Im Plausch mit ...

Inca Vogt

Interview mit Inca Vogt
von crumb

Inca Vogt

 

Liebe Inca,

ich habe Dein Debüt „Gebrannte Kinder(Band 1 der Toni Amato- Reihe) gelesen & Du hast mir Dein zweites Buch „Götzenkinder(Band 2) zum rezensieren geben – vielen Dank an dieser Stelle dafür! Zwei sehr intensive Thriller, schon allein aufgrund der Thematiken!
Nun würden wir Dich und Deine Buchreihe unseren Lesern gerne vorstellen:

Welche zwei Charaktereigenschaften beschreiben Dich am besten?
Inca: „Nur zwei ist schwierig. Deshalb nenne ich Eigenheiten, die mich antreiben: Freiheitsliebe und Kreativität. Beide sind für mich untrennbar miteinander verknüpft. Ohne Freiheit keine Kreativität. Und Freiheit ist kreativ sein, ist das Spiel mit den Möglichkeiten, das Flirten mit allem was sein könnte. Ergänzend dazu Gerechtigkeitssinn. Dafür gehe ich auch im wahren Leben auf die Barrikaden und hole mir gerne mal eine blaue Nase oder schlimmeres.“

Da wir ja neugierig sind, hast Du sogenannte Laster?
Inca: „Ja! Schokolade. Ungeduld. Und laut meiner Lektorin einen Hang zum Perfektionismus, der sie wahnsinnig macht. Ich bekam in der Endrunde für Götzenkinder von ihr die gelbe Karte: „wenn du jetzt nochmal was änderst, musst du anmerken, dass dieser Thriller zwar lektoriert und korrigiert wurde, aber danach von der Autorin selbst mehrfach überarbeitet, lektoriert und korrigiert wurde. Das habe ich dann auch so ähnlich angemerkt. Natürlich hat sie auch nochmal drüber gesehen.“ (grinst)

Es gibt doch bestimmt noch ein Leben zwischen dem Bücher schreiben, wie sieht dies aus?
Inca: „Derzeit ehrlich gesagt nicht. Ich stecke in der heißen Phase für Band drei meiner Toni Amato Reihe. Da ist alles was dazwischen kommt, störend.
In normalen Zeiten, laufe ich stundenlang mit Musik auf den Ohren durch die Wälder, strampele auf dem Ergometer, züchte Bananenstauden, die ich Sallys nenne, nach einem geplanten Romanprojekt, und ich träume von einem Lebendhof für Tiere. Am liebsten hätte ich einen abgelegenen Aussiedlerhof.
Hinzu kommt das Übliche, was Autoren so tun. Lesen, ‚Games of Thrones’ ansehen, wieder und wieder … und viel zu lang auf Facebook abhängen. Ich habe mir aktuell den Stecker gezogen und husche nur noch schnell rein und wieder raus. Ich fürchte, ich bin ein Online-Junkie. (Noch ein Laster)“

Verrätst Du uns auch Dein aktuelles Buchprojekt? Am besten natürlich mit einer Tendenz zum Erscheinungsdatum.
Inca: „Band drei nach ‚Gebrannte Kinder’ und ‚Götzenkinder’ kommt, wenn alles planmäßig läuft, im Herbst. Auf jeden Fall noch in 2016.
Auf Halde liegt ein sehr frecher Krimi, der fertig geschrieben werden will. Vielleicht schiebe ich ihn zwischen Band drei und vier.
Eine kleine Überraschung wird es vielleicht kurz vor Erscheinen von Band drei geben. Ist aber noch nicht sicher.“

Hast Du einen Lieblingsort an dem Du bevorzugst schreibst? Muss es ruhig um Dich sein?
Inca: „Ruhe ist extrem wichtig, ja. Ich kann nicht mal Musik hören beim Schreiben. Es sei denn, ich verwende sie zur Einstimmung, wie in Band 1 in der ersten Toni Szene, in der sie ihrem (und meinem) Lieblingssänger Ed Sheeran lauscht.
Ich schreibe an verschiedenen Orten und in ganz unterschiedlicher Konzentration. Die ersten Rohtexte tippe ich mit einer enormen Schreibgeschwindigkeit und hoher Fehlerquote in meinem Bettbüro ins Programm. Ich denke schneller als ich tippen kann, und nur mit zwei Zeigefingern. Daher die hohe Fehlerquote. Die finalen Texte schreibe ich ganz klassisch und hochkonzentriert an meinem Schreibtisch. Im Sommer gönne ich mir Auszeiten auf der Außenlounge, inmitten eines begrünten Hofgartens, dessen Sitzplatz überdacht und damit blendfrei ist.“

Wenn Du eine Figur kreierst, hast Du diese dann bildlich im Kopf oder nimmst Du Dir gar Ideen aus deinem Umfeld? Wie entstand Toni Amato?
Inca: „Die bösen Jungs haben schon das eine oder andere Vorbild, aber nie 1:1. Mal mische ich eine üble Charaktereigenschaft einer echten Person mit meiner fiktiven. Mal gebe ich düsteren Typen den Vornamen von einer Person, die mich geärgert hat. Es ist also nicht ungefährlich, eine Psychothrillerautorin zu ärgern. Angeblich seien meine literarischen Todesarten recht ausgefallen und fies. Im wahren Leben fange ich jede Spinne und Fliege vorsichtig ein und setze sie in Freiheit. Bei den Zweibeinern, naja.
Toni sah ich ganz genau vor mir. Klein, quirlig, fahrig und ungestüm. Dazu ziemlich bockig und stur, wenn sie sich was in den Kopf setzt. Zwar ehrgeizig, aber nicht um jeden Preis.
Manches in ihrem Leben gleicht auch meinem Weg, sie war zuvor Werbetexterin und muss auf die harte Tour lernen, was es bedeutet, sich ohne Unterstützung der Familie durchzuschlagen.
Als ich die ersten Kapitel von Gebrannte Kinder fast wie in Trance runterschrieb, war sie noch nicht fest eingeplant. Ich wollte ursprünglich keine Ermittler integrieren.
Je tiefer ich in die Materie eindrang, desto klarer sah ich, dass ich Gegenpole benötigte. Sie ist eine Besetzung gegen den Strich, wie man im Filmgewerbe sagt. Weder blond, noch ein alkoholabhängiger Kommissar. Sie ist nur eine extrem neugierige und hartnäckige Journalistin, die nicht lockerlässt, bis sie ihre Geschichte im Kasten hat. Und sie hat ihren eigenen Kopf, auch während ich ihre Szenen schreibe. Vorausberechnen, wie sie jeweils reagiert, kann ich nicht. Toni ist wie eine kleine widerspenstige Schwester, die ihr Ding durchzieht und ich kann zusehen, wie ich sie da wieder raushole.
Damit stellt sie einen für mich wichtigen Gegenpol dar zu den ernsten Themen. Dank ihrer ungestümen Art, lockert sie auch ihre Schreiberin unterwegs auf. Ich lebe und leide ja mit allen Figuren extrem mit. Ihr Temperament, gepaart mit dem unbedingten Ehrgeiz, schlimme Zustände aufzudecken, treibt mich enorm an.
Klingt seltsam, als würde sie leben und neben mir sitzen. Tatsächlich ist das auch so. Für mich. Meine Figuren leben in der heißen Phase mit mir. Sie sind meine Familie, die Guten und die Bösen.“

Was genau reizt Dich am Schreiben des Genres „Psychothriller“?
Inca: „Ich lese bevorzugt Psychothriller und dennoch stellen sie für mich schreibend die größtmögliche Herausforderung dar. Ich mach es mir auch nicht ganz leicht mit der Dramaturgie, die ich eher wie ein Drehbuch, als ein klassisches Buch erarbeite. Ich habe zwar Plot und Storyline für jede der handelnden Figuren vor mir, aber da ich eher dynamisch als geradlinig schreibe, ist jedes Buch für mich ein Abenteuer, dessen Ausgang sich unterwegs verändern kann.
Genau das ist bei Götzenkinder passiert. Ich hatte ein völlig anderes Schlusskapitel geschrieben und einen runden Epilog fix und fertig. Beide habe ich komplett ersetzt durch einen Cliffhanger und unerwartete Begegnungen, die mich selbst überrascht haben.
Reine Intuition, die ich nicht erklären kann, die mich aber auch mit Bauchschmerzen zurücklässt, wenn die letzte Fassung bei meiner Lektorin liegt.
Auch unterwegs läuft nicht immer alles nach Plan. Ich jongliere mit mehreren Schicksalen und Handlungssträngen, die sich verselbständigen können. Daher ist in der Nacharbeitsphase nochmal extreme Kopfarbeit, Logik und Achtung gefragt. Ich muss den ganzen Film sehen, um die richtigen Schnitte und Blenden setzen zu können. Und zwar so, dass es am Ende ein rundes stimmiges Bild ergibt, aber unterwegs allenfalls rätselhafte Spuren hinterlässt.
Dieses Verweben macht für mich als Leser und Autorin den Reiz eines gut aufgebauten Psychothrillers aus. Neben dem Element der düsteren nicht greifbaren Bedrohung.“

Und gleich eine dazugehörige Frage hinterher: Warum solch tabuisierte Themen?
Inca: „Gute Frage, die ich mir gerade beim ersten Buch selbst stellen musste. Unterwegs merkte ich erst richtig, was ich da aufgetan hatte. Es war weitaus härter, als ich anfangs befürchtet hatte.
Der Grund ist ein sehr persönlicher. Ich gehe auf die Barrikaden, wenn unschuldigen Wesen unsägliches angetan wird, ich rege mich irrsinnig auf über Machtgier, Ungerechtigkeit, über Menschen, die rücksichtslos ihren Trieben und ihrer Gier folgen und dabei über Leichen gehen. Wenn ich in einem anderen Jahrhundert leben würde, wäre ich wahrscheinlich mit Schwert und Bogen losgezogen und hätte alles bekämpft, was böse, ungerecht und teuflisch ist.
Schreiben ist meine Art von Kampf oder Pranger. Meine Geschichten sollen den Opfern Raum, Bühne und Entwicklungsmöglichkeiten geben, die sie im Leben oft nur schwer erreichen.
Aber unterm Strich bin ich weder Richter noch Henker, sondern einfach nur Geschichtenerzähler. Das Urteil überlasse ich den Lesern.“

In welchem Gerne ist Deine persönliche Leseleidenschaft angesiedelt?
Inca: „Auch beim Psychothriller.“

Und als Abschluss, welches Buch ist Dir prägend im Gedächtnis geblieben? Weil es Dich z.B. ängstigte, großartig unterhielt oder gar als Autorin beeinflusst hat?
Inca: „Früher faszinierte mich Edgar Alan Poe. Mein Lebenspartner hatte alles von ihm in seinen Buchregalen, und ich habe alles verschlungen. Bei Poe ist alles hintergründig, doppeldeutig, auslegbar. Heute reizen mich realere Geschichten.
An erster Stelle alle Bücher von John Katzenbach. Prägend waren für mich auch Stieg Larssons Psychothriller. Sein Erzählstil und seine Dramaturgie sind vorbildlich für mich. Dennoch versuche ich nicht irgendwen zu kopieren, was speziell bei Stieg Larsson fatal wäre. Er ist leider viel zu früh gestorben. Ich würde schon ganz gerne mehr als nur drei Bücher hinterlassen.“

Was gibst Du uns und allen LeserInnen hier noch mit auf den Weg?
Inca: „Etwas, was ich als Quintessenz aus Götzenkinder mitgenommen habe, einer Geschichte, in der etliche Frauen sich den falschen Götzen verschrieben haben, und dafür ihr Leben lassen mussten. „Leben ist endlich, und unendlich wertvoll.
                                                                     Danke dafür!“

 

Wie spannend!! Unser erstes Interview – liebe Inca, wir danken Dir für Deine Bereitschaft unsere Fragen zu beantworten! Und für diese wirklich sehr offenen und Einblick gebende Antworten!!

Natürlich haben wir bei dem ersten Interview auch gleich die erste Buchverlosung (Beendet!) für Euch in petto!!

Hier erhaltet Ihr einen kleinen Einblick in Incas Welt 🙂 Ihre grüne Oase, samt kuscheligem Tiger & der Arbeitsplatz für die kreativen Prozesse:

arbeitsplatzgrüne oase

 

 

 

 

 

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