„Elefant“ von Martin Suter

Der Fortschritt und seine kleine besondere Geschichte


Da sind diese Autoren, mindestens ein Buch schlummert auf dem sogenannten SuB, doch von Missachtung gestraft. Und dann kommt da plötzlich ein anderes kleines Büchlein dieses Autoren in meine Hände und ich bin verzaubert, fraglos warum ich bislang keines seiner Bücher gelesen habe. So erging es mir mit Carlos Ruiz Zafón und seinem dunklen Wächter und nun ebenso mit dem Elefanten von Martin Suter.

Diese Geschichte ist auf so vielen Ebenen einnehmend, berührend und fesselnd! Und sie bedient sich so vieler Thematiken, die ganz zart und leise eingebaut werden, sodass ich wirklich in die Geschichte gesogen worden bin. Mehrere kleine Handlungsstränge, welche sich zu zweien entwickeln, auf zwei Zeitebenen, um am Ende miteinander verwoben zu werden und einen Schritt in die Zukunft macht.

Die Gentechnologie – eine Thematik welche den Kern der Zeit trifft und auch zukünftig immer mehr Raum in unserem Leben einnehmen wird. Ob es sich um die Struktur von Gemüse & Co. handelt oder aber – wie in diesem Buch – sich mit der Manipulation der DNA von Tieren beschäftigt. Experimente! Ob sie nun den Fortschritt bringen, ethisch verwerflich sind – Suter wirft Fragen auf, ganz leise, ohne Antworten.

Schöpfung und Evolution – Ethik und Genmanipulation
All dies erhält seinen kleinen Platz auf den 348 Seiten. Ohne jedoch mit Moral daher zukommen. Es gibt kein Für und Wider. Und genau dies ist es was mitunter den Charme des kleinen Romans ausmacht.
2013 beginnt Roux sein Experiment mit den Elefanten. Bis 2015 verfolgt man dem Verlauf dessen, erhält leicht verständliche Informationen dazu. Es geht ihm um Ruhm und Anerkennung. Das kleine leuchtende Wesen.

„[…] der kleine rosarote Elefant. Das perfekte Spielzeug für die Kinder, die schon alles hatten.“

Sein erster Erfolg. Das worauf er seit Jahren hinarbeitet. Doch die Geschichte soll einen anderen Verlauf nehmen. Für die einen ein gelungenes Experiment, für Kaung den Elefantenflüsterer eine Gottheit, welche es mit jedem Mittel zu schützen gilt.

Neben der eben oben genannten Punkten fließen aber auch Obdachlosigkeit, Alkoholismus und zwischenmenschliche Beziehungen mit ein. Es mag nach viel klingen, aber all diese Themen lässt der Autor leise einfließen, überschwemmt auf keiner der Seite mit Handlungssträngen oder Informationen.

Das Buch selbst beginnt jedoch im Jahre 2016. Ein Jahr nach der Geburt des Elefantenbabys „Sabu Barisha“, sie beginnt mit Schoch, einem alkoholkranken Obdachlosen.

„[…] Ohne ein paar Bierchen? Ohne dieses kleine Glücksgefühl, das zwar nur zwei, drei Dosen lang anhielt, doch dann von etwas abgelöst wurde, was zwar nicht Zufriedenheit war, aber immerhin ihre kleine Schwester, die Gleichgültigkeit, wie sollte er da die Nachmittage und Abende totschlagen?“

Schoch weiß nichts von Roux oder Kaung oder über die Experimente hinter vorgehaltener Hand. Und doch steht es plötzlich vor ihm. Nicht größer als ein DIN-A-4 Blatt und doch echt. Schoch muss sich entscheiden und den Weg welchen er wählt, hält viele neue Wendungen für ihn bereit. Er muss Verantwortung übernehmen, sich einem anderen Menschen anvertrauen und was daraus entsteht, geht weit über die Freude einer solchen Entdeckung hinaus. Schoch hat eine Aufgabe, ein Glücksgefühl welches keiner Gleichgültigkeit mehr weichen muss. Es mag klischeehaft klingen, wirkt aber in keiner einzigen Zeile so!

Die zwei großen Themen des Buches werden gegeneinander gestellt, jedes für sich beleuchtet. Doch nach dem „Bösen“ und „Guten“ sucht man vergebens, dazu soll die Geschichte nicht dienen. Sie soll nachdenklich machen, einnehmen und genau dies tut sie. Sie verunsichert aber auch die Leser, man steht im Konflikt mit sich selbst. An der DNA von Tieren (und Menschen) zu experimentieren, sie zu manipulieren bin ich keine Befürworterin. Und doch hat mich dieser kleine leuchtende Elefant absolut eingenommen. Ich wollte es haben, selbst den Rüssel um meinen Finger spüren. Doch das eine geht nicht ohne das andere. Stehen die menschlichen Bedürfnisse über die Gesetze der Natur? Ist unsere heutige Forschung bereits in der Lage solch ein Wesen entstehen zu lassen? Keine Antworten, aber viele Fragen wirft das Buch auf und es war definitiv nicht mein letztes Buch des Autors, ganz bald wird „Der Koch“ vom SuB befreit!

Rezension verfasst von © Janna

    Buchdetails
Titel: Elefant
Buchreihe: Einzelband 

AutorIn: Martin Suter 
Verlag: Diogenes

ISBN: 978-3-257-06970-9  [Hardcover]

11 Kommentare

  1. Liebe Janna,

    eine tolle Rezension! ich habe bisher noch kein Buch von Martin Suter gelesen, doch dieses hatte ich schon öfter in der Hand. Du hast mich sehr neugierig auf das Buch gemacht, ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten. 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Hach, dankeee – es ist auch wirklich was anderes ein Buch fernab des Genres Krimi/Thriller zu besprechen. Klar will ich auch bei anderen Genres nicht zu viel verraten, aber es sind mehr Möglichkeiten für die Rezension (zu mindestens ist das bei mir so).
      Ich kann es wie gesagt nur empfehlen und bin sehr gespannt auf deine Meinung zum Buch!

      Liebe Grüße

  2. Hallo meine Liebe,
    Das hast du aber wieder fein geschrieben. Ich habe noch kein Buch von Suter gelesen, habe ihn aber auf der Buchmesse getroffen und da hat er auch den Elefanten vorgestellt. Seit dem bin ich sehr neugierig auf das kleine Büchlein, bis jetzt hat es aber noch nicht den Weg in mein Regal gefunden (besagter SuB Abbau und so…). Aber vielleicht werde ich mir das im Mai mal gönnen. Es klingt auf jeden Fall so, als wäre dieses Buch eine lohnende Anschaffung. 🙂
    Liebst, Julia

    1. Oh Dankeschön *-* Das freut mich immer wieder, da ich ja grundlegend sehr kritisch mit meinen Worten bin und an einer Rezi wirklich rumwurschtel bevor sie online geht

      Ich kann dir dieser zauberhafte Büchlein wirklich nur empfehlen – du huschst durch die Seiten und egal wie du über Experimente und alldem denken magst – du wirst eine klein e Sabu haben wollen! 😀
      Wirklich schön geschrieben dieser Roman!

      Hab einen erholsamen Feiertag!

      1. Oh, ich mag jetzt schon eine haben! ;D Um ehrlich zu sein schon in dem Moment, wo du das mit dem „kleinen Rüssel um den Finger spüren“ geschrieben hast. 🙂
        Und das mit dem sehr kritisch Sein kenne ich. Aber da brauchst du dir echt keine Sorgen zu machen. Ich finde, deine Beiträge sind immer gut durchdacht und schön formuliert. Bei euch beiden übrigens. Sonst hättet ihr wahrscheinlich auch nicht so viele treue Leser auf eurem Blog… 😉
        Liebst, Julia

        1. Du wirst „Elefant“ doppelt lieben – das kleine Tierchen und die Geschichte darum!

          Hach du Liebe :-*
          Immer wieder auch fein zuhören, das es doch nicht so viel Bockmist ist, wie man manchmal selbst denkt – aber so ist das wenn man ein eher kritischer Mensch ist.

            1. Mitbekommen habe ich deine Begeisterung ja schon – aber ich freue mich auch soo sehr das dich der kleine rosa Elefant ebenso in seinen Bann ziehen konnte & verzaubert hat <3

  3. Das liest sich ja interessant… ich habe mich schon bei einigen Büchern von Herrn Sute schon schrecklich gelangweilt (Der letzte Weynfeldt) ,aber jeder Mensch empfindet und liest ja ein Buch anders für sich…
    Herzlich
    Angela vom Literaturgarten

    1. Huhu Angela,

      freut mich wenn dich die Bücher des Autoren langweilen, aber meine kleine Meinung zu mindestens interessant ist (hihi)

      Die Buchwelt ist nun mal bunt – wie langweilig wäre es, wenn es zu jedem Buch die gleiche Besprechung geben würde bzw. alle Welt die selben Zeilen vor sich haben, somit kann ich dir nur zustimmen!

      Liebe Grüße und hab ein erholsames langes WE (=

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