Interview mit Peter Beck [Thriller Autor]

Bild: Peter Beck

 Interview mit Peter Beck
Von Kerstin

Lieber Peter,
wir sind ja hier unter uns, deswegen ist es einfacher wenn wir uns alle duzen 🙂 Schön das Du Dir die Zeit nimmst uns ein paar Fragen zu beantworten.

„KORROSION“ ist bereits der 2. Band um den Ex-Polizisten Tom Winter.
Dieser Protagonist war mir ja auf Anhieb sympathisch. Er kam intelligent, humorvoll, kollegial, tierlieb aber auch mutig und ehrgeizig rüber.

Meine erste Frage brennt mit förmlich unter den Nägeln – wie kommt man auf solch eine Idee wie den karamellisierten Bäcker?
Peter Beck: „Ich liebe es vielschichtig, sensorisch und versuche beim Schreiben alle Sinne anzusprechen. Bilder, Gerüche, zu beschreiben wie sich etwas anfühlt. Bei „KORROSION“ wollte ich unbedingt mit riechen beginnen. Das Riechen ist etwas Unmittelbares, beinahe Primitives, dem wir nicht ausweichen können.

Woher die Idee kam weiß ich nicht genau, aber im Sommer grilliere ich gerne, das heißt es hat wahrscheinlich mit einem Steak begonnen. Dann hat die Fantasie das ihrige dazu beigetragen und nach ein paar Dutzend Gedankenspielen bin ich beim karamelisierten Bäcker gelandet. “

Wie wichtig sind Dir gute Charaktereigenschaften der Protagonisten in Deinen Büchern?
Peter Beck: „Sehr! Protagonisten müssen vor dem inneren Auge zum Leben erweckt werden. Dazu müssen sie prägnant, speziell, aber auch überraschend sein. Und ein Problem haben. Tom Winter, mein Held, ist als Sicherheitschef einer Bank immer im Dilemma zwischen Profit und seinem Drang, das Richtige zu tun.“

Bild: Peter Beck

Hast Du ein oder gar mehrere Haustiere?
Peter Beck: „Da ich mitten in der Stadt lebe und viel unterwegs bin, habe ich keine Haustiere. Am liebsten hätte ich eine Katze, aber sie müsste ich wegen dem vielen Verkehr einsperren. “

 

Da wir ja neugierig sind, hast Du sogenannte Laster? Oder bestimmte ‚Macken‘?
Peter Beck: „Eigentlich nicht. Wenn ich mich von außen so betrachte, hin ich eher langweilig und bequem. Ich sitze die meiste Zeit an meinem Schreibtisch. In Job-Interwievs habe ich auf die Frage nach meinen Schwächen immer gesagt, ich sei „stur“ und „perfektionistisch.

Wenn Du nicht schreibst – was machst Du dann?
Peter Beck: „Ich brauche acht Stunden Schlaf, mache gerne Sport, lese natürlich gerne und mache als selbstständiger Organisationsleiter Projekte. Dabei helfe ich Firmen, ihre Unternehmenskultur zu entwickeln, denn wenn die Kultur stimmt,  dann arbeiten die Leute gern, gut und auch produktiv. Aber wenn man die Werze nicht pflegt, dann rostet das Fundament der Zusammenarbeit, des Zusammenlebens, sei das in der Beziehung, einer Firma oder der ganzen Gesellschaft.

Bild: Peter Beck

Und wenn Du schreibst – wo ist das? Zu Hause oder im Café? 
Peter Beck: „Am besten konzentrieren kann ich mich an meinem Schreibtisch zu Hause.

Brauchst Du dann Ruhe oder kann es auch mal chaotischer um Dich sein?
Peter Beck: „Ich bin eher introvertiert. Im Chaos um mich herum wimmelt es von Ideen, aber um diese auf die Reihe und in Form zu bringen bevorzuge ich Ruhe.

Wer Thriller schreibt muss ja mutig sein 😉 Gibt es etwas vor dem Du Dich richtig fürchtest?
Peter Beck: „Da bin ich nicht mit einverstanden. Autoren sind Schreibtischtäter im Lehnstuhl. Mutig sind Menschen, die rausgehen und sich wirklich exponieren, beispielsweise die Ärzte ohne Grenzen, die in Kriegsgebieten ihr Leben für andere riskieren. Als Autor fürchte ich mich, abgesehen von den üblichen Verdächtigen der Urängsten mit denen wir als Menschen konfrontiert sind, davor die Leserinnen und Leser nicht gut genug zu unterhalten. Dagegen mache ich alles.“

Welches Buch oder welcher Film hat Dir Alpträume beschert?
Peter Beck: „Interessanterweise kann ich mich praktisch nie an meine Träume erinnern. Da ist wohl alles schön verdrängt. An Alpträume kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Erinnern kann ich mich aber, das ich als Kind nach „Aktenzeichen XY“ manchmal ganz schlecht geschlafen habe.“

Und was bringt Dich so richtig zum Lachen?
Peter Beck: „Situationskomik. Ein trockener Spruch im richtigen Moment, am richtigen Ort, ist Gold wert.

Selber lesen – ganz oft oder eher weniger?
Peter Beck: Ich bin süchtig und lese täglich. Nach einem harten Tag am liebsten in der Badewanne. Im Moment gerade Tana French. Letzthin las ich sämtliche Bernie Gunther Romane von Philip Kerr. Bernies Zerrissenheit und die clever verzweigten Stories sind genial. Ich liebe es, Krimis zu sezieren. Ich rechtfertige das mit ‚Research’, denn ich will unbedingt herausfinden, warum es mir jeweils den Ärmel reinnimmt.“

Hast Du ein absolutes Lieblingsbuch?
Peter Beck: „Nein, ‚absolut’ nicht. Meine Lieblinge änderten sich im Laufe der Zeit. Als Kind habe ich die ‚Rote Zora’ verschlungen. Revolution im Kinderzimmer. Dann habe ich alle Maigrets gelesen. Was wahrscheinlich ein Grund war, weshalb ich Psychologie studierte. Wenn ich heute einen Lieblingsautor nennen müsste: John le Carré. Er mischt verlorene Figuren, Zeitgeschichte und spannende Action.

Deine Protagonisten – holst Du Dir Inspiration in Deinem Umfeld? Oder sind die Männer und Frauen reine Erfindungen Deiner Fantasie?
Peter Beck: „Beides. Es ist immer ein Gemisch. Beobachtungen unterwegs, im Bekanntenkreis, Bilder aus den Medien und in meinem Kopf. Ich erarbeite einen Protagonisten wie eine Lehmfigur. Aber bis es eine ins Buch schafft, stampfe ich sie x-mal wieder ein.“

Eine ganz spontane Antwort, gerne mit Begründung: welchen Deiner Protas möchtest Du gerne mal treffen?
Peter Beck: „Tom Winter. In meinem Kopf habe ich schon so viel Zeit mit ihm verbracht. Ich kenne sein Innenleben, sein Verhalten, aber ich würde gerne mit ihm ein Bier trinken und herausfinden, wie er in der Realität aussieht, welche Farben seine Augen haben, wie er seine Haare geschnitten hat, etc.; denn diese Eigenschaften sind bewusst nirgends beschrieben. “

Und gleich hinterher: Welchen auf gar keinen Fall?
Peter Beck: „Der monumental böse Gegenspieler von Winter im nächsten Thriller.“

Kreiere uns einen Satz, mit dem ein Buch niemals beginnen oder enden sollte?
Peter Beck: „Vor dieser Frage muss ich kapitulieren. In Krimis geht ja – abgesehen von klaren Geschmacksverstauchungen – alles, auch ‚The End’ am Anfang’. Die Welt in 4D sozusagen. Hauptsache spannend.“

Bild: Peter Beck

WOW – lieber Peter, dass war ein sehr spannendes Interview mit Dir.
So ehrliche Antworten und Begründungen sind immer wieder ein Highlight für uns.
Ganz toll finden wir Deine Erwähnung der „Ärzte ohne Grenzen“ – da stimmen wir Dir zu einhundert Prozent zu.
Mit Deiner vorletzten Antwort hast Du uns natürlich auch gleich ein Merkkärtchen verpasst – der monumental böse Gegenspieler von Winter – auf den sind wir jetzt schon gespannt 🙂

Nun gibt es für alle hier eine Runde der leckeren Küchlein, die Peter Beck uns hier virtuell zur Verfügung stellt – greift nur zu – dass ist aber noch nicht alles.
Denn er hat noch einen drauf gesetzt!! Denn wir durften 3x das Buch „KORROSION“ verlosen (ist beendet).

Lieber Peter, ganz herzlichen Dank!
Für Deine spontane Bereitschaft zum Interview, Deinen tollen Antworten und natürlich für die Verlosung.

11 Kommentare

    1. Hallo Mikka, ging mir genauso. Peter Beck war mir total unbekannt aber durch eine Bloggerin und deren Empfehlung kam das Interview bei herum – ich bin nach wie vor fasziniert von all den liebenswerten Bloggermenschen 🙂
      Danke auch an Dich für die Verlinkung <3
      Liebe Grüße
      Kerstin

  1. Hallo,

    Ich kannte weder Autor noch Buch, vielen Dank fürs vorstellen. Scheint ein netter Kerl zu sein und die Fragen waren auch gut gewählt.
    LG Sonja

  2. Liebe Kerstin,

    es hat Spaß gemacht das Interview zu lesen! Die Einblicke in bestimmte Teile des Schreibprozesses sind gut gewählt.
    Deine Neugier auf den karamellisierten Bäcker kann ich total verstehen. Man fragt sich doch zu oft, wie ein Autor auf bestimmte Ideen gekommen ist 🙂

    Viele liebe Grüße
    Melli
    #litnetzwerk

    1. Hallo Melli,
      jaaa, absolut – ich frage mich ganz oft wie die AutroInnen auf ihre Iden kommen, gerade wenn es so ‚abgedreht‘ ist.
      Danke für Deinen Besuch, hat mich sehr gefreut
      Liebe Grüße
      Kerstin

    1. Hallo Anna,
      die Leserunde war schon klasse gewesen und als die Interviewfragen standen meinte er die wären ganz schön verzwickt – dass hat mich besonders gefreut, weil es gerade dadurch doppelt Spaß gemacht hat 😉
      Liebe Grüße
      Kerstin

  3. Ein sehr schönes und sehr interessantes Interview mit Peter Beck. Du hast genau die richtigen Fragen gestellt und wir Leser haben ein bisschen was aus dem Nähkästchen gelesen.

    Ich wünsche allen Teilnehmern ganz viel Glück.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    1. Danke Dir liebe Nisnis,
      es hat aber auch Spaß gemacht 🙂
      Liebe Grüße und Danke nochmals für Deinen tollen Tip.
      Kerstin

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