„Kalliope“ von Arthur Gordon Wolf [Janna]

Inhalt laut Buchrücken:

„KALLIOPE ist ein Thriller über die geheimnisvollen Mechanismen des Schreibens, über fiktive Menschen, die plötzlich zum Leben erwachen, über den schmalen Grat zwischen Wirklichkeit und Imagination. Ein blutiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Wupper und Rhein.“

[Kurzmeinung]

Der schmale Grat zwischen Realität und Wahn, eingebettet in einem Thriller – da konnte ich einfach nicht widerstehen! Ich liebe Bücher mit dieser Thematik, einem Labyrinth an Fragen und bis zum Ende nicht zu wissen wohin die Geschichte verläuft, wessen Wahrheit Realität ist. Und eben dies hatte ich mir bei diesem Buch ebenfalls erhofft. Ein Springen zwischen dem beschriebenen Autoren Reuther und seiner Buchfigur Nora, dem verschwimmen der Grenzen.

Meine einzige Irritierung war jedoch die Entscheidung der Erzählperspektive. Zu Beginn begleiten wir Reuther aus der Sicht der dritten Person, im Verlauf der Geschichte werden die Tagebucheinträge von Reuther mit eingebaut – worauf die Eintragungen abzielen ist mir sehr wohl bewusst, doch es fehlte mir die intensive Herausarbeitung. Die Gedanken und Ängste von Reuther werden mir persönlich zu wenig benannt und durch verschiedene Situationsbeschreibungen in den Hintergrund gedrängt. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven hätte eine beklemmende Atmosphäre aufgebaut und der für einen Thriller nötigen Nervenkitzel eingebaut werden können. Anstatt einen Spannungsbogen bezüglich Fiktion und Realität zu erzeugen, verliert sich die Geschichte leider in Nebensächlichkeiten. Das Leben eines Autors, das Buch selbst in seinen unterschiedlichen Ausgaben (Print, eBook), das Kennenlernen seiner Noch-Freundin, sowie die Unterhaltungen mit seinem Freund Schotti.

Dies ist sehr schade, denn mit verschiedenen Formulierungen und den weiter eingebauten Erzählungen zeigt Arthur Gordon Wolf sein Talent. So genannte ‚Buch im Buch‘-Geschichten wurden hineingearbeitet. Nora, Reuthers erfundene Protagonistin, ein Road-Trip welcher neugierig macht. Und „Das Baumhaus„, eine Geschichte die viele Fragen aufwirft. Der Autor ist unbekannt und auch erst zum Ende des Buches wird diese Geschichte nochmals aufgegriffen. Doch besonders diese Geschichte ist es, welche eine Leseatmosphäre erzeugt, welche man sich weder entziehen kann noch will.

„Niemand bemerkt den genauen Augenblick, an dem die Kindheit endet. […] ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, als alles Kindliche plötzlich von mir abfiel und aufplatzte, wie die zu eng gewordene Haut einer Schlange.“

Ich war gespannt wie all die kleinen Szenen zu einer Gesamtgeschichte verschmelzen. Das Ende jedoch war für mich leider keine große Überraschung. Da im Verlauf nicht intensiver darauf hingearbeitet wurde, fühlte sich die Erklärung der Ereignisse schnell abgehandelt an. Zu klar waren die Grenzen, mir fehlte das Verwischen dessen – wer ist real, wer eine fiktive Person?! Durch die Einarbeitung von ‚K.‘ und den Schattenmännern erhält die Gesamtgeschichte etwas geheimnisvolles und steigert die Lesespannung. Auch das Ende ist nicht wirklich offen und beantwortet dennoch nicht jede Frage – für mich passend und doch keine Lesebefriedigung.

Der Autor zeigt anhand einiger Passagen sein Können, einen Schreibstil der mich ansprach. Doch ich kam nicht wirklich in die Geschichte hinein, für mich unbedeutende Nebensächlichkeiten nahmen zu Beginn zu viel Raum ein. Ebenso kam der Spannungsbogen viel zu spät und war ebenso schnell wieder verschwunden. Ein Buch bei welchem ich zuvor fast nur positive Stimmen vernommen hab, mich persönlich aber nicht überzeugen konnte.

Rezension verfasst von © Janna
★☆☆☆ 

1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension zu dem Buch
#kejaliest – gemeinsam lesen – Rezension auf life4books

    Buchdetails
Titel: Kalliope
Buchreihe: Einzelband 

AutorIn: Arthur Gordon Wolf 
Verlag: Luzifer 

ISBN: 978-3-95835-176-9 [Paperback]

8 Kommentare

  1. Ach, die Tagebucheinträge hab ich komplett verdrängt – hatte nur noch sein Gejammer in Erinnerung XD

  2. Hallo Janna,
    sehr schade das dich das Buch so wenig überzeugen konnte. Ich mochte vor allem das Ende und fand die Auflösung gut.
    Immer wieder interessant wenn ihr zusammen ein Buch lest und jeder eine Rezension schreibt. 🙂

    LG

    1. Huhu meine Feine,
      ja sehr schade, hatte mir einfach mehr erhofft. Es hätte intensiver zur Auflösung hingearbeitet werden dürfen, mehr Spiel mit Fiktion und Realität.

      Stimmt! Vor allem wenn unsere Meinungen eher auseinander gehen 😉

      Hab einen mukkeligen Start ins Wochenende!

  3. Eine schöne Rezension, aber das Buch werde ich wohl nicht lesen. Das klingt ja leider nicht so gut. Es ist echt immer schade, wenn eine Handlung, die eigentlich viel Potential hätte, sich in Nebenschauplätzen verliert.
    Ich hätte mir aber in deinem Beitrag eine kleine Inhaltsangabe oder den Klappentext gewünscht. So als Info zur Handlung des Buches. So fiel es mir am Anfang gerade ein bisschen schwer zu verstehen, was du mit deinen Kritikpunkten in deiner Rezension meinst. Da hab ich dann erstmal das Buch gegoogelt. Wäre vielleicht für den Leser praktischer, wenn sowas gleich hier im Post zu finden wäre. Nur so als Idee.
    Sonst aber wieder eine feine, gut begründete Rezension.
    Liebste Grüße, Julia

    1. Huhu meine Feine und immer her mit der Kritik – freue mich über jede Anmerkung! Bislang kam ich ja immer ganz gut durch, hier gebe ich dir aber recht das wohl was an Info zum Buch fehlt, um meine folgenden Worte zu verstehen – füge den Klappentext gleich mal hinzu.
      Hab da auch noch nicht meinen Weg gefunden – eigene Worte, ein prägnanter Satz oder doch Klappentext?! Bislang wechsle ich zwischen allem 😀

      Und vielen Dank für das Lob, wobei Rezension ja etwas „übertrieben“ ist – Kurzmeinung wohl eher diesmal 😉

      Hab einen feinen Wochenstart!

      1. Ja, ich finde das auch immer schwer. Ich nehme meistens den Klappentext, weil das die Informationen sind, die ja allen zugänglich sind und ich bei eigenen Inhaltsangaben immer Angst habe, zu viel zu verraten. Aber die Klappentexte sind ja auch nicht immer so toll. Naja, ich weiß auch nicht, so richtig glücklich bin ich damit auch nicht, aber was anderes ist mir bisher auch nicht eingefallen. Na mal sehen…
        Dir auch eine schöne Woche. 🙂

        1. Ich probier mich einfach aus – ein Feedback dann ist natürlich gerne gesehen dann (= Ob Kritik im positivem oder negativem Sinne, wie gesagt, freue mich über jede Anregung!

          Hab einen feinen Tag!

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

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