„Kalliope“ von Arthur Gordon Wolf [Kerstin]

Inhaltsangabe laut Klappentext:

KALLIOPE ist ein Thriller über die geheimnisvollen Mechanismen des Schreibens, über fiktive Menschen, die plötzlich zum Leben erwachen, über den schmalen Grat zwischen Wirklichkeit und Imagination. Ein blutiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Wupper und Rhein.“

„Kalliope“ hatte mich, von der Covergestaltung her, sehr angesprochen. Auch der Klappentext versprach eine thrillige Reise. Da war es schon eine Überraschung, das ich dieses Buch, samt Widmung des Autoren, von Janna als Leipziger Buchmesse-Mitbringsel geschenkt bekam. Es stand einige Zeit im Regal und hat immer wieder gerufen ‚lies mich‘, doch es musste warten ~ schließlich wollten wir uns unter dem #kejaliest über das Buch und die Geschichte darinnen austauschen. Fast traurig muss ich allerdings zugeben, dass mich „Kallipoe“ bei weitem nicht so begeistern konnte, wie ich es mir erhofft hatte.

Woran lag es? Denn der Einstieg war sehr gelungen. Eine junge Frau, einsam in der Weite einer amerikanischen Schnellstraße unterwegs, Nachts, im Dunkeln, allein und mit einer Tasche auf der Rückbank, deren Inhalt sich einem bald offenbaren würde. Nora hatte irgendetwas angestellt, soviel war klar, nur was? Das herauszufinden war eine meiner ersten Optionen, also weiterlesen, denn dieser Teil war flüssig zu lesen und neugierig machend. Auf Noras Kapitel hab ich immer mit mehr Spannung hingelesen. Ihre Erlebnisse hatte einfach was. Ihre Story war das Werk des Autoren Markus und ich hatte schon meinen Spaß dabei zu lesen, wie er mit ihr schimpfte, da sie einfach nicht tat was er wollte und ihn geflissentlich zu übersehen schien. Eine Protagonistin die den Autor an der Nase herumführt und tut was sie will, das liest man nicht alle Tage.

„Ein Tag war alles, was sie für ihre Flucht benötigte. Einen verfluchten, lausigen Tag! War das etwa zu viel verlangt?“

Der Cut kam dann mit dem zweiten Kapitel und der eigentlichen Hauptperson des Buches. Markus Reuther, ein Krimi-Autor, dessen Muse in Sachen Schreiben gerade eine mächtige Flaute hatte. So empfand ich dann auch die immer wieder zu Markus zurückkehrenden Kapitel. Stellenweise sehr langatmig bis uninteressant. Sein werkeln und die verzweifelten Versuche aus der Schreibblockade zu entkommen, wurden durch zuviel Allerweltsgepauder immer wieder unterbrochen. Sein Lebensstil, einer glücklicher Fügung dank, eher sorgenlos und geprägt von Essen gehen, gutem Wein genießen und seinen Kumpel Schotti treffen. Gewiss waren Elemente daraus notwendig um der ganzen Geschichte eine Grundlage zu geben, aber mir war Markus zu gönnerhaft, zu sehr ‚leb in den Tag‘  und schlichtweg langweilig.  Kein Typ, dessen Charakter mich überzeugte oder an seine Geschichte fesselte. Erst als er anfing Tagebuch zu schreiben, hatte ich den Eindruck das dieser Mann doch interessant werden könnte.

„Es war wirklich verrückt. Da beklagte er sich jahrelang wegen mangelnder Inspiration und wegen einer launischen Muse, und nun plötzlich meldet  sie sich höchstpersönlich bei ihm zu Wort.“

Die Muse, der fehlende Antrieb, kommt Markus dann doch zur Hilfe um zu schreiben. Allerdings auf eine höchst seltsame und bedrohliche Art und Weise. Plötzlich geschehen Dinge in seinem Umfeld die mysteriös sind und nicht nur Markus in Gefahr bringen. Wer steckt dahinter? Was will er/sie damit bezwecken? Hier wurde es für mich erst spannend.

Ein weiterer Teil der Geschichte ist die nächste darin enthaltene Geschichte. Die einer Gruppe Teenies. Allesamt Jungs, die gerne in ihrem Baumhaus sitzen, heimlich rauchen und auch das ein oder andere alkoholische Getränk ausprobieren. Bis es zu einem furchtbaren Zwischenfall kommt. Es war klar das es eine Konsequenz haben würde, nur konnte ich nicht abschätzen, wie sie sich auswirken würde auf die Einzelnen. Schuldgefühle die sich in der Sichtung von Schattenmänner manifestieren? Auch sehr spannend und schön geschrieben. Doch ein weiteres aber – es war für mich nicht ersehbar wer das schrieb, wo diese Geschichte ihren Ursprung hatte.  War sie von Markus. Oder jemand anderes? Erst nach vielen, vielen weiteren Kapiteln habe ich verstanden.

„Irgendwann wird mich die Schattenfrau besuchen und mich für ihre Untaten büßen lassen.“

Diese 3 miteinander verknüpfte Geschichten sind so komplett anders, Nora, Markus und der Junge. Stellenweise hat es mich verwirrt, doch oft auch gut unterhalten. Besonders Noras Story war klasse. Zwar schon von so manchem Klischee geprägt aber dieses Abenteuer hätte für mich noch ewig weitergehen können. Nur für sie hätte ich 5 Sterne vergeben. Diese Story um die Jungs war ebenfalls sehr eingänglich und da ich eh sehr gerne in der Vergangenheit anderer ‚grabe‘ waren auch diese Kapitel genau meins. Wer mich allerdings kein Stück abholte war Markus, seine Muse, diese Emails, die Dialoge mit seinem Kumpel und diese ständig auftauchenden fremde Frauen.

Es war, so ab der Hälfte, psychologisch gut aufgebaut und auch das Ende fand ich außergewöhnlich. Durchaus unterhaltsam, wenn man genau liest und aufpasst. Für einen Thriller hat mir allerdings der Thrill gefehlt. Durch dieses komplexe kombinieren aus drei Geschichten wurde Markus einfach ganz groß die Show gestohlen. Schade.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★☆☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension zu dem Buch
#kejaliest – gemeinsam lesen – Rezension auf life4books

    Buchdetails
Titel: Kalliope
Buchreihe: Einzelband 

AutorIn: Arthur Gordon Wolf 
Verlag: Luzifer 

ISBN: 978-3-95835-176-9 [Paperback]

8 Kommentare

  1. Markus hat sich durch sein Gejammer selbst ins Abseits geschossen… da der Autor aber ja schreiben kann – wie man bei der Baumhaus Geschichte sieht wollt ich ma noch ein anderes von ihm lesen 😀

  2. Hallo Kerstin,
    sehr schade das dich das Buch nicht ganz überzeugt hat. Markus ist ein seltsamer Charakter, mich hat sein lamentieren auch ab und an genervt. Aber ingesammt mochte ich die Geschichte sehr und auch das Ende hat mich Überzeugt!
    Aber du hast recht, wenn ich so darüber nachdenke sind die wirklichen Thrillerelemente eher rar.

    LG

    1. Hey,
      naja mit 3 Sternen ist ja immer noch gut 😉
      Aber Markus hat mich doch schon genervt.
      Die Baumhausjungs dagegen fand ich ja toll und Nora klasse.
      So ist es eben mit unseren Geschmäckern 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

  3. Hallöchen Kerstin,
    Ich finde es ja immer sehr spannend, wenn ihr zwei das selbe Buch lest und rezensiert. Ob ihr euch einig seid, oder die Meinungen auseinandergehen. Hier war ja eher ersteres der Fall. Die Geschichte um Nora scheint ja ganz spannend zu sein. Schade, dass der Autor das nicht über das gesamte Buch und die gesamte Geschichte aufrechterhalten konnte.
    Dieser Thriller kommt eher nicht auf meine „to read“ Liste.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hallo Julia,
      total übersehen, vor lauter SuBdenSommer Bücher raussuchen.
      Diese Nora Geschichte hatte richtig was und auch die Sache mit dem Baumhaus konnte mich sehr fesseln aber dazwischen war es stellenweise zu langweilig, dass hat mir eindeutig das Lesevergnügen geschmälert.
      Janna und ich liegen oft auf der gleichen Lesewellenlänge 🙂
      Das erstaunt uns selbst immer wieder.
      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. Haha, kein Problem. Es freut mich ja sehr, dass du SuB den Sommer so ernst nimmst und das erfordert natürlich einen Großteil der Ressourcen, das kann ich total verstehen. 😉
        Und mich wundert das eher nicht, ihr lieg doch auch sonst viel auf einer Wellenlänge, wieso nicht auch bei den Büchern? 🙂
        Lieben Gruß, Julia

  4. Absolut sehenswert, dieses Cover. Ich hätte dieses Buch mindestens in die Hand genommen. Die Rezi zeigt mir jedoch deutlich, dass man bis zum psychologischen Spannungsaufbau einen langen Atem besitzen müsste. Also, eher nichts für mich.

    Vielen Dank für diese ausführliche Rezi.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    1. Hallo Nisnis,
      das Cover ist echt toll, vor allem wenn man es sich genau anschaut entdeckt man jede Menge einzelner Wörter rund um Thril & Crime.
      Leider hat es mich als Thriller nicht überzeugt.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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