Wenn Erwartung auf Tatsache trifft

Vom Wollen & Machen

Ich will! Das Wort ist mächtig.
Ich muss! Das Wort ist schwer.
Das eine spricht der Diener, das andre spricht der Herr!

Lass eins die beiden werden, im Leben ohn‘ Verdruss
Es gibt kein Glück auf Erden, als wollen, was man muss.
– Heinrich Freiherr von und zu der Tann (1650 – 1714) –

Vorwort

Natürlich gibt es weitaus politischere oder wichtigere Themen als das Buch und seine Welt – keine Frage! Aber doch schwirrt uns dieses Thema immer wieder im Kopf: Leser*innen und das Leseverhalten.

Immer wieder lesen oder hören wir „Mehr neue Ideen – weniger Alltagsbrei„. Dies zieht sich gefühlt durch so jedes Genre – Leser*innen wollen neue Geschichten, Leser*innen wollen keine überzogen dargestellten Protagonisten, Leser*innen wollen keine sich wiederholenden Geschichten … … …

Ein Beispiel

Um sich im sicheren Terrain zu bewegen nehmen wir mal die Ermittler*innen – gerne dürft Ihr in den Kommentaren andere Beispiele nennen!
In erster Linie wird gerne das Klischee eines Männerberufs bedient, denn in erster Linie sind es männliche Ermittler. Aber egal welches Geschlecht, kaum eine*r kommt ohne ein Alkoholproblem daher … Das dieser Beruf in der Realität einnehmend ist, belastet und im schlimmsten Fall eine Beziehung hinten anstehen muss, wollen wir hier gar nicht verneinen. In der Realität jedoch gibt es Supervisionen, Therapie-Angebote und Eheberatung.
Im Buch gibt es meist eines, Alkohol! Trinkende Ermittler*innen, die ihren Beruf dennoch hervorragend umsetzen können – oder meist persönlich betroffen sind, egal in welcher Form, tauchen immer wieder auf.
Muss es persönlich sein, um Spannung zu erzeugen?
Müssen Ermittler*innen immer psychische Probleme haben, damit deren Privatleben eingebaut werden kann?
Nein! Und doch sind es solche Krimis und Thriller, die zwar kritisiert aber immer und immer wieder gekauft werden.

Mainstream, Hype und Selfpublishing

Was heißt das eigentlich? Begriffe die fast jedem Leser und jeder Leserin bekannt sind, dennoch wollen wir eine kurze Erläuterung dessen schreiben, falls jemand unter Euch mit dem ein oder anderen Wort noch nicht in Berührung kam – keine Angst, das werden nur ein, zwei Sätze und keine Erörterung!

| Mainstream |
Es geht, bspw. bei Film und Buch, um Geschichten die der breiten Masse gefallen (sollen).

| Hype |
In Bezug auf unseren Beitrag: ein Buch das in aller Munde ist, auf jeder Plattform und jeden Blog zu finden ist. Wohin man sieht, das Buch sticht ins Auge.

| Selfpublishing |
Autor*innen die ihre Bücher ohne einen großen Verlag veröffentlichen, sondern über Selfpublishing-Plattformen.

Wenn Erwartung auf Tatsache trifft
Vom Wollen & Machen

Hier geht es aber nicht ausschließlich um den Vergleich von Selfpub-Titeln und Verlagsbüchern! Es geht um Mainstream und gehypte Bücher, um Neuerscheinungen im Vergleich zu alten Titeln und eher unbeachteten Werken.

Natürlich freuen wir uns immer sehr, wenn besonders unsere Besprechungen zu Selfpub-Autor*innen oder unbekannten Büchern besucht, gelesen und kommentiert werden. Immer mehr finden ‚unsere‘ Blog-Leser*innen den Weg zu solchen Büchern, aber die Klickzahlen sprechen dennoch eine andere Sprache:

Besprechen wir ein Buch, welches aktuell in aller Munde ist – meist eine Neuerscheinung – dann schnellen unsere Besucherzahlen in die Höhe. Ganz anders sieht das jedoch aus, wenn wir
1. unbekannte Titel
2. Bücher zu bestimmten Themen (psychische Erkrankung, Zweiter Weltkrieg, etc.)
3. ältere Bücher
besprechen und diese auf unserem Blog veröffentlichen

Natürlich lesen und besprechen wir ebenso Bücher die in aller Munde sind, davon nehmen wir uns absolut nicht aus! Aber wir versuchen auch anderen Büchern und Autor*innen einen Platz in unseren Regalen und auf unserem Blog zu schaffen. Ebenso besuchen wir auch andere Meinungen, zu Mainstream ebenso wie zu unbekannteren Büchern oder solche, die nicht von einem Verlag gepusht werden.

Und liest man einige Kommentare und spaziert durch die social medias der Buchwelt, vernimmt man immer Sätze wie „das habe ich schon unzählige Male gelesen, es langweilt“ und doch sind es genau diese Bücher, die hohe Verkaufszahlen aufweisen und immer wieder auf den verschiedenen Plattformen zu finden sind. Warum? Wenn wir als Leser*innen individuelle Bücher wollen, wenn wir Bücher wollen die sich mit eher tabuisierten Themen auseinander setzen, dann müssen eben wir auch zu solchen Büchern greifen und gezielt Meinungen zu eben diesen Titeln schreiben, lesen (und kommentieren)!

Seien wir mal ehrlich, wenn man sich in der Buchwelt bewegt, findet man zunächst die Neuerscheinungen von sehr bekannten Autor*innen und großen Verlagen. Wir wollen nicht sagen, dass diese schlecht sind – zu mindestens nicht alle – aber es ist, in der Mehrheit, Mainstream! Es sind keine Bücher die vom sicheren Pfad abweichen. Weil Autor*innen sich nicht trauen, weil Verlage den bewährten Weg gehen wollen, weil wir eben genau diese Bücher immer und immer wieder kaufen, lesen, rezensieren …

Ein so genanntes „Hype-Buch“ soll auch nichts negatives sein – es kann schon sehr neugierig machen, wenn ein Titel in aller Munde ist und wundervolle Rezensionen von einem bis fünf Sterne vorweist. Zumal nicht jedes gehypte Buch auch direkt Mainstream ist, und auch Mainstream nicht gleich negativ behaftet ist bzw. sein muss.

Ob Mainstream und ein Hype um einen bestimmten Titel nun toll ist oder nicht, wollen wir an dieser Stelle gar nicht ausdiskutieren. Es ist absolut nachvollziehbar das Bücher geschrieben und verlegt werden, die möglichst die breite Masse ansprechen, damit die Geschichte viel gelesen und gut verkauft wird. Auch Verlage und Autor*innen wollen schließlich nicht ab Monatsmitte hungern. Es gibt eine Vielzahl an Büchern, Filmen und Theaterstücken – das Rad neu erfinden ist kaum möglich, jedoch einer Geschichte eigenes Leben einhauchen sehr wohl!

Und dann haben wir ja auch noch die Neuerscheinungen vs.
– Backlist (Beim Verlag zu erwerben, aber keine Neuerscheinung)
– nicht mehr neu erhaltende Bücher (Kauf über Dritte)
( – SuB (Stapel ungelesener Bücher) )
Neue Bücher aus großen Verlagen oder bekannten Autor*innen sind meist Selbstläufer und es wird auf vielen Ebenen dafür geworben. Alten/unbekannten Titeln einen Weg durch die Überschwemmung an frisch erschienen Büchern zu schlagen ist schwer. Manchmal haben wir das Gefühl das Bücher ein Verfallsdatum haben. Das ist auch der Name völlig nebensächlich. Werden Bücher schlecht oder unser Anspruch zu hoch? Meinen wir – meint Ihr – Bücher können nicht gut sein wenn sie vor 20, 30, 40 Jahren geschrieben wurden? Verdienen Verlage und Autor*innen nicht auch an den Büchern die verkauft werden und bereit 5 Jahre und (weitaus) älter sind? Denn nehmen wir mal Verlage und Blogger*innen:
Rezensionen von Blogger*innen zu Neuerscheinungen werden vom Verlag in den social medias geteilt, die Fotos geliked und ähnliches. Bei den Rezensionen zu weitaus älteren Titeln sieht das schon ganz anders aus! Wobei ein Stückweit zwischen Groß- und Kleinverlag unterschieden werden sollte – was bereits ein Beitrag für sich wäre.

Unsere Theorie

Alt scheint staubig und langweilig zu sein. Neu hingegen glänzt, ist jedoch einfallslos. Was überall zu finden ist, macht aber neugierig und so kommt das Buch, was von allein vielleicht  gar nicht so im eignen Fokus stehen würde, doch ins heimische Regal.
Dabei gibt es solch großartige „alte“ Literatur, die auch den heute jungen Leser*innen gefallen kann.

Und wie ist das mit dem Mainstream? Hat einmal was funktioniert, muss es doch wieder klappen. Und wieder. Und wieder. Und wieder …
Wenn etwas gut ankommt, dann muss es schließlich gut sein. Und was gut ist wird ausgeschlachtet. Daraus resultieren unzählige Bücher mit der gleichen Thematik, hier und da im Verlauf etwas anderes, aber die meisten nach Schema F.

Und wir kaufen und werben fleißig – weil wir das böse Wort „Doppelmoral“ leben und wieder am Ausgangspunkt sind: wenn Erwartung auf Tatsache trifft – vom Wollen und Machen.

Fazit

Das Wollen und das Machen läuft nicht ganz konform! Ein Fazit können wir nur für uns ziehen – beides geht! Mainstream, gehypte Bücher und Neuerscheinungen, sowie außerhalb dessen lesen. Das was man fordert auch selbst umsetzen. Ihr werdet immer wieder bekannte Bücher aus Großverlagen bei uns finden, aber auch die eher unbekannten Titel von vielleicht eher unbekannten Autor*innen und Verlagen – Solche Geschichten, die sich in nur einem kleinen Lesekreis befinden. Da gibt es noch sehr viel zu entdecken!

Die Mischung macht`s!

Wie ist Eure Meinung dazu?


— Weitere Worte zu dieser Thematik —
° Martin Krist (Video)
° Elea Brandt (Artikel)
Ihr kennt noch andere Beiträge zu dem Thema? Her damit!

— Buchtipps unsererseits —
Verlags- und Selfpublisher-Bücher | alte & neue Titel | Vielfalt an Themen
Hierbei handelt es sich u.a. um veraltete Rezensionsdarstellungen!

° Fremd Gehen
° Saint Falls
° Tulpologie
° Prager Fragmente

° Jake Sloburn – Der Pakt
° Der Tiger in meinem Herzen
° Uns geht`s allen total gut
° Xenophobia
° Kill your Darling
° Der Pfad – Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit
° Die Welt, die ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale
° Anschlag von Rechts

— Weitere Blogs die sich auch außerhalb des Mainstream bewegen —
° Life4books
° Laberladen
° Schurken.Blog aka „DieLeserin“
Ein kleiner Auszug, wir sind offen für weitere Blogger*innen!

— Kleinverlage —
° Starks-Sture
° Solibro
° be.bra Verlag
° Festa
Gerne könnt Ihr Eure liebsten Kleinverlage nennen, die wir gerne mit aufnehmen!

67 Kommentare

  1. Huhu 🙂

    Ein toller Post, dem ich nur zustimmen kann!
    Ich neige leider auch dazu, die gehypten Bücher zu lesen. Obwohl ich hier nur zu den Büchern greife, die ich auch ohne Hype lesen würde… Trotzdem brauche ich momentan nicht mehr jedes neue Buch sofort und lese auch meine alten im Regal. Über diese Wendung freue ich mich wirklich 😀

    Liebe Grüße, Jana von Zauberhafte Bücherwelt.

    1. Huhu Jana – fast Namensvetterin 😉

      Es soll auch kein Zeigefinder-Beitrag sein, auch wir greifen, und das gerne, zu Neuerscheinungen, Hypes und auch mal Mainstream. Aber das darf einfach nicht alles sein bzw. darf es nicht die älteren und unbekannten Titel so untergraben. Wo aber eben auch wir als Leser*innen unseren Teil dazu beitragen, denn oft ist es doch so das das neu gekaufte Buch gerne Vorrang hat und der SuB warten muss. Und das man sich lieber auf seine bekannten Autor*innen verlässt als neues zu wagen – eben da wollen wir im ganz kleinen bei uns etwas gegenwirken – einen guten Mix aus allen Büchern zu versuchen!

      Hab noch einen feinen Abend!

  2. Huhu!

    Wahnsinnig toller Beitrag! Richtig gut geschrieben und spricht mir so aus der Seele. Ich bin teils so genervt von gehypten Büchern (leider waren darunter auch so einige Fehlgriffe) dass ich nicht mehr jedes neue Buch sofort haben muss und somit rezensiere ich auch gerne mal über „ältere“ Bücher oder auch Filme 😀

    LG Lia

    1. Hallo Lia
      vielen Dank für Dein Kommi. Merkst du bei deinen Rezensionen einen Unterschied in den Klickzahlen zwischen ‚alten‘ und ’neuen‘ Büchern? Uns geht es jedenfalls so. Bekannter Autor? Toppklicks. Unbekannte oder Selfpuplisher? Deutlich weniger. Das ist schon schade. Zu mal sich oft richtig tolle Geschichten dahinter verbergen.
      Werde mal zu dir stöbern kommen, nach alten Büchern 😉
      Liebe Grüße auch von Janna

  3. Liebe Janna,

    ein toller und absolut richtiger Beitrag! Ich merke den Unterschied zwischen gehypten und anderen Büchern auch an meinen Klickzahlen sehr deutlich. Allerdings habe ich bisher nie empfunden, dass Hypes immer das gleiche beinhalten. Für mich habe ich in gehypten Bchern auch schon außergewöhnliche Highlights gefunden aber genauso auch in weniger bekannten Büchern.

    Der Umstand, das einige Bücher mehr ins Rampenlicht gerückt werden, haben wir den Verlagen zu verdanken. Dass Bücher schnell alt werden, liegt an den Buchhandlungen. Schön finde ich, dass Blogger allerdings mittlerweile die Stimme haben, dem Trend ein wenig entgegenzuwirken. Das sollten viel mehr Blogger unterstützen. Wir neigen doch immer sehr dazu, Neuheiten Leser zu sein.

    Liebst,
    Jule

    1. Huhu Jule, lieben Dank! Meine Blog-Kollegin Kerstin hatte auch ihre Fingerchen drin 😉

      Ich bzw. wir wollen auch gar nicht sagen das jedes gehypte Buch identisch mit anderen sind, aber doch finden sich dort mehr Ähnlichkeiten zu anderen Geschichten als bei eher unbekannten Titeln. Aber stimmt, auch ein Hype-Buch kann begeistern, siehe „Und es schmilzt“ von Lize Spit!

      Ich denke es ist eine große Kette an Gründen. Neuerscheinungen werden natürlich weitaus mehr vom Verlag gepusht, eben deshalb findet man diese auch schneller in Buchhandlungen und wir als Leser*innen müssen eben etwas entgegenwirken finden Kerstin & ich! Natürlich findet man bei uns auch Neuerscheinungen, Hypes und Mainstream – wichtig ist aber, auch die älteren und unbekannten Titel im Auge zu behalten!

      Hab lieben Dank für deinen Kommi & wünsche dir noch einen mukkeligen Abend (=

  4. Hallo!

    Toller Post! Ihr habt vollkommen recht, alle meckern darüber, dass man Rezensionen zu Neuerscheinungen überall liest, aber wenn man mal ein älteres Buch oder ein Buch von einem unbekannten Autor rezensiert, wird das kaum geklickt. Da müssten sich alle mal bei der Nase nehmen, ich schließe mich da nicht aus.

    Ich wünsche euch noch viel Spaß beim #Litnetzwerk-Wochenende!

    Alles Liebe
    Barbara von Barbaras Paradies

    1. Hallo liebe Barbara,
      wir danken für dein ehrliches Kommi.
      Das Neuerscheinungen reizen geht uns ja auch so. Dazwischen mal ein ‚altes‘ aber wie du sagst, die sieht kaum einer.
      Hab einen schönen Sonntag noch
      Liebe Grüße

  5. Moin,

    ein wirklich cooler Artikel. Bin in allen Punkten voll und ganz Deiner Meinung!

    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Sonntag und morgen einen guten Wochenstart!

    Herzliche Grüße von meinem Lieblingsleseplatz,
    Verena

Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit Euren Gedanken! Wir freuen uns über Eure Kommentare und den Austausch!

%d Bloggern gefällt das: