„Hagerstown“ von Edward Ashton

Inhalt laut Klappentext

Ein Virus löscht eine ganze Stadt aus –  doch deine Regierung erzählt dir nicht die Wahrheit …

Ein Video von nur wenigen Sekunden: Entsetzlich zugerichtete Leichen liegen auf den Straßen der Kleinstadt Hagerstown. Sobald das Video im Netz war, wurde es auch wieder gelöscht. Alle Suchanfragen laufen ins Leere, alle Wege in die Stadt sind gesperrt. Einer Gesellschaft, die ganz und gar auf Sicherheit ausgelegt ist, widerfährt etwas Unerklärliches. Und die Regierung schweigt. Die Angst vor dem Ungewissen droht zu Ausschreitungen zwischen den „Unveränderten“ und den gentechnisch modifizierten Eliten zu führen. Anders Jensen und seine Freunde suchen nach Antworten auf die Frage, was wirklich in Hagerstown passiert ist …

Die Genrezuordnung als Thriller für „Hagerstown“ und der kurze Klappentext hatten mich sehr neugierig gemacht – auf diese Stadt und was ihr bzw. den dort lebenden Menschen widerfahren ist.
Um diese kurze Erwähnung der „Unveränderten“ hatte ich mir erst einmal keine Gedanken gemacht und bin direkt beim Einstig in das Buch über den ein oder andern gestolpert, der dieser „Elite“ angehört.
Einer von ihnen ist Anders und sein Name ist ja schon Programm, denn er heißt nicht nur so sondern ist es auch, anders eben. Ihn und seine Freunde kennenzulernen hatte ja was.
Doug, ein Typ der mit einem fest an und in seinem Körper verankertem Exoskelett durch die Gegend läuft.
Gary, ein Computerfreak, der als Augmentierter immer und ständig Zugriff in das Netz hat.
Terry, eine Zufallsbekanntschaft und der „Gattung“ der Neandertaler angehört. WHAT? Ja, so ist es. Wer was auf sich hält, lässt die eigenen menschlichen Gene mit weiß der Geier was kreuzen. Am liebsten werden diese Maßnahmen an den eigenen Kindern vorgenommen, die sich dann als Erwachsene nicht entscheiden können, ob diese Idee genial oder total daneben war.
Willkommen in der Zukunft!

Bei all den gentechnisch Veränderten, seien es die „Hübschen“, die „Freaks“, oder solche denen man es gar nicht ansieht, gibt es eben auch die Normalos auch „Homo Sapies“ genannt. Und genau hier liegt der Knackpunkt.
Denn der Vorfall in Hagerstown scheint irgendwie ein Geheimnis zu bewahren, dass mit allen Mitteln von der Regierung auch als solches verbleiben soll.

Ich habe keine Ahnung, ob du mechanisch oder biologisch bist, aber du bist auf jeden Fall was Besonders.
(S. 9)

Science Fiction oder Dystopie hätte es besser getroffen. Denn all diese modernen Dinge, die Bugs und Mods, NatSec und Drohnen, Überwachung und Beeinflussung, führen einen schon weit in die Zukunft.
Zwar bin ich alles andere als großartig technisch bewandert, habe aber doch das meiste gut verstanden. Das könnte an den Beschreibungen liegen und an den Protagonisten, die sich und die anderen hier und da erklären und einem so eine schöne Übersicht über all diese mehr als seltsamen Männer und Frauen geben.

Die einzelnen Kapitel sind immer aus der persönlichen Sichtweise der Charaktere geschildert. Ihre Gedankengänge und Handlungen haben eine spannenden Jagd nach diesem Geheimnis eröffnet und ich hatte großen Spaß dabei, ihnen zu folgen.
Das könnte auch an den Dialogen liegen. Diese waren stellenweise sehr lustig und brachten mich mit gleichmäßiger Regelmäßigkeit zum schmunzeln und grinsen.

Wenn es kein Virus war, dann muss etwas anderes dafür verantwortlich gewesen sein. Aber was? Gift? Ein Todesstrahl? Voodoo?
(S. 85)

Vom Unterhaltungswert her fand ich Hagerstown großartig. Viele Dinge die (hoffentlich) noch weit in der Zukunft liegen und solche die gar nicht so abwegig sind.
Was mich störte, waren die besonders zum Schluss hin etwas übertrieben dargestellte Szenen, die schon deutlich in Richtung Fantasy gingen, das hat irgendwie nicht so ganz gepasst. In solch einer modernen Geschichte benötige ich persönlich nicht Saurons Auge oder irgendwelche hellseherischen oder visionäre Gestalten.

Wer einen Thriller im thrilligen Sinne mit Serienkiller und Co. erwartet, könnte enttäuscht werden. Wer aber mal eine abgedrehte, spannende und humorvolle Geschichte lesen möchte, ist mit Hagerstown bestens bedient.

Das war eine verrückte Woche, was?
(S. 351)

Wenn ich so überlege – einen Haus-Avatar, der die Wäsche macht und aufräumt, ja, den würde ich auch nehmen 😉

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆

– Andere Lesermeinungen –
Steffi von „angeltearz liest

 

Buchdetails
Titel: Hagerstown 
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Edward Ashton
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke
Verlag: Harper Collins
ISBN: 9783959670821 [Paperback, 352 Seiten, 14,00 € ]
— Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt von Steffi (Angeltearz liest)~ Danke Dir herzlichst–

9 Kommentare

  1. Hallo Kerstin,
    eine schöne Rezension, die du hier geschrieben hast! Ich war von „Hagerstown“ zunächst auch mal überrascht – im positiven Sinne, abgesehen vom Ende, auch wenn ich nach dem Klappentext etwas anderes erwartet hatte. Die Geschichte hatte was!
    Mir waren letztlich leider die Figuren, abgesehen von Gary, zu emotionslos. Bei der Ich-Perspektive braucht es dann schon mehr, als ich hier gefunden habe, um mich zu packen 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah
      ich denke das Ende hat bei vielen zum Punktabzug geführt, daß war einfach zu überdreht.
      Mir gefielen diese Dialoge ungemein, ein humorvolles Buch dessen Thema aber durchaus ernsthaft ist. „Kinder nach Wunsch“ ist ja gar nicht so abwegig, leider
      Danke für dein liebes Kommi
      Liebe Grüße Kerstin

  2. *hüpf* ich hab Lust auf abgedrehte Sachen 😀
    Und *schwupp* ist das Buch nun vorgemerkt (wollte erste Meinungen dazu abwarten)

  3. Liebe Kerstin,

    dann wird dieses Buch wohl nichts für mich sein, denn wenn die Fiktion doch eher in Richtung Dystopie unterwegs ist, dann wird es mir nicht liegen. Interessant erscheinen mir jedoch die Charaktere, die scheinbar vielschichtig und außergewöhnlich sind, das reizt mich dann wieder, aber der Blick in Richtung SuB lässt mich dann doch zögern.

    Viele liebe Grüße

    Anja

    1. Hallo liebe Anja
      bei dieser Geschichte waren es wirklich die Charaktere. Total außergewöhnlich auch wegen des ihres Äußeren (und Inneren) .
      Auf jedenfall bietet es eine tolle Leseunterhaltung, aber das der SuB auch mal vorgeht kann ich absolut nachvollziehen
      Liebe Grüße und hab einen schönen Sonntag
      Kerstin

  4. Das Buch klingt so, als könne es mir gut gefallen. Ich mah Dystopien und wenn dann noch Thrill und Humor dabei ist, klingt das eigentlich perfekt. Zu blöd, dass der Autor wohl am Ende zu dick aufgetragen hat. Ich behalte das Buch trotzdem im Auge.

    LG Gabi

    1. Hey Gabi
      ja das Buch könnte was für Dich sein. Die Protas sind echt ‚anderes‘ und die Dialoge genial.
      Wenn man den etwas überdrehten Schluss mal außen vor lässt ist es doch sehr gelungen.
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
      Kerstin

  5. Ich bin sowas von bei Dir, mir hat das Ende leider das Buch ziemlich verhagelt. Es war definitiv zuviel des Guten, was ich sehr schade fand.

    Hab eine tolle Restwoche und Danke für diese wundervolle Rezi.

    LG Ana

    1. Hey Anja,
      absolut, das Ende hat mir auch nicht zugesagt. Das war dann doch zu abgedreht. Alles in allem fand ich es gelungen auch wegen dem Humor.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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