgestellt.
Kates Gedanken darum was ihr und besonders Jack geschehen könnten sind durchaus real. Sonnenbaden kann Hautkrebs verursachen, Fahrrad fahren ohne Helm ist gefährlich, Alter und Zustand der Taxis und deren Fahrer sind potentielle Gefahren!
Alles Dinge die eigentlich jedem bewusst sind, über die man sich aber nicht anhand von Statistiken den Kopf zerbricht und deswegen auf all diese Dinge verzichtet.
Doch genau das tut Kate und eben dass wurde wirklich glaubhaft dargestellt.

Sehr nahe gingen mir Jacks dargestellte ‚Leiden‘ durch die Handlungen und Nicht- Handlungen seiner Mutter.
„Er hatte hinter den gläsernen Bernsteinaugen seine alte Mum hervorblitzen sehen und wollte sie nicht verscheuchen.“ (Buch Seite 252).
Dieser Junge fängt an über sich hinaus zu wachsen und will endlich ein (soweit in dem Alter möglich) selbst bestimmtes Leben führen und nicht geschützt durch einen Stahlkäfig schlafen, mit Angststeinen im Bauch, hervorgerufen durch Kates ständige Sorgen und Ängste die deutlich auf ihn abfärben.

Als dieser Jago auftauchte und Kate mittels ‚Experimenten‘ ins Leben zurückführte war es wie ein aufatmen. Allerdings bin ich skeptisch, kann ein so psychologisch angeschlagener Mensch durch eine Art Mutprobe von heute auf Morgen genesen?
Jedenfalls tut Jago Kate furchtbar gut und damit auch Jack.

Im Buch offenbart sich aber auch dass eben doch ein dunkler Schatten über Kate liegt.
Eine indirekte Bedrohung bei der ich mich ständig fragte wohin das führt.
Auch diese ganz kurzen, in kursiver Schrift, Abschnitte zu einem Jungen ohne Namen. Hier habe ich sehr lange gebraucht um dahinter zu kommen. Das war gut gemacht und hat letztendlich gezeigt das es diese Monster wirklich gibt.

Ein toller Psychothriller mit einer eher unterschwelligen Spannung, die sich aber konstant aufbaute und mich ganz besonders zum Schluss hin so richtig fesselte.

Gerne vergebe ich 4 von 5 Sternen und werde dann doch mal unter dem Bett und im Schrank nachschauen müssen.

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension zu dem Buch

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