„In den Strassen die Wut“

In den strassen die wut

 

Erscheinungsdatum: 22.01.2016
AutorIn: Ryan Gattis
Verlag : Rowohlt
ISBN: 978-3499270406
Flexibler Einband: 608 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 16,99 €

 


5(+1) von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kasin
05.05.2016

Erst ein Funken, dann ein Flächenbrand – was ein geniales Buch!

Los Angeles 1992 – Freispruch der 3 Polizisten die den schwarzen Bürger Rodney King misshandelten. 
Ein Funken der einen Flächenbrand aus Gewalt und noch mehr Gewalt in dieser Millionenstadt auslöst.

„Wir haben hier unser eigenes ziviles Kriegsgebiet, und gerade hat es verdammt noch mal das falsche Opfer gefordert.“(S. 225)


Der Autor Ryan Gattis muss unwahrscheinlich gut recherchiert haben. Nur so kann ich mir diese Geschichte, dieses Buch erklären.„In den Strassen die Wut“ erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ist mit seinen 525 Seiten eine gewaltiges Buch voller Gewalttätigkeiten und doch hat es mich so fasziniert.
Vielleicht lag es daran dass in dieser Geschichte, unterteilt in den 6 Tages des Aufstandes, alle in der Ichform erzählten.
Sind die Protagonisten fiktiv? Egal, sie kamen mir so glaubwürdig rüber.
Underdogs, Chicas, Sprayer, Bosse und Oberbosse. 
Eine Krankenschwester, ein Feuerwehrmann, ein Soldat und viele, viele mehr.
Alle erzählen ihre persönliche Geschichte dieser Tage.
Jeder auf seine Weise, seine Sprache, seinen Stil und dabei so besonders und eingehend.
Stellenweise musste ich höllisch aufpassen in dieser LA- Hölle, denn die Menschen aus dieser Umgebung sprechen Straßenslang.
Mitglieder einer ‚clica‘, homies und chicas. Zum Glück gibt es ein Glossar, welches ich aber kaum brauchte, da viele Wörter sich in den Sätzen einfach selbst erklären.
Aber mal kurz zur Story:
Eingentlich ist ja Ernesto schuld, mit ihm fängt alles an. 
Ein junger Mann, dessen gesamte Familie und die Freunde in der Gang, der clica, ist, nur er nicht, er ist nicht drinnen, er hat Träume und dann lässt er sich einfach so umbringen.
Seine Schwester Lupe will Rache, die Gang steht dahinter und so führt eins zum anderen.
„Ich weiß ich bin bloß ein Krieger, kein Häuptling. Ich tue was man mir sagt.“(S. 354-355)

Es ist so genial geschrieben, die einzelnen Protagonisten die ihren Tagesablauf beschreiben, wie sie zu den einzelnen Gruppen/Gangs kamen und wie sie nach Möglichkeit wieder da raus kommen. 

Fast alle haben Träume, manche kleine andere riesengroße.
Dabei begegnen sich alle im Laufe des Buches hier oder da.
Wer aufmerksam liest entdeckt die einzelnen immer wieder in den Episoden.

Fast alle hatte schon im Vorfeld Dreck am Stecken, Drogen, Mord, Raub, die Bandbreite der Gangs ist groß und doch hat mich der Autor zu Symphatien geleitet die ich so nie erwartet hätte.

„Ich würde ihnen dringend ans Herz legen, kein Mitleid für sie zu empfinden.“(S. 384) Da kann ich nur sagen ‚Mist, das ist voll daneben gegangen‘, denn ich habe Mitleid empfunden.

Die Geschichte ist ein dauerhaftes rächen und Situationen ausnutzen. 
Hier werden alte Rechnungen beglichen und Gelegenheiten ergriffen, während LA brennt und die Polizei gar keine Zeit hat. 
Richtig groß, eingängig und fesselnd. Was eine Geschichte!
„Leute. Wacht auf. Wenn ihr schon Scheiß bauen wollt, dann baut richtigen Scheiß. Klotzen, nicht kleckern.“(S. 134)
Für dieses gigantische Werk vergebe ich 5 von 5 Sternen, plus einen Extra für das Bewusstsein, dass Lupe, Freer, Mikey, Trouble und wie sie alle hießen, mit ihren 16/17 Jahren doch eigentlich noch Kinder waren, damals 1992 in LA, mit all der Wut in ihren Bäuchen.

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

%d Bloggern gefällt das: