„Girl on the Train“ | Paula Hawkins [Janna]

Gefährlicher Blackout

Inhalt laut Verlag

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse …

Nachdem ich nun auch das Debüt von Paula Hawkins gelesen habe, bin ich definitiv ein Fan von ihr! Schon „Into the Water“ konnte mich überzeugen. Ich mag ihre Art der Geschichten-Erzählung, der ineinander drehenden Spiralen. Und auch dieses Buch ist schwer zu besprechen, kein Wort darf zu viel gesagt werden.

Rachel sitzt im Zug, dabei sieht sie täglich Jess und Jason. Aus dem Fenster heraus, beobachtend. Jess und Jason sind jedoch Megan und Scott. Doch Rachel glaubt sie zu kennen, spinnt sich deren Leben zusammen. Bis eines Abends jemand verschwindet und ihr jegliche Erinnerung an diese Stunden fehlen.

Zunächst lernte ich Rachel kennen. Danach Megan. Und eine weitere Protagonistin kommt zu Wort. Alle drei erzählen aus der Ich-Perspektive heraus und keine der drei wird einem vollständig sympathisch. Wobei, so ganz trifft das für mich nicht zu. Ich lernte sie kennen. Ich begann zu verstehen. Und gerade solche Charaktere finde ich persönlich sehr interessant und ja, keine wird bei (allen) Leser*innen Anklang finden. Ich jedoch mochte Rachel und Megan, eben aufgrund ihrer Ecken und Kanten.

Wie auch im zweiten Buch von Paula Hawkins, hat sie bereits in ihrem Debüt langsam auf das Ende hingearbeitet. Sie hat einen Hang zu Protagonisten die nicht aalglatt sind, sich mit alltäglichem Gedankenkarussell und Problematiken quälen – genau das gefällt mir!

Ich habe nichts mehr unter Kontrolle, nicht einmal die Orte in meinem Kopf
(Seite 21)

Schritt für Schritt, ruhig erzählt, erfährt man immer mehr. Und immer mehr Fragen stellte ich mir. Ich hatte so einige Theorien, worauf all das hinauslaufen könnte. Es gibt gewisse Sätze die wunderbar die Geschichte beschreiben würden und die ich nun gerne hier aufschreiben würde, doch damit würde ich schon zu viel verraten. Ich habe das Ende nicht kommen sehen, da sich mein Blick auf etwas anderes legte.

Dieser Roman hatte einen regelrechten Sog! Als ich das Buch las hatte ich wirklich ausgiebig Zeit zum Lesen und dennoch – ich habe es innerhalb von zwei Tagen ausgelesen, spricht für sich, oder?! Ich musste einfach weiterlesen, ich wollte wissen was an diesem Abend geschah! Als Megan verschwand. Der Abend an den Rachel sich nicht mehr erinnern kann.

Rachel übte einen gewissen Reiz auf mich. Sie hat Probleme, sie belügt sich selbst und versteckt sich in einer Beziehung die nicht ihre ist. Auch Megan macht neugierig, ihre kleinen Anmerkungen, bei denen man sich fragt, was sich hinter ihrer Fassade verbirgt. Auch die dritte Protagonisten lässt einen durch die Seiten huschen, einfach weil man wissen will was sie wahrnimmt. Nur ist sie die Person die mir wirklich am unsympathischsten war. Nicht aufgrund wer sie war, sondern wie sie über Rachel dachte.

Ob man die Protagonistinnen nun mag oder nicht oder so gar keinen Bezug aufbauen kann, die Geschichte sollte man lesen. Ein versteckter Thriller innerhalb des Romans und doch war es genau richtig, das Buch dem ‚Roman‘ zuzuordnen. Langsam arbeitet die Autorin auf das Ende hin, mit einem ruhigen Erzählstil zu einer einnehmenden Geschichte.

„Girl on the Train“ – die filmische Umsetzung
Leider werde ich etwas auf den Inhalt eingehen müssen, aber unter dem Spoiler findet sich auch eine Kurzinfo, ohne darin etwas vorwegzunehmen.

— Spoiler —

Im Buch, sowie auch im Film, wird der Fokus vom eigentlichen Täter genommen. Die Frauen stehen im Mittelpunkt – im Film leider nicht ganz so stark wie im Buch. Rachels Problematik wird im Verlauf zwar deutlich, wurde aber im Buch langsamer beschrieben. So konnte ich weitaus besser in ihre Träume, Wünsche und auch Ängste eintauchen (die Beobachtung Fremder, das Trinken). Megan erhält ihren Platz, mit ihrer wie auch im Buch erschütternden Geschichte, wird aber durch Rachel in den Hintergrund gedrängt. Innerhalb des Buches kommt sie weitaus mehr zu Wort. Und Anna – sie geht im Film fast unter!

Und das Tempo! Natürlich geht ein Film schneller voran, aber das war wirklich ein Gefühl von „Zack boom bäng“, der langsame Aufbau fehlte mir einfach. Gerade in Bezug auf Rachel. Sie beobachtet zwei fremde, gibt ihnen Namen, spinnt eine Geschichte zusammen und steht später vor seiner Tür. Es wird verständlich, aber es wird sich nicht wirklich damit auseinander gesetzt, da die Handlung so schnell voran geht. Somit fehlt mir einfach auch der männliche Part bei der Polizei zu dem Rachel Vertrauen aufbaut, sich einen Vertrauten wünscht, jemand der sie versteht – puff, gibt es im Film nicht. Und auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken werden in Form von einem Treffen der anonymen Alkoholiker den Zuschauern verständlich gemacht. Und sie erzählt dort von ihrem Blackout, jenen Abend, den sie im Buch von sich wegschiebt – es selbst nicht wahrhaben will. Wie Ihr seht, Kritik an Buchverfilmungen könnte eine eigenen (Buch)Rezension werden – man kann mich nie zufriedenstellen.

Was aber nicht grundlegend heißt der Film ist verschwendete Zeit. Die Besetzung ist schon mal wirklich gut und hatte dann doch die eine oder andere Überraschung parat! Ich kenne die Geschichte nur einfach mit mehr Details und ruhiger erzählt – aber dies wohl einfach ein Grundproblem von Buchverfilmungen.

— Spoiler Ende —

Kurzinfo zur filmischen Umsetzung:
Natürlich – erst lesen, dann gucken! Wen das Buch aber nicht interessiert, kann so viel mit dem Film dennoch nicht falsch machen. Natürlich fehlt einiges oder ist abgewandelt, aber ohne das Buch lässt sich der Film gut wegschauen.
Für die Kenner*innen des Buches: auch wenn die Verfilmung nicht schlecht ist, so bleibt es eben eine Buchverfilmung. Das Tempo ist hoch und einige Szenen so nicht wieder zuerkennen bis zu „das gab es doch gar nicht im Buch“. Ich weiß aber das andere ganz angetan waren und sie kannten das Buch, ich kann nur sagen das ich wohl nie ein Fan von Buchverfilmungen werde – sie aber dennoch immer wieder gucken muss.

Buch-Fazit

Das Buch hat ein, zwei minimale Schwachstellen – wirklich minimal! Aber im gesamten ein Lesegenuss, den ich nur empfehlen kann! Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆

1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension

– Weitere Eindrücke –
 Laberladen °
Tii und Ana’s kleine Bücherwelt °
Nightingale`s Blog °
Mademoiselle Facettenreich °

        Buchdetails
Titel: Girl on the Train
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Paula Hawkins
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0522-6 [Paperback]

16 Kommentare

  1. Liebe Janna,

    Mich konnte dieses Buch leider nicht so sehr überzeugen wie dich. Ich war von der Idee sehr angetan und war total auf die Umsetzung gespannt. Ich kannte den Film auch vorher nicht.
    Allerdings war ich dann einfach eher enttäuscht. Irgendwie war das Ende so unbefriedigend für mich und ich hatte Schwierigkeiten damit, es zu akzeptieren.

    (ACHTUNG SPOILER)
    Das sie durch ihren Alkoholkonsum wirklich IMMER so krasse Black Outs hat, dass sie sich an gar nichts mehr erinnern kann und einfach alles so hinnimmt, was ihr erzählt wird? Das fand ich doch etwas schwierig so hinzunehmen.

    Den Film möchte ich trotzdem noch gerne sehen!

    Liebste Grüße,
    Jenny

    1. Ohne SPOILER kann ich nicht antworten 😀 Macht für dich ja aber zum Glück nichts:

      Ich kann mir fast vorstellen, das dir der Film dann sogar etwas besser gefallen könnte! Zum Buch selbst, Kritikpunkte hatte ich auch (bspw. das Tom(?) und seine Eltern, Vergangenheit solch Fragen aufwerfen und die Antworten echt unbefriedigend sind), der Rest jedoch konnte mich überzeugen. Natürlich alles etwas überzogen und viele Schicksale, aber die Ecken und Kanten, die unterschiedlichen Perspektiven und die Art ihrer Erzählung (Paula Hawkins) gefällt mir einfach! Ich habe im engen Umfeld Alkoholiker und doch, wenn du regelmäßig, täglich, so stark konsumierst und dich ab einen gewissen Punkt des Tages/Abends nicht mehr erinnern kannst, dann verlässt du dich auf das Gesagte deines engen Umfelds. Alkoholismus hat viele tiefschwarze Löcher …

      Ich bin natürlich Fan, aber vielleicht versuchst du es mal mit „Into the water“? Als Buch – ich wäre mit einem Hörbuch überfordert gewesen 😀

      1. Ja, klar, bei so richtig starken Alkoholikern kann das natürlich vorkommen, aber ich muss sagen, dass ich Rachel nicht so extrem in der Rolle gesehen habe.
        Später hat es vielleicht zugenommen, aber sie hat ja quasi schon Jahre zuvor diese Black Outs gehabt und da hatte ich nicht das Gefühl, dass sie schon in so einer starken abwärtsspirale wäre.
        Ja ich habe schon öfter überlegt, mal ein anderes von ihr anzufangen und werde es wohl mal mit Into the Water versuchen 🙂

        1. Ich kann dich schon verstehen, aber find es auch einfach gerade interessant wie unterschiedlich wie Rachels Abwärtsspirale herausgelesen haben. Ich fand schon das sie schon seit vielen Jahren ein starkes Problem hat und damit auch die Gedächtnislücken einhergehen.

          Hoffe das zweite Buch gefällt dir – habs anders herum gemacht und „Into …“ gefiel mir etwas besser!

          1. Ja das ist wirklich interessant 😀 ich habe das so noch nicht betrachtet wie du und dann macht es auch insgesamt mehr Sinn, aber für mich wirkte es so einfach nicht! Aber dann werde ich dem anderen Buch auf jeden Fall mal eine Chance geben

  2. Hallo Janna,
    Den Film habe ich noch nicht gesehen, aber das werde ich vermutlich auch nicht. Das Buch jedoch habe ich zum Erscheinen vor ein paar Jahren gelesen und fand es unheimlichtoll! Die vielen durchwachsenen Meinungen zu Into the Water lassen mich bei dem Buch immer noch zögern. Mal schauen…

    Viele Liebe Grüße
    Chrissi

    1. Dann kann ich dir zum zweiten Buch der Autorin nur raten – ich finde „Into the Water“ im direkten Vergleich besser als „Girl on the Train“!

      Hab einen mukkeligen Sonntag!

  3. Schon interessant, wie unterschiedlich unsere Eindrücke zum Film sind.
    Ich fand den wirklich unglaublich lahm. Vielleicht hätte ich ihn auch nicht direkt nach beenden des Buches sehen dürfen. Er war durchaus gut umgesetzt, aber mir fehlte da wirklich unglaublich das Tempo, welches das buch durchaus hatte.
    Ich fand allerdings auch, dass im Film nicht besonders gut herüber kam, warum und wieso Rachel überhaupt diese „Beziehung“ zu „Jess“ und ihrem Mann hat. Im buch ist das ja wirklich fast obsessiv und das kommt im Film nicht gut rüber. Überhaupt hat sie sich im Film viel mehr im Griff, als sie es im Buch. Nun ja …

    1. Sehr genial – ich fand das ging alles viel zu schnell! Und kann dir nur zustimmen – Rachels Obsession kommt gar nicht gut rüber!

      Das Buch selbst gefiel, sowie auch „Into the Water“ und ich warte gespannt auf ein weiteres Buch der Autorin!

      Hab ein feines Wochenende!

      1. Hab mir „Into the Water“ noch nicht genauer angesehen. Bin auch noch nicht ganz sicher, ob mir „Girl on the train“ genug gefallen hat, um mir weitere Bücher der Autorin anzusehen … glaube aber eher nicht. Das Buch war okay, aber mehr auch nicht für mich.

  4. Danke für’s Verlinken! Schöne Rezi und ich gestehe, dass mir der Film besser gefallen hat, als das Buch.
    GLG und einen wundervollen Abend für Dich.
    LG Anja

    1. Guten Morgen meine Feine, danke!

      Und bitte?? Ts ts ts *lach – der Film ist für sich nicht schlecht, aber ich finde ihn im Vergleich schlechter. Aber wie auch bei Gabi (Laberladen – unten) schon geschrieben, bin ich sehr kritisch bei Buchverfilmungen. Da müssen wir bei „Raum“ dann wirklich Jahre dazwischen sein, damit ich nicht mecker, hihi

      Hab einen feinen Tag!

  5. Ich dachte mir schon, dass Dir auch dieses Buch von Paula Hawkins gefallen wird! Ein bisschen schräg und ungewöhlich und es gibt keinen richtigen „Helden“ in der Geschichte, denn alle haben Unzulänglichkeiten und machen Fehler. Ich finde, du hast sehr gut deutlich gemacht, was Dir an diesem Buch gefallen hat und genau das gefällt mir auch. Diese Art Bücher ist nicht immer mehrheitsfähig, aber wir haben da wirklich den gleichen Geschmack.
    Den Film dazu habe ich nicht gesehen und es ist wirklich eine Seltenheit, dass mir Buchverfilmungen gefallen, wenn ich das Buch sehr mochte (eine Ausnahme ist Gone Girl, da fand ich beides sehr gelungen). Ich kann es eben nicht lassen, Buch und Film zu vergleichen und das sollte man wahrscheinlich nicht, sondenr jedes für sich betrachten. Ich denke, ich werde mir den Film auch wirklich sparen, denn die vielen „Innenansichten“, die es im Buch gibt, kann man in einem Film wahrscheinlich gar nicht umsetzen.

    LG Gabi

    1. Hawkins-Fan, jetzt ganz offiziell! Ich liebe Protas mit Ecken und Kante und bin schon jetzt gespannt auf ein weiteres Buch der Autorin!
      Also Kerstin und Sven haben den Film gerne geschaut, aber ich bin ja bei Buchverfilmungen nie zufrieden. Auch „Gone Girl“ fand ich nicht gut umgesetzt, da das Derbe im Buch überhaupt keinen Raum gefunden hat – aber wird bestimmt nicht die letzte Verfilmung von einem Flynn-Buch gewesen sein – auch „Dark Places“ gibt es, ebenso nicht überzeugend. Leider, aber ich vergleiche wohl auch zu stark.

      Ich kann nur sagen, Hawkins Art die Geschichte zu erzählen, gefiel mir in beiden Büchern gleichermaßen – vielleicht lesen wir das kommende ja zusammen?!

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