„Girl on the Train“ | Paula Hawkins [Kerstin]

Bitterböse Geheimnisse

Inhalt laut Verlag

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse …

Wenn das Wörtchen WENN nicht wär…
…wäre ich nicht in den Lesegenuss und den Austausch mit der liebenswert verrückten Gruppe LeserInnen um den #SuBTrain gekommen.
…hätte ich „Girl on the Train“ niemals aus eigenem Antrieb hin gelesen.
…würde ich Rachels, Megans und Annas Geschichte nicht kennen.
Fazit: mir wäre diese sehr intelligent konstruierte Geschichte und die psychologisch gestrickten, kleinen, feinen und gemeinen Begebenheiten entgangen.
So bin ich eher durch Zufall in diesem Buch und dem Zug gelandet.
Eine sehr unterhaltsame und spannende Reise durch die Gedanken der drei Frauen.

Drei Frauen, somit drei verschiedene Perspektiven. Zeitsprünge von Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Man sollte meinen das ist verwirrend, ist es aber nicht! Der Aufbau der Geschichte ist, auch dank der einzelnen Kapitel, in denen jeweils der Name der Frau und der Zeitpunkt angegeben ist, übersichtlich gestaltet. Alles beginnt mir Rachel. Der Frau die im Zug sitzt, jeden Tag die gleiche Strecke. Morgens von Ahsburry nach London und Abends wieder zurück. Dabei haben es zwei Häuser Rachel sehr angetan. Man erfährt relativ schnell warum das so ist und fragt sich schon „Warum tut sie sich das an?“, „Kann sie nicht abschließen mit der Vergangenheit?“, „Gönnt sie anderen ihr Glück nicht?“, „Warum baut sie sich diese Traumwelt auf?“, „Hat sie jeglichen Bezug zur Realität verloren?“.
Man erfährt es, Seite für Seite, immer mehr und es hat mich kirre gemacht.
Dieses häppchenweise offenlegen von Situationen, die erst bei einem zweiten Blick eine ganz andere Bedeutung bekommen. Hier sind die Erzählungen von Megan und Anna so wichtig. Sah man anfänglich alles erst durch Rachels benebeltem Blick, wird es immer klarer und somit um so dramatischer.

Rachel hat mich stellenweise sehr wütend gemacht, nicht das ich sie einen schlechten Menschen nennen würde. Nein, ihre Probleme sind hausgemacht und im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass man das wörtlich nehmen kann. Alkohol, ihr bester (und einziger Freund?) sorgt dafür dass sie nicht mehr Herr ihrer Sinne ist, oder vielleicht doch? Ihre Sicht der Dinge und wie sie diese darlegt, zeigen anfänglich eine scheinbar verwirrte Frau. Doch sie ist ein starker Charakter, trotz ihrer Schwächen und das kam sehr gut rüber. Ihr Weg aus dieser ausweglosen Situation machte sie mir immer sympathischer.

Ich habe mich schon wieder in meinen eigenen Gedanken verheddert
(S. 156)

Megan, oder Jess, wie Rachel sie nennt, wohnt mit ihrem Ehemann in einem der Häuser. Ms. & Mr. Perfect – ein fleischgewordener Traum für Rachel. Glücklich Liebende in einer wunderschönen Gegend. Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt, das erfährt man durch Megan selbst. Bis sie spurlos verschwindet. Dadurch kommt das Band zu Vorschein, das diese zwei Frauen  miteinander verbindet. Nun löst sich der Nebel und spätestens wenn Anna dann erzählt, ist es klar zu erkennen. Alle drei Frauen haben eine Gemeinsamkeit!
Anna, ihre Rolle als Frau die sich ins gemachte Nest setzte, wird lange aufrecht gehalten und damit wurde ihr Unrecht getan. Eine Antagonistin die letztendlich gar keine ist.

Ein Erinnerungsfetzen führt zum nächsten
(S. 376)

Es sind genau diese Erinnerungsfetzen. Kurze Flashbacks die man nicht direkt zuordnen kann. Besonders Rachels immer abstruser werdenden Aussagen, auch der Polizei gegenüber, führen einen auf eine komplett falsche Fährte. Doch die Erzählungen werden immer präziser.
Einer Art Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen und man muss sich selbst eingestehen das alles nur Schein war. Die perfekten Menschen gibt es nicht. Die Guten sind es nicht und die Bösen sind es ebenfalls nicht.
Eine Art Maskerade, bei der nach und nach die wahren Charaktere gezeigt werden.

Wenn es um die Psyche geht, gibt es meiner Ansicht nach keine schnelle Heilung
(S. 317)

Mir hat dieses Schnörkellose gefallen, die Distanziertheit obwohl es sehr persönlich war.
„Girl on the Train“ kann ich allen empfehlen, die gerne in Geheimnisse versinken, solche aufgeklärt haben wollen und die Wert auf ausgefeilte psychologische Komponenten legen.

Da ich auch den Film gesehen habe (zeitnah nach dem Lesen) hier meine Kurzmeinung dazu:
Eine Top-Besetzung und eine sehr bedrückende Stimmung. Es geht irre schnell voran und doch finden sich immer wieder original Aussagen aus dem Buch wieder. Denn einen oder anderen „Sprung“ muss man hinnehmen, bei 446 Seiten kann unmöglich alles eingearbeitet werden. Der Film bewegt sich nah am Buch und doch würde ich es eher nochmal lesen anstatt anzuschauen – im Buch kommen all die Emotionen und Gedanken (verständlicherweise) viel deutlicher und authentischer rüber.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension

#SuBtrain –
Wörterkatze
Sven
Mademoiselle Facettenreich
Uli

Buchdetails
Titel: Girl on the Train
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Paula Hawkins
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0522-6 [Paperback]

8 Kommentare

    1. Hallo liebe Anja
      anfänglich mochte ich keine der drei aber das hat sich geändert und lesen lassen hat es sich wirklich super gut und schnell
      Auch liebe Grüße
      Kerstin

      1. Ich mochte sie bis zum ende ja alle nicht besonders. Am sympathischsten war mir noch Megan. Aber stimmt schon: trotz allem kann man das buch echt gut weg lesen.

  1. Es gab einige Leserstimmen, die an dem Buch kritisierten, dass es keine einzige wirklich sympthische Figur gab und sie nicht mit den Erzählerinnen warm werden konnten.
    Ich bin froh, dass Du die drei Frauen nicht so empfunden hast und das auch ganz klar rüberbringst. Schließlich hat jeder Mensch Seiten an sich, die nicht perfekt sind und man sollte eben doch z. B. hinter die die oberflächliche Schwäche Rachels und ihr Alkoholproblem sehen, um ihren ganzen Charakter zu überblicken. Und das gefällt mir gut an den Büchern von Paula Hawkins – dass ein Mensch eben ein Sammelsurium von guten und schlechten Eigenschaften ist und die Autorin das wunderbar darstellt.

    LG Gabi

    1. Hallo liebe Gabi,
      ich stimme dir absolut zu. Keiner ist rund und glatt, wir haben alle unsere Ecken und Kanten. Diese Frauen wussten ja um ihre Probleme und da hat mir gerade bei Rachel gefallen das sie es selbst erkannt hat.
      Gerade bei traumatischen Erlebnissen kann nicht jeder wieder in den Alltag springen, manche knabbern lange daran und leider zerbrechen auch genug dabei.Dafür stand Megan, wie ich fand.
      Liebe Grüße und eine schöne Woche für dich
      Kerstin

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