„Drei Meter unter Null“ von Marina Heib [Hörbuch]

Inhalt laut Klappentext

„Sie tötet, um zu leben.
Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Der Weg der Gewalt ist nicht grundlos. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Der Tag, an dem sie eine Mörderin wird. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.“

 

Die Stimme macht es aus – definitv – für mich.
Anna Thalbach hat so ein angenehmes Timbre, dass sie mich total einlullte, in dieser Mordsgeschichte um eine Frau, von der ich am Anfang gar nichts wußte außer dass es da Dämonen in ihrem Inneren gibt.

„Ich werde niemals wieder so sein, wie ich war, bevor ich wusste wer ich bin. (Buch Zitat)

Warum nicht? Was ist ihr Geheimnis?
Was sind das für Dämonen, die ihr das Leben schwer machen?

Wann endlich werde ich es erfahren?
Sprich schneller, bitte, sprich schneller. Diese Stimme dringt mir in die Ohren und damit direkt ins Denkzentrum.
Dazwischen entfleucht aber immer wieder etwas dass mir ganz gewaltig ins Gefühlzentrum springt, mitten ins Herz.
So emotional zu erzählen gelingt nicht jedem.

Bei Büchern in Printausgabe kommt es oft vor das ich durch die Seiten fliege, gerade wenn die Spannung unerträglich ist – aber bei einem Hörbuch muss man sich gedulden und lauschen auf das was zu sagen ist und auch dem was nicht gesagt wird.

Die Geschichte dieser jungen Frau – beginnend in der Kindheit und den Eltern die sie behüten und liebevoll aufziehen – birgt Dinge, die man sich so nicht vorstellen kann. Man weiß es – da liegt irgendetwas im Argen. Der Dämon bahnt sich seinen Weg, doch dafür müssen Erklärungen her.
Alles will hinauf an die Oberfläche und es kommt, langsam, in kleinen Schritten, immer mehr und mehr bis zu den Zeitpunkt – dem großen Knall – der Wahrheit und all damit verbundenen Konsequenzen.

„Das Gestern war versunken in Fluten aus Schmutz, Schmerz und Erbrochenem.“ (Buch Zitat)

Die Sprecherin Anna Thalbach geht so sehr in dieser „Rolle“ auf – ihre Stimme passt sich an, facettenreich in allen Emotionslagen. Es ist diese Ich-Form, die einen hineinzieht in dieses Leben.
Leise, fast flüsternd wenn sie traurig ist.

Härter bei Wut und überschlagend wenn diese überhand nimmt.
Beruhigend umschmeichelnd und dann wieder hinterlistig und grausam wirkend.
Kein blablabla – sondern auf den Punkt. Wenn geschimpft wird, auf was auch immer, dann wird geschimpft. Keinerlei Schauspiel dabei – es ist einfach genial.

„Ich kenne mein Ziel. ICH.WILL.TÖTEN! Ich bin soweit – der Plan steht.“ (Buch Zitat)

So ganz am Anfang dachte ich „komm doch mal zur Sache“ – als sie dann zur Sache kam – holla – langsam – was geht hier ab? Was ist wann, wo und warum geschehen? Wie kann ein Mensch so abgebrüht und gleichzeit verletzt wirken. Als es herauskam, die Sache mit den “ Drei Meter unter Null“ habe ich begriffen.
Und soll ich was sagen – ich habe mich auf ihre Seite geschlagen.
Ja, auf die Seite einer Mörderin und es ist mir total egal.

Wie sie sich vorbereitet, ihre Rollen in denen sie sich unsichtbar macht um als ganz jemand anderes hervorzukriechen. Bereit den eigenen Dämon zu bekämpfen, bereit dafür andere büßen zu lassen. Bereit alles zurückzulassen und zu verzichten, nur um eines zu bekommen – Rache.

„Das alte Leben gab es nicht mehr, hatte es in Wirklichkeit nie gegeben.“ (Buch Zitat)

Die Kapitel sind angenehm von der Länge. Es gibt immer wieder Rückblicke. Diese Frau erzählt warum sie das wurde, was sie ist, bevor sie wusste wer sie war.
Es wird stellenweise brutal – sie mordet ja nicht aus Langeweile sondern aus Überzeugung und plant sehr genau was sie tut. Da geht auch mal etwas schief.

Meist sorgt man sich ja um die Opfer. Aber wer ist Opfer? Die Person die getötet wird? Die Person die tötet?
Opfer – Täter, manchmal verdrehen sich die Rollen.

„Ich weiß nicht ob es normal ist, weil ich inzwischen begriffen habe, dass Normal keine Kathegorie ist, von der ich ausgehen kann, wenn es um mich oder meine Beurteilung der Welt geht.“ (Buch Zitat)

Sie wirkt nicht normal – jeder Psychologe würde sie entweder mit Kusshand in Behandlung nehmen oder sie fluchend aufgeben.
Aber sie wächst einem ans Herz, sehr sogar.
All diese Zitate aus dem Buch – es war mit etwas Mühsal verbunden diese in der richtigen Zusammensetzung schriftlich festzuhalten. Zurückspulen, vorspulen, nochmal hören.
Aber sie sind es alle wert und ich hätte noch viel, viel mehr zitiern können. Die Sprache ist ein Genuss. Es kann durchaus vulgär werden aber dennoch hört (und liest) es sich so schön.

Eine absolute Hörempfehlung. Die Mischung aus psychologischem und langsamen aber stetigem Spannungsaufbau macht es sehr besonders und außergewöhnlich – wie diese Frau eben und ihre Geschichte um diese „Drei Meter unter Null“.

Rezension verfasst von © Kerstin

    Buchdetails
Titel: Drei Meter unter Null
Buchreihe: Einzelband

Autorin: Marina Heib | Sprecherin: Anna Thalbach
Verlag: Random House

ISBN: 978-3-8371-3773-6 [Audio Download 387 Minuten 12,95 €]

 

3 Kommentare

  1. Anna Thalbach hat das Hörbuch wirklich grandios vorgetragen.
    Die ganze Familie macht das einfach klasse!
    Schön, dass auch dir „Drei Meter unter Null“ so gut gefallen hat.
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Hallo Ela,
      irgendwie verfalle ich im Moment immer mehr den Hörbüchern und dieses war wirklich grandios.
      Das ihre Mutter auch Hörbüchern liest (oder sagt man spricht )ist mir bekannt, wer denn noch von den Thalbachs?
      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. * Katharina Thalbach
        * Nellie Thalbach
        * Anna Thalbach
        😉

        Ich höre komischerweise seit einem Jahr auch mehr als das ich lese.
        Liebe Grüße
        Ela

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